Olivia Kroth: Ein Ständchen für die Walrosse – Tierschutz in der russischen Arktis

Ein Ständchen für die Walrosse: Tierschutz in der russischen Arktis

von Olivia Kroth

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Die russische Region der Arktis ist für Russland in vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung. Sie verfügt über eine Vielzahl wertvoller natürlicher Ressourcen und spezifischer Ökosysteme. Russlands „Arktispolitik“ betrifft alle russischen Besitztümer nördlich des Polarkreises, was etwa einem Fünftel der gesamten Landmasse Russlands entspricht. Hauptziele der russischen „Arktispolitik“ sind die Nutzung natürlicher Ressourcen, Schutz von Ökosystemen, Schifftransport auf arktischen Meeren und die Gewährleistung, dass Russland immer eine Zone des Friedens und der Kooperation bleiben wird. Seit vielen Jahrhunderten erzielen die Russen wirtschaftlichen Gewinn aus der Arktis durch Fischfang, Jagd und Schifffahrt. Jetzt entwickelt sich der arktische Tourismus zu einem neuen Zweig der russischen Tourismusindustrie. Die arktische Tierwelt fasziniert Touristen, braucht aber besonderen Schutz, zum Beispiel die Walrosse, welche auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Deshalb hat die Russische Geografische Gesellschaft das Programm „Schutz des Walrosses“ ins Leben gerufen.

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Wie viele andere Tiere lieben auch die Walrosse Musik, sie fühlen sich von ihr angezogen und beruhigt. „Kürzlich erhielt eine glückliche Familie von Walrossen in der Arktis Russlands eine Serenade auf dem Akkordeon von einem vorbeifahrenden Boot. Es zeigte,  dass auch Meeresbewohner Freunde der Musik sein können. Eine Gruppe von Arktisforschern stieß auf eine Herde von Walrossen, als ihr Schiff sich  in der Nähe des Archipels Nowaja Semlja befand. Alexander Bogdanow tat, was jeder in dieser Situation tun würde: Er holte sein Akkordeon hervor und brachte ihnen ein Ständchen dar“ (THE MOSCOW TIMES, 26.09.2019).

Alexander Bogdanow spielte den berühmten Walzer von Eugen Doga aus dem sowjetischen Film “Mein liebes, zartes Tier” – eine für sein Publikum angemessene Musikwahl. Die Walrosse grunzten erfreut und schwammen nahe an das Schiff heran, um keinen  einzigen Ton zu verpassen. “Künftig werden Walrosse stets in der Nähe jedes vorbeifahrenden Schiffs schwimmen und auf das Konzert eines Akkordeonspielers warten”, sagte Olga Tschumatschenko. Sie hatte als Mitglied der Expedition das Video gefilmt.

Natürlich ist Walrossen lieber, ein Ständchen zu hören, als gejagt zu werden. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Walrosse von Jägern getötet und ausgeschlachtet, was zu ihrer beinahe vollständigen Ausrottung führte. Die Populationen im russischen Atlantik und im Laptewmeer sind jetzt im russischen Rotbuch gefährdeter Tierarten in der Kategorie 2 (abnehmend) und 3 (selten) aufgeführt. Mittlerweile ist die kommerzielle Jagd von Walrossen in der Russischen Föderation verboten, nur die Tschuktschen dürfen offiziell gegen Ende jedes Sommers kleine Mengen dieser Tierart für den eigenen Gebrauch töten.

Früher verwendeten traditionelle Jäger alle Teile des Walrosses. Das Fleisch wurde als wichtige Nahrungsquelle im Winter konserviert. Die Stoßzähne und Knochen wurden für Werkzeuge und als Material für Schnitzarbeiten verwendet. Das Öl wurde zum Heizen und Beleuchten genutzt. Aus der zähen Haut wurden Seile, Haus- und Bootsbeläge hergestellt. Heutzutage ist der weltweite Handel mit Walrosselfenbein eingeschränkt gemäß der Auflistung im CITES Appendix 3.

