Olivia Kroth: Kuba wird Russland immer loyal verbunden bleiben

Kuba wird Russland immer loyal verbunden bleiben

von Olivia Kroth

In schwierigen Zeiten haben Russland und Kuba einander immer geholfen. Diese Freundschaft entstand in sowjetischer Zeit, als nach der kubanischen Revolution 1969 die Sowjetunion Kuba bei der Errichtung einer kommunistischen Regierung auf der Insel unterstützte. Russland hat eine Botschaft in Havanna und ein Generalkonsulat in Santiago de Cuba. Kuba wird durch eine Botschaft in Moskau und einen ehrenamtlichen Konsul in Sankt Petersburg repräsentiert. Die kubanischen Brüder Fidel und Raul Castro sind treue Freunde Russlands. Sie stärkten das Bündnis zwischen Kuba und der Sowjetunion, später der Russischen Föderation. Diese Verbindung basiert auf Solidarität und Vertrauen. Im Jahr 2016 erreichte die langfristige Völkerfreundschaft eine neue Intensitätsstufe. 

Fidel Castros erster Besuch in der UDSSR fand am 27. April 1963 statt. Sein Flug von Havanna nach Murmansk wurde der längste Flug jener Zeit ohne Zwischenlandung. Die Daten und Routen wurden geheimgehalten. Wie der Übersetzer mitteilte, waren alle Fenster mit Vorhängen verhängt, so dass niemand von Fidel Castros Begleitern sehen konnte, wohin sie flogen. Seine Reise durch die Sowjetunion dauerte 40 Tage. Der Führer der kubanischen Revolution besuchte viele Städte und Fabriken, geheime Militärstützpunkte und ein Atom-U-Boot. Er ging ohne Leibwachen durch Moskau, sprach mit Funktionären und einfachen Leuten.  Fidel Castro war der erste Ausländer, welcher das Podium des Mausoleums betrat. Er erhielt auch den Titel “Held der Sowjetunion” (ENGLISH RUSSIA, 29.04.2013). 

Fidel Castro in der UDSSR:

Als Fidel Castro am 13. August 2016 seinen 90. Geburtstag feierte, schickte ihm Präsident Wladimir Putin folgende Botschaft: “Bitte akzeptiere meine herzlichsten Glückwünsche zu deinem Geburtstag. Du geniesst als ausserordentlicher Staatsmann, der sein ganzes Leben dem Dienst am kubanischen Volk widmete, grossen Respekt in Russland. Man kann kaum deinen persönlichen Anteil an der Entwicklung von Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern hoch genug einschätzen. Ich bin zuversichtlich, dass diese Beziehungen auch in Zukunft ertragreich weiter wachsen werden. Sie leisten ihren Beitrag zur Erhaltung von regionaler Stabilität und Sicherheit. Ich wünsche Dir gute Gesunheit, ein langes Leben, Vitalität und Erfolg.”

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52695

Fidel Castro und Wladimir Putin:

Am 7. Mai 2015 nahm Raul Castro an der russischen Siegesfeier über die Nazis teil. Der kubanische Führer dankte Präsident Wladimir Putin für die Einladung nach Moskau, als der 70. Jahrestag des Siegs über Nazideutschland gefeiert wurde. “Ich wollte dieses Ereignis nicht versäumen”, sagte er und führte auch an, dass es auf Kuba gleichfalls Gedenkfeiern zu diesem Datum gab. Als Raul Castro mit dem russischen Präsidenten sprach, nannte er ihn “mein lieber Freund Putin” (TASS, 07.05.2015). Sein Besuch begann mit einer Kranzniederlegung am Gab des unbekannten Soldaten  vor der Kremlmauer. Nach Gesprächen mit Präsident Wladimir Putin traf sich Raul Castro mit Nikolai Patruschew, dem Leiter von Russslands machtvollem Nationalen Sicherheitsrat, um über regionale und internationale Themen zu reden. Im April 2016 wurde Raul Castro erneut als Leiter von Kubas Kommunistischer Partei bestätigt. Seitdem setzt er Kubas russlandfreundliche Politik fort.

Raul Castro in Moskau zur Feier des 70. Jahrestags über Nazideutschland:

Heute hat das Bündnis zwischen Kuba und Russland eine neue Ebene erreicht. Russland bietet Kuba 55 bilaterale Kooperationsprojekte, die von 2016 bis 2020 durchgeführt werden. Dieser Wirtschaftsplan umfasst Projekte im Bereich von Energie, Eisenbahn, Informationstechnologie und Flugzeugindustrie. “Die russische Investmentfirma Sinara-Gruppe wird ab Anfang 2017 Lokomotiven nach Kuba exportieren. Der Transportmaschinenhersteller Transmasch-Holding wird Passagierwaggons exportieren, die Energiefirma Inter-RAO nimmt an der Konstruktion des Thermalwerks Maximo Gomez im Osten von Havanna teil. Sie wird auch die bereits vorhandenen Thermalkraftwerke in Kuba modernisieren. Die Hydroelektrikfirma RusHydro arbeitet bereits an einem Angebot zum Bau von 16 kleinen hydroelektrischen Kraftwerken für Kuba. Die Firma Ivekta plant, verschiedene Fahrzeuge und Material für den Strassenbau nach Kuba zu exportieren. Rosinform hat ein Projekt zur Schaffung eines Internetprogramms für die kubanische Regierung vorbereitet. Uralchimmasch ist bereit, ein Depot zur Aufbewahrung von flüssigem Hydrokarbongas zu bauen”(TASS, 27.04.2016). 

Präsident Wladimir Putin in Kuba:

Kooperation im militärischen und Geheimdienstbereit hat immer eine grosse Rolle in den russisch-kubanischen Beziehungen gespielt. In der Sowjetzeit war Lourdes SIGINT aktiv. Diese russische Anlage steht 30 Kilometer südlich von Havannna. Sie wurde von dem sowjetischen Auslandsgeheimdienst betrieben. Die Konstruktion auf einem Gelände von 73 Quadratkilometern begann 1962 und wurde 1967 beendet.  Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges waren dort 1.500 russische und kubanische Geheimdienstleute, Ingenieure und Techniker tätig. Das Zentrum spielte eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung von Nachrichten, die Einrichtung wurde mehrfach modernisiert. In Lourdes wurden Daten von US-amerikanischen Kommunikationssatelliten abgefangen, sowohl von Erdkabeln als auch Berichte von dem NASA-Zentrum im nahe gelegenen US-Staat Florida. In Lourdes hörten kubanische und russische Geheimdienstleute gemeinsam Telefone in den USA ab. In der postsowjetischen Ära nach 1991 wurde die Einrichtung von Lourdes für Industriespionage verwendet.  2002 wurde die Anlage geschlossen. Man erneurte die Gebäude für die kubanische Universität der Informationswissenschaft.

Lourdes SIGINT:

Seitdem die NATO sich den russischen Grenzen nähert, macht es Sinn für die Russische Föderation, den Stützpunkt Lourdes auf Kuba wieder zu eröffnen. Tatsächlich hat der Kalte Krieg nie aufgehört, sondern in neuem Millenium ein neues Stadium erreicht. Im Oktober 2016 informierte das russische Verteidigungsministerium, dass in Planung sei, die militärischen Stützpunkte der Sowjetunion im Ausland wieder zu aktivieren. Der stellvertetende Verteidiungsminister Nikolai Pankow antwortete in der Staatsduma auf die Frage, ob das Militär nach Lourdes auf Kuba zurückkehren werde: “Wir arbeiten daran.” In der Staatsduma wurde das Thema diskutiert, Russlands Militärstützpunkte in Lateinamerika, Südostasien und Afrika zu reaktivieren (TASS, 07.10.2016).

Die Wiedereröffnung des Stützpunktes Lourdes auf Kuba wird der Russischen Föderation ermöglichen, Streitkräfte in ausreichendem Umfang in der westlichen Hemisphäre der Welt bereit zu halten, um allen Eventualitäten angemessen zu begegnen. Diese Base ist eine Form von Direktinvestition im Ausland. Sie dient ausserdem als Mittel, starke bilaterale Bande zu knüpfen. Vom kulturellen, politischen, militärischen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Russland und Kuba werden beide Seiten profitieren. Sicherlich bereitet das russische Verteidigungsministerium eine sorgfältige Studie und objektive Kalkulation des politischen und wirtschaftlichen Werts vor. In naher Zukunft kann Kuba nicht nur russische Touristen an den wunderbaren Sandstränden der Insel willkommen heissen, sondern auch russisches Geheimdienstpersonal und Militär in Lourdes, südlich von Havanna. Die NATO in Osteuropa, die Russen auf Kuba – diese Gegenmassnahme wird die Waagschalen im Gleichgewicht halten und die globalen Kräfte  sinnvoll austarieren.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt zurzeit in Moskau.  Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Publicado en Cuba, Rusia | Etiquetado , , , , , , , , , , , , , , , | Deja un comentario

Olivia Kroth: Cuba will always be Russia’s loyal ally in Latin America

Cuba will always be Russia’s loyal ally in Latin America 

by Olivia Kroth

In difficult times, Russia has always stood on Cuba’s side and vice versa. This friendship dates back to Soviet times, when the Soviet Union helped Cubans to establish a Communist government on the island after the Cuban Revolution, in 1969. Russia is represented with an embassy in Havana and a consulate-general in Santiago de Cuba. Cuba has an embassy in Moscow and an honorary consulate in Saint Petersburg. The Cuban brothers Fidel and Raul Castro are faithful friends of Russia. They strengthened Cuba’s alliance with the Soviet Union and later the Russian Federation, based on the principles of solidarity and trust. This long-time friendship between both countries has reached a new level of intensity, in 2016.

Fidel Castro’s first visit to the USSR dates back to the 27th of April 1963. His flight from Havana to Murmansk became the longest non-stop flight of that time. The dates and routes were kept in secrecy. According to the translator all windows were curtained and nobody who accompanied Fidel Castro could know where they were flying. His journey through the Soviet Union lasted for forty days. The leader of the Cuban Revolution visited a lot of cities and numerous factories, secret military bases as well as a nuclear submarine. He walked through Moscow without security guards, talked to the authorities and ordinary people. Fidel Castro was the first foreigner to step on the podium of the mausoleum. He  received the title of Hero of the Soviet Union (ENGLISH RUSSIA, 29.04.2013). 

Fidel Castro in the Soviet Union:

When Fidel Castro turned 90, on the 13th of August 2016, President Vladimir Putin sent the Cuban leader a birthday message: “Please accept my warmest wishes on your birthday. You enjoy deep respect in Russia as an outstanding statesman who devoted his entire life to serving the people of Cuba. It is hard to overestimate your personal contribution to the development of friendship and cooperation between our countries. I am confident that these relations will continue to develop fruitfully in the future, contributing to regional stability and security. I wish you good health, longevity, vitality and prosperity.”

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52695

Fidel Castro and Vladimir Putin:

On the 7th of May 2015, Raul Castro participated in the Russian celebration of Victory Day. The Cuban leader thanked President Vladimir Putin for the invitation to visit Moscow as it marked the 70th anniversary of victory over Nazi Germany. “I could not have missed this event,” he said, noting that Cuba also marked the date with remembrance events. Speaking with the Russian President, Raul Castro referred to him as “dear friend Putin” (TASS, 07.05.2015). He began his visit by laying a wreath at the Tomb of the Unknown Soldier near the Kremlin walls. After talks with President Vladimir Putin, Raul Castro also met the head of Russia’s powerful National Security Council Nikolai Patrushev for talks on regional and international affairs. In April 2016, Raul Castro was  reelected as head of Cuba’s Communist Party, reassuring Cuba’s friendly politics towards Russia.

Raul Castro and Vladimir Putin:

Today, the Cuban-Russian alliance is reaching a new level. Russia has offered Cuba 55 bilateral cooperation projects, to be carried out between 2016 and 2020. The establishment of the new economic agenda includes energy projects, railway infrastructure, information technology and aircraft industries. “The Russian investment company Sinara Group will export locomotives to Cuba, begining in 2017. The transport machine-building company, Transmashholding, will export passenger railcars, the energy corporation Inter RAO plans to partake in constructing the Maximo Gomez and East Havana thermal power plants’ power units and also to upgrade the operating power units of Cuban thermal power plants. RusHydro, the hydroelectricity company, is already participating in a tender for the construction of 16 small hydroelectric power stations. The Ivekta company plans to export to Cuba roadbuilding equipment and various vehicles, Rosinformexport has prepared a project on the creation of e-government in Cuba while Uralkhimmash is ready to build a park for the storage of liquefied hydrocarbon gases” (TASS, 27.04.2016). 

