Olivia Kroth: Russland und die Malediven entwickeln gemeinsame Interessen

Russland und die Malediven entwickeln gemeinsame Interessen

von Olivia Kroth

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Im Jahr 1966 nahmen die UdSSR und die Republik Malediven diplomatische Beziehungen auf, diese blieben jedoch moderat. Nun haben beide Länder beschlossen, ihre gemeinsamen Interessen weiter zu entwickeln. Im Juni 2019 besuchte die maledivische Verteidigungsministerin Moskau und nahm an einer internationalen Sicherheitskonferenz in Ufa, Baschkortostan, teil. Im Juli 2019 wurde eine visafreie Reiseregelung für Touristen zwischen der Russischen Föderation und der Republik Malediven eingeführt. Beide Länder knüpften interparlamentarische Kontakte und bauten die Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung aus. Der Handelsumsatz zwischen Russland und der Republik Malediven belief sich 2018 auf 3,347 Millionen US-Dollar. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot fliegt regelmäßig fünf Mal pro Woche zwischen Moskau und Male hin und her. Russland vergibt auch Stipendien an maledivische Studenten und hilft bei der Ausbildung von Fachleuten in verschiedenen Bereichen. Aufgrund der geografischen Lage im Indischen Ozean gewinnt die Kette von 26 Atollen strategische und geopolitische Bedeutung für den Aufbau russischer Seemacht weltweit.

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Am 25. Juli 2019 trat das Abkommen über die bilaterale Befreiung von der Visumpflicht zwischen Russland und den Malediven in Kraft. Gemäß dem Abkommen können sich russische Staatsbürger für 90 Tage ohne Visum auf den Malediven aufhalten. Gleiches gilt für Bürger der Malediven bei Reisen nach Russland. Bürger beider Länder benötigen jedoch weiterhin ein Visum, wenn sie im Gastland arbeiten, studieren oder dauerhaft wohnen möchten. Das zwischenstaatliche Abkommen über die bilaterale Befreiung von der Visumpflicht wurde am 25. Juni 2019 in Moskau von Außenminister Sergej Lawrow und seinem maledivischen Amtskollegen Abdulla Shahid unterzeichnet (TASS,  25.07.2019).

 Die Malediven sind ein beliebtes Touristenziel für Russen. Im Jahr 2018 verbrachten dort  38.000 russische Staatsbürger ihren Urlaub. Das Thema Fremdenverkehr wird weiterhin diskutiert, wenn der maledivische Tourismusminister Ali Vachid im Herbst Russland besucht. Russische Touristen fliegen auf die Malediven zur Erholung, Entspannung und zum Wassersport. Russen betrachten auch die geschützte Privatsphäre als wichtigen Motivator für ihren Besuch der Malediven. Das Magazin “Travel and Leisure” stuft die Malediven als Nummer 5 auf der Liste der 15 besten Inseln der Welt ein. Diese Liste basiert auf Lesermeinungen. Die Malediven erreichten in der Umfrage eine Punktzahl von 90,48. So kamen sie auf den fünften Platz hinter Milos, Griechenland.

Maledivischer Außenminister Abdullah Schahid:

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In Moskau führte Außenminister Abdulla Shahid auch Gespräche mit der russischen Regierung über die Erweiterung des Sortiments von Fischprodukten, die von den Malediven nach Russland exportiert werden. Statistiken zeigen, dass 2017 Fischprodukte der Malediven im Wert von über 199 Millionen US-Dollar nach Russland exportiert wurden (avas.mv, 26.06.2019). Die Malediven haben eine Fülle von Wassertieren und Fischarten, aber Thunfisch ist der wichtigste Fisch für den Export.

Auf den Inseln gibt es bereits zwei Konservenfabriken für Thunfisch, eine dritte wird im August 2019 eröffnet. „Thunfischkonserven, in der Ensis-Fabrik in Hulhumale hergestellt, sollen im August 2019 freigegeben werden”, verkündete der Direktor der Firma, Mohamed Waseem. “Der Export von Thunfischkonserven soll im Oktober 2019 beginnen. Mit einem Tiefkühllager von 1500 Tonnen und einer Konservenfabrik von 25 Tonnen ist dies die dritte Fabrik für Fischkonserven auf den Malediven“ (MALDIVES TIMES, 24.07.2019).

Fischmarkt in Malé:

Maldives - Male Fish Market

Darüber hinaus betreffen die gemeinsamen Interessen Russlands und der Malediven die Bereiche Verteidigung und Sicherheit. Im Juni 2019 nahm die maledivische Verteidigungsministerin Maria Achmed Didi an der 10. Internationalen Sicherheitskonferenz in Ufa, Baschkortostan, teil. Sie traf dort Nikolai Patruschew, ehemals Direktor des FSB, jetzt Sekretär des russischen Sicherheitsrats. Er hatte ihr eigens eine Einladung zu der Veranstaltung geschickt.