Tschuktschische Schnitzerei auf Walrosselfenbein:

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Die Russische Geografische Gesellschaft rief 2013 das Projekt „Schutz des Walrosses“ ins Leben, welches in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Russische Arktis durchgeführt wird. Verschiedene Unterarten des Walrosses werden in ihren Lebensräumen untersucht und geschützt. Die Walrosskolonien im russischen Archipel Franz-Josef-Land überwacht man mit Satellitenbildern von RDC ScanEx. Diese Methode hat sich für die Überwachung der Tiere an schwierigen und abgelegenen Orten als vielversprechend erwiesen.

Die Gesamtzahl der Walrosse im Bereich von neun untersuchten Brutstätten beträgt etwa 2.700 Tiere. Untersuchungen der genetischen Vielfalt von Walrosspopulationen  im Norden und Süden der Barentssee ergaben keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Bisher wurde angenommen, dass sie voneinander isoliert seien.

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Um Walrosse und andere seltene Tierarten in der russischen Arktis beobachten zu können, werden bald neue wissenschaftliche und touristische Zentren auf dem Territorium des Nationalparks Russische Arktis in der Oblast Archangelsk eröffnet. In den Archipelen Franz-Josef-Land und Nowaja Semlja (Neues Land) ist ein Netzwerk wissenschaftlicher und touristischer Unterkünfte in Planung. Diese Zentren sollen als multifunktionale arktische Komplexe eingerichtet werden. Jeder Komplex kann bis zu 50 Personen aufnehmen: Wissenschaftler, Inspektoren des Nationalparks und Touristen (TRAVEL WIRE NEWS, 18.11.2018).

In der Sommersaison 2019 war der Nationalpark Russische Arktis mit neuen Routen und Standorten für Touristen besonders attraktiv, wie der Pressedienst des Parks berichtete. Zu den neuen Reisezielen gehörte auch eine Tour zum Archipel Nowaja Semlja, für Touristen vormals ein unerreichbares Gebiet. Die Hooker-Insel im Franz-Josef-Land blieb weiterhin die  Hauptattraktion. Hier wurde in der Buchta Tichaja (Stille Bucht) ein neues Besucherzentrum eröffnet, während die Renovierung des Flugzeughangars weitergeht.

Im Archipel Franz-Josef-Land:

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Der Direktor des Nationalparks Alexander Kirilow sagte, dass 1.306 Besucher 2019 im Park empfangen wurden, gegenüber 1.079 im Vorjahr. “Die Touristensaison für 2019 ist nun vorbei”, teilte der Direktor der russischen Nachrichtenagentur TASS mit. “In diesem Jahr konnten wir die höchste Zahl an Touristen registrieren, die zum Archipel Franz-Josef-Land und zum nördlichen Teil des Archipels Nowaja Semlja reisten.”

Ab 2020 will die Verwaltung des Naturschutzgebiets den Touristenstrom regulieren. “Wir werden verschiedene Inseln für verschiedene Kreuzfahrten auswählen, damit keine der Inseln zu einer bestimmten Zeit zu viele Besucher empfängt”, sagte Alexander Kirilow. „Wenn jede Woche 100 bis 120 Menschen gleichzeitig an Land gehen, wird der Druck zu hoch, selbst die Steine in der Arktis können das nicht aushalten“ (TASS, 27.09.2019).

Im Archipel Nowaja Semlja:

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Der im Juni 2009 gegründete Nationalpark wurde 2016 erweitert. Er umfasst ein großes und abgelegenes Gebiet des Arktischen Ozeans, den nördlichen Teil von Nowaja Semlja und das Franz-Josef-Land. Neben der Erhaltung natürlicher Lebensräume für arktische Tiere ist der Nationalpark wichtig für die Konservierung von kulturellem Erbe, das auf der Geschichte der Entdeckung und Besiedlung weitreichender Gebiete in der Arktis ab dem 16. Jahrhundert gründet.