Russian Embassy in Havana:

Military and intelligence cooperation has always played a predominant role in Russian-Cuban relations. During the Soviet era, the Lourdes SIGINT (Signals Intelligence) facility, located 30 kilometres south of Havana, was a large facility operated by the Russian Foreign Intelligence Service (SVR). It was constructed in 1962 and commissioned in 1967. The SIGINT facility occupied 73 square kilometres. At the height of the Cold War, the facility was staffed with 1.500 KGB, GRU and Cuban DGI intelligence officers, engineers and technicians. The centre played a key role in obtaining intelligence, with its equipment repeatedly modernized. The Lourdes facility intercepted data from US  communications satellites, ground-based telecommunications cables as well as reports from the the US Mission Control Centre of NASA in the nearby US state of Florida. In Lourdes Cuban and Russian intelligence personnel jointly listened to telephone conversations in the USA. In the post-Soviet era after 1991, the Lourdes facility was used for industrial espionage. In 2002, it was closed and the buildings were reconstructed for the Cuban University of Information Science.

Lourdes SIGINT facility in Cuba:

Since NATO is approaching Russian borders, it might make sense for the Russian Federation to reopen its base in Lourdes on the island of Cuba. In fact, the Cold War never ended but reached a new level in the new millenium. In October 2016, Russia’s Defence Ministry was reported to consider the option of returning to military bases in the countries, where they were in Soviet times, Deputy Defense Minister Nikolai Pankov told the State Duma legislators. “We are working on this,” he said in response to a question whether the military authority planned to return to the base in Cuba. The State Duma discussed the issue of restoring Russian military bases in Latin America, Southeast Asia and Africa (TASS, 07.10.2016).

Cuban leader Raul Castro with Russian Defence Minister Sergei Shoigu:

Reopening the Lourdes base in Cuba will allow the Russian Federation to quickly build and sustain sufficient combat power to influence events in the western hemisphere. So this base may be considered as a form of foreign direct investment. It also matters as a mechanism to build strong bilateral ties. Russian-Cuban cultural, economic, political and military ties will benefit both parties. Certainly the Russian Ministry of Defence is preparing a careful map study and an objective calculation of political and economic value.  In the near future, Cuba might not only welcome Russian tourists on its beautiful beaches, but also Russian intelligence and military personnel in Lourdes, south of Havana. NATO in Eastern Europe, Russians in Cuba – this countermeasure will keep the global scales in balance for a proper equilibrum of forces.

Olivia Kroth: The journalist and author of four books currently lives in Moscow. Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

 

 

Publicado en Cuba, Rusia | Etiquetado , , , , , , , , , , , , , , , | 1 Comentario

Olivia Kroth: BRICS Wasserforum in Moskau

BRICS Wasserforum inMoskau

von Olivia Kroth

In Moskau fand Ende September 2016 eine Konferenz von BRICS statt. Wissenschaftler und Politiker der Mitgliedsstaaten diskutierten Themen, welche die Wasserversorgung betrafen. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen internationale Aspekte des Wasserverbrauchs. Viele Themen der Wassernutzung und des Wasserschutzes sind international von Relevanz, nicht nur für Russland, sondern auch für die Partnerstaaten Brasilien, China, Indien und Südafrika.  

Die Frischwasserversorgung ist heute eine der wichtigsten globalen Aufgaben. Sie ist schwierig wegen wachsenden Wasserverbrauchs, geringer Nachfüllung der Wasserresourcen und äusseren Faktoren wie Klimawechsel. Sie alle führen zu einer Verknappung von Wasser. Dieses ist jedoch wichtig, um menschliches Leben und andere lebende Organismen zu erhalten, zudem wird Wasser in den meisten Sektoren der Wirtschaft für Produktionsprozesse gebraucht. Für die Lösung der Probleme sind eine gemeinsame Planung und Entwicklung der Wasserversorgung sowie Technologien zur Wasserwiederverwertung notwendig.

“Eine Diskussion der weltweiten Wasserkrise ist überfällig. Es scheint so, als verfüge unser Planet über grosse Wasserresourcen, aber diese sine ziemlich ungleich verteilt.  Die Natur folgt ihren eigenen Gesetzen, die wir nicht ganz verstehen. So können wir nicht zuverlässig voraussagen, wieviel Wasser manche Gegenden nächstes Jahr haben werden”, sagte Wladimir Kirillow, Leiter des Labors für Wasserökologie am Institute für Wasserökologie der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sibirien. “Es gibt Probleme, die mit der Wasserquantität und -qualität zu tun haben. Hier hängt alles von den Menschen ab. Diese beiden Bereiche müssen sorgfältig beobachtet werden. Die existierenden Überwachungssysteme sind nicht auf der Höhe unserer Zeit. Ich denke, dass dies eines der Themen sein wird, die von den BRICS-Mitgliedsstaaten zu diskutieren sind. Das Forum soll dem Austausch von Erfahrungen bei den weltweit praktizierten Methoden der Wasserversorgung dienen” IZVESTIA/RUSSIA & INDIA REPORT, 12.05.2016). 

https://issek.hse.ru/en/bricswater/

Am 29. September 2016 fand die erste Plenumssitzung dieser wissenschaftlichen Konferenz statt. Sie behandelte die Kooperation der BRICS-Länder hinsichtlich ihrer Wasserversorgung. Die Sprecher für Russland waren Wadim Nikanorow und Michail Bolgow. Wadim Nikanorow von der Föderalen Agentur für Wasserresourcen in Russland berichtete den Experten von den Erfahrungen der Russen mit grenzübergreifender Wasserregulierung. Michail Bolgow, der Repräsentant des Instituts für Wasserproblematik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, sprach über Russlands wichtigste Aufgaben in der Wasserstrategie bis 2030.

For Südafrika präsentierte Barbara Schreiner, Vorsitzende der Kommission für Wasserforschung am Pegasus-Institut, das Thema “Wasserforschung in Südafrika”.  Francisco de Assis de Souza Filho von Brasiliens Föderaler Universität in Ceara sprach über “Wasserresourcen – Behandlung, Erforschung, Ausbildung”. Der chinesische Referent Jun Xia vom Forschungsinstitut für Wassersicherheit an der Universität Wuhan sprach über “Klimawechsel und Wassersicherheit in China”. Als Sprecher für Indien erklärte Anumita Raj von der strategischen Planungsgruppe den “Index des BRICS Wasserkooperations-Quotienten”.

Danaach folgte die Präsentation des Rahmenprogramms “Saubere Flüsse für BRICS”. Abil Wesirow vom Zentrum für Entwicklung der russischen Wasserindustrie behandelte Probleme der Säuberung von Wasserflächen. Nachmittags traf sich die Gruppe der BRICS Netzwerkuniversität zur Diskussion von Wasserresourcen, moderiert von Oleg Sawichew (Polytechnikum Tomsk). Die Erfahrungen von Sankt Petersburg könnten auch für andere BRICS-Staaten hilfreich sein, wenn sie für ihre speziellen Bedürfnisse modifiziert werden. Sankt Petersburg, Russlands zweitgrösste Stadt, hatte Erfolg bei der Reinigung der Newa. Verschiedene Massnahmen umfassten die Errichtung von Dämmen, ein Stauwehr und einen Tunnel. Dadurch wurde Überflutung verhindert, die vorher jedes Jahr in Sankt Petersburg eingetreten war.

Der erste Konferenztag in Moskau endete mit einem Runden Tisch. Die Teilnehmer diskutierten  “Behandlung von Wasserresourcen für die Landwirtschaft des Wirtschaftsgürtels der Seidenstrasse – Erfahrungen von China und BRICS”.  Dieses Thema wurde von Roman Girenko von der russischen Agentur für Systemdesign moderiert. Der Wirtschaftsgürtel der Seidenstrasse ist ein Projekt zur Schaffung eines Transport-, Energie- und Handelskorridors zwischen asiatischen Ländern und Mittelmeeranrainern. Der Name des Projekts erinnert an die Handelsstrassen von Karawanen im Mittelalter, welche durch das Territorium von China, Korea, Mongolien, Russland, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Bangladesch, Bhutan, Nepal, Pakistan, Afghanistan, Indien, Iran, Irak, Libanon, Syrien und der Türkei führten. Diese Routen hiessen früher “Grosse Seidenstrasse”.

Grosse Seidenstrasse:

Am 30. September 2016 wurden an einem weiteren Runden Tisch “Programme und finanzielle Möglichkeiten für Wasserforschung und innovative Projekte in BRICS” behandelt. Vertreter von staatlichen Forschungsinstitutionen und Stiftungen für Innovationen präsentierten ihre Programme zur Unterstützung bilateraler und multilateraler Projekte. Die Forscher erfuhren über Finanzierungsquellen für ihre Studien. Vertreter von Finanzagenturen tauschten Erfahrungen und Meinungen aus. Diese Veranstaltung wurde von Dmitri Korotkow vom russischen Ministerium für Bildung und Wissenschaften moderiert.

Der Runde Tisch “Planung für Wasserresourcen” diskutierte solche Themen wie “Russlands langfristige wissenschaftliche und techlologische Planung: Möglichkeiten für die Sphäre der Wasserresourcen”; “Gefahren und Chancen für Russlands Wasserresourcen: Überblick über die technologische Plattform”; “Soziale Innovation beim verantwortungsvollen Wasserverbrauch: internationale Erfahrungen und Lektionen für Russland”; “Mechanismen und Hilfsmittel für wissenschaftliche Unterstützung der technologischen Regulierung von Wasserverwendung”; “Mega-Projekt Kanal Eurasien”.

“Mineralwasser und Tafelwasser in Flaschen” was das Thema des vierten Runden Tischs. Juri Rakhamin, Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, sprach über  “moderne Kriterien, Kategorien and Qualitätsstandards”. Rufina Michailowa, Irina Rysowa and Anna Alexejewa – alle drei arbeiten im wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Humanökologie und Umwelthygiene A.N. Sysin – teilten ihre Überlegungen zu “hygienischen Anforderungen für die Qualität von Trinkwasser in Flaschen für Kleinkinder” mit.

Ein anderer Aspekt war die “Aquahomöopathie zur Problemlösung und Heilung von chronischen Krankheiten”, präsentiert von Wladimir Fedorow (LLC “TermoPrimier). Verschiedene andere Themen bezogen sich gleichfalls auf Wasser in Verbindung mit menschlicher Gesundheit. Man weiss, dass Wasser grosse Heilkraft für den menschlichen Körper und die Seele besitzt. Sauberes Wasser ist von grösster Bedeutung für die Menschheit, nicht nur in BRICS-Ländern, sondern weltweit. BRICS führt auf dem Weg zur Einrichtung von Programmen für sauberes Wasser, Gesundheit und Hygiene, um der Welt Arbeitsmittel und Ressourcen an die Hand zu geben, mit Hilfe von Wasser das Leben zu bewältigen.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt derzeit in Moskau. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Publicado en Brasil, China, India, Rusia | Etiquetado , | Deja un comentario

Olivia Kroth: BRICS water forum in Moscow

BRICS water forum in Moscow

by Olivia Kroth

Moscow hosted a BRICS conference on the last two days of September 2016, at which participants discussed issues of water resources among its member states. They also deliberated on international aspects of water usageMany issues about exploitation and protection of water resources have an international character and are relevant for Russia as well as for its partner countries in BRICS – Brazil, China, India and South Africa. 

Access to fresh water is one of the most important global challenges today, primarily due to the continuous growth of consumption, low level of replenishment of water resources, as well as external factors, such as climate change, leading to a permanent reduction in the volume of water resources and availability. Water resources are necessary to maintain human life and other living organisms, and for the production processes in most sectors of the economy. Solving issues related to water resources requires an integrated approach to exploitation of those resources, as well as to development of water management infrastructure and water re-use technologies.

“Discussion of the water crisis in the world is long overdue. It seems that the planet has great water resources, but these are rather unevenly distributed. Nature has its own laws that we do not fully understand. We cannot reliably predict on how much water there will be in certain places in the coming year,” said Vladimir Kirillov, head of the Aquatic Ecology Laboratory of the Institute of Water and Ecological Problems at the Siberian Branch of the Russian Academy of Sciences. “There are problems not only related to the quantity of water, but also to its quality. Here everything depends on humans. These two items require very careful monitoring. The existing monitoring system does not meet modern needs. I believe that this will become one of the issues that will be discussed by the BRICS countries. This will be an exchange of experience in water management practices worldwide” IZVESTIA/RUSSIA & INDIA REPORT, 12.05.2016). 

https://issek.hse.ru/en/bricswater/

On the 29th of September 2016, the first plenary session of this scientific conference dealt with the water policy and international water cooperation of BRICS countries. The speakers for Russia were Vadim Nikanorov and Mikhail Bolgov. Vadim Nikanorov of the Federal Agency for Water Resources in Russia told the experts about the Russian Federation’s experience in transboundary water management. Mikhail Bolgov, representing the Institute of Water Problems of the Russian Academy of Sciences, talked about the main tasks of Russia’s water strategy until 2030.

