Olivia Kroth: Russland knüpft enge Bande mit Venezuela

Russland knüpft enge Bande mit Venezuela

von Olivia Kroth

Die ersten Beziehungen wurden 1945 geknüpft, als die Sowjetunion mit Venezuela diplomatische Beziehungen aufnahm. Während des letzten Jahrzehnts hat sich diese Verbindung zum Wohl beider Staaten intensiviert. Unter Präsident Hugo Chavez (1954-2013) wurde Russland zum grössten Handels- und Militärpartner für Venezuela. Hugo Chavez wollte Wladimir Putin helfen, eine multipolare Welt zu schaffen, in der die Völker Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität geniessen. Diese Aufgabe erfüllt jetzt der Nachfolger von Hugo Chavez in Venezuela, Präsident Nicolas Maduro.  Unter der Leitung von Wladimir Putin als russischer Premierminister beziehungsweise Präsident sind die Bindungen zwischen Russland und Venezuela stärker geworden. 

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven und ist der fünftgrößte Ölexporteur weltweit. In der zwölfjährigen Regierungszeit von Hugo Chavez löste sich Venezuela aus der Abhängigkeit von Weltbank und IWF. Venezuela ist ein strategischer Wirtschaftspartner für Russland in der Förderung von Rohöl. Seit 2005 fördern Venezuelas staatliche Ölgesellschaft PDVSA und die russische Ölgesellschaft Lukoil gemeinsam Öl in dem venezolanischen Ölgürtel des Orinoco. Er liegt im Nordosten des Landes und umfasst etwa 250 Ölfelder mit einer Fläche von 55.000 Quadratkilometern in den Bundesstaaten Anzoategui, Bolivar, Guarico und Monagas. Hier werden sechs Millionen Barrel Öl am Tag gepumpt.

Ein Vertrag zwischen Russlands staatlicher Ölgesellschaft Rosneft und Venezuelas staatlicher Firma PDVSA für eine weitere gemeinsame Unternehmung wurde 2011 unterzeichnet zur Ausbeutung der Ölreserven in den Blocks Carabobo-2 Nord und Ost. Rosneft erhielt einen Anteil von 40 Prozent, PDVSA besitzt die Mehrheit von 60 Prozent. Die nächste Vereinbarung folgte 2015. Rosneft will zukünftig noch mehr Geld in Venezuelas Ölindustrie investieren (VENEZUELANALYSIS, 28.05.2015). Der nächste Vertrag wurde im Februar 2016 unterschrieben, als Rosneft seine Beteiligung an den Ölfeldern PetroMonagas von 16 auf 40 Prozent erhöhte (VENEZUELANALYSIS, 26.02.2016).

Ein weiterer Aspekt der russisch-venezolanischen Bindungen ist die militärische Kooperation. Schon im September 2008 sandte Russland Tupolew TU-160 Bomber für Trainingsflüge nach Venezuela. Im November 2008 führten beide Staaten gemeinsame Seemanöver in der Karibik durch. Die russische Flotte, inklusive des atombetriebenen Kriegsschiffs „Peter der Große“, wurde von Russlands arktischer Base in Seweromorsk losgeschickt. Zudem verkauft die Russische Föderation verschiedene Arten von Waffen und militärischer Ausrüstung an Venezuela, u.a. tragbare Flugabwehrraketen, Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge, Kampf-, Schützen- und Transportpanzer, Raketenwerfer, Panzerhaubitzen, Sturmgeschütze, Sturm- und Scharfschützengewehre sowie Munition.

Die staatliche russische Exportfirma Rosoboronexport will in Venezuela Wartungszentren für russische Helikopter errichten, spezialisiert auf die Reparatur von Helikoptern des Typs Mi-17V5, Mi-26T und Mi-35 M. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Dienstleistungen nach dem Verkauf und betrifft nicht nur Helikopter, sondern alles Militärgerät, das nach Venezuela geschickt wird. Venezuela ist der grösste Käufer russischer Waffen in Lateinamerika. Zwischen 2005 und 2013 schloss Rosoboronexport dort 30 Verträge. Die venezolanische Regierung erwarb 100.000 Kalaschnikow-Gewehre AK-103, 92 Panzer T-72B1, 24 Suchoi Kampfjets SU-30MK2, 34 Helikopter Mi-17V5, 10 Helikopter Mi-35M und drei Helikopter Mi-26T. Russland verkaufte Venezuela überdies mehrere hundert tragbare Igla-S schultergestützte Kurzstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensysteme zur Bekämpfung von Hubschraubern und Kampfflugzeugen in niedriger Flughöhe, Schützenpanzer und anderes Militärgerät (SPUTNIK INTERNATIONAL, 30.03.2016).