Die russische Inselgruppe Franz-Josef-Land (Земля Франца-Иосифа) im nördlichsten Teil der Oblast Archangelsk besteht aus 192 Inseln, welche eine Fläche von 16.134 Quadratkilometern einnehmen. Der Archipel wurde 1926 sowjetisches Territorium. 2017 besuchte der russische Präsident Wladimir Putin den Archipel, um Russlands Interessen in der Arktis zu schützen. Im August 2019 entdeckte eine geografische Expedition der russischen Nordflotte mehrere neue Inseln in diesem Archipel. Sie lagen zuvor unter dem Vylki-Gletscher begraben, bis ein Teil des Eises abschmolz.

Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte die Arktis:

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Der russische Archipel Nowaja Semlja (Новая Земля) liegt im äußersten Nordosten Europas zwischen der Barentssee und der Karasee. Nowaja Semlja gehört zur Oblast Archangelsk und besteht aus zwei Hauptinseln, der Nordinsel (Северный остров) und der Südinsel ( Южный остров), welche durch die  Meerenge Matotschkin Schar (Маточкин Шар) getrennt sind. Die Russen entdeckten Nowaja Semlja im 11. Jahrhundert, als Jäger aus Nowgorod das Gebiet besuchten. Die Inseln wurden in den frühen 1830er Jahren systematisch von Pjotr Pachtusow und August Ziwolko vermessen. Die erste dauerhafte russische Siedlung wurde hier im Jahr 1870 gegründet.

Nowaja Semlja ist eine Fortsetzung des Uralgebirges nach Norden, der Archipel ist deshalb bergig. Die Nordinsel trägt eine große Eiskappe und hat viele aktive Gletscher. Am Kap Schelanija an der Nordspitze der Nordinsel befindet sich eine Wetterstation. Die Südinsel ist größtenteils eisfrei und mit Tundra bedeckt. Sie ist die ursprüngliche Heimat des Volks der Nenzen sowie einer großen Population von Seevögeln.

Die russische Flagge in der Arktis:

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Die Walrosse der russischen Arktis sind die einzigen lebenden Arten der Familie Odobenidae. Es gibt zwei Unterarten: das Atlantische Walross (Odobenus rosmarus rosmarus) und das Pazifische Walross (Odobenus rosmarus divergens). Beide Unterarten kommen in der russischen Arktis vor. Atlantische Walrosse haben ihre Heimat im westlichen Teil des arktischen Russland. Die isolierte Population der Walrosse im Laptewmeer ist das ganze Jahr über auf die zentralen und westlichen Regionen des Laptewmeers sowie die östlichsten Regionen des Karameers beschränkt. Die derzeitige Anzahl dieser Walrosse wird auf 5.000 bis 10.000 geschätzt.

Im Sommer und Herbst ziehen mehrere hunderttausend Pazifische Walrosse durch die schmale Beringstraße vom Beringmeer in das Tschuktschenmeer. Der Großteil dieser Tiere verbringt den Sommer an der Nordküste Ostsibiriens, nördlich von der Beringstraße im Tschuktschenmeer des Arktischen Ozeans. Im Spätsommer und Herbst finden sich massive Ansammlungen an felsigen Stränden.

Pazifische Walrosse in einer Felsenhöhle im Arktischen Meer:

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Das auffälligste Merkmal der Walrosse sind ihre langen Stoßzähne, die sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Tieren vorhanden sind. Sie können eine Länge von einem Meter erreichen und bis zu fünf Kilogramm wiegen. Männliche Walrosse benutzen ihre Stoßzähne zum Kämpfen, Dominieren und Vorzeigen. Die stärksten Bullen mit den größten Stoßzähnen dirigieren in der Regel ihre sozialen Gruppen. Diese Stoßzähne, auch Hauer genannt, werden zudem dazu verwendet, Löcher im Eis zu formen und sie offen zu halten. Die starken Hauer helfen dem Walross beim Aufstieg aus dem Wasser auf das Eis. Im Allgemeinen haben Walrosse nur wenige Zähne außer den Hauern.

