Olivia Kroth: Russland und Indien in BRICS

Russland und Indien in BRICS

von Olivia Kroth

Die Freundschaft beider Länder ist nicht neu. Seit den 1950er Jahren pflegen Russen und Inder ihre Völkerfreundschaft. Indien und die Sowjetunion kooperierten auf den Gebieten der Politik, Nuklearenergie, Wirtschaft, Verteidigung und im Weltraum. Dies ist bis heute so geblieben und hat sich unter Präsident Wladimir Putin sogar noch intensiviert. Bei seinem letzten Besuch in Indien im Dezember 2014 wurden 20 bilaterale Verträge im Wert von etwa 100 Milliarden Dollar abgeschlossen. Im Januar 2015 flog Russlands Verteidigungsminister Sergei Shoigu nach Indien, um erweiterte Kooperation im militärischen Bereich zu verabreden. Im Rahmen des Bündnisses BRICS wollen Russland und Indien gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten Brasilien, China und Südafrika eine gemeinsame Entwicklungsbank und einen gemeinsamen Währungsreservefonds gründen. 

Im April 2015 übernimmt die Russische Föderation den rotierenden Vorsitz für BRICS. Seit dem ersten Treffen der BRICS-Vertreter in Jekaterinburg im Jahr 2009 hat sich BRICS rapide entwickelt und soll unter russischem Vorsitz weiter zu einem gut funktionierenden Kooperationsinstrument ausgebaut werden (TASS, 13.01.2015).

Vor seinem Besuch in Neu-Delhi gab der russische Präsident Wladimir Putin der Indischen Nachrichtenagentur PTI ein Interview, welches auch auf seiner Seite Kremlin.ru publiziert wurde: “Ich lernte den indischen Premierminister Narenda Modi während des Gipfeltreffens von BRICS in Brasilien im Juli 2014 kennen. Indien sieht Russland – und davor die Sowjetunion – traditionell als einen zuverlässigen Freund für alle Zeiten.” Narenda Modi erklärte für die indische Seite: “Die stete Unterstützung des russischen Volkes für Indien hat uns immer geholfen, sogar in schwierigen Momenten unserer Geschichte. Das russische Volk war immer eine Säule der Stärke für Indiens Entwicklung, Sicherheit und internationale Beziehungen” (RUSSIA TODAY, 12.12.2015).

Während des Aufenthalts der russischen Delegation in Neu-Delhi wurden innerhalb von 24 Stunden 20 Verträge im Wert von 100 Milliarden Dollar unterzeichnet. Es sind Langzeitverträge, zum Beispiel für den Bau von 12 neuen Atomreaktoren durch russische Spezialisten in Indien, zusätzlich zu dem bereits bestehenden Atomkraftwerk Kudankulam im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Die Kosten für die 12 neuen Reaktioren belaufen sich auf 40 Milliarden Dollar in Teilabschnitten über die nächsten zwei Jahrzehnte (RUSSIA TODAY, 28.01.2015).

Militärische Kooperation

Indien wird beginnen, in eigenen Fabriken russische Helikopter zu produzieren, um die Kosten zu verringern. Im Dezember 2014 wurde ein dementsprechender Vertrag unterschrieben. Premierminister Narenda Modi kommentierte: “Russland ist seit Jahrzehnten Indiens grösster Partner in der Verteidigung. Präsident Putin und ich haben eine grosse Bandbreite von neuen Verteidigungsprojekten diskutiert (RUSSIA TODAY, 12.12.2014).

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte: “Die gute bilaterale Kooperation und das hohe Ausmass an Vertrauen erlauben uns, graduell von einem traditionellen Hersteller-Konsumenten-Verhältnis zu einem neuen Modell gemeinsamer Produktion von modernen Waffensystemen überzugehen. Wir haben bereits Beispiele für solch effektive Kooperation in der Produktion der modernen Hochpräzisionsraketen BrahMos und der multifunktionalen fünften Generation von Kampfjets (Sukhoi)” (RUSSIA & INDIA REPORT, 10.12.2014).

Im Januae 2015 besuchte Russlands Verteidigungsminister Sergej Shoigu Indien. Er nahm an dem 14. Treffen der beidseitigen Regierungskommission für militärische und technische Kooperation teil. Sergej Shoigu traf sich ebenfalls mit Premierminister Narenda Modi und Verteidigungsminister Manohar Parrikar (RUSSIA & INDIA REPORT, 24.01.2015). Ein weiteres Beispiel für die militärische Kooperation zwischen Russland und Indien sind die gemeinsamen militärischen Übungen INDRA. Sie werden seit 2003 alle zwei Jahre durchgeführt. Dazu gehören Schiessübungen, Verteidigung des Luftraums und Unterwasseroperationen.

Verteidigungsminister Schoigu und Präsident Putin:

Kooperation im Bereich der Energie

Sie geht auf die Zeit der Sowjetunion zurück, als russische Spezialisten in Indien tätig waren. Die Russische Föderation lud ONGC Videsh aus Indien ein, sich an dem Projekt Sachalin-1 zur Förderung von Erdöl in Russlands Fernem Osten zu beteiligen. Bis heute hat die indische Firma über acht Milliarden Dollar in Russland investiert. Das Projekt Sachalin-1 versorgt Indien jährlich mit einer Million Tonnen Erdöl. “Oil and National Gas Corporation Limited” (ONGC) ist Indiens grösstes Erdgas- und Erdölunternehmen mit Sitz in Dehradun. ONGC trägt 77 Prozent zur indischen Erdölproduktion und 81 Prozent zur Erdgasproduktion Indiens bei. Das russische Projekt Sachalin-1 ist ein Konsortium zur Förderung von Erdgas und Erdöl auf der Insel Sachalin mit den drei Hauptfeldern Tschaiwo, Odoptu und Arkutun-Dagi.

