Olivia Kroth: Russlands Kaspische Flotille

Russlands Kaspische Flotille

von Olivia Kroth

Die im Kaspischen Meer stationierte Kaspische Flotille ist Russlands älteste Marineeinheit, aber dank neuer Waffen und Technologie ist sie eine sehr moderne Flotille, wie die kürzlich erfolgten Angriffe auf  Stellungen von Terroristen in Syrien demonstrierten. Am 7. Oktober 2015 feuerten vier russische Raketenschiffe 26 Kalibr 3M-14T Marschflugkörper ab. Sie flogen mehr als 1.500 Kilometer weit und trafen ihre Ziele in den syrischen Provinzen Aleppo, Idlib und Raqqa.  Syriens Botschafter in Russland bestätigte, dass die syrische Regierung zuvor den Russen die exakte Position von Basen der Terrormiliz IS mitgeteilt hatte, die zerstört werden sollten. Syrien ist ein langjähriger, loyaler Verbündeter der Sowjetunion bzw. der Russischen Föderation.

Die Angriffe wurden weithin als Demonstration für die Fähigkeit Russlands gedeutet, Ziele über weite Entfernungen hinweg zu treffen und zu zerstören. Weiterhin zeigten die Angriffe, dass Russland willens ist, seinen Marinestützpunkt Tartous zu verteidigen und dem syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad zu helfen. In der “Operation Hmeymim” feuerten am 30. November 2015 zehn Schiffe der Kaspischen Flotille weitere 18 Marschflugkörker auf Stellungen der Terroristen in Syrien ab und trafen sieben Ziele: Trainingslager und Führungsbunker, Fabriken zur Herstellung von Explosionskörpern, Munitions-, Waffen- und Treibstoffdepots der Terrormiliz IS.

In seiner jährlichen Pressekonferenz am Ende des Jahres beantwortete Präsident Wladimir Putin am 17. Dezember 2015 Fragen von Journalisten zu Syrien. Er versicherte, dass die Russische Föderation der syrischen Armee helfen werde, ihr Land von der Plage der terroistischen IS-Miliz zu befreien: “Wir werden Stellungen von IS weiter bombardieren und die Offensiven der syrischen Armee so lange unterstützen wie nötig.” Dies wird Präsident Baschar Al-Assad sicher gerne hören. Die Aussage des russischen Präsidenten gibt dem syrischen Volk neue Hoffnung, dass nach fünf Jahren Krieg endlich ein Frieden in Aussicht sein könnte.  Präsident Putin bestätigte zudem, dass das Bombardieren der Terroristen in Syrien für die russischen Streitkräfte eine gute Übung sei, die das Budget nicht belaste:  “Man kann sich kaum ein besseres Training vorstellen. Wir können es lange weiterführen, ohne dass unser Budget strapaziert wird.”

Der Stellvertretende Kommandeur der Kaspischen Flotille, Sergej Jekimow, berichtete Präsident Wladimir Putin, dass die Aufgabe erfolgreich erfüllt worden sei, 18 Kalibr-Schüsse auf Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien abzufeuern. “An der Aktion waren das Raketenschiff Dagestan sowie drei kleine Raketenschiffe beteiligt: Grad Swijaschsk, Uglitsch und Weliki Ustjug. Moralisch und psychologisch war das Personal auf hohem Stand, Waffen und technische Ausrüstung waren einwandfrei”, betonte Sergej Jekimow (TASS, 20.11.2015).

Russische Fregatte “Dagestan”:

Kalibr ist eine Lenkwaffe aus russischer Produktion, von dem Konstruktionsbüro Nowator entwickelt. Die Exportbezeichnung lautet Klub. Dieses Lenkwaffensystem ist modular aufgebaut und kann durch verschiedene Startplattformen von Schiffen oder U-Booten zum Einsatz gebracht werden. Seit 2011 werden die Schiffe der Kaspischen Flotille mit Kalibr-Lenkwaffen ausgerüstet.

Der für Syrien verwendete Marschflugkörper Kalibr 3M14-T hat ein Turbofan-Triebwerk, das für eine Fluggeschwindigkeit von Mach 0,6 bis 0,8 sorgt. Über dem Meer erreicht der Marschflug eine Höhe von 20 m, über Land zwischen 50 bis 150 m.  Die Navigation während des Marschflugs wird von den russischen Satelliten- und Navigationssystemen GLONASS und GPS kontrolliert. Im Zielgebiet sucht das ARGS-14-Radar die zuvor eingespeicherten Strukturen und vermisst deren Lage im Raum. Der ARGS-14-Radarsuchkopf hat eine Erfassungsreichweite von rund 20 km, die Treffgenauigkeit liegt bei 5 bis 10 m. Der Marschflugkörper kann mit einem rund 500 kg schweren Splittergefechtskopf, einem Nukleargefechtskopf oder mit Streumunition bestückt werden.

