Olivia Kroth/Amerika 21: Venezuelas afrikanische Wurzeln – Venezuela’s African roots

Venezuelas afrikanische Wurzeln

von Olivia Kroth

Ausstellung in Caracas (3.-29. Mai 2013):  „Heldinnen und Helden afrikanischer Herkunft in Venezuela“

In der Metro-Station Bellas Artes können Passanten bis zum 29. Mai die Ausstellung „Heldinnen und Helden afrikanischer Herkunft in Venezuela“ betrachten. Reinaldo Bolívar, Professor und Vize-Präsident für Außenbeziehungen zu Afrika, eröffnete die Ausstellung gemeinsam mit Natascha Castillo de Jaua, der Ehefrau des Außenministers Elías Jaua und Präsidentin des Vereins Casa Amarilla (Gelbes Haus).  Die Ausstellung eröffnet die Feierlichkeiten des Monats der „Africanidad“, des afrikanischen Wesens von Venezuela.

In erster Linie ist diese Veranstaltung als Ehrung für Hugo Chávez gedacht, der zu Lebzeiten häufig über seine afrikanischen Wurzeln sprach. Reinaldo Bolívar betonte bei der Eröffnungsfeier, dass die Ausstellung „den immensen Reichtum des Vermächtnisses all jener Menschen zeigen“ wolle, die „für unsere Freiheit kämpften, zu unserem Erbe gehören und unsere nationale Identität formten“.

Die Ausstellung wurde in der Metro Caracas installiert, damit sie Millionen von Menschen erreicht, die täglich dieses Transportmittel nutzen. So erhalten sie Gelegenheit, „mehr über Venezuelas Geschichte zu erfahren“, laut Reinaldo Bolívar. Die Exponate zeigen farbige Porträts von venezolanischen Freiheitskämpfern afrikanischer Abstammung aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Dazu gibt es Texttafeln mit der Biographie dieser Menschen.

Auf seinem Blog präsentiert Reinaldo Bolívar einige interessante Gedanken zu den gemeinsamen Wurzeln und Projekten afrikanischer Länder mit Venezuela. Er war eine der treibenden Kräfte zur Gründung des Instituts für strategische Forschung über Afrika und seine Diaspora. Das venezolanische Institut nennt sich „Zentrum für afrikanisches Wissen”.

In diesem Institut wird Venezuelas afrikanisches Wesen erforscht, zum Beispiel die Geschichte der Venezolaner afrikanischer Abstammung, ihre Kultur, Lebensumstände und Zukunftsaussichten. Das Institut bietet auch Arbeitskreise zu solch verschiedenartigen Themen wie Ernährung und Medizin, Gebrauch tropischer Pflanzen oder Hausbau in afrikanischem Stil mit Zuckerrohr in der Bahareque-Technik.

Reinaldo Bolívar betont, dass es für Venezuela von Bedeutung sei, die Bindung zu Afrika zu pflegen. Während der Präsidentschaft von Hugo Chávez (1999-2012) wurden gute Beziehungen zu vielen afrikanischen Ländern aufgebaut und durch gemeinsame Projekte gefördert, unter anderem in den Bereichen von Bergbau, Energie, Handel und Landwirtschaft.

Venezuela hat seine Präsenz in Afrika kontinuierlich ausgebaut und wird den Prozess fortsetzen. Die Venezolaner haben afrikanisches Blut in ihren Adern. Afrika ist in ihren Genen präsent. „Das afrikanische Wesen ist Bestandsteil unserer Identität. Ich bin ein integraler Afrikanist”, sagt Reinaldo Bolívar. Afrika bedeutet für ihn die Zukunft der Menschheit.

Reinaldo Bolívar denkt, dass Afrika dank seines immensen Reichtums an menschlichen und natürlichen Ressourcen ab 2020 eine wichtige Rolle in der Welt spielen werde, aber die Afrikaner müssen ihren eigenen Kurs steuern und verhindern, dass Ausländer sich ihre internen Angelegenheiten mischen. Er kritisiert insbesondere die raubgierigen Europäer, welche Afrikas Fischprodukte essen sowie Afrikas Mineralien und Edelsteine wegnehmen.

