Olivia Kroth: Kirgisien will im Mai 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten

Kirgisien will im Mai 2015 der Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten

von Olivia Kroth

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Im Mai 2015 will Kirgisien der Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten. Die zentralasiatische Republik wird als fünfter Mitgliedsstaat nach der Russischen Föderation, Kasachstan, Weissrussland und Armenien aufgenommen. Bereits im November 2014 beschloss die russische Staatsduma, dass Kirgisien über eine Million Dollar an Fördermitteln für die Integration erhalten solle (TASS, 26.11.2014). Damit werden gemeinsame Projekte in der Landwirtschaft und Textilindustrie, im Bergbau, Hausbau und Transportwesen unterstützt. Am 23. Dezember 2014 wurden alle notwendigen Dokumente für Kirgisiens Aufnahme in die Eurasische Wirtschaftsunion unterzeichnet. 

Atalaugebirge in Kirgisien:

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Die Eurasische Wirtschaftsunion umfasst Länder in Osteuropa und Asien, vorzugsweise aus dem postsowjetischen Raum. Die Union bringt den gemeinsamen Markt in Schwung und begünstigt wechselseitigen Handel. Der Wirtschaftsraum der Union garantiert freien Transit von Arbeitskräften, Dienstleistungen, Kapital und Waren.

Verständlicherweise will Kirgisien ein Stück des Kuchens haben, da wirtschaftlicher Erfolg immer süß schmeckt und den kirgisischen Bürgern eine Menge Vorteile bringen wird. Heute wird Kirgisien von 70 Prozent Kirgisen und 10 Prozent Russen sowie anderen Minoritäten bewohnt.

Kirgisische Gebirgsflora:

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Russisch-kirgische Beziehungen

Die kirgisisch-russischen Beziehungen sind mehrere hundert Jahre alt, sie begannen nicht erst gestern. Das Territorium wurde nach 1876 zu einem Teil des Russischen Reiches. Im Jahre 1936 wurde die kirgisische Sowjetrepublik etabliert. Sogar nach der  Auflösung der Sowjetunion und der Unabhängigkeitserklärung von Kirgisistan im Jahre 1991 blieben die engen Bindungen erhalten. Die neue kirgisische Republik erklärte 1996 die russische Sprache zur offiziellen zweiten Amtssprache.

Bei der kirgisischen Bevölkerung von etwa sechs Millionen Bürgern herrscht die Religion des Islam vor. Es gibt 80 Prozent Moslems und 17 Prozent Russisch-Orthodoxe. Auch animistische Traditionen haben sich erhalten. Die religiösen und staatlichen Feiertage in Kirgisien zeigen die Mischung von Islam und russischer Orthodoxie, den Stolz auf die Unabhängigkeit, aber auch die Geschichte der ehemaligen Sowjetrepublik.

Der 1. Januar wird als Neujahrstag gefeiert. Darauf folgt der russisch-orthodoxe Weihnachtstag am 7. Januar. Moslemische Feiertage sind Oroso Ait und Kurman Ait. Ihre Daten werden nach dem Mondkalender bestimmt.  An sowjetische Zeiten erinnert der Tag der Verteidiger des Vaterlandes am 23. Februar und der Siegestag am 9. Mai, den die gesamte Russische Föderation und viele ehemalige Sowjetrepubliken als Erinnerung an das Ende des Großen Patriotischen Krieges feiern. Später im Jahreskreis wird der Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution am 7. November begangen. Im Gegensatz dazu zeigt sich der Stolz auf die kirgisische Unabhängigkeit in solch staatlichen Feiertagen wie dem Verfassungstag am 5. Mai und dem Unabhängigkeitstag am 31. August.

Siegesdenkmal in Bischkek zum Andenken an das Ende des Großen Patriotischen Krieges (1941-1944):

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Die Republik Kirgisien

Kirgisistan ist reich an Mineralien: Antimon, Gold, Kohle und Uran. Das Land exportiert Metalle, Mineralien, agrarische Produkte und Elektrizität. Die Abnehmer sind in erster Linie Russland, China und Kasachstan.

Die kirgisische Republik ist ein vorwiegend agrarisches Land. Etwa zwei Drittel der Einwohner leben von der Landwirtschaft, die den wichtigsten Zweig der nationalen Wirtschaft bildet. Das bewässerte Ferghana-Tal ist sehr fruchtbar und gut geeignet für den Anbau von Gemüse und Obst.

Kirgise mit Nationalhut:

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Die Kirgisen sind traditionell Viehzüchter, insbesondere von Pferden, Schafen und Yaks. Sie leben historisch bedingt als halb-nomadische Hirten in runden Zelten, die sie Jurten nennen. Die nomadische Tradition ist immer noch in den Wanderschaften gemäß den Jahreszeiten lebendig.