For South Africa, Barbara Schreiner, Chairperson of the Water Research Commission at the Pegasus Institute, presented “water research policy-making in South Africa.” Francisco de Assis de Souza Filho of Brazil’s Federal University of Ceara spoke on the topic of “Water resources management, research and education in Brazil.” The Chinese speaker, Jun Xia of the Research Institute for Water Security at Wuhan University, expanded on “Climate change and water safety in China.” As speaker for India, Anumita Raj of the Strategic Foresight Group explained “The BRICS Water Cooperation Quotient Index.”

A presentation of the framework programme “BRICS Clean Rivers” followed. Abil Vezirov of the Centre for Water Industry Development in Russia dealt with problems of environmental rehabilitation of water bodies. In the afternoon, the international thematic group of the BRICS Network University met to discuss water resources, moderated by Oleg Savichev of the Tomsk Polytechnic University in Russia. The expertise of Saint Petersburg, Russia, might prove useful for other BRICS countries as well, if modified to their specific purposes. Saint Petersburg as the second largest city of Russia has been successful in cleaning up the Neva river. Various initiatives included series of dams, water discharge sluices as well as a tunnel. This was done to prevent flooding, which before had been an annual feature in Saint Petersburg.

The first conference day in Moscow closed with a round-table meeting, dealing with the “Management of water resources for agriculture in the Silk Road Economic Belt – the experience of China and BRICS”. This topic was moderated by Roman Girenko of the Russian Agency of System Design. The Silk Road Economic Belt is a project of creating a transport, energy and trade corridor between the countries of Asia and the Mediterranean Sea. The name of the project traces back to trade routes of medieval caravans through territories of China, Korea, Mongolia, Russia, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Uzbekistan, Turkmenistan, Bangladesh, Bhutan, Nepal, Pakistan, Afghanistan, India, Iran, Iraq, Lebanon, Syria and Turkey. These routes were later called the “Great Silk Road.”

 

On the 30th of September 2016, another round-table meeting dealt with “programmes and financial instruments to support water-related research and innovation projects in BRICS.” Representatives of state research and innovation foundations presented their programmes for the support of bilateral and multilateral projects. Researchers learned about existing sources to fund their studies. Representatives of funding agencies exchanged their experiences and opinions. This event was moderated by Dmitry Korotkov from the Russian Ministry of Education and Science.

The round-table “Foresight and STI policy for water resources” discussed such topics as “Russia’s long-term science and technology foresight: opportunities for the sphere of water resources”; “threats and opportunities for Russia related to water resources: a view of a technology platform”; “social innovation in responsible water use: international experiences and lessons for Russia”; “mechanisms and tools of scientific support for the technical regulation of water use”; the mega-project Channel Eurasia”.

“Bottled table and mineral water” was the topic of a fourth round-table meeting.  Yuri Rakhamin, a member of Russia’s Academy of Sciences, talked about “modern criteria, categories and quality standards.” Rufina Mikhailova, Irina Ryzova and Anna Alexeeva – all three working at the Scientific Research Institute of Human Ecology and Environmental Hygiene A.N. Sysin – reflected on “hygienic requirements for the quality of bottled drinking water for babies.”

Another aspect was “Aquahomeopathy for solving aging problems and treating chronic diseases”, presented by Vladimir Fedorov (LLC “TermoPrimier). Various other topics were also related to water and human health. It is well-known that water is a great healer for the human body and soul. Clean water is of the greatest importance for mankind, not only in BRICS countries, but for the entire world. BRICS is leading the way in setting up sustainable clean water, health and hygiene programmes to give the world tools and resources to empower itself with the help of water.

Olivia Kroth: The journalist and author of four books currently lives in Moscow. Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Publicado en Brasil, China, India, Rusia, Sudáfrica | Etiquetado , | Deja un comentario

Olivia Kroth: Die Kurilen – Russlands Inselwelt im Pazifischen Ozean

Die Kurilen: Russlands Inselwelt im Pazifischen Ozean

von Olivia Kroth

Die Kurilen (Курильские острова) in der russischen Oblast Sachalin formen ein vulkanisches Archipel, welches sich ungefähr 1.300 Kilometer im Nordpazifik erstreckt. Die 56 Inseln und zahlreichen Felsen sind in die Grossen Kurilen und die Kleinen Kurilen eingeteilt. Beide umfassen gemeinsam eine Landmasse von mehr als 10.000 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von 20.000 Menschen. Kürzlich gerieten die Kurilen in das Zentrum der Aufmerksamkeit, als der russische Präsident Wladimir Putin das Östliche Wirtschhaftsforum in Wladiwostok besuchte, wo er mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe über den derzeitigen Status der zwei südlichsten Kurileninseln sprach. 

Die deutsche Ausgabe von SPUTNIK berichtete am 3. September 2016: Der russische Präsident Wladimir Putin und der japanische Premier Shinzo Abe haben sich beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok darauf verständigt, die Arbeit an dem Friedensvertrag zwischen beiden Ländern fortzusetzen. „Wir machen keine Geschäfte um Territorien“, sagte Wladimir Putin zum Kurilen-Streit. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sagte  dazu, es handle sich um ein sehr komplexes Problem, das langwierige und sachkundige Bemühungen und eine weitere Vorbereitung erfordere. Tokio machte die Rückgabe der Inseln zur Bedingung für den Abschluss eines Friedensvertrages mit Russland, der seit Ende des Zweiten Weltkrieges noch immer nicht unterzeichnet werden konnte.

Mehr: https://de.sputniknews.com/politik/20160903/312396456/putin-abe-friedensvertrag-suche-loesung.html

Shinzo Abe im Gespräch mit Wladimir Putin:

“Wir verhandeln nicht über Territorien, obwohl der Abschluss eines Friedensvertrags mit Japan sicherlich ein wichtiger Punkt ist. Wir würden gerne gemeinsam mit unseren japanischen Freunden eine Lösung für dieses Problem finden”, erzählte Wladimir Putin am 1. September 2016 Journalisten von Bloomberg in Wladiwostok. Einige Tage später ging er ins Detail, was den legalen Status der zwei umstrittenen Inseln betrifft, als er am 5. September 2016 auf dem G20-Gipfeltreffen in Hangzhou, China, Journalisten Rede und Antwort stand.

“Die Sowjetunion erhielt dieses Territorium als Ergebnis des II. Weltkriegs. Dies wurde in internationalen juristischen Dokumenten festgelegt. Nach langen, schwierigen Verhandlungen mit Japan unterzeichnete die Sowjetunion 1956 einen Vertrag, dessen Artikel Nummer 9 festhält, dass die zwei südlichsten Inseln an Japan übergeben werden sollen. Nachdem das japanische Parlament und die Sowjetunion den Vertrag ratifiziert hatten, verzichtete Japan auf die Implementierung. Die Japaner nahmen die Haltung ein, dass dieser Vertrag ihnen nicht genug gab. Deshalb beschlossen sie, vier Inseln zu beanspruchen. Schliesslich implementierten beide Seiten den Vertrag nicht. Er blieb in der Schwebe. Später erklärte die Sowjetunion gleichfalls, dass sie nicht beabsichtigte, den Vertrag zu implementieren. Danach baten uns die Japaner, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Wir stimmten zu und die Verhandlungen begannen. Dies ist immer noch der aktuelle Stand heute”, erklärte der russische Präsident.

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52830

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52834

Sowjetischer Sturm im Osten 1945:

Russlands Tor zum Pazifik hat strategische Bedeutung, es wird nicht aufgegeben. Die Inseln Kunaschir und Iturup sind reich an Resourcen. Man vermutet dort eine Fülle an Metallen der Seltenen Erden. Mit ihren unberührten Wäldern, Vulkanen und Wasserfällen haben die Inseln auch ein immenses Potential für den Tourismus.

“Während der letzten Jahre verstärkte Russland seine militärische Aktivität rund um die Inseln. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu ordnete an, die Konstruktion von militärischen Einrichtungen auf den südlichen Kurilen zu beschleunigen. Sie stehen mit der Öffnung der nördlichen Seeroute in Zusammenhang, einer Wasserstrasse für Schiffe zwischen der Karasee und dem Pazifik. Diese Route entlang der russischen Arktikküste wird sowohl militärische als auch wirtschaftliche Vorteile bringen und Russland zu einem wichtigen Machtfaktor in der asiatischen Region des Pazifik machen. Die Inseln Kunaschir und Iturup bilden einen integralen Bestandteil der russischen Verteidigungs- und Wirtschaftsstrategie im asiatisch-pazifischen Raum” (RUSSIA & INDIA REPORT, 11.06.2015). 

Sergej Schoigu und Wladimir Putin:

Im September 2016 teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu der Presse mit, es gebe Pläne, die Insel Matua für Militärlogistik zu nutzen. Sergej Schoigu teilte bei einem Treffen der Russischen Geographischen Gesellschaft mit: “Wir müssen dieses Jahr Antwworten auf eine Reihe von spezifischen Fragen finden, denn wir planen, diese Insel als einen Knotenpunkt für Nord-Süd- und Ost-West-Transporte zu nutzen.” Er erklärte, dass Wissenschaftler die Fliessrichtung von vulkanischer Lava untersuchen sollten, um festzustellen, in wieweit sie den Ausbau des Flughafens beeinträchtigen könnten. Eine spezielle Landungsbrücke solle für die Lieferung von Baumaterialien geschaffen werden. Zudem forderte Sergej Schoigu weitere Forschung in Ökologie, unter anderem über den Einfluss menschlicher Aktivität auf Zugvögel und  die Nutzung von Energiequellen auf Matua. Eine gemeinsame Expedition des russischen Verteidigungsministeriums und der Russischen Geographischen Gesellschaft, deren Präsident Sergej Schoigu ist, sei diesen Herbst zur Kurileninsel Matua geplant. Der Verteidigungsminister sprach auch darüber, dass Spezialisten der russischen Pazifikflotte die Insel auf Möglichkeiten untersuchen werden, dort einen Flottenstützpunkt einzurichten (TASS, 14.09.2016).

Siedlung Juschno-Kurilsk auf der Insel Kunaschir:

Auf den Kurilen gibt es ungefähr 100 Vulkane, von denen 40 noch aktiv sind. Die höchste Erhebung ist der Vulkan Alaid, 2.340 Meter über dem Meeresspiegel, auf der Atlassow-Insel im Norden der Inselkette. Auf den Kurilen befinden sich auch heisse Quellen und Fumarolen. In dieser Region wird häufig seismische Aktivität festgestellt. Die Strände sind felsig, mit kleinen Sandbänken und Buchten. Im Landesinneren fliessen breite Flüsse und Ströme zwischen Grassland, Kraterseen und Mooren.

Kurilen-Akelei (Aquilegia flabellata):

Die Flora der Inseln ist vielfältig. Wegen des harschen Klimas der nördlichen Kurilen wächst auf den Inseln Paramuschir und Schumschu nur spärliche Vegetation: Halbsträucher und Krummholz, Erlen und Ebereschen. Die südlichen Kurilen sind mit Nadelwäldern bedeckt: Ajan-Fichte, Kurilen-Lärche, Sachalin-Tanne. Auch verschiedene Magnolienarten gedeihen hier, ausserdem jede Menge Beeren: Blaubeeren, Krähenbeeren, Preiselbeeren. Auf den Kurilen sind über 40 endemische Pflanzen heimisch, zum Beispiel das Kurilen-Edelweiss, der Kurilen-Beifuss und die Kurilen-Akelei. Eine endemische Bambusart ist Sasa kurilensis. Dieser Bambus verträgt das nördliche Klima. Seine Blätter werden 25 cm lang und 7 cm breit. Als dicht wachsendes Unterholz an Berghängen und Waldrändern verhindert er die Erosion.

Kurilen-Beifuss (Artemisia schmidtiana Nana):

Auch die Fauna der Inseln ist vielfältig. Weil sie sehr abgelegen sind von jeglicher Zivilisation, gibt es hier viele Braunbären, arktische Füchse und Rotfüchse. Die Kurilen Bobtail ist eine einheimische Katzenart, die auch auf das russische Festland gebracht und dort domestiziert wurde. Sie ist in Russland sehr beliebt. Diese Katze fischt und jagt gerne, sie spielt zudem gerne im Wasser. Die Kurilen Bobtail sieht zwar wild aus, ist aber vom Temperament her zahm, sanft und klug. Verschiedene Rotwildarten leben auf den südlichen Kurilen. Bei den Wandervögeln sind die Wanderfalken, Raben, Stelzen und Zaunkönige zu nennen.

