Olivia Kroth/Die Stimme Russlands: Eurasische Wirtschaftsunion und Lateinamerika profitieren von Russlands Einfuhrverbot für EU-Lebensmittel

Eurasische Wirtschaftsunion und Lateinamerika profitieren von Russlands Einfuhrverbot für EU-Lebensmittel

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von Olivia Kroth

Die Sanktionen der EU gegen Russland würden wie ein Bumerang wirken, hatte Präsident Wladimir Putin vorausgesagt. Während die EU-Länder unter dem Exportrückgang leiden, profitieren einige Staaten der Eurasischen Wirtschaftsunion, BRICS und CELAC in Lateinamerika von dieser neuen Situation. Sie nutzen ihre Chancen, den eigenen Lebensmittelexport in die Russische Föderation zu erhöhen. Zudem dürfte die Kooperation zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion, BRICS und CELAC eine bedeutende Verschiebung in den Weltmärkten bewirken.

Armenien

Armenien ist ein Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion, zu der auch Russland, Weissrussland und Kasachstan gehören. Armenische Lebensmittel sind in der Russischen Föderation beliebt und haben sich dort bereits ihre Nische erobert. Die Russen essen gerne armenische Aprikosen und Pfirsiche, Marmelade, Trockenobst und Gemüsekonserven. “Wir exportierten im Jahr 2013 etwa 60.000 Tonnen Obst und Gemüse. Man plant, die Ziffer in diesem Jahr auf 65.000 zu erhöhen”, sagte Wasgen Safarjan, Leiter des Verbandes von Armeniens Warenproduzenten. Er meint, dass Armenien auch den Weinexport nach Russland erhöhen solle, weil sein Land ein traditionelles Weinanbaugebiet sei. Fischprodukte spielen ebenfalls für Russland eine bedeutende Rolle, insbesondere armenische Forellen und Sewan-Krebse (Die Stimme Russlands, 22.08.2014).

Weissrussland

Das Land ist gleichfalls ein Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion. Der Stellvertretende Minister für Landwirtschaft und Lebensmittel, Wladimir Grakun, erklärte, dass Weissrussland noch in diesem Jahr eine Million Tonnen Kartoffeln, 107.000 Tonnen Karotten, 30.000 Tonnen Kohl und 27.000 Tonnen Äpfel nach Russland exportieren könne (ITAR TASS, 21.08.2014).  Das Land will ausserdem 40 Prozent mehr Wurstwaren und Fleisch sowie anderthalb Mal mehr Milch und Käse liefern als bisher. Diese Produkte werden nach Moskau und Sankt Petersburg, auch in die Regionen von Brjansk, Smolensk und Woronesch verkauft. Präsident Alexander Lukaschenko versprach, dass er keine Transittransporte aus EU-Staaten nach Russland gestatten werde: “Wir müssen unsere Bündnisverplichtichtungen einhalten.” (Die Stimme Russlands, 21.08.2014)

Kirgisien

Das Land wird zu Beginn des Jahres 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion  beitreten. Kirgisien ist darauf vorbereitet, 200.000 Tonnen Früchte und Gemüse in die russischen Städte Nowosibirsk und Jekaterinburg zu liefern: Äpfel, Aprikosen, Weintrauben und Trockenobst; Karotten, Kartoffeln, Kohl und Zwiebeln. Kirgische Landwirte sind davon überzeugt, dass ihre Waren billiger und vor allem ökologisch sauberer sind als die aus der EU. Kirgisische Viehzüchter wollen Fleisch und Milch in den Ural und nach Sibirien schicken. In Kirgisien leben etwa 70 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Im Norden des Landes wird traditionell Gemüse angebaut und Vieh gezüchtet. Im Süden werden Früchte produziert (Die Stimme Russlands, 19.08.2014).

 Tadschikistan

Dieses Land ist noch nicht Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion, will jedoch gleichfalls seine Ausfuhr agrarische Produkte in die Russische Föderation um das Fünffache erhöhen: Gewürzkräuter und Zwiebeln, Aprikosen, Melonen und Zitronen. Rachmon Ulmassow, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Russisch-Tadschikischen Universität in Duschanbe, meint, dass sein Land mehr als eine Million landwirtschaftlicher Produkte pro Jahr nach Russland exportieren könne. Am 17. Oktober wird in Moskau eine gemeinsame Kommission für regionale Kooperation tagen. Tadschikistan will mit einem eigenen Pavillon präsent sein (Die Stimme Russlands, 20.08.2014).

Serbien

Serbien, seit langem ein enger Verbündeter Russlands, wird auch seine Chance wahrnehmen, Agrarexporte in die Russische Föderation zu verstärken. Snezana Savljevic-Boskovic, Serbiens Ministerin für Landwirtschaft und Umweltschutz, betonte, dass “die russische Seite besonders an Fleisch, Milch, Obst und Gemüse sehr interessiert” sei. “Wir dürfen so viel Käse liefern, wie wir produzieren”, freute sich die Ministerin (ITAR TASS, 21.08.2014).

Argentinien

Hier sind Fleisch- und Milchexporteure enthusiastisch über die gute Gelegenheit, ihre Waren verstärkt nach Russland abzusetzen. Am 19. und 20. August besuchten die argentinische Ministerin für Industrie Debora Giorgi und der Landwirtschaftsminister Carlos Miquela Moskau. Sie unterzeichneten neue Exportverträge für argentinisches Hühner- und Rindfleisch, Obst und Milch (Le Figaro, 19.08.2014, Seite 23). Präsident Wladimir Putin hatte den Boden geebnet, als er Mitte Juli Argentinien besuchte. In einem Gespräch mit ITAR TASS und Prensa Latina berichtete er: “Heute ist Argentinien einer von Russlands strategischen Partnern in Lateinamerika. Während des letzten Jahrzehnts ist der Handel zwischen Russland und Argentinien um das Sechsfache gewachsen und hat das stabile Niveau von 1,8 Milliarden Dollar erreicht.”

Wladimir Putin und Cristina Fernandez de Kirchner:

Brasilien

Hier wollen Erzeuger von Rind- und Hühnerfleisch auch die gebotene Chance nutzen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die brasilianischen Fleischexporte nach Russland um 11 Prozent. Die brasilianische Vereinigung für Produktion tierischer Proteine hofft, den Prozentsatz noch weiter zu steigern auf 50 Prozent, beziehungsweise 450.000 Tonnen Fleisch pro Jahr (Les Echos, 19.08.2014, Seite 15). In seinem Interview sagte Wladimir Putin über den BRICS-Partner Brasilien: “In den letzten zehn Jahren ist unser bilateraler Handel fast um das Dreifache gewachsen und erreichte 2013 das Volumen von 5,6 Milliarden Dollar.”

Vereinigung neuer Märkte

Der russische Präsident hegt weitreichende Pläne, um die Märkte der Eurasischen Wirtschaftsunion, BRICS und CELAC (Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten) zusammenzuführen: “Wir glauben, dass sich neue Chancen eröffnen, wenn wir Kontakte zwischen CELAC und den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion herstellen. Dies wird einen der grössten globalen Märkte mit einer Bevölkerung von nahezu 170 Millionen schaffen.” Es bedeutet, dass die Russische Föderation künftig auf Lebensmittelimporte aus EU-Ländern verzichten kann. Ausserden werden die westlichen Sanktionen zur Folge haben, dass sich grosse Verschiebungen in den Weltmärkten ergeben, deren Hauptachse aus der Eurasischen Wirtschaftsunion, BRICS und CELAC bestehen könnte.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: 

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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