Die Kirgisen verstehen sich auf die Pferdezucht. Auch ihre nationalen Sportarten haben mit dem Reiten zu tun. “At Chabysh” ist ein Pferderennen über lange Strecken, während bei “Oodarysh” zwei Reiter miteinander ringen. In “Tyin Emmei” versuchen Reiter, in vollem Galopp eine Münze vom Boden aufzuheben. “Ulak Tartysh” ist ein Mannschaftsspiel zu Pferde.

Junger kirgisischer Reiter:

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Kirgisiens Hauptstadt Bischkek

Kirgisiens Hauptstadt Bischkek wurde ursprünglich als Ruhestation für Karawanen auf der Seidenstraße von China zum Mittelmeer gegründet. Im Jahre 1862 wurde die Stadt zur russischen Garnison. Russische Bauern ließen sich rings um Bischkek nieder und bearbeiteten das fruchtbare Land.

Nach der Gründung der Kirgischen SSR im Jahre 1926 wurde die Stadt in Frunse umbenannt, nach Michail Frunse, einem in Bischkek gebürtigen engen Freund von Wladimir Lenin. Er nahm an den Revolutionen von 1905 und 1917 teil.

Bischkek liegt in der Nähe des Gebirges Alatau. Im Norden dehnt sich die weite Steppe bis in das Nachbarland Kasachstan hinein. Das moderne Bischkek mit einer Million Einwohnern ist eine angenehme Stadt mit schönen Straßen und öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Cafés im Zentrum.

Denkmal für Kirgisiens mythischen Nationalhelden Manas in Bischkek:

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Russlands Luftwaffenstützpunkt in Kirgisien

Russland pachtete 2003 den Luftwaffenstützpunkt in Kant, östlich von Bischkek gelegen. Er war nach 1991 der erste Militärstützpunkt außerhalb russischer Landesgrenzen. Zudem verfügt Russland über einen strategischen Stützpunkt am Ostende des Sees Issyk-Kul, wo Technologie für U-Boote und Torpedos getestet wird, inklusive des  Torpedos VA-111 Schkwal, der eine Geschwindigkeit von über 200 Knoten erreicht.

 Mittlerweile wurde der Pachtvertrag für den Stützpunkt verlängert. Russland wird seinen Militärstützpunkt in Kirgisien bis 2032 behalten, dazu kommt eine Option der Verlängerung um weitere fünf Jahre. Der neue Vertrag tritt Ende Januar 2017 in Kraft, wenn der jetzige Vertrag ausläuft.

Alle russischen Militäreinrichtungen in Kirgisien sollen unter einem Oberkommando neu organisiert werden, einschließlich des Flughafens in Kant, der Versuchsstätte auf der Halbinsel Kara Balun, des Kommunikationszentrums in dem Dorf Spartak und der seismischen Station in der Stadt Mailuussuu.

Kirgisischer See Song-Kul:

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Kirgisiens Präsident Almasbek Atambajew 

Almasbek Scharschenowitsch Atambajew wurde am 7. September 1956 geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Moskauer Hochschule für Wirtschaft, wo er seinen Abschluss machte. Seit Dezember 2011 ist er Präsident von Kirgisien und zeigt großes Interesse an engen wirtschaftlichen Beziehungen zu der Russischen Föderation.

Die Flexibilität der politischen Leitung Kirgisiens ist erstaunlich. Sie hält die delikate Balance zwischen Unabhängigkeit und Ausrichtung auf die Russische Föderation. In diesem Zusammenhang könnte ein Blick auf den Symbolismus der kirgisischen Flagge hilfreich sein.

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Ausblick in die Zukunft

Die helle, goldene Sonne mit 40 Strahlen in der Mitte der Flagge repräsentiert die 40 Kämpfer des kirgisischen Nationalhelden Manas, nach dem der Flughafen Manas benannt ist. Die Linien innerhalb der Sonne symbolisieren die Krone (Tündük) einer Jurte, ein populäres Motiv der kirgisischen Kunst. Der rote Teil der Flagge steht für zwei wichtige Facetten des nationalen Charakters der Kirgisen: den Willen, Frieden zu halten, sowie Offenheit für neue Chancen.

Mögen die 40 mythischen Krieger von Manas Kirgisien schützen und sichern. Möge der helle, goldene Sonnenschein auf die kirgisische Republik und die Russische Föderation scheinen, so dass Frieden und Offenheit dieser beiden verschwisterten Nationen im 21. Jahrhundert erhalten bleiben und die gesamte Eurasische Wirtschaftsunion von dem Neubeitritt Kirgisiens profitiert.

Kirgisische Jurte mit Fahrrad:

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Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: 

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Al-Archa-Tal in Kirgisien:

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Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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