Während ihres Treffens mit Nikolai Patruschew wurde neben dem Informationsaustausch über internationalen Terrorismus auch die Kooperation für Sicherheit erörtert. Maria Achmed Didi hielt eine Rede auf der Konferenz in Ufa, an welcher 120 Vertreter aus verschiedenen Ländern der Welt teilnahmen (avas.mv, 20.06.2013).

Die 10. Internationale Sicherheitskonferenz war eines der wenigen Beispiele für multilaterale Treffen hochrangiger Vertreter von Ländern, die in Konflikte verwickelt sind. Während des dreitägigen Treffens standen auf dem Tagungsprogramm Diskussionen über humanitäre Krisen, hybride Kriegsführung, terroristische Bedrohungen und Möglichkeiten der Lösung von Konflikten. Die Konferenz in Ufa verlief friedlich und begünstigte den Meinungsaustausch.

Nikolai Patruschew, Sekretär des russischen Sicherheitsrats:

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Die Verteidigungsministerin der Malediven traf sich in Moskau mit dem russischen Verteidigungsminister zu Gesprächen. Die Internetseite des russischen Verteidigungsministeriums berichtete: „Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu und die Leiterin der Militärabteilung der Malediven, Maria Achmed Didi, diskutierten Prioritäten der bilateralen Zusammenarbeit und praktische Schritte für ihre konsequente Entwicklung. Sergei Schoigu lud seine Kollegin und andere maledivische Spezialisten ein, am Internationalen Militärtechnik-Forum der Armee 2019 (25.-30. Juni 2019) und an den Internationalen Armeespielen 2019 (3.-17. August 2019) teilzunehmen.“

Maria Achmed Didi merkte an, dass „seit langer Zeit solche Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgebaut werden, insbesondere wird russische Ausrüstung an unser Land geliefert. Und diese Beziehung wollen wir natürlich auch in Zukunft fortsetzen. Wir legen großen Wert auf das heutige Treffen. Wir haben die Möglichkeit, Meinungen auszutauschen, uns von Angesicht zu Angesicht mit denen zu treffen, die in ihren Staaten für die Verteidigung verantwortlich sind. Wenn der Dialog auf persönliche Art und Weise geführt wird, erreicht die Beziehung natürlich eine völlig neue Ebene“ (Verteidigungsministerium der Russischen Föderation, 21.06.2019).

Maria Achmed Didi, Verteidigungsministerin der Malediven:

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Maria Achmed Didi wurde 1963 in Malé geboren. Sie ist die erste Anwältin und erste Verteidigungsministerin der Malediven. In Großbritannien  erwarb sie die Grade des Bachelor und Master in Jura an der Universität von Aberystwyth, Wales. Nach Abschluss ihrer beruflichen Qualifikation und dem Referendariat in den Albion Chambers von Bristol wurde sie Rechtsanwältin  der renommierten Anwaltskammer Gray’s Inn in London.

Zu Hause auf den Malediven wurde sie Abgeordnete und arbeitete an der Verfassung von 2008 mit. Sie war auch Vorsitzende einer großen politischen Partei auf den Malediven, der Maldivian Democratic Party (MDP). Unter ihrem Vorsitz gewann diese Partei die demokratischen Mehrparteien-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008. Am 17. November 2018 wurde sie Verteidigungsministerin. Maria Achmed Didi ist verheiratet und hat drei Kinder: eine Tochter und zwei Söhne.

Parlament in Malé:

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Man könnte erstaunt sein, dass die Malediven eine Verteidigungsministerin haben, weil das Militär in der Regel von Männern dominiert wird. Es gibt jedoch eine Spur von Matriarchat aus dravidischer Zeit, als jedes maledivische Atoll von einer Königin regiert wurde. Im 12. Jahrhundert verwandelten sich  die Malediven mit der Ankunft des Islam in ein Sultanat, aber der Status der Frauen blieb hoch.

Auf den Malediven herrschten fünf Sultaninen, weibliche Monarchen. Sultana Kadijah regierte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von 1347 bis 1380. Ihr folgten Sultana Raadhafati im Jahr 1380 und Sultana Dhaain von 1383 bis 1388. Sultana Kala Kamanafa’anu regierte von 1607 bis 1609 und Sultana Amina von 1757 bis 1759. Der offizielle Titel für diese Herrscherinnen war “Herrin von zwölftausend Inseln, Sultana der Malediven”.

Besonders bemerkenswert erscheint Sultana Kadijah, die älteste Tochter von Sultan Omar I. der Malediven. Sie war keinesfalls schüchtern, ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, sondern ließ den jüngeren Bruder und zwei Ehemänner ermorden, als diese die Macht ergreifen wollten. Trotz der drei Morde ist Sultana Kadijah eine der beliebtesten historischen Figuren auf den Malediven. Ihre Biografie fasziniert die Einwohner seit  Jahrhunderten.

