Olivia Kroth/Die Stimme Russlands: Russlands neue Durchsetzungskraft als Mitglied von BRICS

Russlands neue Durchsetzungskraft als Mitglied von BRICS

von Olivia Kroth

Russland ist auf die Weltszene zurückgekehrt und sonnt sich im Mittelpunkt globaler Aufmerksamkeit. Taten und Worte des russischen Präsidenten Wladimir Putin werden täglich in den internationalen Medien diskutiert, ein Ärgernis für westliche Politiker, die wie neidische Schulbuben hämische Kommentare beisteuern.

Politiker des Westens sind es nicht gewohnt, auf dem Zaun sitzend den wichtigen Spielern vom Spielfeldrand aus zusehen zu müssen. Kühl und unberührt von westlicher Aufgeregtheit zeigen die Russen der Welt ihre neue Durchsetzungsfähigkeit. In der französischen Monatszeitung Le Monde Diplomatique (Mai 2014, Seite 6) kommentiert Jean Radvanyi “Russlands Rückkehr auf die politische Szene” und meint, “russische Verachtung für Europa” wahrzunehmen. Er kreidet den Russen an, dass sie sich Asien statt Europa zuwenden. Doch ist dies wirklich Verachtung? Wenn die Europäer einen unvoreingenommenen Blick auf die Weltkarte werfen, werden sie feststellen, wie klein ihr Kontinent ist im Vergleich zu den riesigen Landmassen der Russischen Föderation oder der Volksrepublik China. Warum sollte ein so winziger Kontinent so viel Zuneigung beanspruchen, insbesondere da man in der EU – zumindest verbal – recht unfreundlich mit den Russen umgeht.

In Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika leben heute drei Milliarden Menschen. Ihr gemeinsames Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt annähernd 17 Milliarden Dollar. In Die Welt (06.05.2014, Seite 13) analysieren Daniel Eckert und Holger Zschäpitz die zehn grössten Wirtschaftsmächte der Welt gemäss den neuesten von der Weltbank veröffentlichten Zahlen. Es könnte manche Europäer überraschen, dass sich unter diesen zehn Supermächten auch vier der fünf BRICS-Staaten befinden. Eine Tabelle zeigt China auf dem zweiten Platz mit einem BIP von 10.579,2 Milliarden Dollar. Auf den Rängen acht, neun und zehn stehen als solider Block Brasilien, Indien und Russland. Ihr BIP beträgt 2.143,8 beziehungsweise 2.096,2 und 2.0187,7 Milliarden Dollar.

Russland und China

China wird ein “rakenhafter Aufstieg” bescheinigt: “Kein anderes Land bringt Jahr für Jahr so viele neue Millionäre hervor wie China.” Demnach erscheint es logisch, dass Russland sich lieber China zuwendet als Europa, dessen marode, hausgemachte Dauerkrise kein Ende nimmt. “Geschäfte entwickeln sich im Umfeld von Stabilität und wechselseitigem Nutzen”, sagt Dmitri Absalow, der Direktor des russischen Zentrums für Strategische Kommunikation. “Russlands Kooperation mit China basiert auf den Sektoren von Rohmaterialien, Ingenieurleistungen sowie militärischer Technologie”, berichtete er (The Voice of Russia, 04.05.2014).

Wenn Präsident Wladimir Putin Ende Mai nach China reist, sollen in Peking neue Verträge über Erdgaslieferungen unterschrieben werden. China importiert bereits russisches ESPO-Öl über die Ostsibirien-Pazifik Pipeline. 2013 exportierte die Russische Föderation insgesamt 30 Millionen Tonnen ESPO-Öl. ESPO ist Russlands beste Mischung, leicht und mit niedrigem Gehalt an Salzchlorid, deshalb sehr begehrt in Asien. Da Chinas Bedarf ständig wächst, bestehen gute Chancen, dass Russland und China demnächst den Zahlungsverkehr in ihren nationalen Währungen, Rubel und Yuan, abwickeln werden.

Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant berichtete, dass sich China an dem Bau eines Transportkorridors von der russischen Region Krasnodar durch die Strasse von Kertsch zur Halbinsel Krim beteiligen wolle. ITAR TASS meldete, der China International Fund (CIF) wolle das Projekt finanzieren und das Unternehmen China Railway Construction (CRCC) wolle es konstruieren. CRCC, eine der weltweit grössten Baufirmen, ist auf den Bau von Brücken, Autobahnen, Eisenbahnstrecken und Tunnels spezialisiert. Die Firma erwirtschaftete 2013 einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Dollar. Peking zeigt zudem Interesse an einem gemeinsamen Projekt zur Entwicklung alternativer Energien auf der Krim, in erster Linie Solarenergie. Die Chinesen wollen ausserdem in den Bau eines Tiefwasserhafens bei Jewpatorija investieren.

Sudak, Krim:

Perspektiven für BRICS bis 2050

Im Russia & India Report (28.04.2014) schreibt der indische Journalist Rakesch Krischnan Simha, dass laut einer Studie von Price Waterhouse Coopers (PwC) die Wirtschaft der BRICS-Länder dynamisch wachse: “BRICS expandiert, befreit die Bevölkerung von Armut und treibt die globale Wirtschaft voran.” PwC habe errechnet, dass die Russische Föderation bis 2020 Deutschland überflügeln und zur grössten europäischen Wirtschaftsmacht heranwachsen werde. China solle bis 2027 zur grössten Wirtschaft weltweit aufsteigen. Indien sei auf dem Weg, bis 2050 der dritte Wirtschaftsriese zu werden, noch vor Brasilien, dem der vierte Platz eingeräumt wird. Alles in allem sagt PwC also den BRICS- Staaten eine rosige Zukunft voraus. Grund genug, dass die beleidigten Schulbuben des Westens, auf dem Zaun sitzend, mit den Zähnen knirschen?

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

http://german.ruvr.ru/2014_05_13/Russlands-neue-Durchsetzungskraft-als-Mitglied-von-BRICS-4829/

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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