Russland und die Philippinen

Russland und die Philippinen

von Olivia Kroth

Nach Präsident Dutertes Besuch in Moskau unterzeichneten Russland und die Philippinen acht Kooperationsverträge. Laut Rodrigo Duterte braucht die philippinische Regierung Russlands Hilfe und Waffen, um die heimischen Terroristen zu bekämpfen. “Ich bin nach Moskau gekommen, um unsere Freundschaft zu vertiefen”, sagte der Präsident der Philippinen, als er den russischen Präsidenten Wladimir Putin traf. Er nannte Russland einen verlässlichen Partner und Wladimir Putin seinen Lieblingshelden. Rodrigo Duterte bekündete sein Interesse am Kauf von Waffen, Helikoptern und Flugzeugen in Moskau (RUSSIA TODAY, 24.05.2017). Die Philippinen und Russland wollen in den Bereichen von Landwirtschaft, Fischerei, Tierzucht sowie Herstellung, Transport und Lagerung von Gütern kooperieren. Wanda Teo, Sekretärin für Tourismus der Philippinen, sicherte für ihre Regierung  ein gemeinsames dreijähriges Programm im Tourismus, welches dieses Jahr beginnt. Ein Memorandum der Zusammenarbeit wurde mit der staatlichen russischen Korporation für Atomenergie unterschrieben. Das Gesamtpaket der Vereinbarungen zwischen Russland und den Philippinen enthält auch Austausch für Training, Information und Kultur (ABS / CBS NEWS, 25.05.2017). 

Strand von Palawan auf den Philippinen:

Diese Freundschaft mag überraschen, aber sie ist nicht neu. Die Philippinen und Russland sind seit sowjetischer Zeit miteinander befreundet. Durch die Organisationen Komintern und Profintern hielt die Sowjetunion steten Kontakt zu den Philippinen. Die Kommunistische Internationale “Komintern” (1919–1943) war der internationale Zusammenschluss kommunistischer Parteien zu einer weltweiten gemeinsamen Organisation. Die Gewerkschafts-Internationale Profintern war der internationale Dachverband aller kommunistischen Gewerkschaften. Profintern wurde 1921 von Komintern in Moskau gegründet. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts strebte der philippinische Präsident Ferdinand Marcos nach einer Vertiefung der Beziehung seines Landes zur Sowjetunion. Er bewunderte die Russen, so wie Präsident Duterte es derzeit tut. Formal wurde die Beziehung beider Länder 1976 etabliert.

Genauso wie China, Korea, Laos und Vietnam wurden in Asien auch die Philippinen aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit von der kommunistischen Idee berührt. Die Philippinen umfassen mehr als 7.600 Inseln im Pazifischen Ozean. Sie wurden nach der Ankunft von Ferdinand Magellan 1521 durch Spanien kolonialisiert. Die Spanier nannten diesen Archipel nach dem spanischen König Philipp II “Las Islas Filipinas”. Über 300 Jahre lang war die Inselgruppe eine spanische Kolonie mit Spanisch als Amtssprache und der römisch-katholischen Kirche als Amtskirche. Am Ende des 19. Jahrhunderts befreiten sich die Philippinen durch die Philippinische Revolution vom spanischen Kolonialjoch. Doch dauerte die Freiheit nicht lange. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besetzte US-Militär den Archipel. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Philippinen schliesslich als unabhängige Nation anerkannt. Fast 500 Jahre der Fremdherrschaft und Ausbeutung haben die Inseln geprägt. So wundert es nicht, dass Präsident Rodrigo Duterte Waffen von Russland kaufen will.

Philippinische Traditionen und Bekleidung:

Rodrigo Duterte ist am 28. März 1945 in Mindanao geboren, von Beruf Jurist und seit dem 16. Mai 2016 der 16. Präsident der Philippinen. Seine Innenpolitik ist auf den Kampf gegen illegalen Drogenhandel und Terrorismus konzentriert, die Aussenpolitik auf Unabhängigkeit von der EU und den USA. Präsident Duterte strebt engere Bindungen zu China und Russland an. Eine Umfrage von “Pulse Asia” im Juli 2016 zeigte, dass 91 Prozent der Bevölkerung ihm vertrauen. “Pulse Asia” ist ein Meinungsforschungsinstitut, das 1999 auf den Philippinen gegründet wurde.

Rodrigo Duterte:

Rodrigo Duterte ist von russischen Schiffen fasziniert. Im April 2017 besuchte er den russischen Kreuzer Warjag, der sich vier Tage lag im Hafen von Manila befand. “Am Landesteg 15 wurde der Präsident von der russischen Marine in Ehren empfangen. Er bestieg das obere Deck, wo das Kurzstrecke-Raketenabwehrsystem platziert ist. Dann ging er weiter zur Mitte des Schiffs und besichtigte das Langstrecke-Raketenabwehrsystem.  Der Präsident lief auch zum Bug, um die Hauptwaffe des Kreuzers zu sehen, einen Langstrecke-Seezielflugkörper. Rodrigo Duterte besuchte zudem das Schiffsmuseum und den Raum des Admirals, wo er sich in das Gästebuch eintrug” (PHILSTAR, 22.04.2017).