Die Inselwelt der Kurilen ist von Wasser umgeben. Zu den Lebewesen im Ozean gehören Seeigel, Mollusken und Tintenfische; Pazifik-Dorsch, Flunder, Sardine und Seelachs; Otter, Seehund und Seelöwe. Ausserdem bieten die Kurilen Millionen von Seevögeln eine Heimat: Alk, Gelbschopflund, Kormoran, Lumme, Möwe, Rissa und Sturmvogel. Im Winter nisten sie in Eisspalten, im Sommer in Felsennischen.

Gelbschopflund (Fratercula cirrhata):

Der stärkste Wirtschaftszweig der Kurilen ist die kommerzielle Fischerei. Hier sind etliche wichtige russische Fischereibetriebe angesiedelt. Es gibt auch Vorkommen von Pyrit, Schwefel und Metallen. 2014 wurden in der Kitowy-Bucht auf der Insel Iturup eine Landebrücke und ein Hafendamm für grosse Transportschiffe errichtet, die zwischen den Inseln Waren transportieren. Eine neue Strasse wurde in der Nähe von Kurilsk, dem grössten Dorf der Insel Kunaschir, durch den Wald gebaut. Die Strasse führt zum Flughafen Juschno-Kurilsk Mendelejewo. Gidostroy ist die grösste Firma auf den Kurilen, sie besitzt Baumaterialienbetriebe, Fischereien und Immobilien. 2006 errichtete Gidostroy auf der Insel Iturup ihre zweite Fischverarbeitungsfabrik mit modernster Förderbandtechnik. Um die Inseln mit Elektrizität zu versorgen, hat die Regionalverwaltung ein staatliches geothermisches Kraftwerk am Baransky-Berg modernisiert. Baransky ist ein aktiver Vulkan, wo es Dampf- und Heisswasserquellen gibt.

Buben spielen Fussball in Juschno-Kurilsk auf der Insel Kunaschir:

Russland ist auf den Kurilen seit dem 18. Jahrhundert präsent, als Kosaken von Kamtschatka aus 1711 mit einer Expedition die Inseln aufsuchten. Unter der Leitung von Danila Anziferow und Iwan Kosyrewski landeten die Kosaken auf der nördlichen Kurileninsel Schumschu, wo sie auf die einheimischen Ainu trafen. Bald begannen diese, Tribut an die Kosaken zu zahlen. 1713 erreichte eine Abteilung von 55 Kosaken die nördlichen Kurilen, wo sie sich niederliessen. Mehr folgten in späteren Jahren. Zar Peter der Grosse schickte 1719 eine weitere Expedition zu den Kurilen, sie wurde von Iwan Ewereinow und Fjodor Luschin geführt. Hierbei wurde die Insel Simuschir entdeckt. 1779 befreite Zarin Katharina die Grosse alle russischen Siedler auf den Kurilen von Steuerzahlungen.

Ainu auf den Kurilen im 19. Jahrhundert:

Danila Jakowlewitsch Anziferow (Данила Яковлевич Анциферов) wurde 1711 zum Ataman (Hauptmann) der Kosaken von Kamtschatka gewählt. Gemeinsam mit Iwan Kosyrewski besuchte er die Kurilen und beschrieb sie als erster in schriftlichen Aufzeichnungen.  Eine der Kurileninseln trägt heute seinen Namen, ausserdem auch ein Kap und ein Vulkan auf der Insel Paramuschir. Iwan Petrowitsch Kosyrewski (Иван Петрович Козыревский) war ein Jakuten-Kosake polnischer Abstammung. Sein Grossvater war ein polnischer Adliger im Exil. Iwan Kosyrewski reiste mit Danila Anziferow zu den Kurilen. Später wurde er Mönch und nahm den Namen Ignatius an. Nach ihm sind ein Kap und ein Berg auf Paramuschir benannt, zudem eine Bucht und ein Kap auf der Insel Schumschu.

Kurileninsel Anziferow:

Seitdem sind dreihundert Jahre vergangen, vom Anfang des 18. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Dreihundert Jahre russischer Siedlungsgeschichte auf den Kurilen, Russlands Tor zum Pazifik, werden sicher nicht im Handstreich aufgegeben werden. Diesen Gedanken könnte der russische Präsident Wladimir Putin im Hinterkopf gehabt haben, als er in Wladiwostok mit Japans Premierminister Shinzo Abe verhandelte. Die Kurilen werden sicher in russischer Hand bleiben – alle Inseln, die nördlichen und auch die südlichen Kurilen.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt derzeit in Moskau. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Publicado en Rusia | Etiquetado , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Deja un comentario

Olivia Kroth: Russia’s Kuril Islands in the Pacific Ocean

Russia’s Kuril Islands in the Pacific Ocean 

by Olivia Kroth

The Kuril Islands (Курильские острова) in Russia’s Sakhalin Oblast form a volcanic archipelago that stretches about 1.300 kilometres in the North Pacific Ocean. The 56 islands and rocks are divided into the Greater Kuril Ridge and the Lesser Kuril Ridge, with a total land area of more than 10.000 square kilometres and a population of 20.000 Recently, the Kuril Islands were in the spotlight of politics, as Russia’s President Vladimir Putin visited the Eastern Economic Forum in Vladivostok, where he held talks with Japan’s Prime Minister Shinzo Abe about the current status of the disputed two southernmost islands.

“We do not trade territories although concluding a peace treaty with Japan is certainly a key issue and we would like to find a solution to this problem together with our Japanese friends”, Vladimir Putin told journalists of Bloomberg in Vladivostok, on the 1st of September 2016. A few days later, he went into greater detail clarifying the legal status of the two disputed islands at a meeting with journalists during the G20 Summit in Hangzhou, China, on the 5th of September 2016.

“The Soviet Union obtained this territory as a result of World War II, and this was cemented in international legal documents. The Soviet Union, following lengthy and difficult negotiations with Japan, signed a treaty in 1956, Article 9 of which states that the two southern islands are to be handed over to Japan. After the Japanese parliament and the USSR Supreme Soviet ratified the treaty, Japan renounced its implementation. They took the view that the treaty did not give them enough and decided to lay claim to all four islands. In the end, neither side implemented the treaty and it was simply left in suspension. Later, the Soviet Union declared too that it did not intend to implement the treaty. Later on again, the Japanese asked us to return to discussions. We agreed and talks began. This is where we are at today”, the Russian President explained.

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52830

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52834

Shinzo Abe and Vladimir Putin:

Russia’s gateway to the Pacific Ocean is of strategic value, not to be given up. The islands of Kunashir and Iturup are resource-rich and are believed to have an abundance of rare earth metals. The islands, with their virgin forests, volcanoes and waterfalls, also hold immense potential for tourism.

“Over the last few years, Russia has stepped up its military activity around the islands. Russian Defense Minister Sergey Shoigu ordered the speeding up of the construction of military facilities on the Southern Kurils. The increased Russian military activity on the Southern Kurils is largely in anticipation of the opening of the Northern Sea Route, a shipping lane that connects the Kara Sea to the Pacific Ocean. The route runs along the Russian Arctic Coast and will provide both military and economic advantages to the country. The route effectively makes Russia a major Asia-Pacific power. The islands of Kunashir and Iturup are an integral part of Russia’s Asia-Pacific defense and economic strategy” (RUSSIA & INDIA REPORT, 11.06.2015). 

Russian Defense Minister Sergey Shoigu:

In September 2016, Defense Minister Sergey Shoigu told the press about plans to use Matua Island, which is part of the Kuril Archipelago, for logistic purposes. Sergey Shoigu is also president of the Russian Geographic Society and said at a meeting, “We are to answer a number of specific questions this year. We plan to resume using that island very actively as a north-south and east-west transport hub.” He explained that scientists were to estimate in what way mud flows and volcanic activity might affect the runway in the process of its operation and upgrading. A special pier would be created on Matua for the delivery of building equipment. Furthermore, Sergey Shoigu also called for research into ecological issues, including the effects of human activity on the migration of birds and the types of energy sources that could be used on Matua. A joint expedition of the Russian Defense Ministry and the Russian Geographic Society was dispatched to the island this year. Sergey Shoigu said the Pacific Fleet’s specialists were to look into the possibility of creating a base on the Kuril Islands (TASS, 14.09.2016).

Volcanic rocks on Kunashir Island

The Kuril Islands have about 100 volcanoes, of which 40 are still active.The highest elevation is the Alaid volcano, 2.340 metres above sea level, on Atlasov Island at the northern end of the island chain. The island chain also contains many hot springs and fumaroles. Frequently, seismic activity is noted in this region. The beaches are rocky, with small sand banks and cliffs. Some of the islands have wide rivers and streams, grasslands, crater lakes and peat bogs.

The flora of the islands varies greatly from north to south. Due to the harsh climate in the north, vegetation is sparse on the northern islands of Paramushir, Shumshu and others. The main vegetation are dwarf shrubs, alder, mountain ash, elfin wood. The southern islands are covered with coniferous forests: Ajan spruce, Kuril larch, Sakhalin fir, as well as different kinds of magnolia. Plenty of berries grow here, too: blueberry, crowberry, lingonberry. There are more than 40 species of endemic plants, for example the Kuril Edelweiss, Kuril Artemisia and Kuril Aquilegia. An endemic variety of bamboo is Sasa kurilensis, resistant to the northern climate, with leaves about 25 cm long and 7 cm wide. This type of bamboo prevents erosion, forming impenetrable thickets on the slopes of the mountains and the edges of forests.

Kuril Bamboo (Sasa kurilensis):

There is varied fauna on the islands, due to their remoteness from civilization: brown bears, Arctic foxes and red foxes. The Kurilian Bobtail is a native species of cat, which has been domesticated and exported to nearby Russia and bred there, becoming a popular domestic cat. This cat is an excellent fisher and hunter, which may explain why the Kurilian loves to play in water. The Kurilian’s wild look is not reflected in the temperament of the breed. It is known for its clever and gentle nature. Several species of dear are found on the southern islands. Among terrestrial birds there are peregrine falcons, ravens, wagtails and wrens.

The Kuril islands are surrounded by waters inhabited by a wide range and high abundance of marine life: sea urchins, mollusks, squid; Pacific cod, flatfish, sardine, walleye pollock; seal, sea lion and sea otter. Furthermore, the Kuril islands are home of millions of seabirds, among them the auklet, cormorant, fulmar, guillemot, gull, tufted puffin, kittiwake. They like to nest in hummocks and cliff niches in summer.

Great Cormorant (Phalacrocorax carbo):

Regarding the islands’ economy, fishing is the primary source of income. The islands have strategic and economic value in terms of fisheries. There are also mineral deposits of pyrite, sulfur and various polymetallic ores. In 2014, construction workers built a pier and a breakwater in Kitovy Bay, central Iturup, where barges are a major means of transport, sailing between the cove and ships anchored offshore. A new road has been carved through the woods near Kurilsk, the island Kunashir’s biggest village, going to the site of Yuzhno-Kurilsk Mendeleyevo airport. Gidrostroy is the Kurils’ biggest business group with interests in fishing, construction and real estate, It built its second fish processing factory on Iturup island in 2006, introducing a state-of-the-art conveyor system. To deal with a rise in the demand of electricity, the local government has also upgraded a state-run geothermal power plant at Mount Baransky, an active volcano, where steam and hot water can be found.

Fishery on Kunashir Island:

Russian presence on the Kuril Islands dates back to the 18th century, when Kamtchatka Cossacks came here with an expedition, in 1711. Under the leadership of Danila Antsiferov and Ivan Kozyrevsky, the Cossacks landed on the northern island of Shumshu, where they met the local Ainu people. Soon these began to pay tribute to the Cossacks. In 1713, a detachment of 55 Cossacks arrived and settled in the northern Kuril Islands, and more poured in during the following years. Tsar Peter the Great sent another expedition in 1719, led by Ivan Evereinov and Fedor Luzhin. They discovered the island of Simushir. In 1779, Empress Catherine II decreed to free all Russian citizens settling on the Kuril Islands from paying taxes.

Danila Yakovlevich Antsiferov (Данила Яковлевич Анциферов) was elected Cossack ataman of Kamchatka, in 1711. Together with Ivan Kozyrevsky, he visited the Kuril Islands and was the first to describe them in writing. One of the Kuril Islands bears his name, along with a cape and a volcano on Paramushir. Ivan Petrovich Kozyrevsky (Иван Петрович Козыревский) was a Yakut Cossack of Polish origin. His grandfather had been an exiled Polish prisoner of nobility. Ivan Kozyrevsky traveled to the Kuril Islands with Danila Antsiferov. Later he became a monk, taking on the name of Ignatius. A cape and a mountain on the island of  Paramushir, as well as a bay and a cape on the island of Shumshu bear his name.

