Olivia Kroth: Gold für Russlands Herrenstaffel bei den Biathlon Weltmeisterschaften 2017

Gold für Russlands Herrenstaffel bei den Biathlon Weltmeisterschaften 2017

von Olivia Kroth

Nach fast einem Jahrzehnt seit 2008 hat die russische Herrenstaffel im Biathlon wieder Gold gewonnen. Dieses Jahr fanden die Wettkämpfe für den IBU Pokal am 19. Februar 2017 im österreichischen Wintersportort Hochfilzen statt. Die Biathlon-Weltmeisterschaften werden von der Internationalen Biathlon-Union (IBU) veranstaltet. Vier russische Biathleten – Maxim Zwetkow, Anton Babikow, Alexei Wolkow und Anton Schipulin – nahmen an der Staffel 4×7,5 km teil. Dieser Wintersport besteht aus einer Kombination von Skilanglauf und Schiessen. Er ist seit den 1950er Jahren in Russland populär. Zuerst wurde er im Rahmen von militärischem Training für die sowjetische Armee eingeführt, dann auch von Zivilisten ausgeübt. Später gelangte Biathlon in den Rang einer olympischen Disziplin und erhielt eigene Weltmeisterschaften mit Pokal, dem IBU Cup. 

Maxim Zwetkow:

Der russische Biathlet Maxim Zwetkow ist am 3. Januar 1992 in Babajewo, Oblast Wologda, geboren. Er war 2014 Europameister und gewann 2017 die Weltmilitärspiele. Anton Babikow kam am 2. August 1991 in Ufa, Baschkortostan, zur Welt. Er wurde dreimal Europameister und gewann dreimal Bronze bei Europameisterschaften. Alexei Wolkow wurde am 5. April 1988 im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen, Oblast Tjumen, geboren. Er gewann 2014 mit der Herrenstaffel bei der Winterolympiade in Sotschi und war siebenmal Europameister. Alexei Wolkow hat sich den Titel “Geehrter Meister des Sports in Russland” verdient.

Anton Babikow:

Alexei Wolkow:

 Anton Schipulin gilt als Russlands erfolgreichster Biathlet. Er wurde am 21. August 1987 in Tjumen, Föderationskreis Ural, geboren. Seine sportliche Familie liess den Jungen schon früh Skilanglauf üben. Ab 2002 besuchte er eine Sportschule in Chanty-Mansijsk, wo seine Karriere in Biathlon begann. Der junge Mann kehrte 2004 in seinen Heimatort zurück und studierte Jura am Juristischen Institut in Tjumen. Er schloss diese Ausbildung mit dem Examen ab. 2006 zog Anton Schipulin nach Jekaterinburg. Bei der Europameisterschaft 2007 gewann er Silber im Sprint und Gold in der Herrenstaffel. 2008 wurde Anton absoluter Europameister, nachdem er in allen drei Einzelwettkämpfen und Staffeln gesiegt hatte. Anton Schipulin war Mitglied der russischen Biathlon-Mannschaft für die Winterolympiade 2010, wo er in der Herrenstaffel Bronze erreichte.  Der russische Präsident zeichnete ihn mit der Medaille “Verdienste für das Vaterland” aus. Gemeinsam mit Jewgeni Ustjugow, Alexei Wolkow und Dmitri Malyschko gewann er bei der Winterolympiade in Sotschi 2014 die Goldmedaille in der Herrenstaffel. Anton Schipulin heiratete 2015 and hat einen kleinen Sohn.

