Olivia Kroth: April und Mai 1945 – Die siegreiche Rote Armee in Berlin

April und Mai 1945: Die siegreiche Rote Armee in Berlin

von Olivia Kroth

Die sowjetische Offensive zur Einnahme von Berlin begann am 16. April 1945. Am 24. April schloss sich der Belagerungsring der Roten Armee um die Hauptstadt der Nazis. Am 29. April marschierten sowjetische Truppen in Berlin ein, während Hitler Selbstmord beging, indem er sich vergiftete und erschoss. Die Stadt kapitulierte vor der sowjetischen Armee am 2. Mai 1945. Die Dokumente zur Kapitulation wurden am 9. Mai im Berliner Hauptquartier von Feldmarschall Georgi Schukow unterzeichnet. Deshalb wird in Russland der 9. Mai als Tag des Sieges gefeiert. Die erste Siegesparade in Moskau fand am 24. Juni 1945 statt. 

Für die Wehrmacht war die Ostfront die blutigste und grösste des gesamten Zweiten Weltkriegs. Auch Berlin erlitt Schaden. Grosse Teile des Stadtgebiets wurden während des letzten Ansturms der sowjetischen Streitkräfte stark beschädigt. Die Augenzeugin Gerda Drews erinnert sich: “Es gab wenig Hoffnung, dass wir den Russen standhalten könnten. Die Bahnhöfe waren zerbombt worden. Russische Katjuschas, hier Stalinorgeln genannt, schossen eine Rakete nach der anderen ab. Ich konnte sie über meinen Kopf hinwegfliegen sehen. Sie beschossen das Stadtzentrum. Schliesslich hörte am 5. Mai der Beschuss auf. Nach wochenlangem Feuer und Strassenkampf war Berlin praktisch zerstört. Auf den Strassen behinderte Schutt den Verkehr.” Nach Kriegsende wanderten die Kinder von Gerda Drews nach Kanada aus. Die kanadische Schwiegertochter Elinor Florence übersetzte die Kriegserinnerungen ihrer deutschen Schwiegermutter ins Englische und veröffentlichte sie auf ihrem Blog: “Schlacht um Berlin – Eine Augenzeugin berichtet” (08.10.2014). http://elinorflorence.com/blog/berlin-battle

Eine Million sowjetische Soldaten griffen unter Feldmarschall Georgi Schukow die Tore Berlins an, welche von 110.000 deutschen Soldaten verteidigt wurden. Bei der Verteidigung fanden 12.000 Deutsche den Tod. Die Sowjets hissten das rotes Siegesbanner auf dem Reichstag von Berlin, um die Niederlage und den Fall des faschistischen Dritten Reichs zu markieren. Als die letzten Tage dieses unrühmlichen Reichs anbrachen, verwandelten sich viele Berliner von lautstarken Nazis in Feiglinge. Der britische Historiker Andrew Tully berichtet darüber in seinem Buch “Berlin: Die Geschichte einer Schlacht” (Greenwood Publications, März 1977). Er schreibt, dass in jenen Tagen Desertieren an der Tagesordnung war. In ganz Berlin entledigten sich Tausende von Nazis ihrer Uniformen, um sich vor den Russen zu verstecken. Die Gestapo hörte Telefongespräche in Berlin mit. So vernahmen sie die schrille Stimme einer Frau: “Hast du schon dein Hitlerbild von der Wand genommen? Ich habe meines gestern verbrannt.” Auf einer anderen Leitung sprach ein Nazi-Bürokrat mit seinem Rechtsanwalt: “Vernichten Sie sofort meine Unterlagen – Sie wissen schon welche!”

Berlin im Mai 1945:

So endete Hitlers missglückter “Blitzkrieg” gegen die Sowjetunion, eine schändliche Epoche der deutschen Geschichte. Manche deutschen Politiker würden sie wohl lieber vergessen. Mögen sie sich stets an ihre wenig glorreiche deutsche Vergangenheit erinnern und aufhören, die Russische Föderation über “Demokratie” und “Menschenrechte” zu belehren. Zurzeit verschliessen Mitglieder der deutschen Regierung ihre Augen vor den faschistischen Tendenzen in der Ukraine. Stattdessen werden Geld und Waffen zur Unterstützung der ukrainischen Junta nach Kiew geschickt. Im Jahr 2015, siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, scheinen manche Deutschen unter Gedächtnisverlust zu leiden, da sie sich stur weigern, aus ihrer eigenen faschistischen Vergangenheit zu lernen. Ein Schritt in die richtige Richtung könnte sein, an deutschen höheren Schulen Russisch als zweite Fremdsprache einzuführen, damit die jüngere Generation eine Chance erhält, mit Gleichaltrigen in der Russischen Föderation zu kommunizieren. Auch die Einrichtung von Schüleraustausch und Stipendien zum Studium in Russland könnten hier richtungweisend wirken.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der in Russland “Grosser Vaterländischer Krieg” heisst, erhielten hohe sowjetische Militärführer die Medaille “Für den Sieg über Deutschland im Grossen Vaterländischen Krieg 1941-1945” (Медаль «За победу над Германией в Великой Отечественной войне 1941—1945 гг.) Diese militärische Auszeichnung wurde am 9. Mai 1945 etabliert. Die Medaille zeigte Josef Stalins Büste im Profil. Er trug die Uniform eines Marschalls der Sowjetunion. Die Inschriften lauteten “Unsere Sache ist gerecht” (НАШЕ ДЕЛО ПРАВОЕ) und “Der Sieg gehört uns” (МЫ ПОБЕДИЛИ). Auf der Rückseite der Medaille war der fünfzackige Stern zu sehen, dazu die Inschriften “Für den Sieg über Deutschland” (ЗА ПОБЕДУ НАД ГЕРМАНИЕЙ) und “Im Grossen Vaterländischen Krieg 1941-1945” (В ВЕЛИКОЙ ОТЕЧЕСТВЕННОЙ ВОЙНЕ 1941—1945 ГГ).

Sowohl im Westen als auch im Osten gibt es Debatten über Josef Stalins Rolle und seine Qualitäten als Führer der Sowjetunion. Während die sogenannten “Demokratien” westlicher Prägung glauben, dass sie das Recht haben, Josef Stalin als “Diktator” zu diffamieren, wird er in der Russischen Föderation aus mehreren Gründen geschätzt. Einer davon ist seine Qualität als Sieger im Grossen Vaterländischen Krieg. Marine Obraskowa schreibt: “Vermehrt wird über Stalin als Führer gesprochen, welcher der Sowjetunion den Sieg über Nazi-Deutschland brachte. Die Diskussionen haben sich vor der 70. Jahresfeier dieses Ereignis intensiviert. Die russische Kommunistische Partei hat sogar Pläne vorbereitet, verschiedene Denkmäler für Stalin zu errichten, Plaketten für ihn anzubringen und Strassen von Städten nach ihm zu benennen. Auch soll ihm zu Ehren Wolgograd wieder Stalingrad heissen” (RUSSIA & INDIA REPORT, 22.04.2015). Jelena Schestopal, Dekanin der Fakultät Politische Psychologie an der Staatlichen Universität Moskau, meint: “Stalin bleibt ein Symbol des Siegs im Grossen Vaterländischen Krieg. Er wird zweifellos in positiver Weise in unserem kollektiven Gedächtnis bleiben.” Statistiken deuten darauf hin, dass viele Russen einen guten Eindruck von Josef Stalin haben.

Generalissimus Josef Wissarionowitsch Stalin (1878-1953):

Am 27. April 2015 erklärte Präsident Wladimir Putin in einer Rede auf der Versammlung des Stadtparlaments von Sankt Petersburg: “Der Tag des Siegs ist wirklich ein heiliger Feiertag für unser gesamtes Land. Er vereint unsere Gesellschaft und hält sie zusammen. Auch erinnert er uns an die Rolle, welche unser Land bei wichtigen Ereignissen des 20. Jahrhunderts spielte, als es die Welt vor dem Nazitum rettete. Bedauerlicherweise werden heutzutage sogar die heiligsten Dinge zur Spekulation missbraucht. Dies ist nicht das erste Mal, dass wir einem selektiven Verständnis von Geschichte zugunsten eines politischen Opportunismus begegnen. Diese Vorgänge sind zu einer wirklich aggressiven Kampagne ausgeartet. Es beunruhigt besonders zu sehen, wie versucht wird, die Bedeutung des Siegs in diesem Krieg zu verzerren, Schwarz in Weiss und Befreier in Besatzer umzudeuten. So werden aus Nazi-Kollaborateuren vorgebliche Freiheitshelden gemacht. Es ist unsere Aufgabe, aktiven Widerstand gegen diese Geschichtsfälschung zu leisten. Wir tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass Menschen die Wahrheit über den Krieg kennen, unsere wahren Helden ehren und niemals vergessen, welche Katastrophen aus Ideen nationaler Exklusivität und globalem Dominanzstreben resultieren.”

