Olivia Kroth: Der russisch-französische Schauspieler Gérard Dépardieu würdigt Russland in seinen Memoiren

Der russisch-französische Schauspieler Gérard Dépardieu würdigt Russland in seinen Memoiren

von Olivia Kroth

“Das hat sich so ergeben” (Ca ç’est fait comme ça) lautet der Titel von Gérard Dépardieus Memoiren, die im Oktober 2014 in der französischen Edition XO erschienen sind und seitdem in Frankreich Furore machen. Seit Januar 2013 besitzt der am 27.12.1948 in Chateauroux geborene Filmschauspieler einen russischen Pass. In seiner Autobiografie würdigt er ausführlich die neue Heimat Russland.

Gérard Dépardieu ist ein Erfolgsmensch: Geschäftsmann, Besitzer von Immobilien, Restaurants und Weinbergen, Schauspieler, Filmproduzent, Buchautor und Milliardär. Was er anfasst, wird zum Erfolg und bringt Geld. Dabei war ihm dies nicht in die Wiege gelegt worden. Gérard Dépardieu stammt aus einer armen Arbeiterfamilie und schaffte es eigenständig, sich in die oberste Einkommensklasse hinauf zu arbeiten. In den Memoiren erinnert er sich, dass er seine Kindheit auf der Strasse verbrachte, wo sein Vater Dédé die kommunistische L’Humanité verkaufte.

Steuerstreit und Auswanderung

Als der französische Fiskus ihm 87 Prozent seiner Einnahmen abknöpfen wollte, zog er 2012 die Handbremse an. “Ich habe keine Lust, 87 Prozent Steuern zu zahlen”, sagte Gérard Dépardieu in einem Gespräch mit Journalisten der Zeitschrift Paris Match (09.-15.10.2014). In seiner Autobiografie schreibt er: “Ich habe dem französischen Staat, seitdem ich arbeite, 150 Millionen Euros gegeben, habe jedoch noch nie auch nur einen einzigen Centime an staatlicher Unterstützung verlangt.”

In Russland entrichtet der Milliardär nur 13 Prozent Steuern. Während des Steuerstreits in Frankreich bat er den russischen Präsidenten um Hilfe. Dieser unterschrieb am 3. Januar 2013 ein Dekret, das Gérard Dépardieu die russische Nationalität verlieh. Die Internetseite Kremlin.ru informierte: “Gemäss Artikel 89 (a) der Verfassung der Russischen Föderation veranlasste der Präsident, dem Antrag auf Einbürgerung von Gérard Xavier Dépardieu, 1948 in Frankreich geboren, stattzugeben.” Kurze Zeit später überreichte Präsident Putin ihm persönlich seinen neuen Pass bei einem Abendessen in Sotschi am Schwarzen Meer.

Gérard Dépardieu und Wladimir Putin:

Gérard Dépardieus russisches Geschäftsimperium

Als emsiges Arbeitstier machte sich Gérard Dépardieu sofort daran, sein neues Geschäftsimperium in Russland zu errichten. So spielte er bereits in etlichen russischen Fernsehserien und Filmen, eröffnete eigene Bäckereien, Cafés und Restaurants, machte Werbung für russische Produkte und entwirft zurzeit Küchen für eine russische Marke. “Es sind Küchenmodule auf Rädern, die auch in kleine Moskauer Stadtwohnungen passen”, erzählte er Journalisten der Zeitschrift Le Point (02.10.2014).

Sein neuester Film “Viktor”, ein Krimi, spielt in Moskau und Grosny, wo Gérard Dépardieu und seine englische Filmpartnerin Liz Hurley von Ramsan Kadyrow empfangen wurden. Der Staatschef der Republik Tschetschenien ermöglichte ihnen, die modern erbaute Hauptstadt Grosny und die herrliche Natur des Kaukasus kennenzulernen. Zudem schenkte Ramsan Kadyrow dem russischen Neubürger eine Wohnung in einem der neu errichteten Hochhäuser von Grosny und ernannte ihn zum Ehrenbürger der Republik Tschetschenien, die zur Russischen Föderation gehört. Der Film “Viktor” läuft seit Oktober 2014 in russischen Kinos. Als russische Schauspieler sind Jewgenija Achremenko, Paulina Kusminskaja und Denis Karasow zu sehen. An der Ko-Produktion sind die Firmen Kapara-Filme und Babuschka-Filme beteiligt.

