Olivia Kroth: Russlands fernöstliche Perle Wladiwostok

Russlands fernöstliche Perle Wladiwostok

von Olivia Kroth

Russlands östlichste Stadt Wladiwostok an der schönen Bucht des Goldenen Horns rückt im Jahr 2015 in den Blickpunkt nicht nur der russischen Regierung, sondern auch asiatischer Investoren. Denn die Stadt soll 2016 ein Freihafen werden. Anfang April 2015 hielt Präsident Wladimir Putin ein Treffen zur Entwicklung von Russlands Fernem Osten ab. Unter anderem wurde über einen Gesetzentwurf zur Etablierung eines Freihafens in der Region Primorje gesprochen. Spezifische Details wie Grenzübergänge, Visabestimmungen und offener Himmel wurden erörtert. Vom 12. bis 15. August wird in Wladiwostok das erste Wirtschaftsforum des Fernen Ostens stattfinden. Es soll “Entwicklungsmöglichkeiten des Föderationskreises Ferner Osten aufzeigen, Vorteile der Region beleuchten und neue Partner finden”. 

 http://en.kremlin.ru/events/president/news/49084

Russlands Minister für Entwicklung des Fernen Ostens, Alexander Galuschka, informierte, dass “mit ausländischen Investoren etwa 20 Memoranden über gegenseitiges Verständnis und Investitionen unterzeichnet” worden seien. Hauptsächlich Investoren aus China und Singapur haben den Freihafen Wladiwostok im Auge. Michail Udowitschenko, Russlands Vertreter in der Vereinigung für Chinas Entwicklung in Übersee (CODA), sagte, dass “chinesische Investoren Russlands Bemühen um wirtschaftlich interessante Gestaltung des Fernen Ostens genau beobachten”. China zeige grosses Interesse an Projekten in Russlands Fernem Osten (TASS, 03.04.2015).

Wladiwostok ist eine sehr alte Stadt. Während der Qing-Dynastie ließen sich hier chinesische Siedler nieder. Im 19. Jahrhundert übernahmen die Russen den Ort und errichteten in den 1870er Jahren ein weitläufiges Befestigungssystem. 1880 erhielt Wladiwostok Stadtrechte und 1883 ein Wappen, das den sibirischen Tiger zeigt. Die erste russische Höhere Schule öffnete 1889 ihre Tore. Nach Fertigstellung der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau bis Wladiwostok erlebte die Stadt erhebliches wirtschaftliches Wachstum. Zu Zeiten der Sowjetunion beherbergte der Hafen von Wladiwostok die sowjetische Pazifikflotte. Aus Sicherheitsgründen blieb der Ort für Fremde verschlossen.

Während der letzten Jahre veränderte sich das Stadtbild stark. Das Universitätsgelände der Föderalen Universität von Russlands Fernem Osten wurde fertig gestellt. Auch ein neues Opernhaus wurde gebaut. Die Stadt erhielt Erholungs- und Vergnügungsmöglichkeiten sowie Restaurants. Der internationale Flughafen von Wladiwostok wurde erneuert und erweitert, aber am spektakulärsten ist die neue Schrägseilbrücke des Goldenen Horns, welche sich über den Östlichen Bosporus spannt.  Sie verbindet die Halbinsel Nasimow des Stadtgebiets mit der Insel Russki.

Die Brücke wurde zum Gipfeltreffen von APEC in Wladiwostok am 1. August 2012 für den Verkehr geöffnet. Es ist die weltweit größte Schrägseilbrücke mit einer Länge von 3.100 Metern und einer Breite von fast 30 Metern. Die längste Spanne misst 1.100 Meter. Die Konstruktion wurde unter harschen klimatischen Bedingungen geprüft, wie sie für Russlands Fernen Osten typisch sind: Temperaturen von minus 30 bis plus 35 Grad Celsius, Sturmwindstärke bis 36 Meter pro Sekunde, Höhe der Sturmwellen bis 6 Meter und Eisdecke im Winter bis 70 Zentimeter Dicke. Die Form der Spannenabschnitte entspricht aerodynamischem Design. Das Schrägseilsystem trägt alle statischen und dynamischen Lasten. Hängeseilbrücken halten am besten Naturkatastrophen und sonstigen negativen Einwirkungen stand.

Der Entwurf und die Technologie dieser Brücke stammen von SK MOST. Zur Unternehmensgruppe SK MOST gehören 15 Firmen für Brückenbau und sieben Firmen für Tunnelkonstruktion. Seit 1991 baut SK MOST Eisenbahnlinien und Strassen, kleine und grosse Brücken, Tunnels, Hafenanlagen, hydraulische Konstruktionen, Flugzeugrampen, Büro- und Privathäuser. SK MOST ist Mitglied des Internationalen Rats für Strassenbauer der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und gehört auch der Vereinigung russischer Brückenbauer (AMOST Fund) an.

http://en.skmost.ru/

Kommerzielle Fischerei und Schiffsbau sind die Hauptwirtschaftszweige von Wladiwostok. Die Stadt besitzt den grössten Hafen in Russlands Fernem Osten. Er ist das ganze Jahr über eisfrei. Wladiwostok beherbergt zudem die russische Pazifikflotte (Тихоокеанский флот). Eine touristische Sehenswürdigkeit ist das U-Boot-Museum am Marinekai (Корабельная набережная). Dieses einmalige Museum wurde in einem U-Boot des Typs S-56 aus sowjetischer Zeit eingerichtet. Die Pazifikflotte bot auf den Seewegen des sowjetischen Fernen Ostens während des Grossen Vaterländischen Krieges (1941-1945) zuverlässigen Schutz und trug wesentlich dazu bei, die faschistischen Angreifer zu besiegen.

