Olivia Kroth/Die Stimme Russlands: Ehrung für Pablo Neruda – Freund der Sowjetunion

Ehrung für Pablo Neruda: Freund der Sowjetunion

von Olivia Kroth

Am 12. Juli 2014 jährt sich Pablo Nerudas Geburtstag zum 110. Mal. Der berühmte Dichter aus Chile war ein Freund der Sowjetunion. 1953 erhielt er den Stalinpreis, 1971 den Nobelpreis für Literatur.

Ricardo Neftali Reyes Basoalto ( Pablo Neruda) wurde am 12. Juli 1904 in Parral, Südchile, geboren. Seine Liebe zur russischen Literatur begann früh, weil Gabriela Mistral, seine Lehrerin in der Schule, ihm sagte: “Russische Literatur ist die beste auf der ganzen Welt.” Gabriela Mistral, die später selbst eine bekannte chilenische Dichterin und Nobelpreisträgerin der Literatur wurde, gab dem Jungen Romane von Lev Tolstoi und Fjodor Dostojewski sowie Theaterstücke von Iwan Turgenjew und Anton Tschechow zu lesen.

Liebeslied für Stalingrad

Pablo Neruda begann seine berufliche Laufbahn als chilenischer Konsul im Fernen Osten und in Europa. Er machte sich als Dichter und Zeuge des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) einen Namen. Auf einer Reise nach Kuba trug er erstmalig das “Liebeslied für Stalingrad” in La Habana vor. Er hatte den Text nach der Schlacht von Stalingrad (August 1942 – Februar 1943) als Protest gegen den Faschismus geschrieben. Damit wollte er die Einwohner von Stalingrad und alle sowjetischen Soldaten ehren, welche die Nazis aus ihrem Heimatland vertrieben hatten. 1943 wurde “Das Neue Liebeslied für Stalingrad” von der Gesellschaft der Freunde der UDSSR in Mexiko veröffentlicht.

Schlacht von Stalingrad:

1945 trat Pablo Neruda der Kommunistischen Partei von Chile bei. Danach suchte er den Kontakt zu Moskau. 1949 besuchte er erstmalig Leningrad, um an den Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag von Alexander Puschkin teilzunehmen.

Leningrad und Moskau

In seinen Memoiren beschrieb Pablo Neruda seine Eindrücke: “Ich erreichte die kalte Perle der Ostsee bei Sonnenuntergang, die alte und neue heroische Stadt Leningrad. Von Zar Peter dem Grossen erbaut, besitzt sie ihren intimen Charme.” Über die Feier für Alexander Puschkin (1799-1837) notierte er: “Ich sollte einen Dichter treffen, der bereits über ein Jahrhundert tot war, Alexander Puschkin, den Autor vieler Legenden und unvergesslicher Erzählungen. Dieser Fürst der Volkspoesie lebt in den Herzen der Sowjetunion weiter.”

Später reiste der chilenische Dichter im Winter nach Moskau und beschrieb die Stadt mit seinen poetischen Worten fast wie ein Wintermärchen: “Moskau ist eine Winterstadt, eine schöne Winterstadt. (…) Wir werden zu Träumen verleitet, dass Moskau ein grosser Winterpalast voll von aussergewöhnlicher, fantastischer Dekoration sei. (…) Die Stadt gleicht einem feurigen Stern mitten im Schnee, einem brennenden Herzen, welches im Zentrum der Brust pulsiert.”

Winter in Moskau:

Reise nach Sibirien

In den 1950er und 1960er Jahren reiste Pablo Neruda vielfach in die Sowjetunion. 1951 unternahm er eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn nach Sibirien. Er fuhr von Moskau bis Irkutsk: “Als ich in diesen legendären Zug einstieg, hatte ich den Eindruck, an Bord eines Schiffs auf fester Erde zu gehen. (…) Von Zeit zu Zeit stiegen wir aus, um einige Schritte zu laufen. In den Wartesälen der Bahnhöfe warteten Bauern mit Koffern und Kisten. (…) Wir hatten kaum Zeit, all diese Städte mit ihren Stalinstatuen aus Zement kennenzulernen. Einige der Denkmäler waren silbern odern golden bemalt.” In seiner Autobiografie widmete er Josef Stalin ein ganzes Kapitel: “Ich sah Stalin mehr als einmal von Weitem, immer am selben Ort, auf einer Tribüne des Roten Platzes in Moskau für die Feiern am 1. Mai oder 7. November.”

