Olivia Kroth/Stimme Russlands: Sommer auf der Krim – Russlands Paradies an der Schwarzmeerküste

Sommer auf der Krim: Russlands Paradies an der Schwarzmeerküste

von Olivia Kroth

“Jeder braucht sein Paradies”, sagte General Grigori Potjomkin (1739 – 1791) über die Krim, als er im Auftrag der Zarin Katharina II. (1729 – 1796) Befestigungen auf der Halbinsel anlegte. Wegen ihres subtropischen Klimas wird die Riviera der Krim gerne von Sonnenanbetern und Freunden des Strandlebens besucht. Touristen können auch alte griechische Tempel, orthodoxe Kirchen und Klöster, tatarische Festungen und Dörfer oder Naturhöhlen besichtigen. Die Krim verfügt über exzellente Infrastruktur des Transports. Jetzt bietet die Russische Föderation viele Flug-, Schiff- und Zugverbindungen an.

Die Krim erwartet diesen Sommer rund drei Millionen russische Gäste. Das gesamtrussische Touristenzentrum wurde eingerichtet, damit Veranstalter von Touren simultan 5.000 Anrufe von interessierten Kunden beantworten können (ITAR TASS, 24.04.2014). Die russische Regierung subventioniert Krimreisen für Schüler, Rentner und Staatsangestellte. Im Energiesektor zahlen Gazprom, Rosatom, Rosneft, Rushydro und Transneft ihren Angestellten Ferien auf der Halbinsel Krim.

Aeroflot bietet Passagieren Flüge zu reduzierten Preisen an: ein Flugschein von Moskau nach Simferopol und zurück kostet nur 7.500 Rubel, 160 Euros. Seit dem 1. Juni 2014 gibt es Flugverbindungen von Irkutsk, Nischnewartowsk, Nischni Nowgorod, Sankt Petersburg, Tjumen und 25 anderen russischen Städten nach Simferopol (The Voice of Russia, 27.05.2014). Zudem fliegen Rossija und Donawia zweimal täglich von Sankt Petersburg beziehungsweise Rostow-am-Don nach Simferopol (ITAR TASS, 09.04.2014). Besucher können die Krim auch mit dem Fährschiff erreichen. Die Schiffslinie ANRUSSTRANS transportiert Fahrgäste von der Region Krasnodar über die Strasse von Kertsch zum Hafen Kertsch im Osten der Halbinsel.

 Antike griechische Siedlungen: Kertsch und Chersonesos

Kertsch ist eine moderne Hafenstadt, aber auch eine archäologische Stätte. Hier gründeten im 6. Jahrhundert vor Christus griechische Siedler das antike Pantikapaion. Der Ort wuchs rasch dank intensiven Handels mit den Steppesiedlungen Asiens und Europa. Pantakapaion exportierte Getreide, gesalzenen Fisch, Wein und prägte eigene Münzen. Im 19. Jahrhundert begannen russische Archäologen mit systematischen Ausgrabungen. Es gibt 20 antike griechische Monumente in der Umgebung von Kertsch zu besichtigen, unter anderem die Krypta der Demeter mit zahlreichen Fresken aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Wegen ihrer Lage zwischen Asowschem und Schwarzem Meer ist die Stadt Kertsch seit den Zeiten der Sowjetunion ein beliebter Badeort im Sommer.

Orthodoxe Kirche in Kertsch:

Chersonesos ist eine weitere ehemalige Kolonie aus griechischer Zeit, im 6. Jahrhundert vor Christus an der Südwestküste der Halbinsel gegründet. Jetzt liegt sie in einem Aussenbezirk von Sewastopol. Im 1. Jahrhundert nach Christus gliederten die Römer Chersonesos in ihr Römisches Reich ein. Die Siedlung diente ihnen als Vorposten am Nordufer des Schwarzen Meers. 1789 liess Katharina die Grosse neben Chersonesos die Stadt Sewastopol bauen. Die antiken Ruinen aus griechisch-römischer Zeit wurden ab 1820 von der russischen Regierung freigelegt. Heute ist das Gelände eine Touristenattraktion.

Der Schutzwall der antiken Stätte war 3,5 Kilometer lang. Er umgab ein Areal von fast 30 Hektar Umfang. Unter den Ruinen befinden sich ein griechischer Tempel und ein römisches Amphitheater. Der archäologische Park und das Museum zeigen 200.000 Ausstellungsstücke vom 6. Jahrhundert vor Christus bis zum 15. Jahrhundert nach Christus. Dazu gehören alte architektonische Fragmente, Keramik, Münzen, Texte sowie ein Mosaik aus schwarzen und weissen Kieseln mit bunten Steinen. 2013 wurde Chersonesos zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Jeden Sommer können Gäste ein Theaterfestival auf dem antiken Gelände besuchen.