Three hundred years have passed since then, from the beginning of the 18th to the  beginning of the 21st century. Three hundred years of Russian settlement on the Kurils, Russia’s gateway to the Pacific Ocean, will certainly not be given up in the future, as Russia’s President Vladimir Putin might have had in his mind, when he talked to the Japanese Prime Minister Shinzo Abe in Vladivostok. The Kuril Islands will surely remain in Russian hands – all of them, from north to south. 

Olivia Kroth: The journalist and author of four books currently lives in Moscow. Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

 

Publicado en Rusia | Etiquetado , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Deja un comentario

Olivia Kroth: Olympisches Gold für Russland bei den Sommerspielen Rio 2016

 Olympisches Gold für Russland bei den Sommerspielen Rio 2016

von Olivia Kroth

280 russische Athleten reisten nach Rio de Janeiro zu den Olympischen Sommerspielen 2016. Wegen einer in Nordamerika initiierten Schmierkampagne gegen die Russische Föderation und den russischen Sport waren es 120 weniger als geplant. Glücklicherweise spielte der amtierende Präsident des Olympischen Komitees, Thomas Bach, das üble Spiel nicht mit, sondern delegierte die Entscheidungen über eine Teilnahme russischer Sportler an die Weltverbände der einzelnen olympischen Disziplinen. Nach ihrer Ankunft in Rio de Janeiro wurden die russischen Athleten vom russischen Generalkonsul und der russischen Diaspora in Brasilien am Internatiolen Flughafen Galeao begrüsst. Zahlreiche in Brasilien lebende Russen waren zum Flughafen gekommen, um ihre Landsleute mit russischen Flaggen und russischen Liedern enthusiastisch zu feiern. Alles in allem schnitt die russische Olympiamannschaft in Rio sehr gut ab und gewann 56 Medaillen: 19 Gold, 18 Silber und 19 Bronze. Sogar ohne angebliches Doping sind die Russen hervorragende Athleten, wie sie in Rio 2016 einmal mehr bewiesen.  

Am 27. Juli empfing Präsident Wladimir Putin die russische Olympiamannschaft im Alexandersaal des Kremlpalastes. In seiner Ansprache wünschte er den russischen Sportsleuten viel Glück und Erfolg: “Sie haben alle in den letzten Jahren lange und hart trainiert, um für dieses grosse Ereignis vorbereitet zu sein. Sie alle haben das Recht verdient, Russlands sportliche Ehre zu verteidigen. Bedauerlicherweise werden Sie nicht alle die Chance erhalten, Ihre Träume in Rio zu verwirklichen. Wir sehen, dass kurzsichtige Politiker sich jetzt auch in den Sport einmischen, obgleich der Sport eigentlich die Völker vereinen und Differenzen zwischen Ländern ausgleichen sollte. Die derzeitige Situation überschreitet legale Grenzen und sogar die Grenzen des gesunden Menschenverstands. Die gegen die Athleten unseres Landes gerichtete Schmierkampagne zeigt eine heuchlerische Doppelmoral und verfolgt Kollektivschuld. Eine solche Vorgehensweise passt nicht zum Sport und ist illegal.”

http://en.kremlin.ru/events/president/news/52588

Wladimir Putin und Thomas Bach freuen sich über die Erfolge russischer Sportler in Rio de Janeiro:

Am 4. August wurde die russische Flagge im olympischen Dorf von Rio de Janeiro gehisst, wo die Sportler während der Sommerspiele wohnten. An der Zeremonie nahmen der Präsident des russischen Olympiakomitees, Alexander Schukow, der Leiter der russischen Delegation, Igor Kasikow, Athleten und Trainer teil.  “Wir sind guter Stimmung”, verkündete Alexander Schukow. Youtube-Videos zeigten die Russen, wie sie am Strand von Copacabana entlang wanderten und in die Fluten tauchten. Die Einwohner dieses lebhaften Stadtviertels freuten sich, russische Sportler zu sehen, die zu den besten der Welt gehörten.

Russland und Brasilien pflegen ihre engen Bindungen. Beide Länder sind Mitglieder des Staatenbunds BRICS. Beide Nationen verfolgen gemeinsame Ziele in Politik, Wirtschaft, Kultur und im Sport. Laut Wladimir Tokmarow, dem russischen Generalkonsul in Rio de Janeiro, waren 12.000 Russen nach Rio gereist, um die Olympischen Sommerspiele 2016 zu erleben. Es war eine grosse Chance für sie, ihren eigenen Sportlern Beifall zu klatschen, aber auch für Reisen Brasilien, um Land und Leute kennenzulernen (TASS, 04.08.2016).

Der erste russische Sportler, der olympisches Gold gewann, war Beslan Mudranow (Беслан Заудинович Мудранов). Am 6. August 2016 gewann er Gold beim Judo in der Gewichtsklasse bis 60 kg.  Er siegte im Finale über den Kasachen Jeldos Smetow. Marius Vizer, Präsident des Internationalen Judoverbands, gratulierte dem Olympiasieger zu seinem Erfolg: “Ich beglückwünsche den russischen Sportler an diesem grossartigen Tag. Er ist ein Olympiasieger. Viel Glück für Beslan auch in der Zukunft!”

Beslan Mudranow erzählte Journalisten, dass er vor dem Finale in Rio keine Angst spürte. “Ich bin sehr glücklich, dass ich die erste Goldmedaille für Russland gewann. Sicher wird sie nicht die letzte sein. Beim Kampf war ich ruhig und gefasst. Wenn man nervös ist, wird es nichts mit dem Sieg. Beim Judo ist der mentale Zustand am wichtigsten”, sagte der russische Judoka. Er erzählte auch, dass sein Kampfpartner im Finale eine neue Taktik gegen ihn anwendete. “Ich habe schon früher mit ihm gekämpft, aber heute fing er mit einem ungewöhnlichen Stil an. Ich wusste zuerst nicht, was ich tun sollte, ich musste mich darauf einstellen”, sagte Beslan Mudranow (TASS, 07.08.2016).

Der Sieg des russischen Judoka Beslan Mudranow in der Gewichtsklasse bis 60 kg ist der erste für die russische Mannschaft in Rio. Es war für alle Russen ein psychologisch sehr wichtiger Sieg, da die Mannschaft unter grossem Druck stand aufgrund der Ereignisse im Vorfeld der Olympischen Spiele. Chasanbi Taow, Haupttrainer der russischen Ringer, sagte Journalisten von TASS: “Wir erinnern uns sehr gut daran, dass der russische Präsident Wladimir Putin einmal auf einer Pressekonferenz äusserte, die Kabardiner seien sogar besser als die Japaner im Judo. Präsident Putin liebt Judo und unterstützt diese Sportart. Ich denke, der Präsident wird über Beslans Sieg sehr erfreut sein. Ich bin sicher, dass unsere Mannschaft von Ringern weiterhin gute Leistungen zeigen wird. Die Mannschaft ist gut trainiert.”

Der russische Judoka Beslan Mudranow ist am 7. Juli 1986 in Baksan, Kabardino-Balkarien, geboren. Vor der olympischen Goldmedaille hatte er bereits 2012 und 2014 zweimal Gold in den Europäischen Judomeisterschaften gewonnen. Er begann mit 13 Jahren zu kämpfen, erst als Freistilringer, später mit Sambo, einer russischen Kampfsportart, schliesslich mit Judo. Beslan Mudranow ist verheiratet und hat eine Tochter.

Russische Teilrepublik Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus:

Die Ehefrau des Siegers, Diana Mudranowa, erzählte, wie sie in der Heimatstadt Baksan Beslans Sieg feierten: “Hier zuhause versammelten sich alle Verwandten, Freunde und sogar frühere Klassenkameraden. Als sein Name in Rio als erster russischer Olympiasieger verkündet wurde, stieg ein Feuerwerk über Baksan auf, das den Himmel hell erleuchtete. Alle tanzten, sangen, schrien oder weinten vor Freude. Sogar die Kinder blieben auf und schauten zu, wie Beslan gewann! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich wir sind! Wir sind so stolz auf Beslan! Wir haben keine Worte, nur Gefühle! Als wir anriefen, konnten wir ihn nicht erreichen. Nun warten wir auf den Moment, wenn wir seine Stimme hören werden. Seine vierjährige Tochter Samira schrieb ein rührendes Gedicht für den Papa in der Hoffnung, dass es ihn zum Siegen inspirieren würde. Die geistigen Kräfte, der Siegeswille, die Jahre der Übung und die warmen Worte der Liebe von zuhause haben alle zum Resultat geführt: Beslan Mudranow brachte seinem Land die erste Goldmedaille” (KOMSOMOLSKAYA PRAVDA KUBAN, 07.08.2016).

Schliesslich kursierte ein Video der kleinen Samira auf Twitter: “Mein Papa ist ein Sieger, er ist der stärkste Mann auf der Welt, einer in einer Million, er ist einmalig.” Man hörte die kleine dunkelhaarige Schönheit auf Russisch: “Мой папа чемпион, oн самый в мире сильный, oдин на миллион, tакой неповторимый.”

http://m.kuban.kp.ru/daily/26564/3580971/

Olympische Goldmedaille für Russlands Judoka Beslan Mudranow:

Am 8. August 2016 gewann die russische Säbelfechterin Jana Jegorjan Eine Goldmedaille, als sie in der Endrunde mit 15:14 über ihre russische Mannschaftskollegin Sophia Welikaja siegte. Nach dem Sieg sagte sie: “Ich weiss nicht, woher ich die Kraft und Nervenstärke nahm, aber ich bin sehr glücklich über diesen Sieg. Es ist schade, dass es nicht zwei Goldmedaillen für uns beide gibt, denn Sophia ist eine grossartige Fechterin. Aber so sind nun einmal die Regeln (MATCH TV, 09.08.2016). “Russlands Jana Jegorjan hat den Einzelwettkampf der Frauen im Säbelfechten gewonnen, indem sie von ganz hinten nach vornne aufrückte, um Gold mit nach Hause zu nehmen. Es war keine leichte Übung für Jana Jegorjan, die gegen ihre eigene Mannschaftskameradin Sophia Welikaja antreten musste, die beste Säbelfechterin der Welt. Der Neuling und der alte Hase … Es war ein harter Kampf, beide Fechterinnen erhielten alternierend Punkte. Unbeirrt erzielte Jana Jegorjan fünf Punkte hintereinander, welche sie zum Sieg führten. Jana Jegorjan hat sich in den letzten Jahren von unten ganz nach oben hochgearbeitet und ihren Platz unter den 10 besten Säbelfechterinnen der Welt zementiert” (NBC, 08.08.2016).

Nach ihrem Sieg wurde sie von Journalisten gefragt, wie ihr Brasilien gefalle. Sie antwortete: “Es gefällt mir hier sehr gut. Wir leben ausserhalb des Olympischen Dorfs in einem netten, ruhigen Ort, 100 Kilometer von Rio entfernt. Dort werden wir gut versorgt: ein Koch bereitet unsere Mahlzeiten zu, wir haben auch einen Fitnessraum. Ich habe das Olympische Dorf besucht, doch nach wenigen Stunden war ich müde von dem Lärm und den vielen Leuten” (SPORT EXPRESS.RU, 09.08.2016). 

Jana Karapetowna Jegorjan (Яна Карапетовна Егорян) ist am 20. Dezember 1993 in der armenischen Hauptstadt Jerewan geboren. Seit 1999 lebt und trainiert sie in Chimki, Oblast Moskau. Ihre Mutter lebt gleichfalls in Chimki, der Vater in Jerewan. Jana Jegorjan gewann bereits zweimal die Silbermedaille in europäischen Juniorenmeisterschaften (2009 und 2010). Bei den Weltmeisterschaften der Junioren 2010 in Baku, Aserbaidschan, erreichte sie den 5. Platz. Die 22jährige Säbelfechterin ist noch nicht verheiratet.

Sie liebt Katzen und sagte in einem Gespräch mit der Presse: “Meine Mutter sitzt zuhause und versorgt die Katzen. Unsere Katze hat kürzlich vier Junge bekommen, zwei Kätzchen und zwei kleine Kater. Bitte schreiben Sie, dass ich sie verschenken will. Ja, Katzenjunge von einer Olympiasiegerin! Ich möchte sie in gute Hände übergeben” (LENTA.RU, 09.08.2016). In ihrer Freizeit reist Jana Jegorjan gerne. Im Sommer fährt sie ans Meer und im Winter in die Berge zum Skilaufen. Ausserdem spielt sie gerne auf der Strasse Basketball mit Freunden. Später will sie als Haupttrainerin für die russische Nationalmannschaft im Fechten arbeiten (CHAMPIONAT.COM, 09.08.2016).

