Olivia Kroth: Russlands Energieriese Gazprom

Russlands Energieriese Gazprom

von Olivia Kroth

Russlands Energieriese Gazprom liefert vermehrt Gas an asiatische Staaten, vornehmlich China. Auch nach Indien und Kirgisien soll im nächsten Jahrzehnt Naturgas von Gazprom fliessen. Die zwei Hauptprojekte von Gazprom sind das “Gasprogramm des Ostens” und “Macht von Sibirien”. Im Februar 2015 flog Alexej Miller, Chef von Gazprom, nach China und unterschrieb einen Vertrag für die Lieferung von 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China pro Jahr. Auch in die zentralasiatische Republik Kirgisien will Gazprom ab 2015 Naturgas für 35 Billionen Rubel pro Jahr schicken. Gazprom wird 60 Prozent des kirgisischen Gasbedarfs abdecken (TASS, 13.02.2015). 

Im Februar 2015 verkündete eine Pressemitteilung auf der Internetseite von Gazprom:”Der Vorstandsvorsitzende Alexej Miller und der Erste Stellvertretende Premierminister der Volksrepublik China, Zhang Gaoli, trafen sich in Peking. Alexej Miller verhandelte ebenfalls mit Wang Dongjin, dem Stellvertretenden Vorsitzenden von CNPC, Chinas grösster staatlicher Energiegesellschaft. Im Mai 2014 hatten Gazprom und CNPC einen Kaufvertrag abgeschlossen zur Lieferung von russischem Naturgas auf der Ostroute nach China. Der Vertrag läuft über 30 Jahre und sieht jährliche Gaslieferungen von 38 Milliarden Kubikmeter vor.”

Im November 2014 folgte der Vertrag für russische Gaslieferungen auf der Westroute nach China. Die Ostroute führt von Jakutien und der Region Irkutsk über das Pipeline-System von “Macht Sibiriens” nach China. Die Westroute ist in der Planung. Sie soll Naturgas von westsibirischen Feldern nach China leiten.

gazprom

Weitsichtig in die Zukunft blickend, sagte Präsident Wladimir Putin bereits 2012 bei einem Treffen mit der Kommission für strategische Entwicklung des Öl- und Energiesektors sowie der Umweltsicherheit: “Die Voraussagen verkünden alle, dass der globale Bedarf an Gas in den nächsten Jahren wachsen wird, besonders in Asien. Der Markt für Flüssigerdgas wird immer wichtiger. Der Bau moderner Anlagen für Flüssigerdgas dauert fünf bis sieben Jahre, manchmal sogar bis zu zehn Jahren. Wir müssen die passenden Bedingungen zur Entwicklung dieses Sektors schaffen.”

Schon vor den europäischen Wirtschaftssanktionen gegen Russland hatten die Russen auf lange Sicht ein größeres Interesse an Kunden aus Asien als aus Europa. Russlands wichtigste Projekte der Gasförderung in Asien für die kommenden Jahre sind das “Gasprogramm des Ostens” und “Macht Sibiriens”. So erfährt der russische Gasmarkt eine Transformation. Die Bindungen an Asien werden gestärkt, weil sie attraktiver und rentabler sind.

Alexei Miller und Wladimir Putin:

Gazprom ist eine relativ junge Firma. Am 17. Februar 2013 feierte sie ihren 20. Geburtstag, aber Russlands Reichtum an Erdgas ist sehr alt. Im Jahr 1993 wurde die staatliche Gasfirma in eine russische Aktiengesellschaft namens Gazprom transformiert. Sie hat begonnen, riesige Vorkommen in Ost- und Nordsibirien zu fördern. Diese Gebiete machen fast 60 Prozent der Russischen Föderation aus. Laut Information auf der Internetseite von Gazprom “umfassen die Erdgaslager im Osten und Nordosten Russlands 52,4 Billionen Kubikmeter an Land und 14,9 Billionen Kubikmeter im Meer.”