Alexander Puschkin in Bachtschyssaraj

Um 1430 wurde die Krim von Tataren besetzt. Sie errichteten hier vom 15. bis 18. Jahrhundert das Khanat der Krim mit Bachtschyssaraj als Hauptstadt, 1532 gegründet. Aus dem Krimtatarischen übersetzt bedeutet der Name “Palast des Gartens”. Der Khan-Palast ist ein schönes Beispiel tatarischer Architektur. Alexander Puschkin (1799 – 1837) schrieb 1822 über einen der Brunnen der Palastanlage sein berühmtes Gedicht “Brunnen von Bachtschyssaraj”. Als er den Text 1824 verkaufte, verdiente er 3.000 Rubel damit.

Khan-Palast in Bachtschyssaraj:

In der süssen Frische des Brunnens / Zwischen diesen Mauern, von Seeschaum besprüht / Unterhielt einst ein Dichter die Khane / Mit dem perlenden Laut seiner Gedichte (…)

Die Krim war bei den Söhnen von Saadi beliebt / Manchmal öffnete ein Schönredner des Orients / Hier seine Bücher / Und füllte Bachtschyssaraj mit Staunen. 

Seine langen Geschichten breiteten sich aus / Wie die Teppiche von Jerewan. / Sie gaben den Herrscherfesten der Khane / Hellen Glanz (…)

Die Anspielungen auf den persischen Poeten Saadi (1184 – 1283) und die langen armenischen Teppiche von Jerewan erinnern daran, dass die Krim am Schnittpunkt öst-westlicher Handelsrouten lag. Heute können Touristen den Khan-Palast, Harem, Falkenturm, Friedhof, die verschiedenen Brunnen, die Moschee und das Kunstmuseum besichtigen.

Maler und Schriftsteller in Hursuf 

Einer der Badeorte an der Krim-Riviera ist Hursuf, ursprünglich als tatarisches Dorf entstanden. Mittlerweile leben 10.000 Einwohner in dieser Kleinstadt. Hursuf wurde im 19. Jahrhundert populär, als Alexander Puschkin bei seiner Ankunft schrieb: Schön bist du, Tauriens Gestade, wenn vor dem Schiff im Morgenstrahl du aufsteigst aus dem Meerespfade, wie ich dich sah zum ersten Mal. 1899 kaufte der Schriftsteller Anton Tschechow (1860 – 1904) ein kleines Haus in Hursuf, wo er in dem milden Klima der Halbinsel die letzten Lebensjahre verbrachte, bevor er an Tuberkulose starb. Heute ist sein Haus ein Museum. Anton Tschechows Freundeskreis kam ihn in Hursuf besuchen: der Maler Isaak Lewitan, der Schriftsteller Maxim Gorki und die Schauspielerin Olga Knipper. Sie heiratete ihn 1901, drei Jahre vor seinem Tod.

Lager der Jungen Pioniere Artek in Hursuf:

1925 wude das Lager der Jungen Pioniere Artek mit 150 Gebäuden in Hursuf etabliert. Zwischen 1925 und 1969 besuchten 300.000 sowjetische Kinder dieses Ferienlager. Nach Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 blieb Artek ein beliebtes Urlaubsziel für russische Jugendliche. Badeorte sind an der Küste aufgereiht wie Perlen an einer Kette: Alupka, Aluschta, Feodossija, Jalta und Sudek. Fast jeder Ort auf der Krim ist mit anderen durch Buslinien verbunden. Die Halbinsel verfügt über die längste Trolleybusstrecke der Welt. Sie wurde 1956 eingerichtet und ist 96 Kilometer lang. Zugverbindungen gibt es von Armjansk nach Kertsch mit einer Seitenlinie nach Feodossija. Schiffe verkehren zwischen Feodossija, Jalta, Jewpatoria, Kertsch und Sewastopol. Touristen können von dieser exzellenten Infrastuktur des Transports profitieren, um ihr eigenes Paradies auf der Krim zu entdecken.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

http://german.ruvr.ru/2014_06_09/Sommer-auf-der-Krim-Russlands-Paradies-an-der-Schwarzmeerkuste-9246/

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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