Olivia Kroth: Russland an der Spitze in rhythmischer Gymnastik dank der legendären Trainerin Irina Wiener-Usmanowa

Russland an der Spitze in rhythmischer Gymnastik dank der legendären Trainerin Irina Wiener-Usmanowa

von Olivia Kroth

Bei den letzten vier Olympiaden hat sich Russlands Überlegenheit in rhythmischer Gymnastik gezeigt. Seit 2000 stehen russische Gymnastinnen regelmässig auf der obersten Stufe des Podiums, sei es bei Einzel- oder Riegenwettkämpfen. Die Russinnen gewannen acht Gold- und zwei Silbermedaillen sowie einmal Bronze. Insgesamt erhielten sie elf von möglichen zwölf Medaillen. Jetzt bereitet sich die Russische Föderation darauf vor, auch während der Olympiade 2016 in Rio de Janeiro in Führung zu bleiben, wie die Internetseite http://www.rio2016.com informiert. Einen Grossteil des Ruhms verdanken die russischen Gymnastinnen ihrer legendären Trainerin Irina Wiener-Usmanowa. Am 1. Mai 2015 wurde sie im Moskauer Kreml von Präsident Wladimir Putin als “Heldin der Arbeit” ausgezeichnet. Seit 1992 trainiert Irina Wiener-Usmanowa das russische Team. Seit 2008 steht sie als Präsidentin der russischen Föderation in Rhythmischer Gymnastik vor. Sie verhalf Russland achtmal zu olympischem Gold und zu mehr als 70 Goldmedaillen in Weltmeisterschaften. 

Bei der Zeremonie im Kreml sagte der russische Präsident: “Heute beweist Russland, dass es jede Herausforderung meistern und sogar die schwierigsten Aufgaben erfüllen kann. Wie zu jedem Zeitpunkt in unserer Geschichte wird der Fortschritt durch jene Menschen garantiert, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Es sind Menschen, die verstehen, dass ihre persönlichen Anstrengungen und  Arbeitsergebnisse entscheidend sind für den Einfluss und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes, für seine konstruktive und kreative Energie. Je mehr wir engagierte und hart arbeitende Leute haben, desto stärker und wohlhabender wird Russland sein. Lasst uns niemals vergessen, dass unser Leben und das Leben unseres Landes eine unzertrennliche Einheit darstellen, dass Russland die Arbeit, das Talent und den Erfolg jedes einzelnen Bürgers braucht. Seit mehreren Jahren ist unser Nationalteam in rhythmischer Gymnastik haushoch überlegener Weltmeister in diesem Sport. Diesen Erfolg verdanken wir zu einem Grossteil der hervorragenden Professionalität der Trainerin Irina Wiener-Usmanowa. Sie weiss, dass die wichtigsten Komponenten für den Sieg aus Charakter, Disziplin, Hingabe und Willenskraft bestehen.” http://en.kremlin.ru/events/president/news/49382

Russlands Energieriese Gazprom, seit 2002 Hauptsponsor des gesamtrussischen Verbands der rhythmischen Gymnastik, informiert auf seiner Internetseite: “Russland ist stolz auf seine rhythmische Gymnastik. Russische Gymnastinnen werden traditionell als die prominentesten Athletinnen bei Weltmeisterschaften und Olympiaden geachtet. Der Begriff ‘rhythmische Gymnastik’ wurde in der russischen Sprache von der Höheren Schule der Aesthetikbewegung eingeführt, die 1934 in Leningrad das Staatliche Institut P.Lesgraft für Sport eröffnete. 1963 wurden in Budapest die ersten Weltmeisterschaften in rhythmischer Gymnastik ausgetragen. Diese Sportart hatte 1984 ihr olympisches Debut. Die heutigen Wettkämpfe in rhythmischer Gymnastik für Frauen werden mit Handgeräten in Musikbegleitung ausgeführt. Es gibt vier Durchläufe mit vier von fünf möglichen Geräten: Ball, Band, Keulen, Reifen oder Seil.”

http://www.gazprom.com/social/supporting-sports/gymnastics/

Die zweifache Olympiasiegerin Jewgenija Kanajewa (2008 und 2012) mit Seil:

Die russischen Sportlerinnen der rhythmischen Gymnastik beginnen bereits als sehr junge Mädchen mit dem Training. Um die Spitze zu erreichen brauchen sie Beweglichkeit, Gleichgewichtsgefühl, Koordination, Kraft und Selbstdisziplin. Sie müssen in der Lage sein, unter starkem Druck an Wettbewerben teilzunehmen. Ausserdem sollten sie den Willen zeigen, Bewegungsabläufe wiederholt zu üben. Sowjetische Meisterinnen waren Jelena Karputschina, Galina Schugurowa, Irina Derjugina und Marina Lobatsch. Marina war die erste sowjetische Frau, die bei einer Olympiade (1998) in dieser Sportart Siegerin wurde. Seit 1991 dominiert die Russische Föderation die Disziplin der rhythmischen Gymnastik. Bei den Olympischen Spielen 2000 gewann Julia Barsukowa die Goldmedaille, 2004 wiederholte Alina Kabajewa diesen Erfolg. Jewgenija Kanajewa gewann sogar zweimal olympisches Gold, 2008 und 2012. In den Gruppenwettkämpfen brachten die Russinnen 2000, 2004, 2008 und 2012 Goldmedaillen von der Olympiade mit nach Hause.

