Olivia Kroth: Iwan Aiwasowskis 200. Geburtstag

Iwan Aiwasowskis 200. Geburtstag

von Olivia Kroth

Ein Jahr vor dem Jubiläum des armenisch-russischen Malers Iwan Aiwasowski organisierte die Tretjakow-Galerie in Moskau eine grosse Retrospektive mit über 200 Werken des weltweit berühmten Malers. Der Andrang war so gross, dass die Interessenten bis zu zwei Stunden in langen Warteschlangen vor der Kasse der Ausstellung warteten, bis sie ihre Eintrittskarten erhielten. Iwan Aiwasowski ist heute nach wie vor unvergessen. Seine Werke hängen in vielen privaten Gemäldesammlungen von Armeniern rund um den Globus. Auch armenische und russische Museen besitzen einige seiner besten Gemälde. Der russische Künstler armenischer Abstammung, Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, wurde am 29. Juli 1817 in Feodossija auf der russischen Halbinsel Krim geboren. Er starb dort am 2. Mai 1900. Zwischendurch lebte und arbeitete er auch in Sankt Petersburg. In beiden Städten am Meer fühlte der Marinemaler sich wohl, denn das Wasser war sein Lebenselement. Seine Gestaltung von Licht und Schatten auf dem Meer war virtuos, insbesondere seine Darstellung der Lichteffekte des Wassers. 

Iwan Aiwasowski: “Poseidon reitet über das Meer”

Als Junge besuchte Iwan Aiwasowski das Gymnasium in Simferopol, Krim. 1833 siedelte er nach Sankt Petersburg über, weil er dort mit 16 Jahren die Kunstakademie besuchen wollte. Sein Entschluss, Maler zu werden, stand früh fest. 1844 stellte er zum ersten Mal seine Bilder aus. Sie waren so beliebt, dass Zar Nikolaus I ihm eine Audienz gewährte. Der Zar liebte die Bilder von Iwan Aiwasowski. Er ernannte ihn sogar zum “Maler des Marinestabs”. Der Künstler durfte die Uniform der Kriegsmarine tragen und fuhr mit den Matrosen zur See. So lernte er die Schiffe und das Leben der Seeleute kennen, welches er auf seinen Bildern darstellte. 1844 wurde Iwan Aiwasowski Mitglied der Kunstakademie von Sankt Petersburg. Dem Zarentum zu Ehren malte der Künstler 1846 das monumentale Gemälde “Zar Peter der Grosse bei Krasnaja Gorka – Er zündet Signalfeuer für sinkende Schiffe an”. 1847 verlieh die Kunstakademie ihm den Titel eines Professors.

Doch zog es ihn wieder in die Heimat,  auf die Krim zurück. Er liess sich in seiner Heimatstadt Feodossija nieder, wo er für sich und seine Familie ein Haus mit Galerie baute. Danach malte er “See-Symphonien”, deren Themen zwischen Sankt Petersburg und Feodossija angesiedelt sind. Diese Bilder entstanden grossenteils nach Eindrücken aus dem Gedächtnis: “Schiffe vor der Börse von Sankt Petersburg” (1847), “Manöver der Schwarzmeerflotte” (1850). Auf diesem Gemälde manövrieren elf Segelschiffe in einer geraden Linie hintereinander auf dem Schwarzen Meer, während rechts vorne am Kai Offiziere stehen, die das Manöver betrachten.

Iwan Aiwasowski: “Begrüssung der Schwarzmeerflotte im Hafen von Sewastopol, Krim”

Die russischen Küstenorte Feodossija, Gurzuf und Sudak auf der Halbinsel Krim sowie das Schwarze Meer inspirierten den Maler zu vielen weiteren Bildern: “Mondnacht in Feodossija” (1853), “Hafen von Feodossija” (1855), “Morgen am Meer bei Sudak” (1856), “Sonnenuntergang an der Küste der Krim” (1856), “Hügel in Feodossija” (1858), “Gurzuf” (1865), “Feodossija bei Sonnenuntergang” (1865). Immer wieder spielt seine geliebte Heimatstadt Feodossija die Hauptrolle in seinen Werken. Er hat diesen kleinen Ferienort weltberühmt gemacht. Heute pilgern viele Liebhaber seiner Bilder dorthin, um die Galerie von Iwan Aiwasowski zu besuchen. Nebenbei können sie auch das Strandleben an der beliebten Badebuch von Feodossija geniessen. Die Südküste der russischen Krim am Schwarzen Meer ist vergleichbar mit der französischen Riviera am Mittelmeer. Ein Bade- und Kurort reiht sich an den anderen wie Perlen auf einer Schnur.

