Olivia Kroth/DIE STIMME RUSSLANDS: Zum 200. Geburtstag des russischen Schriftstellers Michail Lermontow (1814-1841)

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Zum 200. Geburtstag des russischen Schriftstellers Michail Lermontow (1814-1841)

von Olivia Kroth

Der Geburtstag des bekannten Dichters der russischen Romantik, Michail Jurjewitsch Lermontow, jährt sich am 15. Oktober 2014 zum 200. Mal. Obwohl Lermontow nur 26 Jahre alt wurde, schuf er ein umfassendes lyrisches Werk, ein Drama und einen Roman. Ähnlich wie Alexander Puschkin starb er unter tragischen Umständen. Am 27. Juli 1841 wurde er in einem Duell getötet.

Michail Lermontow kam am 15. Oktober 1814 in Moskau zur Welt. Er stammte aus einer Adelsfamilie. Der Vater war Hauptmann im Ruhestand, die Mutter starb früh. Nach ihrem Tod lebte der Junge auf dem Landgut seiner Grossmutter mütterlicherseits, Jelisaweta Alexejewna Arsenjewa. Früher hiess dieser Landsitz mit zugehörigem Dorf Tarchani, heute Lermontowo, in der Oblast Pensa gelegen. 1939 wurde in Tarchani ein staatliches Museum für Michail Lermontow eingerichtet. Es beherbergt 29.000 Ausstellungsstücke. Videos zeigen die Atmosphäre, in welcher das Kind aufwuchs. Im Juli jedes Jahres findet dort auch ein Lermontow-Festival statt.

Landgut Tarchani:

Moskau und Sankt Petersburg

Vom 14. bis 18. Lebensjahr besuchte Michail Lermontow eine höhere Schule und die Universität in Moskau. In diesen Jahren schrieb er 280 Jugendgedichte, die sich an Alexander Puschkins Poesie orientierten. Ab 1832 besuchte er die Kavallerie-Schule in Sankt Petersburg. 1834 trat er in das Husarenregiment der Leibgarde des Zaren in Zarskoje Selo ein. Sein Drama “Maskerade” entstand 1835 in Sankt Petersburg. Der Autor demaskierte darin die in seinen Augen oberflächliche und leichtlebige Adelsgesellschaft am Zarenhof, was ihm Feindschaften eintrug. Sein Drama wurde von der Zensur verboten und konnte zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt werden. Es erschien posthum 1862 erstmals auf einer russischen Bühne.

Borodino

1836 schrieb der Dichter die Ode “Borodino”, in welcher er dem russischen Heer unter Feldmarschall Michail Kutusow huldigte. Auf dem Schlachtfeld von Borodino bei Moskau fand 1812 eine entscheidende Schlacht statt, welche die Wende für Russland im Krieg gegen Napoleons Armee brachte. Moskau ging in Flammen auf, Napoleon hatte keine Lebensmittel für seine Soldaten und musste unverrichteter Dinge abziehen. Auf dem Heimweg wurde er von Bauern und Kosaken angegriffen. Auch brannten unterwegs alle Dörfer, so dass die “Grande Armee” weder Nahrung noch Unterkünfte im eisigen Winter fand und stark dezimiert nach Frankreich zurückkehrte. Von 160.000 Franzosen sollen nur knapp 40.000 die Heimat erreicht haben.

Mit dem patriotischen Gedicht “Borodino” drückte Michail Lermontow sine Verehrung für jene Generation von Russen aus, die in dem Kriegsgeschehen von 1812 bis 1815 geformt worden war, eine Generation von Helden: “Du wirst nie wieder eine solche Schlacht erleben! / Die Banner flogen wie Geister, / Im Rauch glänzte Feuer … / Der Feind spürte an jenem Tag, / Was Kämpfen mit Russen bedeutet … / Ja, das waren Männer, als ich jung war / Ein mutiger Stamm, über den Lieder gesungen werden …”  

Im Kaukasus

1837 wurde der junge Offizier Lermontow für ein Jahr in den Kaukasus versetzt, wo er an dem Kaukasischen Krieg des Zarenreichs teilnahm und die lokale Bevölkerung kennenlernte. Die wilde Natur des Gebirges und seiner Bewohner imponierten dem Dichter. Er schrieb einige seiner schönsten Gedichte über den Kaukasus, was ihm zu dem Ehrentitel “Poet des Kaukasus” verhalf. Michail Lermontow war auch künstlerisch begabt. er zeichnete und aquarellierte Ansichten des Gebirges.

Berühmt wurde Lermontows Gedicht “Kosakisches Wiegenlied” (1840), welches er selbst vertonte: “Schlaf, mein Kleiner, mein Licht / Schlaf ein! / Der Silbermond leuchtet / In deine kleine Wiege … / Auf Felsengrund fliesst der Terek / Mit schwarz wirbelnder Flut.” Der russische Sänger Oleg Pogudin hat eine gute Version dieses Lieds auf CD eingespielt.

Der Terek ist ein 623 Kilometer langer Zufluss des Kaspischen Meers im Kaukasus. Er entspringt in Georgien südlich des Bergs Kasbek, fliesst dann durch Ossetien, Tschetschenien und Dagestan. Unterhalb von Kisljar bildet er ein sumpfiges, 4.000 Kilometer grosses Flussdelta. Entlang der sogenannten Terek-Linie war im 19. Jahrhundert ein zarentreues Heer von Terek-Kosaken stationiert, das bei der Befriedung des Kaukasus half. Der oberkommandierende Heeresataman hatte seinen Sitz in Wladikawkas. Michail Lermontow lernte im Kaukasus die Terek-Kosaken kennen und schätzen.

Ein Held unserer Zeit

1838 kehrte Michail Lermontow nach Sankt Petersburg zurück. Dort schrieb er 1839 seinen Roman “Ein Held unserer Zeit”, welcher gleichfalls im Kaukasus spielt. Der Held, Grigori Alexandrowitsch Petschorin, ähnelt der Figur des Eugen Onegin in Alexander Puschkins gleichnamigem Versroman. Er ist ein pessimistischer Fatalist mit Willen zur Macht. Diese Heldenfigur ist als Typus angelegt. Der Autor wollte zeitspezifische Charakteristika seiner Epoche darstellen. Michael Lermontow schuf mit diesem Roman ein psychologisierendes Werk als Vorläufer des Genre “Psychologischer Roman”.

Als das Buch 1841 publiziert wurde,  ging der Autor ein zweites Mal in den Kaukasus. Durch Intrigen geriet er in einen Streit und starb in einem Duell in der kaukasischen Kurstadt Pjatigorsk. Auch heute noch ist diese Stadt ein beliebter Kurort mit Mineralquellen. Etliche Sehenswürdigkeiten erinnern an das Leben und Schaffen von Michael Lermontow in Pjatigorsk: sein Wohnhaus als Museum, die Lermontow-Galerie, Lermontow-Grotte und eine Statue des Dichters. Auf dem Schauplatz des Duells wurde ein Obelisk mit Gedenkplatte errichtet.

Vielleicht war auch Michael Lermontow ein “Held seiner Zeit”? Wie Alexander Puschkin und andere bekannte Russen thematisierte er nicht nur die Institution des Duells in seinen Werken, sondern kam leider auch selbst dabei ums Leben.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: 

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Lermontow-Museum in Pjatigorsk:

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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