In seinem Blogeintrag „Der dritte Gipfel Südamerika – Afrika” stellt Reinaldo Bolívar fest, dass das ASA-Gipfeltreffen in Äquatorialguinea, welches vom 20. bis 23. Februar 2013 in Malabo abgehalten wurde, bereits im November 2011 in Tripolis/Jamahiriya hätte stattfinden sollen. Doch wurde das nordafrikanische Land von der NATO so stark bombardiert, dass das ASA-Gipfeltreffen verschoben werden musste und später nach Malabo verlegt wurde.

In seinem Blogeintrag „Afrika und Chávez” schreibt Reinaldo Bolívar, dass viele Afrikaner Präsident Chávez bewundern. In etlichen Gegenden des afrikanischen Kontinents wurden Heilungsrituale für ihn abgehalten. Die Präsidenten von Algerien, Benin, Ägypten, Gambia und Südafrika schickten Grüße zu Weihnachten und Neujahr. Sie wünschten Hugo Chávez baldige Besserung nach seiner Operation in Kuba.

In dem Programm „Apadrina una Escuela in África” zahlt Venezuela für den Bau von Schulen in Afrika. Die Lehrer sprechen mit den Schülern über Venezuelas Präsident an Schulen in Algerien, Angola, Benin, Cabo Verde, Kongo, Ägypten, Äquatorialguinea, Äthiopien, Gambia, Ghana, Guinea Bissau, Lesotho, Liberia, Mali, Mozambique, Namibia, Sao Tomé und Príncipe, Senegal, Sierra Leone, Südafrika und Sudan. Die Studenten sehen Bilder des Befreiers Simón Bolívar und von Hugo Chávez. Sie lieben ihn auch nach seinem Tode weiter, weil er „Mutter Afrika” liebte.

Blog Reinaldo Bolívar (Spanisch):

http://reinaldobolivar.blogspot.com

Twitter (Spanisch):

@reinaldobolivar.blogspot.com

Präsident Nicolás Maduro plant die Einrichtung einer großen Mission”Negro Primero”, um die venezolanischen Streitkräfte (FANB) besser auszustatten und die Soldaten einschließlich ihrer Familien umfassend zu versorgen. Nach seiner Rückkehr aus Brasilien ließ er verlauten, dass die Mission “Negro Primero”, eine Idee von Hugo Chávez, nun verwirklicht werden solle. Im Blickpunkt dieser Mission stehen folgende Bereiche: Ausstattung und Wartung, Bildung und Erziehung, Infrastruktur, nationale Entwicklung und soziale Sicherheit.

Der Name “Negro Primero” geht auf Pedro Camejo zurück, einen venezolanischen Offizier afrikanischer Abstammung in der Befreiungsarmee des Unabhängigkeitskrieges. Pedro Camejo wurde 1790 als schwarzer Sklave in San Juan de Payara geboren. Im Jahre 1816 trat er in die Befreiungsarmee ein, wo er als hervorragender Lanzenreiter auffiel. Dank seiner wachen Intelligenz und Wendigkeit stieg er zum Oberstleutnant der Kavallerie auf. In der Zweiten Schlacht von Carabobo gegen die spanische Kolonialarmee am 24. Juni 1821 wurde Pedro Camejo lebensgefährlich verwundet und verstarb später aufgrund dieser Verwundung.

Durch seinen Aufstieg vom ehemaligen Sklaven zum Offizier der venezolanischen Befreiungsarmee wurde Pedro Camejo zum Symbol für Aufstiegschancen in Venezuela. El Negro Primero ist für viele Schwarze eine Identifikationsfigur, ein Held aus den Reihen ihrer afrikanischen Ahnen.

Venezuela’s African roots

by Olivia Kroth

Exhibition in Caracas (May 3-29, 2013): “Heroes and heroines of African descent in Venezuela”

In the metro station of Bellas Artes, passengers can view the exhibition “Heroes and heroines of African descent in Venezuela,” until the 29th of May 2013. Reinaldo Bolívar, professor and Vice-President of Venezuelan relations with Africa, inaugurated the exhibition together with Natasha Castillo de Jaua. She is the wife of Venezuela’s Minister for Foreign Affairs, Elías Jaua, and President of the institution Casa Amarilla (Yellow House). This show marks the beginning of “Africanidad” celebrations in May, honouring Venezuela’s african roots.

The exhibition is firstly an homage to Hugo Chávez, who often spoke about his African descent during his lifetime. At the inauguration ceremony, Reinaldo Bolívar pointed out that the show demonstrates “the immensely rich legacy of all those people who fought for our liberty and independence. It constitutes our heritage and formed our national identity.”