Iwan Aiwasowski: “Feodossija bei Sonnenuntergang” (1865)

1873 fand eine weitere Ausstellung von Iwans Aiwasowskis Gemälden in Sankt Petersburg statt. Seine “See-Symphonien” zwischen Schwarzem Meer und Baltischem Meer fanden grossen Anklang. Der Künstler fühlte sich in Sankt Petersburg ebenso zuhause wie in Feodossija, denn er war flexibel und anpassungsfähig. In beiden Städten fand er sein Lieblingselement, das Meerwasser. Es spielte die Hauptrolle in seinem Leben und Werk. Iwan Aiwasowski war vom Meer fasziniert. Er malte es gefühlvoll und romantisch, aber auch realistisch, als ein dem Menschen oft feindliches und  widriges Element. Immer wieder variierte er das Thema des Schiffbruchs, zum Beispiel in seinem weltberühmten Gemälde “Regenbogen” (1873).

Iwan Aiwasowski: “Regenbogen” (1873)

In einem Rettungsboot sitzen 13 Seeleute, die verzweifelt um ihr Leben rudern gegen den starken Sturm auf hoher See. Im Hintergrund versinkt ihre Fregatte in den tosenden Wogen. Weisse Schaumkronen auf Wellenbergen wirken bedrohlich. Links im Bild türmt sich das Meer auf wie ein Gebirge. Die vorherrschenden Farben sind Weiss, Grau, Grün sowie alle Schattierungen von Blau und Türkis: “Wasser”-Farben. Am Rand leuchtet ganz schwach ein Regenbogen, Symbol der Hoffnung auf Rettung. Iwan Aiwasowski war ein Meister der filigranen Technik. Seine Schaumkronen sehen aus wie geklöppelte Spitze aus Wologda. Seine Meeresbilder leuchten. Das Wasser wirkt transparent. Der Horizont verschwimmt in der Ferne.

Iwan Aiwasowski: “Wolkengruppe” (1889)

“Das Meer war mein Leben”, bekannte der Künstler im Alter. Er hinterliess 6.000 Bilder. Die meisten sind Seestücke, Seeschlachten, Ansichten von Städten und Landschaften am Meer, aber auch die Berge des Kaukasus und Porträts von Mitgliedern seiner Familie oder Zeitgenossen. 1877 ernannte die Kunstakademie von Sankt Petersburg Iwan Aiwasowski zum Ehrenmitglied und prägte eine Goldmedaille für ihn. 1890 malte der Künstler “Zar Alexander II bei einer Schlittenfahrt auf dem Eis der Newa”. Der Maler wusste, was er den Zaren schuldete. Er huldigte ihnen in seinem Werk. “Wellenbrecher an der Küste der Krim” (1892), “Blick auf den Kaukasus vom Meer” (1894), diese beiden Werke hängen in der Aiwasowski-Galerie von Feodossija.

Aiwasowski-Galerie in Feodossija, Krim

Auch in der Tretjakow-Galerie von Moskau und im Russischen Museum von Sankt Petersburg sowie zahlreichen anderen Museen der Russischen Föderation und in Armenien hängen Bilder des Malers. Seine Werke werden heute für Millionen gehandelt. Kunstliebhaber wissen die Marinebilder von Iwan Aiwasowski zu schätzen. Sein Wasser schimmert, seine Wolken leuchten, der Himmel schillert in vielen Farben. Er war ein Meister der Lichteffekte: Sonnen- und Mondlicht, diffuser Nebel oder Regen, Dunkelheit im Sturm. In seiner Palette bevorzugte er zarte, irisierende Farben: Perlmutt, Beige, Rosarot, alle Schattierungen von Grau, Grün, Blau, Braun und Meeresfarben. Seine Wellen und Wogen sind kunstvolle Gebilde. Iwan Aiwasowski ist der russische Wassermaler par excellence. Es gibt keinen besseren als ihn.

Iwan Aiwasowskis Werke im Russischen Museum von Sankt Petersburg

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

 

 

Anuncios

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista
Esta entrada fue publicada en Armenia, Rusia. Guarda el enlace permanente.

Responder

Introduce tus datos o haz clic en un icono para iniciar sesión:

Logo de WordPress.com

Estás comentando usando tu cuenta de WordPress.com. Cerrar sesión / Cambiar )

Imagen de Twitter

Estás comentando usando tu cuenta de Twitter. Cerrar sesión / Cambiar )

Foto de Facebook

Estás comentando usando tu cuenta de Facebook. Cerrar sesión / Cambiar )

Google+ photo

Estás comentando usando tu cuenta de Google+. Cerrar sesión / Cambiar )

Conectando a %s