Venezuela hat auch den Bau von Fabriken zur Produktion von Kalaschnikow-Maschinengewehren in Venezuela erneut aufgenommen, wie der Vizedirektor der föderalen Behörde für militärtechnische Kooperation mit dem Ausland, Anatoli Puntschuk, mitteilte. Bereits 2005 hatten Russland und Venezuela Verträge zur Errichtung einer Fabrik  von Kalaschnikow-Gewehren und einer Munitionsfabrik unterschrieben. Doch wurden die Bauarbeiten in Venezuela 2014 eingestellt. Die zwei Fabriken sind derzeit zu etwa 70 Prozent fertig, nun soll ihr Bau bis 2017 beendet werden. Somit wird Venezuela zum weltweit ersten Staat, der die legendäre Handfeuerwaffe  und die dazugehörige Munition in Lizenz herstellt (SPUTNIK DEUTSCH, 23.04.2016).

Venezuela will zwei Typen von „Catatumbo“-Gewehren nach russischen Modellen herstellen. Der erste Gewehrtyp soll nach dem Modell des berühmten russischen Sturmgewehrs Kalaschnikow AK-103 gefertigt werden, das 1994 von Mikhail Kalaschnikow entworfen wurde. Der zweite Gewehrtyp wird nach dem Modell des russischen Dragunow-Gewehrs gefertigt, zwischen 1958 und 1963 von Jewgeni Dragunow entworfen. „Snaiperskaja Wintowka Dragunowa“ ist ein halbautomatisches Scharfschützengewehr, zur Unterstützung der Kampfgruppe konzipiert.

Die in Venezuela geplante Gewehrserie trägt den Namen „Catatumbo“, nach einem Fluss benannt, der im Bundesstaat Zulia in den Maracaibo-See mündet. „Catatumbo“-Blitze sind in stürmischen Nächten über dem Marschland an der Flussmündung des Catatumbo in den Maracaibo-See zu sehen. Ihr sehr helles Licht ist im Umkreis von bis zu 400 Kilometern sichtbar, weshalb es zur Schiffsnavigation benutzt wurde. Es heißt deshalb auch „Maracaibo-Leuchtfeuer“. Das Leuchtfeuer der venezolanischen Streitkräfte ist die Serie der „Catatumbo“-Gewehre.

Auf kultureller Ebene wurde die russisch-venezolanische Kooperation gleichfalls intensiviert. In nationalen Bildungszentren Venezuelas lernen Schüler und Studenten Russisch als Fremdsprache. Diese Zentren organisieren Aktivitäten zur Einführung russischer Kultur und Geschichte durch Ausstellungen, Seminare und Arbeitskreise. So wächst das Interesse an russischer Kultur in Venezuela. Immer mehr Venezolaner melden sich für russische Sprachkurse an und die Zentraluniversität von Venezuela in Caracas bildet künftige Lehrer für die russische Sprache aus. Die Regierung der Russischen Föderation bietet Stipendien für venezolanische Studenten, die interessiert sind, an russischen Universitäten zu studieren.

In Moskau präsentiert eine Ausstellung an der Staatlichen Universität Lomonossow “Francisco de Miranda im Russischen Reich”. Die historische Fakultät eröffnete sie am 21. März 2016. Im Zentrum steht das neue Buch von José G. Escalona Briceno. Der Autor schreibt über den venezolanischen Diplomaten und Politiker Franciso de Miranda (1750-1816), der nach Russland reiste und eine Zeitlang am Hof von Zarin Katherina II (Екатерина II Великая, 1729-1796) verbrachte. Russische Illustratoren schufen für diese Ausstellung Kalenderseiten mit Zitaten aus seinem Tagebuch.  Einige Kalenderseiten zeigen den Venezolaner mit der Zarin und Generalmajor Michail Kutusow (Михаил Илларионович Голенищев-Кутузов, 1745-1813).

28.01.1787, Miranda trifft den Generalmajor Michail Kutusow: “Wir sahen ein Bataillon des Infanterieregiments Katerinslaw, welches nach dem gleichen Prinzip gebildet ist wie das, welches ich auf der Krim sah. Generalmajor Kutusow zeigte es mir. Dieser Mann ist reich an Kenntnissen in seinem Beruf und in anderen Dingen” (SPUTNIK MUNDO, 21.03.2016)Francisco de Miranda war einer der nationalen Lieblingshelden des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Beide Männer kämpften hart für Venezuelas Unabhängigkeit. Beide suchten den Kontakt zu Russland, um Brücken zwischen den Kontinenten zu bauen.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

 https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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