Olympische Goldmedaille für Russlands Säbelfechterin Jana Jegorjan:

Die dritte Goldmedaille für Russland folgte am 9. August 2016, als der russische Judoka Hassan Chalmurzaew in der Gewichtsklasse bis 81 kg  siegte. “Russland kletterte an die Spitze in der Tabelle der Judomedaillen mit Hassan Chalmursaew, der emphatisch die zweite Goldmedaille in Rio gewann. Mit seinem Kampf begeisterte er die Zuschauermenge in der Carioca-Arena. Seine Kampfrunde beendete er mit einem Paukenschlag. Der Europameister gewann nämlich die letzten beiden Wettbewerbe durch einen Ippon. Ein Ippon im Judo bedeutet immer den sofortigen Sieg für den Judoka und ist damit die höchste mögliche Wertung” (INDIAN EXPRESS, 10.08.2016).

Hassan Magometowitsch Chalmursaew (Хасан Магометович Халмурзаев) wurde am 9. Oktober 1993 in Nasran, Inguschetien, geboren. Der russische Judoka gewann bei den Olympischen Jugendsommerspielen 2010 in Singapur und siegte bei der Sommer-Universiade 2015 in Gwangju, Südkorea.

Olympische Goldmedaille für Russlands Judoka Hassan Chalmursaew:

Hassan Chalmursaew sagte, dass ihm seine Herkunft auf dem Kaukasus dabei geholfen habe, im Judo Gold zu gewinnen. Der 22Jährige und sein Zwillingsbruder Hussein, ebenfalls ein Judoka, sind in der russischen Teilrepublik Inguschetien geboren. Er meint, diese Region bringe kraftvolle Söhne hervor: “Es ist wahr, viele Leute, die von hier stammen, sind körperlich stark und gut vorbereitet. Nicht nur im Sport, sondern auch die auf der Strasse. Vielleicht hilft es, in den Bergen geboren zu sein. Kampfsport ist hier sehr beliebt.” Sein Vater brachte die Zwillingsbrüder zum Judo. “Wir trainieren immer gemeinsam. Wir waren zuunächst in derselben Kategorie, aber jetzt ist Hussein eine Kategorie höher, Gewichtsklasse bis 90 kg. Er ist Nummer zwei in der russischen Nationalmannschaft”, erklärte Hassan Chalmursaew (YAHOO SPORTS, 10.08.2016).

Die russischen Medien teilten mehr Informationen über die Zwillinge mit. Als Schuljungen hätten Hassan und Hussein “ständig miteinander gekämpft. Die Eltern hatten ihre Mühe zu entscheiden, wer von beiden Recht hatte. Deshalb beschlossen sie, die beiden dorthin zu schicken, wo sie ihre Energie positiv einsetzen konnten. Glücklicherweise fand sich in ihrer Heimatstadt Nasran eine solche Möglichkeit im Judoklub. Man weiss, dass Zwillinge eine besondere Bindung zueinander haben, viele von ihnen betätigen sich im Sport. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und teilen die Energie, welche ihnen aus einer unsichtbaren Quelle zufliesst. Jahre vergingen, jetzt sind die Brüder der Stolz Inguschetiens. Sie ernten bei internationalen Wettkämpfen Erfolge” (SPORT EXPRESS.RU, 10.09.2016).

Russische Teilrepublik Inguschetien im Nordkaukasus:

Am 10. August 2016, gewann die russische Florettfechterin Inna Deriglasowa eine Goldmedaille. Sie “riss triumphierend ihre Maske herunter, die erste Russin, die jemals in dieser Kategorie siegte seit den Zeiten von Elena Nowikowa-Belowa, die 1968 einen Sieg in dieser Kategorie für die damalige Sowjetunion errang” (NBC, 10.08.2012). Es macht sich deutlich bemerkbar, dass der russische Fechtsport zurzeit eine Periode der Renaissance durchlebt. Die russischen Fechterinnen gewinnen eine Goldmedaille nach der anderen bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio.

In einem Gespräch mit der Presse sagte Inna Deriglasowa: “Ich bin so glücklich, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich hätte selbstsicherer sein können, dass ich die letzte Runde gewinnen werde, aber am Schluss war ich sehr nervös, das ist eine Krankheit bei mir. Im entscheidenden Wettkampf kann ich oft meine Sache nicht zu einem guten Ende bringen. Nachdem ich die erste Runde verloren hatte,  sagte mir mein Trainer, ich solle mich entspannen und an meine taktische Aufgabe denken.” Ihr Trainer Ildar Mawljutow meinte: “Wir glauben an Inna. Jugend hat über Erfahrung gesiegt. Sie bezwang eine ältere Gegnerin. Das Ende war für die Zuschauer aufregend und für die Trainer sehr beunruhigend. Ich hatte starke Kopfschmerzen, es hat bestimmt eine Menge meiner Nervenzellen getötet. Dies ist der absolute Erfolg für Inna, sie wird hier nicht aufhören. Ich bin sicher, dass viele grosse Wettkämpfe auf sie warten. Sie ist ein Arbeitstier und hält sich immer gut in Form” (IZVESTIA, 11.08.2016).

Olympische Goldmedaille für Russlands Florettfechterin Inna Deriglasowa:

 

Inna Wassiljewna Deriglasowa (Инна Васильевна Дериглазова) wurde am 10. März 1990 in Kurtschatow, Oblast Kursk, geboren. Sie fing mit acht Jahren an, in ihrer Heimatstadt Kurtschatow zu fechten. Als ihre Begabung offensichtlich wurde, liess man sie gegen ältere Fechterinnen antreten. Sie wurde 2011 Weltmeisterin in der russischen Mannschaft, gewann mit dieser Mannschaft Silber bei den Olympischen Sommerspielen 2012 und Gold bei den Weltmeisterschaften 2015 in Moskau. 2012 erhielt sie den Orden “Für Dienste am Mutterland” wegen ihres ausserordentlichen Beitrags zur Entwicklung des Sports in Russland. Inna Deriglasowa hat Jura an der Staatlichen Technischen Universität Kasan studiert. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

“Diana wartet zuhause auf mich. Meine Tochter ist jetzt sieben. Im September wird sie zur Schule gehen und weiter zum Fechten. Diesen Sieg bei der Olympiade, die Goldmedaille, ich widme sie ihr. Als ich zu fechten anfing, wollten mich meine Eltern davon abbringen. Sie sagten, das sei ein Sport für Männer. Aber jetzt haben sie ihre Meinung geändert. Ich bin stolz auf meine Eltern und dankbar. Wenn Diana mir zuschaut, will sie auch fechten. Ich möchte unbedingt sehen, dass meine Tochter baldmöglichst eine erfolgreiche Florettfechterin wird!” (SPORT.RU, 11.08.2016).

Olympische Goldmedaille für Russlands Florettfechterin Inna Deriglasowa:

Die 5. Olympische Goldmedaille in Rio gewann die russische Florettfechtermannschaft der Männer am 12. August 2016 . “Die russische Mannschaft der Florettfechter habe einen überwältigenden Sieg im Finale des Mannschaftsturniers bei der Olympiade 2016 errungen, meinte der Haupttrainer Ilgar Mamedow. Im Finale gewannen Timur Safin, Alexei Tscheremissinow und Artur Achmatchusin Gold. Es war das erste Mal seit 1996, dass eine russische Fechtermannschaft bei den Olympischen Spielen siegte. Ilgar Mamedow war auch bei den Gewinnern vor 20 Jahren dabei” (TASS, 13.08.2016).

Alexei Borisowitsch Tscheremissinow (Алексей Борисович Черемисинов) ist am 9. Juli 1985 in Moskau geboren. Dieser russische Florettfechter wurde 2012 Europameister und 2014 Weltmeister im Florettfechten. Artur Kamilewitsch Achmatchusin (Артур Камилевич Ахматхузин) kam am 28. Mai 1988 im Distrikt Krasnokamski, Baschkortostan, zur Welt. Der russische Florettfechter erhielt 2013 bei den Weltmeisterschaften Silber. Timur Marsselewitsch Safin (Тимур Марселевич Сафин) wurde am 4. August 1992 in Taschkent, Usbekistan, geboren und wohnt zurzeit in Ufa, Baschkortostan. Der junge russische Florettfechter erhielt bei den Weltmeisterschaften 2014 die Bronzemedaille.

Die 6. Goldmedaille für Russland kam mit dem Sieg der russischen Frauenriege im Säbelfechten: Sophia Welikaja, Jana Jegorjan, Julia Gawrilowa und Jekaterina Djatschenko. Jana Egorian hatte vorher bereits eine Goldmedaille im Einzelkampf gewonnen. Sophia Welikaja erarbeitete sich die zweite olympische Silbermedaille in ihrer Karriere. Die russischen Säbelfechterinnen waren als Mannschaft bereits 2015 Siegerinnen in den Weltmeisterschaften geworden.

Sophia Alexandrowna Welikaja (Софья Александровна Великая) ist am 8. Juni 1985 in Alma-Ata, Kasachstan, geboren. Die russische Säbelfechterin hatte bereits bei der Olympiade 2012 eine Silbermedaille gewonnen. Sie ist ausserdem siebenfache Weltmeisterin und neunfache Europameisterin. Sophia Welikaja ist mit Alexei Mischin verheiratet, der 2004  eine olympische Goldmedaille im Ringen gewann. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Jekaterina Wladimirowna Djatschenko (Екатерина Владимировна Дьяченко) ist am 31. August 1987 in Sankt Petersburg geboren. Diese Säbelfechterin vertrat Russland bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. Julia Petrowna Gawrilova (Юлия Петровна Гаврилова) kam am 20. Juli 1989 in Nowosibirsk zur Welt. Sie gewann zwei Medaillen, Gold und Bronze, als Mitglied der russischen Riege bei den Weltmeisterschaften 2011.

Die 7. Goldmedaille für Russland gewannen am 14. August 2016 zwei Tennisspielerinnen im Doppel, Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina. Die Leiterin, Anastasia Myskina, ehemals zweitbeste Tennisspielerin der Welt, sagte, dass dieser Erfolg des Doppels für sie als Überraschung gekommen sei: “Wir sind sehr glücklich. Diese Mädchen haben erreicht, was wir seit langer Zeit zu erreichen versuchen. Offen gesagt, wir hofften auf Gold im Doppel” (RUSSIA TODAY, 14.08.2016).

Jelena Sergejewna Wesnina (Елена Сергеевна Веснина) ist am 1. August 1986 in Lwow geboren. Die professionelle russische Tennisspielerin wurde dreimal Doppelsiegerin im Grand Slam. Sie steht auf Platz Nr. 21 der Weltrangliste im Einzel und Nr. 3 im Doppel. Jelena Wesnina ist seit November 2015 mit dem Geschäftsmann Pawel Tabunzow verheiratet. Jekaterina Walerjewna Makarowa (Екатерина Валерьевна Макаpова) ist am 7. Juni 1988 in Moskau geboren. Diese professionelle russische Tennisspielerin erreichte im April 2015 Platz Nr. 8 der Weltrangliste im Doppel. Sie gewann m Doppel dreimal Grand Slam.  

Olympische Goldmedaille für Russlands Tennisdoppel Jelena Wessnina und Jekaterina Makarowa:

Am selben Tag, dem 14. August, gewann die Kunstturnerin Alija Mustafina (Алия Фаргатовна Мустафина) Russlands 8. Goldmedaille am Stufenbarren mit 15.900 Punkten. Alija Fargatowna Mustafina ist am 30. September 1994 in Jegorjewsk in einer russisch-tatarischen Familie geboren. Ihr Heimatverein ist der ZSKA Moskau. Ihr Vater, der frühere Weltklasse-Ringer Farhat Mustafin, ist ihr Berater. Bei den Weltmeisterschaften 2010 gewann sie die Goldmedaille im Mehrkampf mit der russischen Nationalmannschaft. Bei den Olympischen Sommerspielen 2012 gewann Alija Mustafina vier Medaillen – so viele wie kein anderer Teilnehmer am Turnwettbewerb. Sie wurde Olympiasiegerin am Stufenbarren. Bei den Turnweltmeisterschaften 2013 gewann Aliya Mustafina das Schwebebalken-Finale.