Olympiasiegerin (2004) Alina Kabajewa:

Irina Alexandrowna Wiener-Usmanowa wurde am 30. Juli 1948 in Samarkand (Usbekistan) geboren. Sie begann mit elf Jahren zu trainieren und wurde dreimal Meisterin der usbekischen Sowjetrepublik in rhythmischer Gymnastik. Später studierte sie Sport am usbekischen staatlichen Sportinstitut. Irina Wiener arbeitete als Trainerin der usbekischen Damenmannschaft in Taschkent, bevor sie nach Moskau zog. Hier wurde sie 1992 Cheftrainerin der russischen Damenmannschaft. Im selben Jahr heiratete sie Alischer Usmanow, der ebenfalls aus Samarkand stammt. Alischer Usmanow gehört mittlerweile zu den reichsten Industriemagnaten der Russischen Föderation. Er ist Moslem, Irina Wiener ist Jüdin. Dieses Paar ist das beste Beispiel für glückliche religionsübergreifende Ehen in dem Vielvölkerstaat der Russischen Föderation mit seinen vielen Religionsgemeinschaften. Irina Wiener-Usmanowa kann kein Hebräisch, aber sie praktiziert die Kabbala. 2007 wurde sie von der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Russlands mit dem Preis “Lebende Legende” ausgezeichnet.

Irina Wiener-Usmanowa:

Während ihr Ehemann ein erfolgreicher Unternehmer wurde, erwarb Irina Wiener-Usmanowa Ruhm als Trainerin von Meisterinnen der rhythmischen Gymnastik. Die Liste ihrer siegreichen Mädchen ist lang. Laut Irina Wiener-Usmanowa sind die wichtigsten Faktoren, um an die Spitze zu gelangen: gemeinsame Arbeit, Teilen von Erfahrungen, Liebe zum Sport und Kreativität. “Alle Gymnastinnen sind verschieden. Es ist interessant, ihnen bei der Entwicklung ihrer natürlichen Anlagen und Talente zu helfen. Wir denken nie an Medaillen, sondern lieben die kreative Arbeit mit Seele und neuen Ideen”, sagt die Cheftrainerin. “Irina ist genial. Die rhythmische Gymnastik befände sich nicht weltweit auf so hohem Niveau, hätte sie nicht zu diesen Errungenschaften beigetragen”, meint Margarita Mamun, eine Mädchen der jüngsten Generation russischer Siegerinnen.

Alischer Usmanow mit Ehefrau Irina Wiener-Usmanowa:

Was macht Irina Wiener-Usmanowas Training so erfolgreich? Laut eigener Aussage sind es innere Stärke, Energie und der Glaube an die Fähigkeiten ihrer Schülerinnen. In einem Gespräch mit der russischen Zeitschrift HELLO gab Irina Wiener-Usmanowa Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit. “Gott gibt Stärke”, glaubt sie. Die Trainerin ist sehr streng mit den jungen Mädchen, wacht über ihre Diät und ihr Gewicht. Übergewicht ist schlecht für die Gesundheit der Athletinnen. Sogar drei Kilo zu viel können schaden. Irina Wiener-Usmanowa weiss: “Du kannst dabei dein Bein verletzen. Stell dir vor, nach einem Sprung erhöht sich bei der Landung die Belastung des Beins durch das Körpergewicht um ein Dreifaches. Daraus können sich Verletzungen ergeben.” Sie berät auch beim Essen: “Man muss fünfmal täglich kleine Portionen essen, damit der Magen sich nicht ausdehnt. Wenn du keine Zeit zum Essen hast, nimm Trockenfrüchte mit in die Turnhalle, zum Beispiel getrocknete Aprikosen, Pflaumen, Rosinen.” Die Jugendlichen würden natürlich gerne nachts in die Disko gehen, aber das passt nicht zum strengen Trainingsplan. Irina Wiener-Usmanowas schlimmste Drohung lautet: “Wenn du nicht erfolgreich bist, schicke ich dich zu deiner Mutter zurück.” Sie kümmert sich intensiv um ihre Schützlinge, bemüht sich sogar, gute Ehemänner für sie zu finden: “Ich garantiere ihnen ein anständiges Leben und gebe all diesen Kindern eine Mitgift. Sie sind klug, arbeiten hart, alle sind Schönheiten. Sie verdienen einen guten Ehemann.”

Nachwuchssportlerin Jana Kudrjawzewa bei den Weltmeisterschaften September 2014 im türkischen Izmir:

Im Jahr 2012 wurde aus Irina Wiener-Ismanowas Traum Wirklichkeit. Das neue Trainingszentrum in Nowogorsk wurde eröffnet. Das architektonisch einmalige  Sportdorf steht im Distrikt Chimki, einem schönen Vorort von Moskau. Es bietet 250 Unterkünfte für Sportler, Trainer und Ärzte von Nationalmannschaften sowie Trainingsräume für 32 verschiedene Sportarten, inklusive Basket- und Volleyball, Einskunstlauf und rhythmische Gymnastik (Einzel- und Gruppentraining). Das Zentrum umfasst auch zwei Gebäude für Sportmedizin, einen Verwaltungstrakt, Fussballplätze und Parkplätze. Die Sportler werden von freundlichem Personal begrüsst und bedient. Alle notwendigen Einrichtungen sind vorhanden, damit sie in ihren Sportarten bestmögliche Ergebnisse erzielen können. Irina Wiener-Usmanowa sagte im Interview: “Ich habe lange davon geträumt, ein Erziehungs- und Sportdorf einzurichten mit Kindergarten, Schule, Schwimmbad, Gesundheitszentrum, Sportgelände und Hotel. Ich habe mehrfach diese Idee in verschiedenen Gremien vorgetragen, auch im Rat des Präsidenten. Früher gab es Sportinternate in der Sowjetunion. Aber diese Form ist jetzt überholt, wir brauchen eine moderne Version.” Diese gibt es nun in Nowogorsk.

Nachwuchssportlerin Margarita Mamun:

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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