Olivia Kroth: Literarisches Moskau – Das Staatliche Puschkin-Museum

Literarisches Moskau:

Das Staatliche Puschkin-Museum

von Olivia Kroth

“Puschkin in seiner Zeit” heisst die Ausstellung in dem Adelsgebäude des Empire-Stils, das 1816 für die Familie Chruschtschow in der heutigen Pretschistenka-Strasse 12/2 erbaut wurde. Der Moskauer Adlige Alexander P. Chruschtschow erwarb das baufällige Anwesen 1814 und liess innerhalb von zwei Jahren hier eine schöne Empire-Villa mit Nebengebäuden, kleinem Garten und Pavillon errichten. Heute liegt das Anwesen mitten in der Stadt und beherbergt das Staatliche Puschkin-Museum, obgleich der Dichter nie wirklich hier lebte. 

Puschkin-Museum

Pretschistenka 12/2, 119034 Moskau

Eintritt: 170 Rubel

Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

http://www.pushkinmuseum.ru/

  • 119034 Москва, Пречистенка, 12/2

  • Телефон: +7 (495) 637-56-74

  • E-mail: info@a-s-pushkinmus.ru

 

Der erste Raum nennt sich “Prolog”. Hier finden sich Exponate über die Wurzeln des Dichters. Die Familie von Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799- 1837) beginnt mit einem Ritter Radscha im 13. Jahrhundert und mit Ibrahim Petrowitsch Hannibal, einem Afrikaner aus der Ahnenlinie der Mutter. Ein kolorierter Stich zeigt ihn an der Seite von Peter dem Grossen in der “Schlacht von Lesnaja” (1696-1708). Hannibal (1696-1781) wurde als achtjähriger Sklave nach Russland verfrachtet, wo er des Zaren Gunst gewann und wie ein Adliger am Hof erzogen wurde. Später kam er als General und Staatsmann zu Ehren.

Der Dichter setzte seinem afrikanischen Vorfahren in der unvollendeten Erzählung “Der Mohr Peters des Grossen” (1827) ein literarisches Denkmal: “Ibrahim erlebte gleichmässig verlaufende, aber aktive Tage und kannte keine Langeweile. Täglich band er sich stärker an seinen Souverän und verstand seine grosse Seele besser. Ibrahim sah Peter den Grossen im Senat mit Buturlin und Dolgoruki diskutieren, Fragen der Gesetzgebung klären und in der Admiralität die Grösse Russlands auf dem Meer etablieren.” (3. Kapitel)

Alexander Puschkins afrikanischer Urahn:

Die Räume 3 bis 5 sind Alexander Puschkins Kindheit in Moskau gewidmet (1799-1811). Seine Eltern blicken ernst und streng in zwei Ölgemälden. Möbel im Stil des Empire aus karelischem Birkenholz, Bronzelampen und vergoldete Kaminuhren vermittlen die Atmosphäre eines Adelshauses im späten 18. beziehungsweise frühen 19. Jahrhundert. Im Erdgeschoss führt der Rundgang durch einen rosafarbenen Raum, dessen Empire-Stühle mit Petit-Point-Stickerei gepolstert sind. Zwei hölzerne, vergoldete Schwäne bilden die Rückenlehnen dieser antiken Möbel. An der Wand hängt ein Stich, der den “Ehernen Reiter” in Sankt Petersburg zeigt. Alexander Puschkin schrieb über dieses Standbild Peters des Grossen eine Verserzählung (1833):

Auf den Strom, über die wüsten Wogen, / Aufrecht, voll grosser Gedanken, / Schaute er. Der breite Fluss / Rollte; und darauf näherte sich ein einsames Boot. / An den morastigen Ufern standen / Hier und da schwarze Hütten, / Unterkünfte armer Finnen; / Ein Wald, der die im Nebel versteckten Strahlen / Der Sonne nicht kannte, / Wuchs rings umher. / Und er dachte: Von hier aus können wir die Schweden angreifen. / Hier soll eine Stadt errichtet werden, / Um den hochmütigen Nachbarn zu ärgern. / Die Natur empfiehlt uns, / Ein Fenster nach Europa zu öffnen, / Uns am Meer niederzulassen. (…)

Es folgt ein langer Prachtsaal mit bemalter Stuckdecke in dem Museum. Lebensgrosse Figuren tragen die Kleidung der damaligen Zeit: lange Spitzengewänder für die Damen, Uniformfräcke und Kniebundhosen für die Herren. Von 1820 bis 1824 verbrachte Alexander Puschkin im Exil, weil er mit dem Geheimbund der Dezembristen sympathisierte, die den Zaren stürzen wollten. Der Autor lebte diese fünf Jahre imKaukasus und auf der Halbinsel Krim. Einige seiner schönsten Gedichte stammen aus dieser Zeit:

Kaukasus

Der Kaukasus unter mir, ich bin allein auf dem Gipfel,

Über dem Schnee, nah am Abgrund;

Ein Adler, der auf einer fernen Felszacke hauste,

Kreist über mir.

Von hier sehe ich Sturzbäche aus der Erde quellen

Und die ersten Fäden von Lawinen entstehen. (…)

1829

1824 zog sich Alexander Puschkin auf sein Landgut Michailowskoje zurück. Hier wohnte er unter polizeilicher Überwachung und schrieb seinen Versroman “Eugen Onegin. Er begann auch, an der Tragödie “Boris Godunow” zu arbeiten. Der zentrale Raum des Museums ist dem Versroman “Eugen Onegin” gewidmet (1823-1831). Porträts junger Herren und Damen erinnern an die Figuren des Versromans: den gelangweilten jungen Lebemann Eugen Onegin, den romantischen Träumer Wladimir Lenski, die Schwestern Tatjana und Olga. Glaskästen präsentieren Manuskripte des Werks. Porträts des Autors und seiner Ehefrau Natalja Gontscharowa vervollständigen die Bildersammlung an den Wänden.

Im nächsten Raum wird Alexander Puschkins Rückkehr nach Moskau thematisiert (1826-1831). Zar Nikolaus I. gestattete dem Dichter, wieder in Moskau zu leben. Er nutzte die Freiheit, um weitere Reisen zu unternehmen. So besuchte er Sankt Petersburg, Twer, Pawlowsk und Tiflis. Der folgende Raum hat Puschkins kurzen Roman “Pique Dame” (1834) zum Thema. Eine Erstausgabe des Werks und verschiedene Porträts wurden hier untergebracht. Danach folgt ein Raum, dessen Exponate Alexander Puschkins Roman “Die Hauptmannstochter” (1832-1836) kommentieren. Dieser Roman handelt von der Revolte des Don-Kosaken Jemeljan Pugatschow (1742-1775) gegen den Zaren. Ein Ölgemälde zeigt den aufständischen Kosakenführer in Eisenketten.

Jemeljan Iwanowitsch Pugatoschow (1742-1775):

Den Abschluss bildet der Raum “Letzte Jahre” (1831-1837). Porträts von Landschaften zieren die Wände, in den Glaskästen liegen Exemplare von Alexander Puschkins handschriftlichen Gedichtentwürfen. Seit 1831 lebte er mit Natalja am Hof des Zaren in Sankt Petersburg. Im Gegensatz zu seiner Gattin war der Dichter durch das mondäne Hofleben frustriert. Er schuf sich Feinde und starb am 10. Februar 1837 in einem Duell.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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