Olivia Kroth: Das Alexander-Skrjabin-Museum in Moskau

Musikalisches Moskau:

Das Alexander-Skrjabin-Museum

von Olivia Kroth

Grosse Nikolopjewski-Strasse 11

Moskau

Telefon: 7 (499) 241 1901

Metrostationen: Arbatskaja oder Smolenskaja

Öffnungszeiten: Mittwoch 13-21 Uhr, Donnerstag und Samstag 11-18 Uhr, Freitag 12-19 Uhr, Sonntag 11-17 Uhr

Eintritt: 200 Rubel

http://www.anscriabin.ru/

Москва
Б.Николопесковский пер, дом 11

+7 (499) 241-19-01

Проезд: ст. метр “Смоленская”, “Арбатская”

Режим работы экспозиции:
понедельник выходной
вторник выходной
среда 11:00 – 19:00
четверг 13:00 – 21:00
пятница 11:00 – 19:00
суббота 11:00 – 19:00
воскресенье 11:00 – 19:00

Alexander Skrjabin – Sonate Nr. 1, Opus 6:

Alexander Nikolajewitsch Skrjabin (1872-1915) lebte die letzten drei Lebensjahre in diesem Haus, das heute Besuchern als Museum zugänglich ist. Der russische Komponist und Pianist war ein innovativer Geist. Er gehörte am Anfang des 20. Jahrhunderts zur Avantgarde der russischen Musik. Leo Tolstoi nannte seine Kompositionen “den wahrhaften Ausdruck eines Genies”. Alexander Skrjabin beeinflusste die moderne Musik Russlands nachhaltig, insbesondere die von Igor Strawinski und Sergej Prokofjew.

Alexander Skrjabin, Prélude et Nocturne, Opus 9:

Im Treppenhaus des Moskauer Skrjabin-Museums hängt ein grosses Porträt. Es zeigt Alexander Skrjabin mit ernster Miene, nachdenklichen Augen und einem Schnurrbart, dessen beide Enden nach oben gezwirbelt sind. Er war ein gut aussehender Mann mit dem Gesicht eines Intellektuellen. Die musikalische Karriere war ihm nicht vorherbestimmt, denn er wurde in eine militärische Familie geboren. Sein Vater und seine Onkel hatten alle beim Militär Karriere gemacht. Seine Mutter war Konzertpianistin. Sie starb an Tuberkulose, als der Junge ein Jahr alt war. Seine Tante Ljubow, die unverheiratete Schwester des Vaters, spielte ebenfalls gerne Klavier. So hörte der Junge zuhause häufig Klaviermusik und begann selbst früh mit dem Klavierspiel. Im Alter von fünf Jahren konnte er bereits am Klavier Melodien improvisieren. Mit zehn Jahren trat Alexander Skrjabin in die Moskauer Kadettenschule ein. Von 1882 bis 1892 studierte er am Moskauer Konservatorium und beendete das Klavierstudium mit einer Goldmedaille.

Moskauer Konservatorium:

Im Jahr 1897 heiratete Alexander Skrjabin die Konzertpianistin Wera Issakowitsch, mit der er vier Kinder hatte. Von 1898 bis 1903 lehrte er als Klavierprofessor am Moskauer Konservatorium. Zudem arbeitete er als Inspektor für Musik am Sankt-Katharina-Institut in Moskau. Seine Liebe zur Musik spiegelt sich noch heute in seinem Haus wider, wo in jedem Salon ein grosser Flügel steht. Im Wohnzimmer sind neben dem Flügel Tische und Stühle für Zuhörerschaft gruppiert, denn Alexander Skrjabin gab gerne Hauskonzerte für seine zahlreichen Freunde. In einem Glasschrank liegen Bücher und Noten des Komponisten. Vier getäfelte Fenster öffnen sich zur Strasse hin. Auch im Nebenzimmer, einem kleineren Salon, steht ein Flügel. Eine Sitzgruppe, mit roter Seide bezogen, eine Glasvitrine mit Büchern, eine Standuhr und etliche Ölgemälde mit antiken Motiven vervollständigen die Ausstattung.

