Olivia Kroth/Die Stimme Russlands: Erinnerungen an Marschall Georgi Schukow – legendär und unbesiegbar vierzig Jahre nach seinem Tod

Erinnerungen an Marschall Schukow: legendär und unbesiegbar vierzig Jahre nach seinem Tod

von Olivia Kroth

Zwei Daten nähern sich, die uns an Georgi Konstantinowitsch Schukow (1896-1974) erinnern, Marschall der Sowjetunion und Sieger im II. Weltkrieg, welcher in Russland “Der Grosse Vaterländische Krieg” heisst. Ältere Russen denken wehmütig an die erste Siegesparade am 24. Mai 1945 in Moskau zurück. Damals galoppierte Marschall Schukow auf einem weissen Pferd über den Roten Platz.

Das zweite Datum ist der 18. Juni 1974, der Todestag des Marschalls vor 40 Jahren. Er war der planende Geist hinter allen sowjetischen Kampfeinsätzen zwischen 1941 und 1945. Unter seinem Kommando wurde die Militärmaschine der Nazis auf sowjetischem Territorium von der Roten Armee zerbrochen.

Der Einzug der Sowjets Ende April 1945 in Berlin krönte den Siegeszug des Marschalls. Daheim feierten ihn seine Landsleute als legendären, unbesiegbaren militärischen Führer. Nicht nur, dass er die Heimat vor Fremdbesatzung bewahrte, er half auch, Europa vom Faschismus der Nationalsozialisten zu befreien. Seine Kombination aus Intelligenz und Willensstärke, sein Talent zur Analyse und weitreichender Vision prädestinierten ihn für diese spektakuläre militärische Laufbahn. Marschall Schukow hinterliess ein Vermächtnis globalen Ausmasses, welches die Militärtheorie in Russland und weltweit nachhaltig beeinflusste.

Die Anfänge

Georgi Konstantinowitsch Schukow kam am 1. Dezember 1896 in einer armen Bauernfamilie von Strelkowa im Gouvernement Kaluga zur Welt. Als Kind verrichtete er Feldarbeit. Mit zwölf Jahren schickte ihn der Vater für eine Kürschnerlehre nach Moskau, wo Georgi vier Jahre später die Gesellenprüfung ablegte und als Kürschnergeselle arbeitete. 1915 wurde er zur Armee einberufen und diente während des I. Weltkriegs in der zaristischen Kavallerie. Für seine Leistungen wurde er zweimal mit dem Kreuz des Sankt Georg ausgezeichnet. 1917 schloss er sich den Bolschewiken an und trat in die neu gegründete Rote Armee ein. 

1938 wurde Georgi Schukow zum Kommandeur der Sowjetisch-Mongolischen Volksarmee ernannt. Im Kampf gegen Japans Kwantung-Armee gewannen die Sowjets unter Georgi Schukows Führung eine entscheidende Schlacht am Fluss Chalchingol mit ihren Panzern BT-5 und BT-7. Am 31. August 1939 zogen sich die Japaner zurück. So begann Georgi Schukows unaufhaltsamer Aufstieg auf der Karriereleiter. In der Mongolei hatte er die Gelegenheit genutzt, jene Techniken zu erproben, die er später im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht erfolgreich einsetzte. Die sowjetischen Panzer BT wurden verbessert und führten zur Entwicklung des Panzers BT-34. Er war bekanntermassen der beste Allzweckpanzer des II. Weltkriegs.

Denkmal für Georgi Schukow in Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei:

Etappen des Sieges

Kürzer und präziser könnten die Etappen nicht umrissen werden, welche der Sieger auf seinem Feldzug quer durch die UDSSR absolvierte: “Vor Ort stabilisierte Schukow die Westfront, sicherte Leningrad und rettete Moskau. Schukow leitete die Schlachten um Stalingrad und bei Kursk. Er eroberte Berlin und nahm die deutsche Kapitulation entgegen”, hiess es am 24. Juni 1974 im Spiegel, der einen Nachruf auf den Marschall eine Woche nach seinem Ableben veröffentlichte.