http://en.kremlin.ru/events/president/news/49345

An dem Treffen nahmen auch  Veteranen teil. Präsident Wladimir Putin grüsste sie mit folgenden Worten: “Lassen Sie mich diese Gelegenheit ergreifen, einmal mehr die Veteranen des Grossen Vaterländischen Kriegs zu grüssen, welche heute anwesend sind. Ich möchte den Soldaten von Herzen danken und sagen, dass wir niemals vergessen werden, was sie für Russland und die Welt vollbrachten. Sie haben, Entbehrungen, Schmerzen und Verluste erlitten, aber diese Prüfungen bestanden, einen ruchlosen Feind besiegt und ruinierte Städte wieder aufgebaut. Sie dienen nach wie vor unserem Heimatland so unermüdlich, aufrichtig und optimistisch wie eh und je. Ihr Beitrag zur Erziehung der jungen Generation und ihre aktike Hilfe für öffentliche Institutionen verdienen das höchste Lob und die Unterstützung des Staats. Wir werden mit Sicherheit weiterhin den Veteranenvereinigungen und Suchtrupps unseren Beistand geben. Ausserdem helfen wir all jenen, die bereit sind, auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten: Aufbau und Stärkung Russlands, Bewahrung unserer Geschichte und unserer nationalen Erinnerungen.”

http://en.kremlin.ru/events/president/news/49204

Präsident Wladimir Putin begrüsst russische Kriegsveteranen:

Die Professorin Walentina Nikolajewna Iwanowa, Rektorin der Moskauer Staatlichen Universität für Technologie und Management, schreibt auf der Internetseite der Gesamtrussischen Volksfront am 24.04.2015, dass ein Lehrerkongress zum Thema “Kindheit ohne Faschismus!” im Moskauer Zentralmuseum des Grossen Vaterländischen Kriegs auf dem Poklonnaja-Hügel stattfand. Er wurde von der gesamtrussischen pädagogischen Vereinigung organisiert. 935 Lehrer aus 51 russischen Regionen und der Gemeinschaft unabhängiger Staaten nahmen teil. Die Anwesenden diskutierten aktuelle Probleme im Zusammenhang mit den Versuchen, die Geschichte des Grossen Vaterländischen Kriegs zu verfälschen und mit dem Aufkommen von Tendenzen, faschistische Ideologie zu rehabilitieren. Die Kongressteilnehmer betonten die Notwendigkeit, an allen Schulen der Russischen Föderation “die historische Wichtigkeit des Siegs im Grossen Vaterländischen Krieg als eine Bedingung für die Erhaltung von Frieden ohne Faschismus” zu unterrichten. Ausserdem wurden die Ergebnisse des Wettbewerbs zur “Wahrung historischen Andenkens an russische Veteranen und Verteidiger des russischen Mutterlandes” verkündet. Die Sieger des Wettbewerbs, 15 russische Schüler, erhielten Geschenke, überreicht von Veteranen und Mitgliedern der russischen Staatsduma.

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Professorin Walentina Nikolajewna Iwanowa:

Die Siegesfeier am 9. Mai 2015 ist grösser als jemals zuvor. Über 78.000 Soldaten und fast 2.000 Kriegsgeräte inklusive 238 Flugzeuge und 51 Schlachtschiffe nehmen an den Paraden zur Siegesfeier in 28 russischen Städten teil. Die Leiter von 26 Staaten haben ihre Anwesenheit bei der Siegesparade in Moskau am 9. Mai 2015 zugesagt, unter anderen die Staatschefs von GUS- und BRICS-Staaten sowie einigen asiatischen, europäischen und lateinamerikanischen Ländern (TASS, 24.04.2015). Sogar im Weltraum wird der Tag des Siegs gefeiert. Russland hat ein Siegesbanner zur Internationalen Weltraumstation (ISS) geschickt. Die Rakete Sojus 2.1a mit dem Transporter Progress M-27M hat den Flug ins Weltall vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan angetreten, mit den Symbolen des Siegs im Grossen Vaterländischen Krieg an Bord, nämlich dem Kriegsorden und dem Sankt-Georgs-Band. Zur Vorbereitung der 70-Jahre-Feier wurden Sankt-Georgs-Bänder an die Besatzung der Weltraumstation geschickt. So können die russischen Kosmonauten der ISS – Gennadi Padalka, Michail Kornijenko und Anton Schkaplerow – den Tag des Siegs im Kosmos feiern (TASS, 28.04.2015).

Siegesfeier mit Sankt-Georgs-Band:

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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