Anton Schipulin:

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Die Internetseite BIATHLONWORLD bringt ein interessantes Porträt des russischen Sportlers. Anton Schipulin ist die treibende Kraft der russischen Mannschaft und hat sich in den letzten vier Wettbewerben am konstantesten in den Leistungen gezeigt. Auf der Ebene des Weltpokals hat er 31 Einzelwettkämpfe und 20 Staffelläufe gewonnen, inklusive acht individuelle Siege. Das Glanzlicht seiner Karriere zuhause in Russland waren für ihn die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, wo er mit der russischen Mannschaft die Goldmedaille in der Herrenstaffel gewann. Anton Schipulin ist als willensstarker Kämpfer bekannt, aber privat ist er locker, leicht und lustig. In einem Interview sagte er: “Meine Familie ist für mich die Nummer eins, der Sport die Nummer zwei. Ich weiss, dass ich so viel wie möglich im Sport gewinnen muss, um Gutes für meine Familie zu tun. Mein Ziel ist es, ein guter Vater, guter Ehemann und guter Sportler zu sein. Die Familie, Fischen und Biathlon sind die drei wichtigsten Dinge in meinem Leben.”

Regionales Zentrum für Wintersport in Tjumen:

Die sibirische Stadt Tjumen, in der Anton Schipulin geboren wurde, ist ein idealer Ort für den Wintersport. Sie liegt 2.500 Kilometer östlich von Moskau. Es ist die grösste Stadt in der Oblast Tjumen und im Föderationskreis Ural. Tjumen war die erste russische Siedlung in Sibirien, sie wurde 1586 gegründet. Heute ist Tjumen eines der wichtigen Industrie- und Wirtschaftszentren im Ural. Viele Jahre lang war die Stadt ein russischen Reservoir für den Sport. Viele bekannte sowjetische und russische Sportler begannen ihre Laufbahn im Jugendsport von Tjumen. Auch einige der Biathleten in der derzeitigen russischen Nationalmannschaft stammen von hier. Tjumen bietet sportliche Aktivitäten für jede Altersgruppe an. Es gibt viele Sport- und Fitnessklubs in der Stadt, dazu ganzjährig geöffnete Eisbahnen, ein Skizentrum und einen Schiessstand. Im Winter werden manche Parks für den Skilanglauf präpariert.

Biathlon-Training in Tjumen:

Die 49. Weltmeisterschaft in Biathlon fand vom 9. bis 19. Februar 2017 in dem kleinen österreichischen Dorf Hochfilzen/Tirol statt. Insgesamt gab es 11 Wettbewerbe. Alle Ergebnisse werden auf den Weltmeisterschaftspokal dieser Saison angerechnet. IBU-Präsident Anders Besseberg pries die Austragung: “Nun sind die letzten Kugeln geschossen, die letzten Medaillen verliehen, die Besucher abgereist. Wir hatten eine grosse Vielfalt an Nationalitäten zu verzeichnen. Das Wetter war ausgezeichnet und die Wettbewerbe in Hochfilzen liefen gerecht ab.” Insgesamt nahmen 315 Athleten aus 37 Nationen teil, es wurden 33 Medaillen vergeben. Für die Herrenstaffel über 4 x 7,5 Kilometer, welche die Russen gewannen, waren 22.300 Zuschauer anwesend. Die 1.100 Einwohner von Hochfilzen bei Kitzbühel fanden die Veranstaltungen bestimmt spannend. Das kleine Dorf im Pillerseetal ist bekannt als Ort für den Skilanglauf.

Biathlon in Hochfilzen:

Biathlon ist ein beliebter Sport in Russland. In der Mitte der 1950er Jahre wurde er in der Sowjetunion als Wintersport eingeführt. Schliesslich ging Biathlon wegen seiner Popularität ab 1960 als Disziplin in die Winterolympiade ein. Ab 1992 durften auch Frauen am olympischen Biathlon teilnehmen. Der Wettbewerb in Biathlon besteht aus einer Kombination von Skilanglauf und Schiessen. Beim Langlauf wird Ausdauer verlangt, beim Schiessen Präzision. Der eine Teil des Schiessens wird im Liegen, der andere im Stehen absolviert. Für jede Schiessrunde muss der Biathlet fünfmal die Zielscheibe treffen. Der Schiessstand besteht aus 30 Bahnen, die meist 2,75 Meter breit sind. Ein elektrisches System registriert das Auftreffen des Projektils auf die Zielscheibe. Das Verfehlen einer Scheibe wird entweder mit einer Strafrunde von 150 Metern oder einer Strafzeit von einer Minute bestraft. Alle Langlauftechniken sind im Biathlon zugelassen. Meist laufen die Biathleten mit der freien Technik, weil sie die schnellste ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin beim Biathlon-Schiessen:

Putin shoots a rifle during the para-Olympic biathlon championship of Russia in the Krasnaya Polyana ski resort

Biathlon-Wettbewerbe finden in folgenden Disziplinen statt: Einzel, Sprint, Verfolgung, Massenstart und Staffeln. Die Russen sind in der Herrenstaffel besonders erfolgreich. Eine Herrenstaffel besteht aus vier Biathleten, die jeweils 7,5 Kilometer laufen. Hat ein Läufer seine Strecke absolviert, übergibt er an den nächsten Läufer seiner Staffel, indem er dessen Körper berührt. Der Staffelwettbewerb besteht für jeden Athleten aus je einem Liegend- und einem Stehendschießen. Jeder hat acht Patronen, um fünf Scheiben zu treffen.

Obwoh auch Frauen teilnehmen, wird Biathlon in Russland immer noch als typisch männlicher Sport angesehen. Mit einem Gewehr auf dem Rücken auf Skiern über Schneeflächen zu laufen weckt den Jagdinstikt in Männern. Kein Wunder, dass Biathlon in den schier endlos langen Wintern der sibirischen Taiga eine so beliebte Sportart ist. Dort kann man tagelang laufen, ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen.

Biathleten brauchen eine gute Technik, Durchhaltevermögen und Treffsicherheit beim Schiessen. Sie müssen in der Lage sein, ihre Herzfrequenz zu senken, so dass sie das Gewehr still halten können, wenn sie die Zielscheibe anvisieren. Um Biathlet zu werden, muss der Sportler hart und konsequent trainieren. So gehören Biathleten zu den gesündesten Wettbewerbern beim Wintersport. Der Skilanglauf ist ein gelenkschonendes Ganzkörpertraining und ein exzellenter Test für das Herzkreislaufsystem. Zum Schiessen braucht man Balance und Kontrolle sowie Regulierung von Puls und Atmung, um die erforderlichen Schüsse im angemessenen zeitlichen Rahmen zu bewältigen.

Biathlonvereine empfehlen diesen Sport als Kombination aus Spass und lebenslangem Konditionstraining. Natürlich wird nicht jeder eine olympische Goldmedaille oder den Weltmeisterschaftspokal gewinnen, aber es es gibt viele andere Gründe, diese Sportart zu betreiben: in erster Linie die Freude an der Bewegung in frischer Luft. Biathlon fördert eine gesunde Lebensweise und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Bei diesem Sport ist die Verletzungsgefahr gering.  Biathlon trainiert auch die Psyche, weil das Schiessen Konzentration und Präzision, Ruhe und Selbstgewahrsam erfordert. Die Sportler lernen, bei hohem körperlichem und geistigem Stress fokussiert zu bleiben. Das ist eine sehr nützliche Fähigkeit im täglichen Leben. Biathleten nehmen bei allen möglichen Wetterlagen an Wettbewerben teil. So üben sie, Herausforderungen und Widrigkeiten zu bewältigen. Dies stärkt Geist, Körper und Seele.

Biathlon-Training in Tjumen:

Aus diesen Gründen sind die Russen von Biathlon fasziniert. Russland war schon immer eine Nation, die sich grossen Herausforderungen und Widerständen gegenüber sah. Biathlon passt zur russischen Mentalität. Viele Goldmedaillen und Weltmeisterschaftspokale warten in Zukunft auf die russischen Herrenstaffeln in Biathlon.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. Ihr Blog:

http://olivia2010wordpress.com

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Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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