“Alija Mustafina ist seit 2010 im russischen Kunstturnen eine bekannte Grösse. Sie hat sich den Ruf als ehrgeizigste Kunstturnerin erworben. Mit sechs Jahren begann sie, diesen Sport zu betreiben. Das ist kein Wunder bei ihren athletischen Genen: Ihr Vater Farhat ist griechisch-römischer Ringer, der bei der Olympiade 1976 die Bronzemedaille gewann. Von 2012 bis 2016 erhielt Alija Mustafina acht Medaillen in Europameisterschaften und sechs Medaillen in Weltmeisterschaften ” (NBC, 14.08.2016).

Olympische Goldmedaille für Russlands Kunstturnerin Alija Mustafina:

An diesem selben Glück bringenden Tag, dem 14. August, gewann Roman Wlassow für Russland die 9. Goldmedaille im griechisch-römischen Ringen, Gewichtsklasse 75 kg. Der amtierende Weltmeister und Olympiasieger erzielte in Rio Russlands erste Medaille im Ringen. Bereits bei den Olympischen Spielen 2012 hatte Roman Wlassow die Goldmedaille in der vergleichbaren Gewichtssklasse 74 kg gewonnen. Er wurde auch Weltmeister im Jahr 2015 und kam als Nummer eins der Weltrangliste im Ringen (75 kg) nach Rio. “Trotz der unfairen Entscheidung von WADA gegen unsere Athleten ist es sehr wichtig, dass wir die grösstmögliche Zahl an Medaillen erkämpfen”, sagte Roman Wlassow (AP).

Roman Andrejewitsch Wlassow (Роман Андреевич Власов) ist am 6. Oktober 1990 in Nowosibirsk geboren. Der griechisch-römische Ringer im Weltergewicht ist jetzt ein sehr erfolgreicher, zweifacher Olympiasieger (2012 und 2016). Ausserdem ist er zweifacher Europameister (2012 und 2013). Im selben Jahr gewann er zudem eine Goldmedaille in der Sommeruniversiade von 2013. Es ist bemerkenswert, dass Roman Wlassow in seinen wichtigsten Wettkämpfen Doppelerfolge erzielte, so wie ein tüchtiger Schneider Doppelnähte anfertigt, damit sie besser halten.

Olympische Goldmedaille im griechisch-römischen Ringen für Roman Wlassow:

Der 15. August 2016 war ein weiterer glücklicher Tag, der Russland zwei Goldmedaillen schenkte. Zunächst gewann der Russe Davit Tschakwetadse im griechisch-römischen Ringen, Gewichtsklasse bis 85 kg,  die 10. Goldmedaille in Rio. Danach erkämpfte der russische Boxer Jewgeni Tischtschenko die 11. Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 91 kg.

“Russland holte sich an zwei Tagen hintereinander Gold im griechisch-römischen Ringen. Davit Tschakwetadse betrat den Ring als Nummer 3 der Weltrangliste. Jeden Tag gab es Wettkämpfe in zwei verschiedenen Gewichtsklassen dieser olympischen Disziplin. Russland gewann Goldmedaillen in der Hälfte der Abteilungen.  Die russische Nation hatte bereits bei der Olympiade 2012 die meisten Medaillen im Ringen errungen und zeigte ein weiteres Mal ihre Stärke in Rio” (NBC, 15.08.2016). Davit Gotschaewitsch Tschakwetadse (Давит Гочаевич Чакветадзе) ist am 18. Oktober 1992 in Kutaisi, Georgien, geboren. Der georgisch-russische Ringer im griechisch-römischen Stil gewann 2015 eine Goldmedaille bei Russlands nationalen griechisch-römischen Ringermeisterschaften, Gewichtsklasse bis 85 kg. Er gewann weiterhin 2015  eine Goldmedaille bei den Europameisterschaften.

Olympische Goldmedaille im griechisch-römischen Ringen für Davit Tschakwetadse:

Der russische Boxer Jewgeni Tischtschenko gewann die Goldmedaille in der Kategorie bis 91 kg durch einstimmige Entscheidung der Schiedsrichter mit 29-28 Punkten. Dies war die 11. Goldmedaille für Russland. Jewgeni Andrejewitsch Tischtschenko (Евгений Андреевич Тищенко) ist am 15. Juli 1991 in der Region Krasnodar geboren. Der russische Amateurboxer im Schwergewicht wurde zweimal russischer Meister. Dieser Athlet begann bereits sehr früh in seinem Leben mit dem Boxen und konnte sich eine eindrucksvolle Karriere aufbauen.

2009 wurde er Mitglied der russischen nationalen Jugendmannschaft. Er gewann die Jugendmeisterschaften in Russland, erhielt den ersten Preis in einem internationalen Wettkampf in Kroatien, siegte auch in den europäischen Jugendmeisterschaften. 2010 ging er von der Jugend- in die Herrenmannschaft über und erreichte zwei Bronzemedaillen in den russischen Meisterschaften. 2012 wurde Jewgeni Tischtschenko russischer Meister im Schwergewicht. 2013 gewann er die Goldmedaille bei der Sommeruniversiade. Jewgeni Tischtschenko nahm 2015 an den Europameisterschaften teil und erhielt die Goldmedaille im Schwergewicht. Im October des Jahres 2015 wiederholte er seinen Erfolg, indem er die Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Doha, Katar, mitnahm.  

Olympische Goldmedaille für den russischen Boxer Jewgeni Tischtschenko in der Kategorie Schwergewicht:

Am 16. August 2016 gewannen Russlands berühmte Schwimmerinnen wieder einmal eine Goldmedaille mit ihrem Duett im Synchronchwimmen. Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina wurden damit zum fünften Mal Olympiasiegerinnen. Für ihre grandiose freie Kür im Finale erhielten sie 98.5333 Punkte. Mit der kombinierten Punktewertung aus freier Kür und technischer Kür kamen sie auf insgesamt 194.9910 Punkte. Dies war die 12. Goldmedaille für die Russische Föderation.

Die fünffachen Olympiasiegerinnen Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina werden sich wahrscheinlich nach Rio 2016 zur Ruhe setzen. Sie sagten nach ihrem Sieg in Rio, dass sie nach der Olympiade an einen Rückzug denken. “Ich glaube, dass wir ausgezeichnete Nachfolgerinnen haben. Russland führt weltweit im Synchronschwimmen, sowohl mit den Juniorinnen als auch den Damenmannschaften. Sie gewinnen sowohl Europa- als auch Weltmeisterschaften. Deshalb wird es guten Ersatz für uns geben, wenn Sweta und ich uns zurückziehen”, erzählte Natalja Ischtschenko. “Ich fühle mich grossartig und bin von Emotionen überwältigt, wenn ich daran denke, dass Sweta und ich fünffache Olympiasiegerinnen sind. Wir haben unsere Gefühle sehr lange unter Kontrolle gehalten, damit wir nicht unsere Energie verschleudern, aber jetzt dürfen wir ihnen freien Lauf lassen und uns über unsere Siege freuen”, meinte die russische Synchronschwimmerin.

Die fünffachen Olympiasiegerinnen im Synchronschwimmen, Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschino:

“Als wir aus dem Wasser stiegen und unsere Punkte sahen, wussten wir sofort, dass wir gewonnen hatten. Wir hatten bereits nach der technischen Kür einen riesigen Vorsprung, noch höhere Wertungen wären gar nicht mehr möglich gewesen”, erläuterte Natalja Ischtschenko. Bei den Weltmeisterschaften 2015 hatte das russische Synchronduo seine freie Kür namens “Molba” (Gebet) präsentiert. Es wurde für die Olympiade 2016 in Rio leicht modifiziert. “Es ist immer angenehmer für das Publikum, eine lustige und leichte Vorführung zu sehen als ein Gebet. Hierbei sind die entsprechenden Gefühle den Zuschauern viel schwerer zu vermitteln. Aber ich denke, wir haben diese Aufgabe bewältigt”, betonte Natalja Ischtschenko” (TASS, 19.08.2016).

Die russischen Stars des Synchronschwimmens, Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina, zeigten eine fehlerfreie Kür. Seit langem scherzen ihre Verehrer, es seien in Wirklichkeit Meerjungfrauen mit Schwimmflossen. Während der freien Kür im Finale von Rio tat das Duo so, als sei das wahr. Sie trugen Schwimmanzüge mit Fischschuppenmuster. Als sie ihre schlanken Beine aus dem Wasser streckten und die Füsse so stellten, dass sie wie Fischschwänze aussahen, sammelten sie Gold ein, wie erwartet. Sie kamen dem Ziel wieder ein wenig näher, ihren Status als Sirenen zu besiegeln.  “Manchmal nennt man uns Meerjungfrauen und fragt uns, ob wir Fischschuppen tragen, deshalb fühlen wir uns wohl mit dieser Vorführung”, sagte Swetlana Romaschina nach der Kür und zog die Haarklammern aus ihrem mit Gel zurückgekämmten Haar. Die Russinnen tragen ihre Tradition des Balletts in das Schwimmbecken hinein. Seit 2000 nehmen sie von jeder Olympiade Goldmedaillen für ihre Duette mit nach Hause, wobei sie sich den Ruf erarbeiten konnten, sehr präzise und kreativ in ihren Choreographien zu sein.  Die Kür der Meerjungfrauen war etwas ganz Besonderes für das russische Duo, denn damit gewannen sie bereits bei der Olympiade 2012 eine Goldmedaille. Die verführerische Musik wurde speziell für sie komponiert (Alexandra Ulmer, REUTERS, 16.08.2016).

Die russischen “Meerjungfrauen” Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina:

Natalja Sergejewna Ischtschenko (Наталья Сергеевна Ищенко) wurde am 8. April 1986 in Smolensk geboren. Die russische Synchronschwimmerin ist fünffache Olympiasiegerin und 19fache Weltmeisterin. Natalia Ischtschenko war Mitglied der russischen Damenmannschaft, die 2008, 2012 und 2016 olympisches Gold gewann. Sie erhielt auch zweimal die Goldmedaille im Duett gemeinsam mit Swetlana Romaschina bei den Olympiaden 2012 und 2016. Nach der Geburt ihres Sohnes hatte sie 2013 ein Jahr lang pausiert. Ab 1. Januar will sie sich endgültig zurückziehen und ein Sportbekleidungsgeschäft führen.

Swetlana Alexejewna Romaschina (Светлана Алексеевна Ромашина) ist am 21. September 1989 in Moskau geboren. Die russische Synchronschwimmerin gewann bei den Olympischen Spielen 2008 mit der russischen Damenmannschaft die Goldmedaille in der Gruppenwertung. Diesen Erfolg wiederholte sie bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016. Außerdem gewann sie gemeinsam mit Natalja Ischtschenko 2012 und 2016 Gold im Duett. Als Mitglied der russischen Gruppe siegte Swetlana Romaschina bei den Weltmeisterschaften 2005, 2007 und 2009.  Zudem gewann sie bei der Weltmeisterschaft 2009 mit Natalja Ischtschenko den Titel im Duett.

Olympische Goldmedaille im Duett des Synchronschwimmens für Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschino:

 Am 19. August gewann die russische Riege im Synchronschwimmen die 13. Goldmedaille für Russland. Wlada Tschigirjowa, Natalja Ischtschenko, Swetlana Kolesnitschenko, Alexandra Pazkewitsch, Jelena Prokofiewa, Swetlana Romaschina, Alla Shischkina, Maria Schurotschkina and Helena Topilina erreichten nach ihrer freien Kür und technischen Kür eine Gesamtpunktzahl von 196.1439 Punkten.

Swetlana Romaschina and Natalja Ischchenko erhielten hiermit ihre fünfte olympische Goldmedaille, zweimal als Duo und dreimal in der Gruppe, womit sie den früheren Rekord der Russin Anastasia Davidowa wiederholten. Die russische Damenmannschaft im Synchronschwimmen hatte bereits 2000, 2004, 2008 und 2012 die olympische Goldmedaille gewonnen. Alexandra Pazkewitsch, Alla Schischkina, Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina waren die Siegerinnen, die als Gruppe bei der Olympiade 2012 teilgenommen hatten (TASS, 19.08.2016). Seit 16 Jahren führen die Russinnen weltweit in dieser Schwimmdisziplin in einer ununterbrochenen Serie von Siegen.

Der 20. August 2016 war ein goldener Tag für Russland in Rio de Janeiro. Triumphierend gewann die Russische Föderation vier Goldmedaillen. Die russische Damenmannschaft im Handball holte Goldmedaille Nr. 14.  Bereits bei der Olympiade 2008 hatten sie Silber erreicht, zudem wurden sie 2001, 2005, 2007 und 2009 Weltmeisterinnen. So krönt diese olympische Goldmedaille in Rio 2016 ihre Bemühungen. “Russland siegte in einem spannenden, schnellen Finale vor einer begeisterten Zuschauermenge. Danach knieten sie nieder und umarmten einander. ‘Wir taten, was wir geplant hatten … Alles ist wie ein Traum für mich’, erzählte eine strahlende Anna Sen, 25, den Reportern. Im Umkleideraum sang die Gruppe: Wir kamen um zu gewinnen!” (Alexandra Ulmer, REUTERS, 20.08.2016). Der Trainer der russischen Handballerinnen Jewgeni Trefilow lobte die Athletinnen: “Ich denke, dieser Sieg wird der Entwicklung von Handball in Russland und dem Sport insgesamt grossen Aufschwung bringen” (RUSSIA TODAY, 20.08.2016). 