Glasvitrine mit Büchern im Skrjabin-Museum:

Es folgt das Esszimmer mit einem Esstisch für acht Personen, einer Anrichte und einer Geschirrvitrine, in der mit Blumen bemaltes Porzellan ausgestellt ist. An den Wänden hängen Fotos der Familie. Ab 1904 lebte Alexander Skrjabin mit Tatjana von Schloezer zusammen, der Schwester des Musikwissenschaftlers Boris de Schloezer. Da Wera, seine Ehefrau, die Scheidung verweigerte, konnte er die zweite Lebensgefährtin nie heiraten. Doch bekam er mit ihr drei Kinder. Sie begleitete ihn auf seine Auslandsreisen und lebte mit ihm bis zu seinem Lebensende in diesem Haus. Im nächsten Raum sind Fotos von Freunden ausgestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Komponist, Kontakte zu Theosophen zu pflegen.  Die Theosophie beeinflusste sein musikalisches Werk. Alexander Skrjabin wurde zum theosophischen Mystiker, der die Philosophie und Poesie als Grundlagen für seine Kompositionen verwendete. Er war  auch Synaesthet. Für ihn erzeugte jeder musikalische Ton eine bestimmte Farbnuance. Diese Idee versuchte er durch das “Farbenklavier” auszudrücken. Die Partitur seines Orchesterwerks “Prometheus – Gedicht des Feuers” sieht den Einsatz seines Farbenklaviers vor. Von diesem Gerät steht ein Modell im Skrjabin-Museum.

Alexander Skrjabin, “Prometheus – Gedicht des Feuers”, Opus 90:

Als Mystiker bewegte ihn das Mysterium der Musik. Sie sollte alle Sinne ansprechen als eine Symphonie aus Berührung, Duft, Farbe, Tanz, Ton und Wort. Ein solches Gesamtkunstwerk stellte in Alexander Skrjabins Augen eine Synthese aller Künste dar. Zum Höhepunkt seines Schaffens wurde das 1908 veröffentlichte “Poem der Ekstase”, ein 370 Zeilen umfassendes Gedicht, von Alexander Skrjabin im Selbstverlag publiziert. Es enthielt seine philosophischen Gedanken, die stark von der Theosophie geprägt waren. Anfang und Schluss seines Gedichts lauteten: “Der Geist, / Vom Lebensdurst beflügelt, / Schwingt sich auf zum kühnen Flug. / Und es halte das Weltall / Vom freudigen Rufe: / Ich bin!” Alexander Skrjabin vertonte sein Gedicht für Orchester mit folgender Besetzung: Piccolo, 3 Flöten, 3 Oboen, Englischhorn, 3 Klarinetten, Bassklarinette, 3 Fagotte, Kontrafagott, 8 Hörner, 5 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba, Pauke, Grosse Trommel, Becken, Tamtam, Triangel, Glocke, Glockenspiel, Celesta, Harfe, Orgel und Streicher.

Das “Poem der Ekstase” war ein Orchesterwerk mit farbig-irisierendem Klangbild und stark polyrhythmischer Komposition. Ein Musikkritiker schrieb im “Russischen Wort”: “Einen mächtigen Eindruck machte Skrjabins neues symphonisches Werk, Poem der Ekstase, das gedanklich kühnste und in seiner Orchestration komplexeste Werk der zeitgenössischen Musik.” Alexander Skrjabins Musik war für seine Zeit ungewöhnlich chromatisch und dissonant. Seine Dissonanzen klangen wie “gefrorene Farbeffekte”. Der Komponist schrieb selbst über seine Kompositionsexperimente: “Je mehr hohe Töne in Harmonie standen, desto strahlender, schärfer, brillianter klangen sie. Aber dazu musste ich die Töne in einer logischen Folge organisieren. Um sie scheinen zu lassen, um die Idee von Licht zu vermitteln, musste ich eine Reihe von Tönen erhöhen.”

Die Arbeit dieses genialen Komponisten fand ein jähes Ende, als er 1915 in Moskau an einer Blutvergiftung starb, die von einem Abszess an der Oberlippe herrührte. Im Schlafzimmer von Alexander Skrjabin steht noch heute das Bett, in welchem er die letzten Tage seines Lebens zubrachte. Über diesem Bett hängt eine Fotografie des Musikers. Drei Sessel, eine Sitzbank, eine Kommode mit Spiegel, ein Kleiderschrank – das waren die letzten Dinge, welche der Sterbende betrachtete. Bei seiner Beerdigung am 16. April 1915 auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau waren viele Menschen anwesend. Der Komponist Sergej Rachmaninow half, den Sarg zu tragen. Danach ging er auf Tournee und spielte Alexander Skrjabins Musik. Den Erlös der Konzerte schickte er der Familie des Verstorbenen. Auch andere Freunde unterstützten die mittellosen Angehörigen und finanzierten das Skrjabin-Museum.

Grab von Alexander Skrjabin auf dem Nowodewitschi-Friedhof in Moskau:

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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