Olivia Kroth/Portal Amerika 21: Zeitreise in Venezuelas alte Kultur der Kuikas – Voyage back in time to the old culture of the Kuikas in Venezuela

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Zeitreise in Venezuelas alte Kultur der Kuikas

Die sozialistische Regierung vermittlet stärker die indigene Geschichte des Landes

von Olivia Kroth

Die Bolivarische Regierung Venezuelas legt Wert darauf, dass die jungen Generationen die Welt ihrer Vorfahren kennen lernen. Geschichte und Kultur der indigenen Bevölkerung gehören zum allgemeinen Schulprogramm, seit Präsident Hugo Chávez, der selbst indigene Wurzeln hatte, im Jahre 1999 die Bolivarische Revolution in Gang setzte. Dieses Programm wird von Präsident Nicolás Maduro fortgeführt.

Es gibt ein schulisches Programm mit dem Titel “Encuentro con nuestra Raices Indígenas”, Begegnung mit unseren indigenen Wurzeln. Schulkinder besuchen Ausstellungen und lernen mit audio-visuellen Medien die wichtigsten Merkmale indigener Kultur kennen. Im Bundesland Trujillo nehmen 20 Schulen an dem Programm “La Gran Nación Kuikas” (Die grosse Nation der Kuikas) teil.

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Schulkinder in dem Museum “Haus der Verträge” in Ciudad Trujillo

Die Kuikas waren Paläo-Indianer, die seit 20.000 v. Chr. in dem Gebiet der heutigen venezolanischen Anden-Staaten Mérida, Táchira und Trujillo lebten. In dem gesamten Gebiet des Bundeslandes Trujillo gibt es eine Vielzahl archäologischer Fundstätten mit Resten von Behausungen der Kuikas, wo menschliche und tierische Knochen, Töpferwaren, Waffen und sonstige Gebrauchsgegenstände gefunden wurden, welche über die alte Kultur Auskunft geben.

Ein trujillanischer Wissenschaftler, der sich den Kuikas widmete, war Felipe Antonio Velazquez Azuaje (1944-1980). Er wurde am 22.10.1944 in dem Andendorf San Lázaro geboren. Der junge Mann studierte Anthropologie an der Universität von Barquisimeto in dem Bundesland Lara und Soziologie an der venezolanischen Zentraluniversität in Caracas. Ab 1974 lehrte er als Professor für Anthropologie an der Anden-Universität in Ciudad Trujillo. Durch die Veröffentlichung etlicher Monographien machte er sich als Kuikas-Forscher einen Namen. Leider starb er früh, mit 35 Jahren, am 26. August 1980.

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Schulklasse in dem Museum “Haus der Verträge” in Ciudad Trujillo 

Das Wort Kuikas bedeutet Brüder. Sie waren ein friedliches Volk von Bauern und Jägern, das in Harmonie mit der Natur lebte. Die Kuikas verehrten Ikake, Mutter Natur. Ihre Tänze und Gesänge fanden zu Ehren des Sonnengottes Chés und der Mondgöttin Chía statt. Die Kuikas verehrten auch die Sterne und nannten sie die Augen des Universums. Sie waren in schamanischer Heilkunst und Magie bewandert. Ihre Erzähler überlieferten mündlich die Mythen des Volks.

Ïn dem Museum von Ciudad Trujillo, der “Casa de los Tratados” (Haus der Verträge) in der Avenida Independencia Nr. 5-29, ist der fünfte Raum den Kuikas gewidmet. Die Vitrinen in dem Museum zeigen Töpferwaren der Kuikas, zum Beispiel eine Bestattungsurne aus Terrakotta, die mit schwarzen, schlangenförmigen Mustern bemalt ist. Die Kuikas verzierten auch ihre Rücken mit langen, geometrischen Mustern. Die Farben wurden aus pflanzlichen Pigmenten und Mineralien gewonnen. In anderen Vitrinen sind kleine Figuren ausgestellt: menschliche Wesen, Affen, Eulen und Schildkröten.

Opfernder - Kuika statue aus Trujillo, ca. 500 v. Chr.

Opferstatue der Kuikas (ca. 500 v. Chr.)

Ein Mörser zum Stampfen von Mais erinnert daran, dass die Kuikas von der Landwirtschaft lebten. Sie bauten Bohnen, Kartoffeln, Mais, Tabak, Tomaten und Yuca an. Für ihre Anpflanzungen errichteten sie Terrassen an den Hängen der Anden, um Erosion zu verhindern. Dieses Volk ging auch zur Jagd. Eine der Vitrinen präsentiert Köcher und Pfeile aus Holz, mit Federn und Perlen geschmückt. Die Pfeilspitzen bestehen aus Knochen und Stein.

Es gab männliche und weibliche Häuptlinge bei den Kuikas. Der männliche Anführer trug den Titel “Tabiskey”, die weibliche Form ist “Tabiskeya”. Alle Tabiskeys und Tabiskeyas versammelten sich regelmässig in dem grossen Rat. Die Anführer der Kuikas trugen zum Zeichen ihrer Weisheit und Würde 10 Adlerfedern auf der Stirn.

Kuikas - Mais

Die Kuikas bauten Mais an

Mit der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert begann die Ausrottung der Kuikas. Ein berühmter Häuptling, der tapfer, aber vergeblich gegen das spanische Kolonialheer kämpfte, war der Tabiskey Kastán. Am 14. Mai 1500 geboren, gehörte er zu dem Stamm der Muku innerhalb des Kuikas-Volks. Kastán zeichnete sich durch grosse Tapferkeit aus. Spanische Chronisten beschrieben ihn als korpulenten, intelligenten Indianer.