Warjag (Варяг) ist ein russischer Lenkwaffenkreuzer der Slawa-Klasse. Das Schiff lief im Juli 1983 vom Stapel und wurde 1990 der Pazifikflotte zugeteilt. Russlands Pazifikflotte (Тихоокеанский флот) ist im Pazifischen Ozean stationiert, mit Hauptquartier in Wladiwostok. Im Dezember 2015 wurde die Besatzung der Warjag mit dem russischen Marine-Orden “Nachimow” ausgezeichnet. Ihr Kapitän ist Alexei Jurjewitsch Uljanenko (Алексей Юрьевич Ульяненкo).

Russlands Lenkwaffenkreuzer Warjag:

Was die Handelsbeziehungen zwischen Russland und den Philippinen betrifft, so “haben sie das Potential zu wachsen. Russland folgt dem Pfad der Kooperation und aktiven Partizipation an den lebhaften Märkten Ostasiens. Die Russen sind an Handel und Einfluss interessiert. Deshalb könnten sie versuchen, ihre Beziehungen zu den Philippinen zu stärken, deren Ausmass und Reichweite zurzeit noch bescheiden sind” (PHILSTAR, 21.04.2017). In diesem Sinne sprach auch Präsident Wladimir Putin, als er darauf hinwies, dass “das Handelsvolumen bescheiden ist, jedoch dieses Jahr zu wachsen begann und bereits 25 Prozent zugelegt hat. Es gibt vielversprechende Bereiche für bilaterale Zusammenarbeit, zum Beispiel Maschinenbau, Infrastruktur des Transports, Energie und möglicherweise auch militärische Kooperation” (Kremlin.ru, 23.05.2017).

Beide Präsidenten waren mit den Gesprächsergebnissen in Moskau zufrieden, wie sie in der gemeinsamen Presseerklärung mitteilten, welche in russischer und englischer Sprache auf der Internetseite des russischen Präsidenten zu lesen steht: “Die russisch-philippinischen Verhandlungen verliefen in einer Atmosphäre von Freundschaft und Verständnis. Die Beteiligten waren zufrieden mit der seit kurzem verstärkten Kooperation auf verschiedenen Gebieten. Sie besprachen ausführlich die Aussichten für weitere Verbesserung der russisch-philippinischen Zusammenarbeit in wichtigen Bereichen.”

Rodrigo Duterte:

Weiterhin können Verbesserungen in vielen verschiedenen Bereichen stattfinden: “Es ist wichtig, das Handelsvolumen zu erweitern, ebenso die wirtschaftliche und soziokulturelle Kooperation, wobei gemeinsame Projekte und Initiativen in Wissenschaft und Technologie, Landwirtschaft, Energie, Transport, Bildung und Erziehung, Kultur und Sport Vorrang haben. Die Beteiligten finden es wichtig, eine gemeinsame russisch-philippinische Kommission für Handel und wirtschaftliche Kooperation ins Leben zu rufen. Hierfür findet das erste Treffen am 28. April 2017 in Manila statt.”

Südostasien ist eine Region von grossem geopolitischem Interesse für die Russische Föderation, wie in weiteren Punkten der gemeinsamen Pressekonforenz mitgeteilt wurde. “Beide Seiten wiederholten, sie seien bereit, weiterhin die Kooperation in der Region Asien-Pazifik zu verbessern, um günstige Bedingungen für Wirtschaftswachstum zu schaffen und Frieden sowie Stabilitiät in Südostasien zu garantieren. Die Beteiligten zeigten ihren gemeinsamen Willen, die Zusammenarbeit in verschiedenen Gremien zu fördern: Ostasien-Gipfel (Саммит стран Восточной Азии), Verband Südostasischer  Nationen (Ассоциация государств Юго-Восточной Азии), Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (Азиатско-Тихоокеанское экономическое сотрудничество), Kooperationsdialog für Asien” (kremlin.ru, 24.05.2017).

Manila:

Werden die philippinische Hauptstadt Manila und die schönen Inseln des Archipelago im Pazifischen Ozean bald zu den bevorzugten Reisezielen der Russen gehören? Werden russische Studenten an philippinischen Universitäten studieren und philippinische Studenten russische Universitäten besuchen? Kultureller und touristischer Austausch zwischen der Russischen Föderation und den Philippinen wird für beide Staaten eine Neuheit sein, die einen Versuch wert ist, ebenso wie die intensivierte wirtschaftliche und militärische Kooperation nach den vorliegenden Plänen bis 2025.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. Ihr Blog:

http://olivia2020kroth.wordpress.com

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Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista
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