Die Stadt besitzt verschiedene Gedenkstätten, welche dem Andenken an Heldentum und Selbstlosigkeit russischer Seeleute gewidmet sind: das U-Boot-Museum am Marinekai ist eine davon. Zusammen mit dem Patrouilleschiff Krasni Wimpel gehört es zu dem Denkmalensemble ‘Militärischer Ruhm der Pazifischen Flotte’. Dort können Besucher eine klare Vorstellung von dem Dienst der heroischen Besatzungen auf U-Booten der Pazifischen Flotte gewinnen. Das Museum zeigt nicht nur die Geschichte des U-Boots, sondern die gesamte Entwicklung der U-Boot-Streitkräfte als Bestandteil der Pazifischen Flotte.

U-Boot-Museum in Wladiwostok:

Als Hafenstadt, die sich dem Pazifischen Ozean zuwendet, hat Wladiwostok etliche Leuchttürme aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Diese Türme wurden errichtet, um hereinkommenden Schiffen Licht als Navigationshilfe zu geben. Sie markieren gefährliche Küstenabschnitte, Untiefen, Riffe und die gesicherte Einfahrt in den Hafen von Wladiwostok. Heutzutage sind sie immer noch in Gebrauch, aber ihr Warnsystem wurde durch moderne elektronische Navigationssysteme ersetzt. Die alten Leuchttürme bleiben nach wie vor pittoreske Sehenswürdigkeiten in Wladiwostok und um die Stadt herum.

Wassili Awtschenko hat in seinem Artikel “Spektakuläre Leuchttürme in Wladiwostok” (RUSSIA & INDIA REPORT, 24.09.2014) einige dieser interessanten Bauwerke beschrieben. Der älteste Leuchtturm der Gegend steht auf der Insel Skriplew, längsseitig von Wladiwostok. Dieser Leuchtturm wurde 1876 errichtet und ist heute noch in Gebrauch. Er funktioniert gemeinsam mit dem Leuchtturm auf der Nachbarinsel Basargin. Während des Grossen Vaterländischen Kriegs war auf der Insel Skriplew eine Batterie der Flugabwehr installiert, die von Frauen bedient wurde, da die Männer an der Front kämpften. “Die Leuchttürme von Skriplew und Basargin bilden eine Seepforte für Wladiwostok. Der Leuchtturm von Skriplew leuchtet rot auf, jener von Basargin grün”, erklärt Wassili Awtschenko.

Der Leuchtturm von Basargin in seiner jetzigen Form stammt aus dem Jahr 1958. Die Insel und der Leuchtturm tragen den Namen des Admirals Wladimir Basargin (1838-1893).  Wassili Awtschenko schreibt, dass das Land in der Patroklus-Bucht, worauf der Leuchtturm steht, dem russischen Verteidigungsministerium gehört. 1937 wurde der Leuchtturm aus Holz gebaut. 1958 folgte die Konstruktion aus Stein mit acht Meter hohem Turm. Vor kurzem wurde hier das System GLONASS eingerichtet, um die Navigationssicherheit zu erhöhen. Doch das traditionelle Leuchtfeuer an der Spitze des Turms glüht immer noch. “Der Leuchtturm auf der Insel Basargin ist ein beliebtes Motiv für örtliche Fotografen und Maler. Er wird häufig auf Kalendern und Postkarten abgebildet: dunkelblaues Meer und graue Felsen, auf denen Seemöwen nisten, und der rot-weisse Leuchtturm”, so schildert Wassili Awtschenko die malerische Szene.

Sehenswert ist als drittes Bauwerk dieser Art der Leuchtturm Tokarew. Er steht am Rand der Halbinsel Murawjow-Amurski in der Peter-der-Grosse-Bucht. Die Stadt Wladiwostok liegt am Südende dieser Halbinsel, welche 1859 nach dem russischen Generalgouverneur Nikolai Murawjow-Amurski (1809-1881) benannt wurde. Wassili Awtschenko schreibt: “Dieser Ort sieht aus wie das Ende der Welt. Der Leuchtturm steht auf einer langen Sandbank. Er wurde nach Kapitän Tokarewski benannt, der Ende des 19. Jahrhunderts als Minenräumer in Wladiwostok tätig war. Von hier aus können Besucher die Insel Russki und die Seeroute nach China sehen. Im Winter tauchen Seehunde auf. Sie ruhen auf Eisschollen oder jagen Stinte.”

Generalgouverneur Nikolai Murawjow-Amurski (1809-1881):

Wladiwostok lohnt sicherlich einen Besuch, sei es im Sommer oder im Winter. Die Stadt ändert ihr Gesicht mit den Jahreszeiten und bleibt dennoch immer die gleiche: Russlands schöne fernöstliche Perle am Pazifik.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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