Olivia Kroth: Russlands Nordflotte

Russlands Nordflotte

von Olivia Kroth

Russlands berühmte Nordflotte (Северный флот) bleibt auch im Jahr 2017 ein Kernstück des russischen Verteidigungssystems. Sie ist in Seweromorsk, Murmansk und in der Kola-Bucht stationiert. Dieser Teil der russischen Kriegsmarine ist in erster Linie für die Verteidigung von Nordwestrussland verantwortlich, wird aber auch im Mittelmeer und in allen Ozeanen der Welt eingesetzt. 1937 gegründet, spielte die Nordflotte im Grossen Patriotischen Krieg (1941-1945) eine wichtige Rolle, als sie die Küsten der Halbinseln Rybatschi und Sredni verteidigte. So gelang es der Sowjetunion, interne und externe Transportrouten zu sichern. Das Personal der Nordflotte nahm auch am Krieg auf dem Land teil, inklusive der Petsamo-Kirkenes-Operation (Петсамо-Киркенесская операция) im Jahr 1944. Die U-Boote, Torpedoboote und Flugzeuge der Nordflotte  versenkten 192 feindliche Transportschiffe und 70 andere militärische Schiffe. Ausserdem schädigte die Nordflotte insgesamt 118 feindliche Boote. Seitdem hat sich die Nordflotte mit langer, stolzer Tradition einen exzellenten Ruf in der Verteidigung Russlands erworben. 

Im Herbst 2016 nahm Russlands Nordflotte an dem Kampf gegen Terrorismus in Syrien teil. Die Flotte verstärkte Russlands militärische Präsenz im Mittelmeer. Der Flugzeugträger Admiral Kusnezow, der Kreuzer der Kirow-Klasse Pjotr Weliki, der Zerstörer der Udaloy-Klasse Vize-Admiral Kulakow und der Zerstörer Seweromorsk sowie etliche Versorgungsschiffe der Nordflotte spielten eine wichtige Rolle, indem sie die russische Luftwaffe dabei unterstützten, radikale Gruppen in Syrien auszulöschen. An Bord des Flugzeugträgers Admiral Kusnezow befanden sich Su-33 Kampfjets und Ka-27/Ka-29 ASW Helikopter. Die Su-33 Kampfjets waren mit dem Ultrapräzisions-Ortungssystem SVP-24 ausgestattet. Es kam bereits bei anderen russischen Flugzeugen in ihrem jahrelangen Kampf gegen Terroristen in Syrien erfolgreich zum Einsatz. Vier MiG-29K Mehrzweckkampfflugzeuge waren dabei, ebenso Ka-52K Aufklärungs- und Kampfhelikopter. Diese hatten präzisionsgeleitete Luft-Luft-Raketen und Luft-Boden-Raketen an Bord, auch ungeleitete Bomben und Schnellfeuerkanonen. Die MiGs verwendeten intelligente Bomben des Typs KAB-500 und das Glonass Satelliten-Navigationgssystem” (SPUTNIKNEWS, 15.10.2016).

Flugzeugträger Admiral Kusnezow der russischen Nordflotte:

“2017 wird Russlands Nordflotte weiterhin ihre Missionen im Mittelmeer durchführen, um die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Russischen Föderation zu fördern. Jedoch wird der Schutz der Arktis eine Priorität für die Operationen des Strategischen Kommandos der Nordflotte bleiben. Die Nordflotte wird verschiedene Fahrten in der Arktis und etliche taktische Manöver durchführen, an denen sich Einheiten beteiligen, die auf den arktischen Inseln stationiert sind. Überdies sind für dieses Jahr Rettungsübungen zur Sicherheit der russischen Küste und Inselwelt geplant. Die Schiffe der Nordflotte unternahmen 2016 mehrere Langstreckenfahrten in das Mittelmeer. Die umfangreichste Mission begann im September, als eine Einheit mit dem Flugzeugträger Admiral Kusnezow in diese Region fuhr” (TASS, 09.01.2017).