Wie erwartet, gewann Russland auch Gold in rhythmischer Gymnastik. Seitdem Irina Wiener-Usmanowa die russische Damenmannschaft trainiert, hat sie eine olympische Goldmedaille nach der anderen gewonnen. Am 20. August 2016  war Rita Mamun an der Reihe, die 15. Goldmedaille für Russland zu holen. “Eine Vorführung voll von Grazie und Eleganz gestattete Rita Mamun, im Einzel Gold zu erreichen. Damit verlängerte sie Russlands Dominanz in rhythmischer Gymnastik, die jetzt fünf Olympiaden andauert. Eine Gesamtpunktzahl von 76.483 sicherte Rita Mamun den Platz ganz oben auf dem Siegerpodium. In der Arena hörte man Sprechgesänge, ‘Ros-si-ja, Ros-si-ja’. Die Athletin ist auch als ‘Bengalische Tigerin’ bekannt, weil ihr Vater aus Bangladesch stammt. Sie wusste, dass ihr die Goldmedaille sicher war, wenn sie keine Fehler beging, was sie auch schaffte” (Pritha Sarkar, REUTERS, 20.08.2016).

Rita Mamun hat einen Vater aus Bangladesch und eine russische Mutter. Die rhythmische Gymnastin zeigte ihre herausragenden Fähigkeiten der Balance, Dreh- und Sprungkraft, als sie den “Sieg für zwei Länder” im Finale errang, wie sie sagte. Die 20jährige “bengalisch-russische Tigerin” siegte nicht mit brutaler Gewalt über ihre Rivalinnen, sondern liess sie hinter ihrem Schatten herjagen. Ihre vier exzellenten Küren mit Reifen, Ball, Keulen und Band brachten ihr die erste olympische Goldmedaille, eine wohl verdiente Premiere.

Olympische Goldmedaille in rhythmischer Gymnastik für die “bengalisch-russische Tigerin” Margarita Mamun:

Margarita “Rita” Mamun (Маргарита Мамун) ist am 1. November 1995 in Moskau geboren. Die rhythmische Gymnastin wurde dreimal (2011–2013) russische Meisterin. Rita Mamun hatte als Juniorin ihr Vaterland Bangladesch repräsentiert. Deshalb war sie mit nach ihrem Sieg in Rio sehr erfreut, dass dieses Ereignis auch in Bangladesch, der Heimat ihres Vaters Abdullah Al Mamun, gefeiert wurde. “Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich viele Freunde in Bangladesch habe, die mich unterstützen”, sagte Rita Mamun auf Russisch. “Ich kann auf Bengali von eins bis zehn zählen. Als ich ein Kind war, unterrichtete mich mein Vater in der bengalischen Sprache. Aber mittlerweile habe ich fast alles vergessen.”  Und warum entschied sie sich dafür, als Juniorin Bangladesch zu repräsentieren, obwohl sie in ihrem Mutterland Russland geboren wurde und aufwuchs?  “Ich hatte die doppelte Staatsbürgerschaft. Deshalb beschloss ich, bei einem Juniorenwettbewerb für Bangladesch anzutreten. Dann kam ich zurück und trat für Russland an, da ich immer in Russland gelebt und trainiert habe.”  Der kleine Staat Bangladesch in Zentralasien hat noch nie eine olympische Medaille gewonnen (THE STAR ONLINE, 21.08.2016).

Rita Mamun mit ihrer Trainerin Irina Wiener-Usmanowa in Rio:

Die 16. Goldmedaille für Russland kam wieder aus dem Bereich der Ringer, als der Russe Abdulraschid Sadulajew im Freistilringen, Kategorie bis 86 kg, gewann. Das Freistilringen ist eine Variante des Ringens. Zusammen mit dem griechisch-römischen Ringen bildet es die Ringsport-Disziplinen bei den Olympischen Spielen. Abdulraschid Sadulajew, 20, in der kaukasischen Teilrepublik Dagestan geboren, is zweifacher Weltmeister in dieser Disziplin. Er lebt in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala. Abdulraschid Bulatschewitsch Sadulajew (Абдулрашид Булачевич Садулаев) kam am 9. Mai 1996 im Rajon Tscharodinski, Dagestan, zur Welt.  Der russische Freistilringer awarischer Abstammung wird auch “russischer Panzer” genannt. Er gewann zweimal den Weltmeistertitel (2014, 2015). Abdulraschid Sadulajew wurde 2014 mit 18 Jahren Weltmeister in der Kategorie bis 86 kg. Olympiasieger 2016 wurde er mit knapp 20 Jahren. Seit November 2013 hat er in allen Wettkämpfen gewonnen und wird von vielen als der beste Ringer im Freistil weltweit gelobt. Seit August 2016 hält Abdulraschid Sadulajew in seiner Kategorie den 1. Platz auf der Weltrangliste der Freistilringer.

Der Korrespondent von “Championat” sprach mit dem dagestanischen Freistilringer nach seinem Sieg in der Endrunde von Rio 2016. “Seit meiner Kindheit träume ich von der Olympiade. Heute bin ich glücklich, dass ich die Erwartungen meiner Trainer, des Publikums und all jener Menschen erfüllt habe, die sich Sorgen um uns machen”, sagte Abdulraschid Sadulajew. Auf die Frage, warum er über die Barriere des Podiums gesprungen sei, antwortete er: “Dort drüben sassen meine Freunde und Brüder, all meine Lieben. Sie sind hierher gekommen, um mich zu unterstützen. Ich wollte ihnen danken. Ich möchte auch Omar Murtusaliew danken, dem stellvertretenden Präsidenten des russischen Ringerverbands” (CHAMPIONAT.COM, 21.08.2016).

Olympische Goldmedaille für den Russen Abdulraschid Sadulajew im Freistilringen in der Kategorie bis 86 kg:

Schliesslich gewann am 20. August 2016 Alexander Lessun die 17. Goldmedaille für Russland. Er erreichte diesen Sieg mit 1.479 Punkten im Pentathlon. Alexander Lessun sagte bereits vor seiner Abreise nach Rio, dass er gewinnen würde. “Ich werde mir nicht die Christusstatue auf dem Corcovado anschauen, ich werde gewinnen”, versprach er. Ausserdem plant er, bei der Olympiade 2020 in Tokio wieder anzutreten. “Ich will undingt dort mitmachen, nicht nur im Einzelwettkampf, sondern auch gemeinsam mit Donata Rimschaite”, kündigte er an. Russlands Sieger im Pentathlon erzählte Reportern, dass er  in Tokio ebenfalls die Goldmedaille erringen wolle: “Ich träume davon. Warum auch nicht? Die nächste Olympiade wird in Tokio stattfinden, dort bin ich noch nie gewesen” (TASS, 21.08.2016).

Alexander Leonidowitsch Lessun (Александр Леонидович Лесун) ist am 1. Juli 1988 in Barysaw, Weissrussland, geboren. Er besitzt die russisch-weissrussische Doppelstaatsbürgerschaft. Der Pentathlet ist mehrfacher Weltmeister. Bei den Weltmeisterschaften in Chengdu, China, gewann er sowohl im Einzelwettkampf als auch in der Staffel. Bei den Weltmeisterschaften in Moskau führte er die starke russische Pentathlon-Mannschaft zum Sieg. Seine erste Goldmedaille im Einzel erhielt er bei den Weltmeisterschaften 2012. Die Goldmedaille 2016 in Rio ist sein erstes olympisches Gold.

Olympische Goldmedaille für den Russen Alexander Lessun im Pentathlon:

Der letzte Triumph für Russland kam am letzten Tag dieser Olympiade in Rio, am 21. August 2016. Russland gewann noch zwei Goldmedaillen dazu. Die Gruppe der rhythmischen Gymnastinnen holte die 18. Goldmedaille im Gruppenwettbewerb. “Die Russinnen waren ihren Rivalinnen weit überlegen. Vera Birjukowa, Anastasia Blisnjuk, Anastasia Maksimowa, Anastasia Tatarewa und Maria Tolkatschewa nahmen sich zusammen, um das Beste zu geben und ihren Gegnerinnen keine Chance zu lassen. Die fünf Russinnen zeigten ein brillantes Finale. Es war eine kunstvoll verwobene Kombination aus Tanz und Gymnastik mit Keulen und Reifen, die auch im Cirque du Soleil nicht fehl am Platz gewesen wäre. Dafür erhielten sie ihre fünfte olympische Goldmedaille in Serie” (RIO2016.COM, 21.08.2016).

Irina Wiener-Usmanowa  war bestimmt stolz auf ihre Mädchen. Ihre Bemühungen als Haupttrainerin der russischen Damenmannschaft in rhythmischer Gymnastik zeitigten goldene Ergebnisse, ebenso wie sich die Betreuung des russischen Fechterteams durch ihren Ehemann als sehr effektiv erwies. Die Russische Föderation darf für den gemeinsamen Einsatz von Irina Wiener und Alischer Usmanow dankbar sein. Sie investierten viel Zeit, Geld und harte Arbeit, um die russischen Fechter und rhythmischen Gymnastinnen zu unterstützen.

Der russische Freistilringer Soslan Ramonow gewann die 19. Goldmedaille für Russland in der Gewichtsklasse bis 65 kg. Der Kampf dauerte nur zwei Minuten. Seinen Sieg widmete er dem Andenken an den Landsmann Besik Kuduhowu, der 2013 bei einem Autounfall starb. Soslan Ramonow sprach mit Sport Express: “Der Sieg fiel mir leicht. Wahrscheinlich half mir, dass ich guter Laune war. Dann läuft alles wie von selbst. Der Kopf denkt nicht, die Hände arbeiten alleine. Die Zwiespältigkeit in der Frage von Russlands Teilnahme an der Olympiade war das Schrecklichste von allem. Unsere Sportler waren angespannt und besorgt. Wir schauten jeden Tag Nachrichten. Natürlich war es ein Sieg für uns, dass wir zu den Olympischen Spielen reisen durften. Das motivierte uns. Nun mussten wir beweisen, dass wir nicht umsonst gekommen waren” (SPORT-EXPRESS, 21.08.2016).

Soslan Ljudwikowitsch Ramonow (Сослан Людвикович Рамонов) ist am 1. Januar 1991 in Zchinwali, Südossetien, geboren. Der russische Freistilringer erreichte 2014 einen nationalen und internationalen Sieg in der Kategorie bis 65 kg. Er wird von Anatoli Margijew und seinem Onkel Stanislaw Ramonow trainiert. Sein älterer Bruder Alan ist ebenfalls Wettkampfringer. In seiner Heimatstadt Zchinwali, jetzt Hauptstadt der freien Republik Südossetien, wurde ein Feuerwerk zu Ehren des Champions veranstaltet. “Es ist sehr symbolisch, dass es heute ein Feuerwerk in der Heimatstadt unseres Olympiasiegers gab. Soslan kam in der ersten Januarnacht des Jahres 1991 in Zchinvali zur Welt. Damals herrschte kriegerische Unruhe in Südossetien, fast die ganze männliche Bevölkerung war bewaffnet. Soslans Vater und Onkel freuten sich so sehr über die Geburt des Jungen, dass sie beschlossen, diesen Anlass mit einer Feuersalve zu feiern. Manche Nachbarn hielten sie für ein Neujahrsfeuerwerk. Es war die erste Zeremonie im Leben unseres Olympiasiegers, heute folgte die zweite” (CHAMPIONAT.COM, 21.08.2016).

Olympische Goldmedaille für Soslan Ramonow im Freistilringen, Kategorie bis 65 kg:

Bei der Schlusszeremonie in Rio de Janeiro durften die russischen Stars des Synchronschwimmens, die fünffachen Olympiasiegerinnen Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina, die russische Flagge tragen. Alles in allem kann die Russische Föderation stolz auf ihre wunderbaren Athleten sein. Sie triumphierten in Rio de Janeiro mit Bravur, obwohl die Situation sich für sie sehr schwierig gestaltete. Die Sachlage wird sich bestimmt bessern bis zur nächsten Sommerolympiade 2020 in Tokio.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt derzeit in Moskau. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Publicado en Brasil, Rusia | Etiquetado , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Deja un comentario