Olivia Kroth: Weliki Ustjug – Stadt der Entdecker, Kulturdenkmäler und von Grossvater Frost

Weliki Ustjug: Stadt der Entdecker, Kulturdenkmäler und von Grossvater Frost

von Olivia Kroth

Jedes Jahr rückt Ende Dezember Weliki Ustjug, die Kreisstadt der Oblast Wologda, ins Zentrum des Interesses, insbesondere der russischen Kinder. Denn sie gilt als Heimstätte von Ded Moros, Grossvater Frost, der in der Neujahrsnacht Geschenke bringt. Sogar Präsident Wladimir Putin stattete dem Museum von Ded Moros in Weliki Ustjug am 7. Januar 2008 einen Besuch ab. Er wurde von einem weissbärtigen Herrn in knöchellangem Mantel freundlich empfangen und durch das Haus geführt. Ded Moros erzählte dem russischen Präsidenten, dass er seit Gründung des Museums im Jahr 1998 schon eine Million Besucher begrüsst und zwei Millionen Briefe erhalten habe. 

Residenz von Grossvater Frost in Weliki Ustjug:

Das Anwesen umfasst 42 Hektar. Es beherbergt das Museum mit einem Studio, Geschenkeladen und einer Bibliothek. Im Park gibt es einen Wintergarten und Rodelbahnen für Kinder.

Ded Moros und Snegurotschka

Ded Moros war ursprünglich eine russische Märchenfigur. Der frostige Grossvater wird traditionell von seiner Enkelin Snegurotschka, Schneeflocke, begleitet. Grossvater und Enkelin fahren in einer Troika über Land, einem von Pferden oder Rentieren gezogenen Schlitten. Beide tragen blaue Gewänder, deren Töne an Schnee und Eis erinnern.

Im 19. Jahrhundert wurden Ded Moros und Snegurotschka zu beliebten Figuren in der russischen Musik und Malerei. Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow (1844-1908) schuf 15 Opern, darunter die Oper “Snegurotschka” (1880). Sie ist ein musikalisch-szenisches Märchen mit eingeschobenen Passagen russischer Volksmusik und Balletteinlagen, welche die märchenhaften Elemente betonen. Diese Oper, die aus einem Prolog und vier Akten besteht, wurde 1882 erstmalig in Sankt Petersburg aufgeführt.

Wiktor Wasnezows Ölgemälde “Snegurotschka” (1899):

In der russischen Malerei griff Wiktor Michailowitsch Wasnezow (1848-1926) das Thema auf. 1885 arbeitete er an Bühnendekorationen für Rimski-Korsakows Oper “Snegurotschka”. Im Jahr 1899 entstand sein Ölgemälde “Snegurotschka”: Die Schneeflocke steht alleine auf einer verschneiten Lichtung im Wald. Sie trägt einen weissen Pelzmantel und eine weisse Pelzmütze.

Iwan Jakowlewitsch Bilibin (1876-1942) war ein russisch-sowjetischer Buchillustrator und Maler. Er verhungerte 1942 in Leningrad während der Blockade der Stadt durch die Nazis. Auch er arbeitete wie Wasnezow zu Lebzeiten für das Theater. Seine Buchillustrationen zu russischen Märchen und Sagen wurden berühmt, unter anderen die Zeichnungen zu “Snegurotschka”.

 Geschichte der Stadt Weliki Ustjug

Weliki Ustjug hat noch mehr Attraktionen zu bieten als das Museum von Grossvater Frost. Die Stadt wurde 1207 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Siedlung entstand am Zusammenfluss von Jug und Suchona, die sich hier zur Nördlichen Dwina vereinigen. Seit dem 15. Jahrhundert war die Stadt als Handelszentrum bekannt. Viele Klöster und Kirchen zeugen von der herausragenden nordrussischen Architektur. Heute besitzt Weliki Ustjug 152 Gebäude, die als kulturhistorische Denkmäler unter Denkmalschutz stehen.

