Olivia Kroth: Präsident Wladimir Putins vierte Amtseinführung

Präsident Wladimir Putins vierte Amtseinführung

von Olivia Kroth

Image associéeAm 7. Mai 2018 wurde Wladimir Putin zum vierten Mal in sein Amt als Präsident Russlands eingeführt. Das lateinische Wort “Inauguration” für “Amtseinführung” leitet sich ab von “inaugurare”, was so viel bedeutet wie  “einweihen”. 1996 wurde in der Russischen Föderation eine besondere Einweihungszeremonie eingeführt, die sich seither kaum geändert hat. Es war interessant, diese Zeremonie am 7. Mai im Fernsehen zu verfolgen. Der Zuschauer bekam nicht nur das Innere des Kreml-Palastes mit viel Gold und Prunk zu sehen, sondern auch bekannte Gesichter aus Russlands politischem und kulturellem Leben. Die Amtseinführung begann um 12 Uhr mittags im Kreml-Palast, mit Blick auf die Südmauer des Kreml und den Fluss Moskwa.  

Der Präsident wurde in einer neuen russischen Limousine hierher gefahren. Die Bezeichung für diese neue Marke ist “Aurus”, zusammengesetzt aus dem lateinischen Begriff “aurum” für “Gold” und “rus” für “Russland”. Dieses neue Projekt von Regierungswagen für russische Regierungsbeamte wurde als Serie mit Limousine, Sedan, SUV und Minibus entwickelt. Russlands Wirtschaftsminister Denis Manturow erzählte der Presse, dass die Regierungswagen für den Präsidenten nach den Türmen des Kreml benannnt sind: “Senat, “Arsenal” und “Kommandant”. Die Fahrzeuge sind überdies auch für den freien Markt bestimmt und für jeden Interessenten zu erwerben. Allerdings wird die frei verkäufliche Version mit leichten Unterschieden zur Präsidenten-Limousine angeboten. Bis 2020 ist die Fertigung von jeweils 4000 bis 5000 Fahrzeugen geplant.

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Bei der Ankunft des Präsidenten hatten seine Gäste bereits im Sankt-Georg-Saal Aufstellung genommen. Der Vorsitzende des Verfassungsgerichts, Dr. Waleri Sorkin, legte das Buch der Verfassung und die Insignien des Präsidenten auf Wladimir Putins Stehpult. Der Kommandeur des Kreml, Generalleutnant Sergei Chlebnikow, nahm den Präsidenten am Palasteingang in Empfang. Während er salutierte, schritt Wladimir Putin die Zeremonialtreppe hinauf, dann durch den Sankt-Georg-Saal und den Sankt-Alexander-Newski-Saal.

In der Innenausstattung des Kreml-Palasts sind Marmor, Schnitzereien und Intarsien aus wertvollen Holzsorten, Perlmutter, Bernstein und Schildkrötenpanzer verwendet worden. Durch Schönheit und Prunk verblüffen den Besucher der Parkettboden aus verschiedenen Holzarten, Möbel verschiedener Epochen, Kristallglasleuchter, Erzeugnisse aus russischem Porzellan sowie verschiedene Uhren. Besonders beeindruckend sind  die Parade-Säle, welche den höchsten russischen Orden gewidmet sind: der Sankt-Georg-Saal und der Sankt-Alexander-Newski-Saal.

Grosser Kreml-Palast in Moskau:

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Der Sankt-Georg-Saal erhielt seinen Namen zu Ehren des militärischen Ordens des Heiligen Georg, 1769 gestiftet. Der Saal sieht aus wie ein Tempel des Kriegsruhms: an seinen beiden Seiten stehen 18 gewundene Säulen, die von allegorischen Statuen des Siegs gekrönt sind; auf den marmornen Tafeln sind die Bezeichnungen der Regimenter und Flotten eingemeißelt, die mit dem Orden des Siegreichen Heiligen Georg ausgezeichnet wurden; daneben stehen die Namen von 11.000 Kavalieren dieses Ordens. Dieser Orden mit dem orange-schwarz-gestreiften Band erinnert alle Russen an den Sieg im Grossen Patriotischen Krieg von 1941 bis 1945.

Die goldenen Türen dieses Saals öffnen sich zum Sankt-Alexander-Newski-Saal. Alexander Newski ist eine der Schlüsselfiguren von Russlands mittelalterlicher Geschichte. Dieser Herrscher besiegte  die Schweden an der Newa, zudem 1242 die Dänen und Deutschen, welche in Russland einfielen. An der Wand des Saals erinnert ein Gemälde an diesen Sieg, die “Schlacht auf dem Eis”: der Grossherzog kämpft auf dem zugefrorenen Peipus-See gegen ein Heer deutscher und dänischer Ordensritter. Den Sankt-Alexander-Newski-Saal schmücken Reliefs mit den Initialien “S.A.”. Sie stehen für “Sanctus Alexander”. Russlands orthodoxe Kirche verehrt Alexander Newski seit dem 16. Jahrhundert als Heiligen.

