Olivia Kroth: Künstlerisches Moskau – Auf den Spuren von Andrej Rubljow

Künstlerisches Moskau

Auf den Spuren von Andrej Rubljow

von Olivia Kroth

Приемная Музея им. А.Рублева: (495) 678-14-89
Факс: (495) 678-50-55
Электронная почта: cmiar@mail.ru

105120 Москва, Андроньевская площадь, д.10

http://www.rublev-museum.ru/



Andrej-Rublow-Ikonenmuseum im Kloster Andronikow

Andronjewskaja Ploschad Nr. 10

105120 Moskau

Metrostation: “Iljiza Ploschad”

Öffnungszeiten: täglich ausser Mittwoch von 11.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt: 350 Rubel

Das Andronikow-Kloster wurde 1357 von dem Metropoliten Alexis gegründet. Als erster Abt fungierte der Heilige Andronikow, ein Schüler des Heiligen Sergius von Radonesch. Seit seinem Beginn war das Andronikow-Kloster eines der Buchzentren von Moskau, wo Manuskripte verfasst wurden. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bildete sich ein Klosterviertel. Dort wurden die Ziegel für den Bau des Moskauer Kreml (1475) hergestellt. Im 17. Jahrhundert entstand die Ringmauer, welche die Klosteranlage einfasst und schützt. Aus dem Jahr 1795 stammt der neoklassische Glockenturm, einer der höchsten in Moskau.

Das Andronikow-Kloster wurde mehrfach überfallen und geplündert: 1571, 1611 und 1812, als Napoleons Truppen in Moskau einrückten und das Archiv des Klosters verbrannten. Im 19. Jahrhundert richteten die Mönche in ihrem Kloster ein theologisches Seminar mit Bücherei ein. Nach der Oktoberrevolution 1917 schlossen die Bolschewiken das Kloster, ernannten es jedoch 1947 zum Nationalmonument. 1985 wurde in der ehemaligen Klosteranlage das Andrej-Rubljow-Ikonenmuseum eröffnet und 1991 kehrte die Klosterkirche in den Besitz der Russisch-Orthodoxen Kirche zurück. Archäologen entdeckten 1993 bei Grabungen auf dem Klostergelände einen alten Altar.

Vor dem Portal der Klosteranlage Andronikow steht er als überlebensgrosse gusseiserne Statue, der im Kloster Andronikow 1430 verstorbene Ikonenmaler und Mönch Andrej Rubljow. Das Denkmal wurde von O.Konok erschaffen. Die Figur auf dem roten Sockel aus Granit sieht asketisch und streng aus, spirituell und in sich gekehrt. Der Malermönch hält zwei grosse Ikonentafeln in den Händen, eine links, eine rechts. Von Andrej Rubljows Leben ist wenig bekannt. Er wurde um 1360 geboren und lernte seine Kunst in der Ikonenschule des Heiligen Sergius von Radonesch. Dann arbeitete er an der künstlerischen Ausgestaltung des Kreml in Moskau in der Ikonenwerkstatt von Teophanus dem Griechen. 1408 malte Andrej Rubljow in Wladimir, bevor er für immer in das Moskauer Kloster Andronikow eintrat, wo er auch begraben liegt.

Die russische Ikone (von Griechisch “eikon” für Bild) ist ein Heiligenbild der russisch-orthodoxen Kirche. Sie ist kirchlich geweiht und hat für die Spiritualität der Russen grosse Bedeutung. Die Ikone zeigt eine existenzielle Verbindung zwischen Mensch und Gott. Sie soll Ehrfurcht erwecken und zum Gebet anregen. In russisch-orthodoxen Kirchen ist die Ikonostase eine mit Ikonen geschmückte Wand zwischen Altar und Raum für die Gläubigen. Die Besucher der Kirche bekreuzigen sich vor Ikonen, verbeugen sich, knien nieder und küssen das Bild. Auch in Privathäusern gibt es einen besonderen Ort, die Gebetsecke im Wohnzimmer, welche mit Ikonen, Kerzen und Blumen geschmückt ist.

Grabkapelle des Andrej Rubljow:

Unter der weissen Schneedecke im Februar sehen die weissen Mauern und weissen Gebäude einsam aus. Draussen rauscht der Strassenverkehr vorbei. Drinnen ist alles ruhig und still. Die zentrale Kirche soll die älteste in Moskau sein, von 1420 bis 1426 erbaut. In der Kirche sind noch einige Überreste ehemaliger Fresken unter den Fenstern zu sehen, die von der Hand des legendären Malermönchs Andrej Rubljow stammen. In dem Ikonenmuseum, welches nach ihm benannt ist, gibt es leider kein einziges Werk von Andrej Rubljow zu sehen. Aber das macht nichts, denn das Haus zeigt auf drei Etagen wunderbare Exemplare russischer Ikonenmalerei aus sechs Jahrhunderten, vom 12. bis 17. Jahrhundert. So lohnt die Klosteranlage in jedem Fall einen Besuch.