Der Pressedienst der Nordflotte gab genaue Mitteilungen über die 2017 stattfindenden taktischen Manöver und Kriegsübungen heraus. “Die russische Nordflotte plant an 26 von 28 Wettkämpfen der Internationalen Armeeplanspiele (IAG) teilzunehmen, inklusive einem Drohnenwettkampf und Kampfmarsch von Panzerfahrzeugen. Die Nordflotte wird sich auch an einer militärischen Rallye beteiligen, d.h. an einer Fahrt für Panzerfahrzeuge über 2.000 Kilometer. Ausserdem macht sie bei dem Drohnenwettkampf ‘Krieger der GUS’ für Personal der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (Содружество Независимых Государств) mit. Das Personal der Nordflotte hat bereits am 1. Dezember 2016 mit der Ausbildung für diese Wettkämpfe begonnen, die im August 2017 zum dritten Mal ausgetragen werden. Die IAG 2016 wurden von Russland und Kasachstan mit Wettkämpfen in 23 Disziplinen organisiert (30.07-13.08.2016). Elf Staaten waren als Beobachter dabei” (SPUTNIKNEWS, 08.01.2017).

Die Nordflotte in ihrem Stützpunkt Seweromorsk:

Der Kommandeur der Nordflotte, Vizeadmiral Nikolai Jewmenow, sagte der Presse, dass die Verteidigung von Russlands nationalem Interesse in der Arktis eine Priorität des geeinten russischen strategischen Kommandos der Nordflotte bleiben werde: “Die Flotte hat eine enorme Erfahrung in der Arktis. Unter anderem wurden erfolgreich Unterwasser- sowie Überwassertruppen eingesetzt, um Russlands Sicherheit in der Nordostpassage zu garantieren.” Etwa ein Drittel russischen Territoriums befindet sich nördlich des Polarkreises. Deshalb hat Russland ein Interesse an der Entwicklung neuer Projekte in der Arktis. Präsident Wladimir Putin will die Entwicklung der arktischen Region beschleunigen und fördern (SPUTNIKNEWS, 09.01.2017).

Vizeadmiral Nikolai Anatoljewitsch Jewmenow (Николай Анатольевич Евменов) wurde am 2. April 1962 in Moskau geboren. Er erhielt 1987 sein Abschlussdiplom von der Hochschule für Unterwassermarine und wurde in der Marineakademie Kusnezow von 1995 bis 1997 weiter ausgebildet. Von 1999 bis 2001 diente er als leitender Offizier der 25. U-Boot-Division. Danach setzte er sein Studium von 2001 bis 2006 an der Militärakademie des Generalstabs der russischen Streitkräfte fort. Nikolai Jewmenow war stellvertretender Kommandeur (2003-2004) und Kommandeur (2004-2006) der 25. U-Boot-Division sowie Stabschef (2006-2010) und Chef des 16. U-Boot-Geschwaders (2010-2012). Einige Posten in der Pazifischen Flotte und Nordflotte folgten, bevor Präsident Wladimir Putin ihn durch Präsidialbeschluss im April 2016 zum Kommandeur der Nordflotte ernannte.

Vizeadmiral Nikolai Jewmenow:

Russlands Verteidigungsminister General Sergei Schoigu bemerkte, dass Vizeadmiral Nikolai Jewmenow grosse Erfahrung besitze, um komplexe und wichtige Anforderungen des geeinten strategischen Kommandos zu erfüllen. Er sei zudem in der Lage, in dieser Position sein umfangreiches Wissen voll einzusetzen. Sein hoher moralischer und professioneller Standard mache ihn für die Position als Leiter der Nordflotte sehr geeignet. Vizeadmiral Nikolai Jewmenow erhielt 2006 den  Orden “Für Militärische Verdienste” und 2016 “Für Verdienste zur See”.