Indien ist zudem an der Konstruktion von Pipelines interessiert, die russisches Erdöl und Erdgas nach Indien befördern sollen. Eine indisch-russische Kommission von Experten befasst sich ab 2015 mit der Ausarbeitung von Plänen. Russlands stellvertretender Minister für Energie Juri Sentjurin kommentierte: “Die Russische Föderation will 25 bis 30 Prozent des Markts für Flüssiggas in der Asiatisch-Pazifischen Region einnehmen. Deshalb werden die Kapazitäten im Hohen Norden (Halbinsel Jamal) und Fernen Osten (Sachalin, Wladiwostok) ausgebaut. Zur Förderung und zum Transport ist Russland an gemeinsamen Projekten mit Indien interessiert (RUSSIA & INDIA REPORT, 06.11.2014).

Sachalin – 1 Projekt:

Kooperation in den Bereichen von Handel und Technologie

Russland und Indien kooperieren auch in den Bereichen von Handel und Technologie, welche noch ausbaufähig sind. Präsident Wladimir Putin drückte seine Hoffnung aus, dass dieses Potential weiter entwickelt werden könne: “Besondere Hervorhebung verdient die Kooperation in den Bereichen der Entwicklung von High-Tech, die Produktion von Automobilen und Flugzeugen, die chemische und pharmazeutische Industrie, Informationstechnologie und Nanotechnologie” (KREMLIN.RU, 11.12.2014).

Bilateraler Handel soll zunehmend in den nationalen Währungen Rubel und Rupie abgewickelt werden. Ein internationaler Transportkorridor Nord-Süd muss eingerichtet werden, damit die Transitzeit für den Transport von Waren und die Frachtkosten reduziert werden können. Um die russisch-indische Kooperation zu fördern, wurden bereits etliche Städtepartnerschaften gegründet: Neu Delhi – Moskau und Sankt Petersburg, Bangalore – Nowosibirsk, Chandigarh – Ufa, Chennai – Wolgograd, Hyderabad – Kasan, Kalkutta – Wladiwostok und Jaroslawl, Kochi – Pjatigorsk, Mumbai – Sankt Petersburg, Pune – Jekaterinburg, Panaji – Krasnodar, Thiruvanathapuram – Stawropol (KREMLIN.RU, 11.12.2014).

 Präsident Wladimir Putin mit Vertretern der indischen Handelskammer:

Glanzlicht der Diamanten

“Glanzlicht der Diamanten für indo-russische Beziehungen” nannte die Journalistin Alaxandra Kaatz ihren Beitrag über den Diamantenhandel, der im Zentrum des Interesses stand, als im Dezember 2014 Präsident Wladimir Putin die Weltkonferenz für Diamanten in Neu-Delhi besuchte. Russland ist der grösste Diamantenproduzent der Welt, Indien ist global das grösste Zentrum für Diamantschleiferei und Politur. Russlands Firma Alrosa und indische Firmen kooperieren bereits seit langem in der Diamantenindustrie. Diamanten tragen 1,3 Prozent zu Russlands BIP bei, während Indiens Diamantenindustrie 6 bis 7 Prozent zum BIP des Landes beiträgt.

“Russlands Diamantenlager umfassen über eine Milliarde Karat. Das ist das grösste Vorkommen weltweit. Die russische Firma Alrosa fördert mehr als ein Viertel aller Diamanten auf der ganzen Welt. Indische Firmen kaufen 50 Prozent der russischen Diamantenproduktion auf”, teilte Präsident Wladimir Putin in seiner Rede auf der Weltkonferenz für Diamanten in Neu-Delhi mit (RUSSIA & INDIA REPORT, 12.12.2014).

Präsident Putin besucht die Weltkonferenz für Diamanten in Neu-Delhi:

Ausblick

Wie ein Diamant glänzt auch die russisch-indische Beziehung, je weiter sich BRICS zu einem vollwertigen Kooperationsgremium entwickelt. Je mehr die ehemaligen Kolonialstaaten des Westens und die Möchtegern-Imperialisten des nordamerikanischen Kontinents sich bemühen, Russlands Beziehungen zu anderen Ländern zu unterbinden oder stören, desto stärker halten die BRICS-Staaten zusammen. Sie helfen der Russischen Föderation, die aufgezwungene Isolation zu überwinden.

Alle BRICS-Staaten haben die gleichen kolonialen Erfahrungen hinter sich. Sie wurden von Kolonialherren ausgebeutet, gedemütigt, ihrer nationalen Identität und ihrer Bodenschätze beraubt. Diese Erfahrungen wollen Brasilien, China, Indien und Südafrika nie mehr erleben. Auch die Russische Föderation wird sich gegen derlei Zumutungen zu schützen wissen.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
Esta entrada fue publicada en India, Rusia y etiquetada , , , , , , , , , , , , , , , , . Guarda el enlace permanente.

Responder

Introduce tus datos o haz clic en un icono para iniciar sesión:

Logo de WordPress.com

Estás comentando usando tu cuenta de WordPress.com. Cerrar sesión / Cambiar )

Imagen de Twitter

Estás comentando usando tu cuenta de Twitter. Cerrar sesión / Cambiar )

Foto de Facebook

Estás comentando usando tu cuenta de Facebook. Cerrar sesión / Cambiar )

Google+ photo

Estás comentando usando tu cuenta de Google+. Cerrar sesión / Cambiar )

Conectando a %s