Insbesondere die Schlacht um Moskau sei ihm selbst als Meilenstein in Erinnerung geblieben, schrieb Georgi Schukow später in seinen Memoiren: “Die Nazis erwarteteten nicht, dass der sowjetische Widerstand so stark sein werde. Je weiter sie in unser Gebiet vorrückten, desto heftiger reagierten wir. Als sich Hitlers Streitkräfte Moskau näherten, dachte jeder Mann, jede Frau nur daran, dem Feind Widerstand zu leisten. Die deutsche Wehrmacht erlitt grosse Verluste, einen Verlust nach dem anderen. In der Tat gingen Hitlers beste Truppen vor Moskau zugrunde. Die Nazis glaubten, unsere Rote Armee sei nicht in der Lage, Moskau zu verteidigen. Aber sie irrten sich. Ihre Pläne wurden vereitelt.”

In einer Biografie mit dem Titel Stalins General: Das Leben von Georgi Schukow erläutert der britische Historiker Geoffrey Roberts die Kooperation zwischen Stalin und Schukow. Das Werk wurde 2012 von Icon Books in London und Random House in New York publiziert. Eine deutsche Übersetzung steht noch aus. Als Professor an Irlands University College in Cork untersuchte der Historiker Materialien aus russischen Militärarchiven und die Memoiren von Marschall Schukow. Er stellt fest, dass Stalin den Marschall schätzte, weil dieser “sich sowohl bei Offensiven als auch Gegenoffensiven bewährte, ebenso in erfolgreich durchgeführten Kesselschachten wie der von Stalingrad im November 1942”.  Marschall Schukow seinerseits “glaubte an Stalin und dessen Führungsqualitäten. Er hielt es für notwendig, das sowjetische System zu verteidigen. Dazu gehörten die Hierarchie und eine straffe Befehlskette”.

Denkmal für Georgi Schukow in Minsk, der Hauptstadt von Belarus:

Die Nachkriegskarriere

1955 wurde Georgi Schukow zum Verteidigungsminister der UDSSR ernannt. Zu seinem 60. Geburtstag am 1. Dezember 1956 erhielt er zum vierten Mal die Auszeichnung “Held der Sowjetunion”. Er war der ranghöchste Militärführer im Präsidium des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. 1958 verfasste der Marschall seine Memoiren: Erinnerungen und Gedanken. Sie erschienen 1969 auch in einer deutschen Übersetzung bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart. In der Sowjetunion wurde das Buch sofort nach seinem Erscheinen zum Bestseller. Der Autor erhielt 10.000 Leserbriefe mit Zuspruch und Lob.

In einem Interview urteilte Geoffrey Roberts über Georgi Schukow: “Er war nicht nur ein grosser General, sondern auch eine Schlüsselfigur der Weltgeschichte im 20. Jahrhundert. Es fällt schwer sich vorzustellen, wie hart der Kampf war und was ein Sieg der Nazis im II. Weltkrieg bedeutet hätte.” Die Sowjetunion musste dafür bluten: 80 Prozent sämtlicher Kampfhandlungen fanden auf sowjetischem Territorium statt. Die Rote Armee verlor acht Millionen Soldaten, weitere 16 Millionen wurden verwundet. Alles in allem starben wegen dieses Krieges 26 Millionen Menschen in der UDSSR. Ein Drittel des nationalen Reichtums ging aufgrund von Besatzung und Zerstörung durch die Nazis verloren.

In der Russischen Föderation sind die Menschen Georgi Schukow dankbar für die Rettung ihrer Heimat. Jedes Jahr wird zum Anlass der Siegesparade am 9. Mai sein Reiterdenkmal in Moskau mit Blumen geschmückt. Seit 1994 werden Schukow-Orden und Schukow-Medaillen als Auszeichnungen vergeben. Dieses Jahr überreicht Präsident Wladimir Putin die nationale Schukow-Auszeichung für Militärwissenschaft und Entwicklung militärischer Geräte an zwei Expertengruppen. Die Schukow-Auszeichnung für Kunst und Literatur geht an den Schriftsteller Juri Wassiljewitsch Bondarew für seine Bücher über den Grossen Vaterländischen Krieg, in denen er den Mut und Heroismus all jener beschrieb, die ihre Heimat verteidigten.

Denkmal für Georgi Schukow in seinem Geburtsort Strelkowa:

 

OLIVIA KROTH: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Blog: https://olivia2010kroth.wordpress.com

http://german.ruvr.ru/2014_05_12/Erinnerungen-an-Marschall-Schukow-legendar-und-unbesiegbar-vierzig-Jahre-nach-seinem-Tod-7832/

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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