Gazprom und Tochterfirmen besitzen mehrere Dutzend Lizenzen zur Gasförderung in Russlands Fernem Osten. Die wichtigsten Felder: Tschajandinskoje in Jakutien; Kowiktinskoje und Tschikanskoje in der Region Irkutsk; Kirinskoje und Juschno-Kirinskoje vor der Küste von Sachalin.

Das “Gasprogramm des Ostens” (Eastern Gas Programme) hat sein Zentrum in der Region Sachalin und Kamtschatka. Sachalin ist ein großes integriertes Projekt mit Gazprom als Hauptaktionär. Die Exporte begannen 2009. Sachalin, Russlands größte Insel im nördlichen Pazifik, gehört zu der Oblast Sachalin.  Für Sachalins Hauptstadt Juschno-Sachalinsk sind Rosneft und Gazprom die grössten Arbeitgeber. Im Jahr 2014 konnte Gazprom den Verkauf von flüssigem Naturgas um 120 Prozent auf 4,5 Milliarden Kubikmeter erhöhen. Das Gasprojekt Sachalin-2 ist bislang Gazproms einzige Stätte zur Produktion von flüssigem Naturgas (TASS, 13.02.2015).

Wandmosaik in Juschno-Sachalinsk:

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Das Projekt “Macht Sibiriens” (Power of Siberia) basiert auf dem Feld Tschajandinskoje in Jakutien mit 1,2 Milliarden Kubikmetern Gas sowie dem Feld Kowiktinskoje in der Region Irkutsk mit Gasreserven von 1,5 Milliarden Kubikmetern. Die Gesamtlänge des Leitungssystems wird etwa 4. Kilometer betragen: 3.200 Kilometer für die Strecke Jakutien-Chabarowsk-Wladiwostok und 800 Kilometer für die Strecke Region Irkutsk-Yakutien. Die erste Sektion soll 2017 funktionsfähig sein. In Jakutien beschäftigt Gazprom 3.000 Mitarbeiter.

 Der Vorstandsvorsitzende Alexej Miller kam am 31. Januar 1962 in Leningrad zur Welt. Er absolvierte in seiner Heimatstadt das Institut für Finanzen und Wirtschaft mit dem Doktorgrad. In den 1990er Jahren arbeitete er als Forscher an diesem Institut, später in leitenden Funktionen des Bürgermeisteramts und der Hafenbehörde von Sankt Petersburg (ehemals Leningrad). 1999 wurde er zum Direktor des Baltischen Pipeline-Systems ernannt. 2000 diente er als Stellvertretender Energieminister der Russischen Föderation, bevor er 2001 Chef der staatlichen Firma Gazprom wurde.

 Gazprom-Chef Alexej Miller:

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Der Firma Gazprom ist bewusst, in welchem Ausmaß sie Einfluss auf das soziale Leben der Menschen nimmt. Deshalb umfasst das Programm Gazprom für Kinder auch neue Sportplätze. Das Programm Gazprom für Kinder ist das größte Sozialprojekt der Firma. Es soll “die Umwelt für harmonische spirituelle und physische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen schaffen”. Ein weiteres Ziel ist, “die größtmögliche Anzahl von Kindern in sportliche und künstlerische Aktivitäten sowie Amateurclubs einzubinden”, informiert die Webseite von Gazprom.

Diese sozialen Projekte sind nur ein kleiner Teil von Gazproms gesamtem Sponsorenprogramm in Russland. Die Firma unterstützt auch den berühmten Fußballverein Zenit in Sankt Petersburg. Das intensive Sponsorenprogramm von Gazprom spielte sicherlich eine große Rolle bei dem bemerkenswerten Aufstieg des Fussballclubs. Gazprom ist Hauptaktionär von Zenit.

In diesem Sinne ist der russische Gasriese ein Finanzriese, der seinem Lande in vielfältiger Weise hilft.

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Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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