This exhibition was installed in the metro of Caracas, to reach millions of people who use the transport system each day. Thus, they will have a chance of learning more about Venezuela’s history, according to Reinaldo Bolívar. Coloured illustrations of Venezuela’s independence heroes and heroines of African descent are presented. In addition, short texts inform about their biographies.

On his blog, Reinaldo Bolívar presents some interesting thoughts about the common roots and projects of African countries and Venezuela. He was one of the driving forces behind the creation of the Institute of Strategic Investigations on Africa and its Diaspora, the “Centre of African Knowledge” in Venezuela.

At this institute, Venezuela’s “Africanidad” is being researched, i.e. the history of Venezuela’s Afro-descendants, their culture, living circumstances and prospects for the future. The institute also offers workshops on such diverse topics as Afro-Venezuelan food and medicine, the use of tropical plants, or building houses in African style, by using sugar canes in the Bahareque technique.

Reinaldo Bolívar emphasizes that it is important for Venezuela to honour its commitment to Africa. During the presidency of Hugo Chávez (1999-2012), good relations with many African countries were fostered and common projects in the fields of agriculture, energy, mining and trade have begun.

Venezuela has been continuously increasing its presence in Africa and will continue with this process. Venezuelans have African blood in their bodies. Africa is present in their genes. “Africanidad is part of our identity. I am an integral Africanist,” says Reinaldo Bolívar. Africa, to him, means “the future of humanity.”

Reinaldo Bolívar thinks that Africa – due to its immense wealth in human and natural resources – will play a very important role in the world by 2020, but Africans must steer their own course and prevent foreign countries from interfering in their internal affairs. He especially criticizes the role of rapacious Europe that “eats the fish products of Africa and removes its minerals, as well as its precious stones.”

In his blog entry “La III Cumbre América del Sur – África”, Professor Reinaldo Bolívar notes that the ASA Summit in Equatorial Guinea (20-23 February 2013) was supposed to have already been held in November 2011, in Tripoli, the capital of the Great Jamahiriya. The country was heavily bombarded by NATO, however, so that the ASA Summit had to be postponed and later transferred to Malabo.

Malabo in Equatorial Guinea

In his blog entry, “África y Chávez”, Reinaldo Bolívar writes that many Africans admire Hugo Chávez. Healing rituals and transmissions of energy were held for him in many parts of the African Continent. The Presidents of Algeria, Benin, Egypt, Gambia and South Africa sent greetings for Christmas and New Year, wishing Hugo Chávez speedy recovery from his operation in Cuba.

In the programme, “Apadrina una Escuela in África”, Venezuela pays for schools to be built in Africa. The teachers speak to the pupils about Venezuela’s President in schools of Algeria, Angola, Benin, Cabo Verde, Congo, Egypt, Equatorial Guinea, Ethiopia, Gambia, Ghana, Guinea Bissau, Lesotho, Liberia, Mali, Mozambique, Namibia, Sao Tomé and Príncipe, Senegal, Sierra Leone, South Africa and Sudan. The students see pictures of Simón Bolívar, the Liberator, and of Hugo Chávez. They continue to love him, after his death, because he loved “Madre África” (Mother Africa).

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President Nicolás Maduro plans to install the Great Mission “Negro Primero,” to improve the equipment of the Venezuelan Armed Forces (FANB) and the living conditions of soldiers, including their families. After his return from Brazil, Nicolás Maduro announced that the Great Mission “Negro Primero,” which was Hugo Chávez’s idea, shall be implemented now. This mission focusses on the following areas: education, equipment and maintenance, infrastructure, national development and social security.

The term “Negro Primero” refers to Pedro Camejo, a Venezuelan officer of African descent in the Liberation Army during the War of Independence. Pedro Camejo was born as a black slave in San Juan de Payara, in 1790. He joined the Liberation Army, in 1816, where he gained recognition as excellent lance-bearing cavalryman. Due to his high intelligence and agility, Pedro Camejo was promoted to Lieutenant Colonel of the cavalry. In the Second Battle of Carabobo, on the 24th of June 1821, he was mortally wounded and later died of this wound.

Because of his ascent from former slave to officer, Pedro Camejo became a symbol of promotion prospects in Venezuela. El Negro Primero is a positive role model for many Blacks, a hero in the ranks of their African ancestors.

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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