Die Nordflotte ist in Seweromorsk (Североморск) beheimatet.  Diese geschlossene Stadt mit 50.060 Einwohnern liegt in der Oblast Murmansk an der Barentssee, 25 Kilometer nordöstlich von Murmansk. Hier befindet sich das grösste Trockendock auf der Halbinsel Kola. Der Marinestützpunkt hat Eisenbahn- und Strassenverbindung mit Murmansk.  Seweromorsk ist die sechstgrösste Stadt am Polarkreis. Hier herrscht Permafrost mit durchschnittlichen Temperaturen von – 8 Grad Celsius im Januar, + 12 Grad Celsius im Juli. Diese Siedlung entstand 1896. Die ersten russischen Siedler lebten von Fischfang, Jagd und Tierzucht. 1917 wohnten hier nur 13 Menschen in Holzhäusern. Ab 1933 steigerte sich der Zuzug rapide, weil die Siedlung als Stützpunkt der neu geschaffenen sowjetischen Nordflotte ausgewählt wurde. Von 1934 bis zum Beginn des Grossen Vaterländischen Kriegs entstanden in Seweromorsk Steingebäude, militärische Anlagen und ein Flugplatz für Marineflieger. 1947 wohnten hier bereits 3.884 Einwohner und die erste höhere Schule wurde eröffnet. 1960 besass die Stadt eine Wurstfabrik, eine Getränkefirma und ein öffentliches Schwimmbad.

Einige der Sehenswürdigkeiten in Seweromorsk erinnern an den Grossen Patriotischen Krieg und die Nordflotte. Das “Monument für die Helden von Seweromorsk, Verteidiger der Arktis”, zeigt die Figur eines Matrosen mit einem Schnellfeuergewehr in den Händen. Es ist 15 Meter hoch und steht auf einem 10 Meter hohen Podest in der Form eines U-Boots. Das Denkmal wurde von den Bildhauern Georgi und Juri Neroda gefertigt. 1973 wurde es auf dem Maritimplatz aufgestellt. Das “Monument für die Helden der Artillerie 221-1 in der Rotbanner-Nordflottenbatterie” stellt eine Schiffskanone auf einem Betonsockel dar. Dieses Denkmal wurde von den Architekten A. Schaschkow, T. Schaschkowa, A. Weisman und E. Panteleymonow geschaffen. Es wurde 1961 auf dem Maritimplatz installiert. Das “Monument für das Torpedoboot TKA-12” ist seinem Kommandeur Alexander Schabalin gewidmet. Er wurde zweimal als Held der Sowjetunion ausgezeichnet. Sein Denkmal schufen die Architekten Alexejew and V. Gopak. Sie stellten es 1983 auf dem Platz des Muts auf. Dazu wird die Geschichte der Nordflotte in zwei Museen von Seweromorsk gezeigt. Das Museum der Marinegeschichte befindet sich in der Safonow-Strasse, das Museum “U-Boot K-21” am Platz des Muts.

Monument für die Helden der Artillerie 221-1 in der Rotbanner-Nordflottenbatterie:

Ein Grossteil der Nordflotte ist in Poljarny (Полярный) installiert, einer geschlossenen Stadt an der Westseite der Kolabucht (Кольский залив) mit 17.300 Einwohnern. Seit 2008 sind dort folgende Einheiten stationiert: die Kolskaja Flotille (Flotte der Halbinsel Kola), das 161. U-Boot-Bataillon mit  x7-Kilo-Klasse D-E Jagd-U-Booten; die 7. Brigade der Küstenwache mit dem 270. Bataillon der ASW-Flugkörperkorvetten und dem 108. Bataillon der Flugkörperkorvetten; die 5. Brigade der Minenabwehrfahrzeuge mit dem 83. Bataillon der Küstenminenabwehr und dem 42. Bataillon der Seeminenabwehr.

Während des Kalten Krieges entwickelte die Sowjetunion auf der Halbinsel Kola weitläufige militärische Anlagen, inklusive Radar, ABM Warnsystemen und unterirdischen Docks für U-Boote. Diese Installationen wurden mittlerweile alle modernisiert, so dass die Nordflotte sie heute nutzen kann. Auch die Nordflotte selbst wurde modernisiert. Sie ist zwar kleiner als zu sowjetischer Zeit, aber sehr schlagkräftig. Deshalb stellt sie eine effiziente Abwehr gegen die NATO dar. Dies ist eine der wichtigsten heutigen Aufgaben für Russlands bewährte, traditionsreiche Nordflotte.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. Ihr Blog: https://olivia2010kroth.wordpress.com

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Acerca de olivia2010kroth

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