Stalinpreis für Pablo Neruda

1953 hatte der Dichter aus Chile Gelegenheit, dem sowjetischen Führer zumindest indirekt zu begegnen. Er schmückte diese Episode in seinen Erinnerungen aus: “Stalin pflegte bewusst den Kult des Geheimnisses. (…) Dennoch erhielt ich die Chance, ihn indirekt zu treffen, diesen mysteriösen Menschen im Kreml.” Ein sowjetischer Freund rief den Autor an und sagte: “Herzlichen Glückwunsch, Kamerad Neruda! Kamerad Stalin hat gefragt, warum der Name Neruda nicht auf der Liste der Kandidaten für den Stalinpreis steht.”

Josef Stalin:

60 years since Stalin s death However, in 2003, a joint group of Russian and American historians announced their view that Stalin had ingested flavorlesswarfarin, a powerful rat poison that inhibits coagulation of the blood and which predisposes the victim to hemorrhagic stroke (cerebral hemorrhage) stalin

Am 20. Dezember 1953 wurde der Stalinpreis für Frieden und Völkerfreundschaft an Pablo Neruda verliehen: “Vielleicht hatte ich ihn verdient, aber ich wunderte mich, wie dieser distanzierte Mann, Josef Stalin, meine Existenz entdeckt haben konnte. Vor meinem inneren Auge tauchte Stalin auf, eine ruhige Persönlichkeit, seinen Prinzipien treu, ein Titan der Russischen Revolution.”

Freundschaft mit Ilja Ehrenburg

Der sowjetische Journalist und Schriftsteller Ilja Ehrenburg (1891-1967) wurde Pablo Nerudas Freund. Er übersetzte viele von Nerudas Büchern in die russische Sprache, zum Beispiel “Liebeslied für Stalingrad” (1943). Bis 1950 waren bereits 250.000 Exemplare seiner Werke in der Sowjetunion verkauft worden. Ausserdem wurden sie auch in verschiedene Sprachen sowjetischer Republiken übersetzt, unter anderem Armenisch, Ukrainisch und Slowakisch.

Ilja Ehrenburg beschwerte sich einmal bei seinem Freund: “Zu viele Wurzeln, es gibt zu viele Wurzeln in deinen Versen. Warum all diese Wurzeln?” Der Dichter erklärte, Chiles Bäume hätten sich in seiner Dichtung verwurzelt: “Mein Leben ist eine lange und schwierige Reise, die immer wieder zu den Wäldern in Südchile, zu den verlorenen Wäldern zurück führt.” Auch Ilja Ehrenburg pflegte eine Passion für Pflanzen. Er besass eine Datscha mit Garten ausserhalb von Moskau. Pablo Neruda erinnerte sich: “Ilja Ehrenburg verbrachte viel Zeit in seinem Garten, wo er stets Unkraut jätete.”

Gewinne und Verluste

1954 feierte Pablo Neruda in Santiago de Chile seinen 50. Geburtstag. Er lud viele Freunde aus der ganzen Welt ein. Ilja Ehrenburg kam aus Moskau. Sein Tod im Jahr 1967 traf Pablo Neruda hart. Mit ihm endete eine Epoche: “Die Jahre ziehen vorüber. Wir sind verbraucht, wir werden schwächer. Immer wieder heisst es Abschied nehmen. (…) Der Wind trug die fragile Person Ilja Ehrenburg davon, meinen lieben Freund, den Verteidiger der Wahrheit.”

Die 1960er Jahre brachten jedoch auch positive Veränderungen. Eine davon war die Rückkehr des sowjetischen Kosmonauten German Titow (1935-2000) aus dem Weltall. Pablo Neruda traf den Kosmonauten von Vostok II und beschrieb ihn in seinen Memoiren als einen “freundlichen jungen Mann mit grossen, glänzenden Augen.” Pablo Neruda fragte ihn: “Kommandant, hast du Chile gesehen, als du durch den Kosmos flogst und auf unseren Planeten herabschautest? German Titow antwortete: “Das Wichtigste war, Chile von oben gesehen zu haben, verstehst du? Ich sah gelbe Berge in Südamerika, vielleicht war das Chile.” Der Dichter antwortete: “Selbstverständlich war das Chile.”

Vostok II:

Tod in Santiago de Chile

Pablo Neruda starb am 23. September 1973, 12 Tage nach dem Putsch der rechtsextremen Phalangisten in Chile und nach der Ermordung des chilenischen Präsidenten Salvador Allende. Pablo Nerudas Häuser in Santiago und Valparaiso wurden geplündert und zerstört. Mathilde Urrutia, die Witwe des Autors, veröffentlichte posthum seine Memoiren: “Confieso que he vivido”, Editorial Seix Barral, Barcelona 1974.  Eine deutsche Ausgabe mit dem Titel “Ich bekenne, ich habe gelebt: Memoiren” ist als Taschenbuch in der Sammlung Luchterhand (Random House) erhältlich.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

http://german.ruvr.ru/2014_07_14/Ehrung-fur-Pablo-Neruda-gro-er-chilenischer-Dichter-und-Freund-der-Sowjetunion-6248/

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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