Russische Kalibr-Raketen können 1.500 bis 2.000 Kilometer zurücklegen, je nachdem, ob sich die Ziele auf dem Festland oder auf See befinden. “Die wichtigsten Eigenschaften von Kalibr sind der für den Feind unvorhersehbare Flug und die Treffgenauigkeit. Dies hat eine demoralisierende Wirkung auf den Gegner. Sogar wenn er den Moment des Abfeuerns entdeckt, kann er nicht voraussagen, in welcher  geographischen Position der Marschflugkörper eintreffen wird”, schreibt Wladimir Kosin (ORIENTAL REVIEW / VOLTAIRE NETWORK, 14.10.2015).

Das Raketenschiff Dagestan, von welchem Kalibr abgefeuert wurde, ist das Flaggschiff der Kaspischen Flotille, es wurde im November 2012 in Dienst gestellt. Die Fregatte der Gepard-Klasse ist 102 m lang und 13 m breit, hat einen Tiefgang von 5,6 m bei einer Verdrängung von 1.500 Tonnen, bzw. von 2.000 Tonnen mit voller Ladung. Diesen Schiffstyp exportiert die Russische Föderation auch nach Vietnam, wo er bei der vietnamesischen Kriegsmarine zum Einsatz kommt. Bei dem Einsatz gegen Terroristen in Syrien wurde die Fregatte Dagestan von drei kleinen Korvetten der Bujan M-Klasse unterstützt: Grad Swijaschsk, Uglitsch und Weliki Ustjug. Die Korvetten der Bujan-Klasse sind mit modernster Tarnkappentechnik für den Küsten- und Binnengewässerschutz ausgerüstet und ausserdem für das Anlanden von Spezialeinheiten gefertigt. Grad Swijaschsk und Uglitsch wurden im Juli 2014 in Dienst gestellt, Weliki Ustjug folgte im Dezember 2014 nach.

Russische Korvette “Weliki Ustjug”:

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Die Stadt Astrachan spielt in der Geschichte der Kaspischen Flotille Russlands eine wichtige Rolle. Zar Peter der Grosse gründete diese Flotille 1722 in Astrachan. Während der Revolution in Baku erhielten die Revolutionäre von 1903 bis 1905 Unterstützung durch die Matrosen der Kaspischen Flotille. Im Jahr 1917 war sie aktiv daran beteiligt, die sowjetische Autorität in der Region zu festigen. Zwei Jahre später vereinigte sich die Kaspische Flotille mit der militärischen Wolga-Flotille.  Im Grossen Vaterländischen Krieg von 1941 bis 1945 sicherte die Kaspische Flotille den Seetransport für Einheiten der Roten Armee, ihre Ausrüstung und den Nachschub, insbesondere für die Schlacht von Stalingrad und die Schlacht im Kaukasus.  Heute spielt die Kaspische Flotille wieder eine prominente Rolle, indem sie den russischen Marinestützpunkt Tartous in Syrien verteidigt.

Derzeit umfasst die Kaspische Flotille folgende Schiffe: zwei Fregatten der Gepard-Klasse, Tatarstan und Dagestan; drei Korvetten der Bujan Klasse, Astrachan, Machatschkala und Wolgodonsk; drei Korvetten der Bujan M-Klasse, Grad Swijaschsk, Uglitsch und Weliki Ustjug; eine Korvette der Tarantul-Klasse, MAK-160; etliche Artillerieboote, Minenräumboote und Landungsboote.

 Aserbaidschanische Kriegsmarine zu Besuch im Hafen von Astrachan:

Der Pressedient von Russlands südlichem Militärdistrikt teilte mit, dass die Kaspische Flotille 50 spezielle Einsätze im Jahr 2015 durchgeführt habe. Ihre Besatzung führte in Manövern 400 Kampfübungen durch: Abfeuern von Raketen; Beschuss von Zielen zur See, in der Luft und an Land; Räumen bzw. Legen von Minen, Übungen gegen Sabotage und feindliche U-Boote. Für 2016 seien bereits 20 neue Übungstermine anberaumt. Einige sollen gemeinsam mit Einheiten der aserbaidschanischen und kasachischen Marine durchgeführt werden. Es gebe auch Pläne, die iranische Marine zu beteiligen. Alle Anrainerstaaten des Kaspischen Meers sorgen sich um die Sicherheit ihres Lebensraums und sind daran interessiert, Eindringlinge von aussen abzuwehren, die Chaos und Unruhe stiften könnten. Die kaspische Gemeinschaft will diesen Teil Asiens schützen und sichern. Hierzu leistet die Kaspische Flotille einen entscheidenden Beitrag.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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