Grossherzog Alexander Newski (1220-1263):

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Präsident Putin erreichte den Sankt-Andreas-Saal mit Begleitmusik von Fanfaren und einem Begrüssungsmarsch. Dr. Waleri Sorkin überreichte ihm die Insignien. Wladimir Putin legte die rechte Hand auf das Verfassungsbuch und schwor den Amtseid: “Ich schwöre, die Rechte und Freiheiten der Menschen und Bürger zu respektieren und schützen; die Verfassung der Russischen Föderation zu achten; die Unabhängigkeit, Sicherheit und Integrität des Staats zu schützen; den Menschen ernsthaft zu dienen während meiner Zeit im Amt des Präsidenten.”

Der doppelköfpfige Adler auf dem Emblem des Präsidenten hat eine lange, stolze Tradition in Russland. Er tauchte erstmals 1472 im Grossherzogtum Moskau auf, als Iwan III. begann, dieses Emblem nach seiner Heirat mit einer Nichte des letzten byzantinischen Herrschers zu verwenden. Danach wurde der doppelköpfige Adler zu einem wichtigen Motiv im Russischen Reich während der gesamten Regierungszeit der Zaren Romanow.  Dieser Adler erschien als zentrales Element im Wappen des Russischen Reichs. Nach der Revolution von 1917 verschwand der Adler, tauchte aber nach 1993 wieder auf. Heute ist der doppelköpfige Adler im Wappen Russlands golden, nicht mehr schwarz wie zur Zeit der Zaren.

Präsident Putin vor einer Wand mit dem doppelköpfigen Adler Russlands:

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Schliesslich hielt Präsident Putin seine Einführungsrede: “Während ich das Amt als Russlands Präsident antrete, bin ich mir vollauf der kolossalen Verantwortung für Euch alle bewusst, für all unsere Menschen aus vielen Ethnien, für Russland, das Land grandioser Siege und Leistungen, für die tausendjährige Geschichte des russischen Staats und unserer Vorfahren. Ich glaube, dass es meine Pflicht und die Bedeutung meines gesamten Lebens ist, alles für Russland zu tun, für die Erhaltung und Entwicklung unserer grossartigen Menschen, für den Wohlstand jeder russischen Familie. Als Staatsoberhaupt werde ich alles tun, um Russlands Stärke, Wohlergehen und Ruhm zu steigern. Ich will den Bedürfnissen der Gesellschaft und den Hoffnungen unserer Bürger Rechnung tragen” (TASS, 07.05.2018).

Nach der Ansprache für die zahlreichen Gäste im Grossen Kreml-Palast schritt Wladimir Putin zum Platz der Kathedrale des Kreml durch die Rote Pforte, wo er die Formation der Soldaten des präsidialen Regiments begrüsste. Sie trugen die Uniformen des Patriotischen Kriegs von 1812. Der Präsident sprach auch mit jungen Leuten, die zahlreich erschienen waren, um ihn zu beglückwünschen. Er stimmte sogar zu, mit den Jugendlichen in der ersten Reihe Fotos aufnehmen zu lassen als denkwürdige Erinnerung an diesen Festtag.

Unter den Gästen der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder:

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Auf der Gästeliste standen 3.000 Namen von Vertretern der Exekutive, Legislative und Judikative, Mitglieder beider Parlamentshäuser, Mitglieder der Regierung und Präsidialverwaltung, Gouverneure, Träger des Sankt-Andreas-Ordens und des Titels “Held Russlands”, Geistliche der Hauptreligionen Russlands, Sportler, Unternehmer, Journalisten, Wissenschaftler, Militär und Persönlichkeiten des Kulturlebens, ausländische Botschafter und Politiker (TASS, 07.05.2018).

Einige schillernde Persönlichkeiten waren zu sehen, zum Beispiel der russisch-amerikanische Filmschauspieler Steven Seagal mit Ehefrau Erdenetuja Batsuch aus der Mongolei sowie die russische Popsängerin Waleria Perfilowa mit Ehemann, dem Musikproduzenten Josef Prigoschin. Der berühmte russische Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko war gleichfalls anwesend. Nach vier olympischen Goldmedaillen und drei Siegen bei Weltmeisterschaften reist er derzeit mit seinen populären Eisrevuen rund um die Welt. Eine andere bekannte Figur des russischen Eiskunstlaufs war ebenfalls im Kreml erschienen: Alina Sagitowa und ihre Trainerin Eteri Tutberidse sind auf Alinas Instagram-Seite auf einem “Selfie” zu sehen, das bei der Amtseinführung des russischen Präsidenten aufgenommen wurde. Die junge Eiskunstläuferin gewann bei der Winterolympiade 2018 in Südkorea eine Goldmedaille. Weiterhin wurde der russische Modeschöpfer Walentin Judaschkin unter den Gästen im Grossen Kreml-Palast gesichtet.