Die ersten russischen Ikonen Russlands entstanden 988, als das orthodoxe Christentum seinen Einzug hielt. Die russische Ikonenmalerei erreiche ihren Höhepunkt im “Goldenen Zeitalter” des 15. Jahrhunderts mit Teophanes dem Griechen (1330-1410), Andrej Rubljow (1360-1430) und Dionisius (1440-1506). Oft arbeiteten Meister und Schüler gemeinsam in Ateliers, wobei das Malen von Gesichtern und Händen den Meistern vorbehalten blieb. Jede Ikonenschule entwickelte ihren eigenen Stil, ihre spezielle Technik und Farbkomposition. Doch respektierten alle gleichermassen den Kanon der Auswahl von Figuren und Themen. So ist jede Ikone der anderen ählich und doch individuell geprägt.

Kirche des Klosters Andronikow:

Die ältesten Ikonenteile des Museums befinden sich im zweiten Stock: zwei alte Ikonenfragmente von 1199. Sie zeigen Bruchstücke von Gesichtern, in Glaskästen ausgestellt. Im Erdgeschoss sind Werke des 16. und 17. Jahrhunderts zu sehen, die aus verschiedenen Klöstern Russlands kommen: Archangelsk, Jaroslawl, Kirow, Moskau, Murmansk, Nischni Nowgorod, Perm, Pskow, Rostow, Susdal, Twer, Wladimir und Wologda. Meist waren die Ikonenmaler Mönche, die sich in ihren Klöstern nach einem kodifizierten Ritus durch Fasten, Gebet und Schweigen auf die Arbeit vorbereiteten.

Als Holz wurde oft Birke oder Fichte gewählt. Die Vorbereitung der hölzernen Ikonentafel war ein langwieriger Prozess, zu dessen Abschluss das Holz poliert wurde. Typisch für die dargestellten Figuren sind schmale Gesichter und lange Körper, auf Goldgrund gemalt. Rot oder Purpur symbolisieren die Göttlichkeit, Blau und Grün stehen für alles Irdische. In der Typologie finden sich Patriarchen und Propheten, Heilige und Märtyrer, die Mutter Gottes und Christus.

Andrej Rubljows “Christus als Majestät” in der Tretjakow-Galerie:

Einige der bekanntesten Ikonen von Andrej Rubljow gibt es im Raum Nr. 60 der Moskauer Tretjakow-Galerie zu sehen. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1408 und 1420. Ein deckenhohes Paneel von etwa drei Meter Höhe und sechs Meter Breite zeigt in fünf Teilen “Christus als Majestät” in der Mitte. Auf beiden Seiten gehen je zwei Figuren in gebeugter Haltung ehrfürchtig auf ihn zu: links der Erzengel Michael und die Jungrau Maria, rechts der Erzengel Gabriel und Johannes der Täufer. Jeder Gestalt hat der Künstler eine eigene Tafel gewidmet. Das monumentale Werk entstand 1408.

Eine stark beschädigte dreiteilige Ikonostase hat den “Erlöser” zum Thema, der von dem Apostel Paulus rechts und dem Erzengel Michael links gerahmt wird. Die Ikonostase zum Osterfest zeigt als Dreiteiler die “Verkündigung”, “Wiederaufstehung” und “Himmelfahrt Christi”. Dieses Werk stammt gleichfalls aus dem Jahr 1408. Am berühmtesten ist die “Dreifaltigkeitsikone” von 1420. Der Maler wollte damit zur Einigkeit in einer konfliktreichen Zeit Russlands aufrufen. Er stellt die Dreifaltigkeit bewusst als Einheit dar, ohne Unterschiede zwischen Gottvater, Sohn und Heiligem Geist. 

Andrej Rubljows “Dreifaltigkeits-Ikone” in der Tretjakow-Galerie:

Tretjakow-Galerie

Lawroschinski Pereulok Nr. 10

119017 Moskau

Metrostation “Tretjakowskaja”

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Samstag, Sonntag von 10 bis 18 Uhr; Donnerstag, Freitag von 10 bis 21 Uhr; Montag geschlossen

Eintritt: 450 Rubel

http://www.tretyakovgallery.ru/

Адрес: 119017 Москва, Лаврушинский переулок, 10
Проезд: Метро “Третьяковская” или “Полянка”

Телефоны: (495)951-13-62, (499)238-13-78
Факс: (495)953-10-51

e-mail: tretyakov@tretyakov.ru

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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