Traditionelles maldivisches Kleid:

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Die Republik Malediven ist das kleinste asiatische Land im Indischen Ozean, südwestlich von Sri Lanka und Indien gelegen. Die Malediven bestehen aus 1.192 Koralleninseln, die sich in einer Doppelkette von 26 Atollen gruppieren. Zu Verwaltungszwecken hat die maledivische Regierung die Atolle in 21 Verwaltungsbereiche unterteilt. Diese Maßnahme erinnert an die alte dravidische Tradition, als jedes maledivische Atoll von einer Königin regiert wurde. Die Kette von 26 Atollen erstreckt sich vom Ihavandhippolhu-Atoll im Norden bis zum Addu-Atoll im Süden und umfasst ein Gebiet von 300 Quadratkilometern.

Ein Atoll ist ein ringförmiges Korallenriff mit einem Korallenrand, der eine Lagune umgibt. Alles Land über der Oberfläche der Malediven ist korallischen Ursprungs. Aufgrund der vielen schönen Tauchgründe  sind die maledivischen Atolle zu einem beliebten Reiseziel für Taucher geworden. Zwischen den Atollen verlaufen breite Kanäle, die als„Kandu“ bezeichnet werden. Diese Kanäle waren früher für Seefahrer auf der Gewürzroute wichtig, um die langen Atollketten ohne Schaden zu umgehen. Die wichtigsten Kanäle heissen Maliku Kandu, Kardiva Kandu und Suvadiva Kandu.

Korallenriff der Malediven:

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Das Wort Atoll stammt aus der Dhivehi-Sprache, welche auf den Malediven gesprochen wird. “Atholhu” bedeutet eine administrative Unterteilung. Die Dhivehi-Sprache ist mit der singhalesischen Sprache des Nachbarstaats Sri Lanka verwandt. Die Geschichte der Schriftsprache auf den Malediven reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die älteste Inschrift wurde auf einem Korallenstein gefunden, der schätzungsweise aus dem 7. oder 8. Jahrhundert stammt.

Der spanische Gelehrte Xavier Romero-Frias lebte lange auf den Malediven und übersetzte 80 Volksmärchen aus dem Dhivehi. Im Jahr 2012 veröffentlichte er das Werk „Volksmärchen der Malediven”. Die Einleitung zu seinem Buch liefert wertvolles Hintergrundmaterial zu Kategorien der maledivischen mündlichen Überlieferung und Literatur. In dem Sammelband finden die Leser Geschichten über Geister und Seeungeheuer, Märchen mit humorvollen Charakteren und Seefahrern sowie Fabeln mit sprechenden Tieren. Ein hilfreiches Glossar, eine Bibliographie, ein Index und eine Karte der Atolle runden das Werk ab.

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Malé, die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt, befindet sich auf dem gleichnamigen Atoll. Traditionell war es die Königsinsel, von der aus in früheren Jahrhunderten die Monarchen regierten. Malé war von einer Mauer mit Befestigungsanlagen und Toren umgeben. Die Hauptstadt wurde im 17. Jahrhundert von Sultan Muhammad Imaduddin befestigt. Unter der Herrschaft von Sultan Muhammad Shamsuddin III wurden 1925 die alte Festungen und die Mauer geschleift, um die Straßen verbreitern und begradigen zu können.

 Nach Aufhebung der Monarchie im Jahr 1968 gestaltete Präsident Ibrahim Nasir die Stadt neu. Nur das Gebäude des Nationalmuseums, ehemals Residenz des letzten Sultans, sowie die Freitagsmoschee von Malé blieben erhalten. In den letzten Jahren wurde die Insel durch Aufschütten von Land erheblich erweitert. Viele Regierungsgebäude befinden sich direkt am Wasser. Der internationale Flughafen auf der benachbarten Insel Hulhule ist durch die Sinamalé-Brücke mit Malé verbunden. Sie wurde im Oktober 2018 für den Verkehr eröffnet.

Was macht das kleinste Land Asiens für Russland, das größte Land der Erde, so interessant? Die Russische Föderation hat eine Fläche von 17,1 Millionen Quadratkilometern und erstreckt sich über insgesamt neun Zeitzonen. Maritime Historiker und Strategen verstehen die geostrategische und geopolitische Bedeutung des Indischen Ozeans. Im 21. Jahrhundert wird dieser Ozean von überregionalen Staaten mit großer Aufmerksamkeit betrachtet, da er einige der wichtigsten Seekommunikationslinien der Welt enthält. Weil die Russische Föderation ihre Seemacht aufbaut, müssen die Russen im Indischen Ozean präsent sein.

Seemacht ist ein viel weiter reichendes Konzept als bloss die Führung von Seekriegen. Das Meer kann als Ressource genutzt werden. Es ist auch ein Mittel für Herrschaft, Information und Transport. Die Russische Föderation will diese Möglichkeiten nutzen und beobachtet deshalb sehr genau, was im Indischen Ozean geschieht, im drittgrößten Ozean der Welt. Die Sicherung dieser Region ist für alle Weltmächte, einschließlich Russland, von größter Bedeutung.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau.

Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Die englische Version dieses Textes erschien auch in THE DURAN:

Russia and the Maldives develop common interests

 

Acerca de olivia2010kroth

Writer, journalist: The Duran https://olivia2010kroth.wordpress.com
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