Zur Feier erschien der russische Modeschöpfer Walentin Judaschkin:

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Die russische Post erinnerte an die Amtseinführung von Präsident Wladimir Putin mit einer neuen Briefmarke. Die Inschrift lautet: “Am 7. Mai 2018 trat W. W. Putin sein Amt als Präsident der Russischen Föderation an.” Die Briefmarke zeigt den Spasskaja-Turm und das Senatsgebäude des Kreml. Philatelisten können ihre Gedenkmarke mit einem Nominalwert von 22 Rubel auf einem thematischen Umschlag anbringen und mit einem speziell gestalteten Stempel an zwei Orten in Moskau und Sankt Petersburg abstempeln.

Die Einweihung wurde von guten Nachrichten begleitet. Die Europäische Kommission (EC) prognostizierte nämlich eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Russland. Die Prognose besagt, dass in Russland im Jahr 2018 das Wirtschaftswachstum um 1,7 Prozent steigen werde, statt nur 1,5 Prozent wie im Vorjahr. “Die Ölpreise, welche in der gesamten Wirtschaft zirkulieren, dürften die Inlandsnachfrage steigern. Dadurch erhöht sich auch das Inlandsbruttoprodukt (BIP), das 2018 voraussichtlich um 1,7 Prozent wachsen wird. Grössere Zuversicht, begrenzte Inflation und akkommodierende Geldpolitik dürften die Binnennachfrage in naher Zukunft stützen”, laut EC-Dokument. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhöhte  gleichfalls seine Prognose für Russlands BIP-Wachstum im Jahr 2018 auf 1,7 Prozent, nach der Oktoberprognose von 1,6 Prozent, während die Prognose für 2019 von 1,5 Prozent so bleibt, wie sie ist (TASS, 03.05.2018).

Russische Willkommenszeremonie mit Brot und  Salz:

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Während der Präsidentschaft von Wladimir Putin hat sich nicht nur Russlands Wirtschaft, sondern auch das Wohlergehen der russischen Bürger stark verbessert, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Wladimir Putin ist ein gutes Beispiel für ein gesundes Leben mit vielen Sport- und Freizeitaktivitäten. Er trinkt und raucht nicht. Damit setzt er einen hohen Standard für russische Bürger. Das Allrussische Zentrum für Meinungsforschung [VCIOM] veröffentlichte am 3. Mai 2018 eine neue Umfrage: “83 Prozent der Russen glauben, dass sie glückliche Menschen sind. Das Glücksniveau, das die Russen in den vergangenen zwölf Monaten gezeigt haben, ist das höchste in der ganzen Geschichte der Meinungsumfragen in diesem Land. Das Gefühl von sozialem Optimismus dominiert bei unseren Landsleuten. Die Russen haben das Rauchen und den Konsum von Alkohol reduziert. Außerdem verbringen sie weniger Stunden damit, fernzusehen. Gleichzeitig verbringt ein durchschnittlicher Russe mehr Zeit in Stadien, in öffentlichen Parks, geht ins Theater oder liest einfach Bücher zu Hause” (TASS, 03.05.2018).

In Europa könnten sich manche Menschen wundern, warum Wladimir Putin mit einer so überwältigenden Mehrheit von Stimmen wiedergewählt wurde, fast 77 Prozent. In ihren eigenen Ländern haben die Staatsoberhäupter Glück, wenn sie 30 bis 40 Prozent erhalten. In der Russischen Föderation symbolisiert Wladimir Putin die Renaissance Russlands als Weltmacht. Er erscheint als Beschützer jener Bindungen, die das Vaterland erhalten. Viele Russen sehen ihn deshalb als Retter, dessen Eingreifen in extremen Gefahrensituationen hilft. Präsident Putin wird als Helfer wahrgenommen, als jemand, der immer zur Stelle ist, wenn seine Hilfe gebraucht wird. Die Mehrheit der Russen sind standfeste Patrioten und Erzfeinde des Westens. Für sie stellt Wladimir Putin  eine moderne Inkarnation des Heiligen Georg dar, der den Drachen des westlichen Auslands tötet. Jetzt kann die Russische Föderation von 2018 bis 2023 weitere sechs gute Jahre geniessen, vom Drachen befreit. Wir werden sehen, was später folgt.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. 

Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

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Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista
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