Liz Hurley und Gérard Dépardieu in dem Film “Viktor”:

Freundschaft mit Wladimir Putin

Es fällt Gérard Dépardieu leicht, sich mit den Mächtigen dieser Welt anzufreunden, sei es Ramsan Kadyrow oder Wladimir Putin. In seinen Memoiren hat Gérard Dépardieu das 34. Kapitel Präsident Putin gewidmet: “Ich liebe Russland, ich bin Putins Freund.” Der Schauspieler erinnert sich gerne an die erste Begegnung: “Es war in Sankt Petersburg im Frühjahr 2008 zur Eröffnung der Ausstellung Rostropowitsch im Konstantinpalast. Die private Kunstsammlung von Mstislaw Rostropowitsch und seiner Ehefrau Galina Wischnewskaja war von dem russischen Geschäftsmann Alischer Usmanow aufgekauft und dem russischen Staat geschenkt worden. Wladimir Putin eröffnete die Ausstellung und ich war eingeladen.”

Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine Brieffreundschaft: “Dann begann ich, ihm zu schreiben. Ich schickte ihm Briefe, in denen ich von allem ein bisschen erzählte, so wie man einem guten Freund schreibt. Das amüsierte ihn und er antwortete mir.” Im Jahr 2011 öffnete Wladimir Putin ihm die Türen nach Russland für seine erste Fernsehproduktion in Sankt Petersburg, wo Gérard Dépardieu die Rolle des Rasputin spielte. Der Fernsehfilm wurde Weihnachten 2011 von TV FRANCE 3 gesendet.

Gérard Dépardieu in der Rolle des russischen Mönchs Grigori Rasputin:

Grigori Rasputin

Er habe schon immer eine Vorliebe für Russland gehegt, bekannte Gérard Dépardieu in der kommunistischen französischen Zeitung La Marseillaise (Dezember 2011). Er habe 20 Jahre lang von diesem Projekt geträumt, weil er Grigori Rasputin einen komplexen und faszinierenden Charakter finde. Man könne ihn als fanatischen Verrückten, als mystischen Heiligen oder als hellsichtigen Heiler interpretieren, meinte Gérard Dépardieu, der selbst in einer Familie von Heilern aufwuchs. Eine seiner Grossmütter heilte Menschen durch ihre Energie.

Teile des Fernsehfilms wurden in Zarskoje Selo und im Jussupow-Palast gedreht. Einige Filmszenen zeigten die ehemalige Zarenresidenz in Zarskoje Selo, heute ein Weltkulturerbe der UNESCO. Zar Nikolaus II. dankte 1917 ab und wurde nach der Februar-Revolution im Alexanderpalast von Zarskoje Selo gefangen gehalten. Er und seine Familie wurden hier im Juli 1918 ermordet.

Alexanderpalast in Zarskoje Selo:

Saransk in Mordwinien

Der Schauspieler verbringt einen Grossteil seiner Zeit in Saransk, Hauptstadt der föderalen Republik Mordwinien. Pressefotos zeigen ihn lachend im traditionellen mordwinischen Folklorekostüm, einer langen weissen Tunika mit roter Stickerei auf den Ärmeln, am Kragen und Saum. Im 37. Kapitel seiner Autobiografie mit der Überschrift “Russe!” erzählt er von Saransk: “In Saransk, wo ich lebe, 700 Kilometer östlich von Moskau, halte ich manchmal am Feldrand an, um die Frauen singen zu hören. Es ist eine Region, wo Frauen singen.” Gérard Dépardieu liebt “das immense und mysteriöse Russland”. Er liebt das Leben und die russischen Menschen. Mögen ihm noch viele lebensfrohe Jahre in Russland beschert sein.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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