Im Jahre 1527 wurde Kastán gemeinsam mit seiner Frau, der Tabiskeya Kura, und seiner Tochter Kamura von dem Spanier Joan Roldán ermordet. Die Leichen wurden verbrannt, ihre Asche in einen Fluss gestreut, der heute Río Kastán heisst. Er ist nach dem grossen Häuptling benannt.

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Tabiskey Kastán

Ein Grossteil der Kuikas wurde von den spanischen Eroberern durch Genozid ausgelöscht. Der Rest vermischte sich im Lauf der Jahrhunderte mit den spanischen Eroberern und anderen Einwanderern in Venezuela.

Die Kuikas gibt es heute nicht mehr, aber etliche Ortsnamen in dem Bundesland Trujillo erinnern an sie, denn ihre Namen stammen aus der altes Sprache dieses Volks: Betijoque, Boconó, Burbusay, Carache, Escuque, Motatán und Niquitao.

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Park in Boconó

http://amerika21.de/blog/2013/06/83353/venezuela-kuikas

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Voyage back in time to the old culture of the Kuikas in Venezuela

The Socialist Government presents Venezuela’s indigenous history

German text and English translation by Olivia Kroth

The Bolivarian Government wants the younger generations of Venezuelans to learn about the world of their ancestors. History and culture of the indigenous population have become part of the general curriculum at all schools, since the late President Hugo Chávez, with indigenous roots of his own, initiated the Bolivarian Revolution in 1999. President Nicolás Maduro continues with this programme.

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Pupils visit the Museum “Casa de los Tratados” in Ciudad Trujillo

There is a school subject called “Encuentra con nuestras Raices Indígenas,” encounter with our indegenous roots. Pupils visit exhibitions and get to know the main traits of indigenous culture through audio-visual media. In the state of Trujillo, 20 schools are participating in the programme “La Gran Nación Kuikas,” the great nation of the Kuikas.

The Kuikas were Paleo-Indians. They lived in the territory of the Venezuelan Andes states – Mérida, Táchira, Trujillo – from 20.000 BC until the 16th century AC. There are plenty of archeological sites on the territory of Trujillo, where remains of Kuikas dwellings have been found, with human and animal bones, earthenware, weapons and other utensils that give an insight into this old culture.

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Trujillo: land of the Kuikas

Felipe Antonio Velazquez Azuaje (1944-198o) was an anthropologist from Trujillo, who researched the civilization of the Kuikas. Born in the Andean village of San Lázaro, on the 22nd of October 1944, he studied anthropology at the University of Barquisimeto, state of Lara, and sociology at Venezuela’s Central University. From 1974 until his death, he taught anthropology as professor at the University of the Andes in Ciudad Trujillo. He became well-known for his research by publishing several monographies about the Kuikas. Unfortunately, he died young, with 35 years, on the 26th of August 1980.

Room no. five in the Museum of Ciudad Trujillo, the “Casa de los Tratados” in Avenida Independencia 5-29, is dedicated to the Kuikas. The word Kuikas means brother. They were peaceful people, farmers and hunters who lived in harmony with nature. The Kuikas revered Ikake, Mother Nature. They danced and sang for the sun god Chés and the moon goddess Chía. The Kuikas also venerated the stars and called them the eyes of the universe. They were masters of shamanic medicine and magic. Their story-tellers kept the Kuikas myths alive.

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Showcases in the museum exhibit earthenware of the Kuikas, for example a funeral urn, adorned with black, snake-like decorations. The Kuikas also painted long stripes of geometrical designs on their backs. The colours were extracted from plants and minerals. In some of the showcases, small terracotta figures can be seen: human forms, monkeys, owls and turtles.

A mortar and pestle for grinding corn reminds the visitor that the Kuikas were an agrarian society. They cultivated beans, corn, potatoes, tobacco, tomatoes and yuca. To protect the plantations from erosion, terraces were built on the slopes of the Andes mountains. The Kuikas also went hunting. A showcase presents quivers and arrows, embellisheded with feathers and pearls. The arrowheads are made of bones or stone.

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The Kuikas cultivated yuca

The Kuikas society had male and female leaders. The male chief was called Tabiskey, the female form of the title is Tabiskeya. All of the Tabiskeys and Tabiskeyas gathered regularly for consultations in the great convent. As outer sign of their wisdom, they wore 10 eagle feathers on the forehead.

After the arrival of the Spaniards in the 16th century, the Kuikas were decimated. Kastán was a famous Tabiskey who fought ferociously, but in vain against the Spanish colonial army. Born on the 14th of May 1500, he belonged to the Muku people, one of the Kuikas’ tribes. Kastán excelled in courage. Spanish chronicles describe him as a stout, intelligent Indian. In 1527, Kastán, his wife, the Tabiskeya Kura, and their daughter Kamura were murdered by the Spaniard, Joan Roldán. Their bodies were burnt, the ashes thrown into a river that bears the name of Río Kastán, named after the great Tabiskey.

Río Kastán - Trujillo

Río Kastán in the state of Trujillo

A great part of the Kuikas was killed by the Spaniards through genocide. The rest mingled with the Spanish colonialists and other immigrants in Venezuela, during the following centuries. There are no more Kuikas today, but the names of some towns and villages in the state of Trujillo stem from the old Kuikas language: Betijoque, Boconó, Burbusay, Carache, Escuque, Motatán and Niquitao.

Escuque - Kuikas

Esquque in the state of Trujillo

 

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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