Einige der für Besucher sehenswerten Bauten sind die Auferstehungskirche (1619), das Kloster des Erzengels Michael (1653) und die Sankt-Prokopius-Kirche (1668). Es gibt auch wunderbares Kunsthandwerk in Weliki Ustjug, zum Beispiel filigrane Silberarbeiten, Schnitzerein aus Birkenrinde und Ikonenmalerei. Die moderne Stadt besitzt eine Schmuckfabrik, Schiffswerft und etliche Holz verarbeitende Betriebe. Der Tourismus ist ein wichtiger Erwerbszweig, der bereits 1960 begann und nach 1998 gewaltig wuchs, als Weliki Ustjug zur Heimat von Ded Moros erklärt wurde.

Am Zusammenfluss von Jug und Suchona entsteht bei Weliki Ustjug die Nördliche Dwina:

Drei Entdecker aus Weliki Ustjug

Die Stadt brachte drei Entdecker hervor, die in den Fernen Osten reisten und für das russische Zarenreich Neuland besiedelten. Der erste dieser Pioniere war Jerofei Pawlowitsch Chabarow. Er wurde 1603 als Bauernsohn in Weliki Ustjug geboren. Doch hielt es ihn nicht lange in der Heimat. Er suchte im Fernen Osten sein Glück. 1628 unternahm er eine Expedition nach Sibirien und erreichte 1630 Tobolsk. Von 1632 bis 1641 erforschte er den Fluss Lena, wo er zuerst als Pelzhändler tätig war, danach als Landwirt. Später besass er eigene Mühlen an der Lena und gründete Salzsiedereien am Zusammenfluss der Kuta und Kirenga.

Jerofei Chabarow erforschte von 1649 bis 1950 auch den Fluss Amur. 1650 errichtete er bei Albasin am Amur Winterquartiere für seine Leute und kämpfte gegen den Widerstand von Manchu und Koreanern, die ebenfalls Anspruch auf diese Region erhoben. Er war der erste Entdecker, der eine Karte des Flusses Amur hinterliess. 1671 starb er in der Nähe der sibirischen Stadt Irkutsk. Die sibirische Stadt Chabarowsk in der  Nähe der chinesischen Grenze ist nach ihm benannt, wo auch ein Denkmal an ihn erinnert.

Statue für Jerofei Pawlowitsch Chabarow in der sibirischen Stadt Chabarow:

Der zweite Entdecker hiess Semjon Iwanowitsch Deschnjow, 1605 in Weliki Ustjug geboren. Er stammte von Kosaken ab und machte sich gleichfalls durch die Erforschung Sibiriens einen Namen. 1630 leistete er in Sibirien Militärdienst, 1639 ging er nach Jakutien als Mitglied eines kosakischen Regiments. In Jakutien heiratete er eine gefangene einheimische Frau und gründete eine Familie.

1641 nahm Semjon Deschnjow an einer Expedition zum Kolina teil. Dieser Fluss bildete die Ostgrenze des russischen Reichs, eine der reichsten Gegenden Sibiriens. 1648 umsegelte er die Tschuktschen-Halbinsel und entdeckte das Ostkap Asiens, das nach ihm Kap Deschnjow benannt wurde. Diese Expedition hielt der Maler Klawdi Lebedew im Bild fest. Semjon Deschnjow starb 1673 in Moskau.

Der dritte Entdecker war Wladimir Wassiljewitsch Atlassow, 1661 in Weliki Ustjug geboren. Er war ebenfalls kosakischer Abstammung und ein Entdecker. So entdeckte er die Halbinsel Kamtschatka. Die Inel Atlassow, eine unbewohnte vulkanische Insel an der Südspitze von Kamtschatka, ist nach ihm benannt. 1697 führte er 65 Kosaken und 60 Jukagiren an, um Kamtschatka zu erforschen. Er liess zwei Forts am Fluss Kamtschatka errichten, die sich zu befestigten Handelsposten für russische Pelzjäger entwickelten.

Wladimir Atlassow war der erste Russe, der die Gegend mit Land und Leuten ausführlich beschrieb. Später erforschte er auch die Kurilen-Inseln, die heute gleichfalls zur Russischen Föderation gehören. Wladimir Atlassow starb 1711 auf Kamtschatka.

Wladimir Wassiljewitsch Atlassow:

 Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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