Steife Borsten (Vibrissae) umgeben die Stoßzähne und verleihen dem Walross sein charakteristisches schnurrbärtiges Aussehen. Es können 400 bis 700 Schnurrhaare in 13 bis 15 Reihen mit einer Länge von 30 cm vorhanden sein. Die mit Nerven versehenen Vibrissae haften an den Muskeln und werden mit Blut versorgt. Sie sind hochempfindlich und auf die Wahrnehmung taktiler Reize spezialisiert. Mit ihrer Hilfe orientiert sich das Walross in seiner Umgebung und kann Nahrung aufspüren.

Walrosse tauchen nicht sehr tief. Ihre tiefsten registrierten Tauchgänge betragen ungefähr 80 Meter, aber sie können bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben. Die Tiere ernähren sich von Meeresorganismen wie Muscheln, Krabben, Weichtieren, Garnelen und Würmern. Sie grasen auf dem Meeresboden, wo sie ihre Beute mit den empfindlichen Schnurrhaaren identifizieren.

Wegen ihrer Körpergröße und der Stoßzähne haben Walrosse nur zwei natürliche Feinde: den Schwertwal (Orcinus orca) und den Eisbären (Ursus maritimus). Sowohl der Schwertwal als auch der Eisbär jagen am ehesten Walrosskälber. Schwertwale greifen Walrosse regelmäßig erfolgreich an. Eisbären jagen oft Walrosse, indem sie auf deren Liegeplätze am Strand stürzen und junge oder gebrechliche Tiere verzehren, die auf der Flucht verwundet werden. Doch auch ein verletztes Walross ist ein nicht zu unterschätzender Gegner für den Eisbären. Es ist bekannt, dass in Kämpfen Eisbären von Walrossen tödlich verletzt wurden. Wenn der Kampf in Gewässern stattfindet, ist der Eisbär im Nachteil.

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Walrosse leben 20 bis 30 Jahre. Die Bullen erreichen bereits im Alter von sieben Jahren ihre Geschlechtsreife, aber sie paaren sich erst mit etwa 15 Jahren, wenn diese vollständig entwickelt ist. Die Brunft findet von Januar bis April statt. Die weiblichen Tiere haben ihren ersten Eisprung, sobald sie vier bis sechs Jahre alt sind. Die Trächtigkeit dauert 15 bis 16 Monate.

Walrosskälber werden während der Frühjahrswanderung von April bis Juni geboren. Sie wiegen bei der Geburt 45 bis 75 kg und können sofort schwimmen. Sie werden ein Jahr lang gestillt, aber manche Jungen verbringen bis zu fünf Jahren mit ihren Müttern. Walrossmilch enthält viel Fett und Eiweiß. Da der Eisprung bis zum Absetzen des Kalbs unterdrückt wird, bringen Walrosskühe nur alle zwei Jahre Kinder zur Welt, so dass diese Tierart eine relativ geringe Fortpflanzungsrate aufweist.

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Das Walross spielt in der tschuktschischen Folklore und Religion eine wichtige Rolle. Haut und Knochen werden für Zeremonien verwendet. Gelegentlich taucht das Tier in Legenden auf, zum Beispiel in der Legende vom Raben. Der Rabe erlöste Sonne und Mond aus der Gefangenschaft eines bösen Geistes, indem er dessen Tochter verführet. Der zornige Geist warf seine Tochter von einer hohen Klippe. Als sie ins Wasser fiel, verwandelte sie sich in ein Walross, dessen Stoßzähne sich aus den langen Zöpfen des weinenden Mädchens formten. Ein anderer Mythos handelt von einer alte Frau mit Walrosskopf, die den Meeresboden beherrschte.

Aufgrund seines lebenserhaltenden Fetts ist das Walross ein wichtiger Bestandteil der tschuktschischen Nahrung, welche aus gekochtem Walross-, Robben- und Walfleisch besteht. Das Walross ist auch ein Motiv in der Volkskunst. Die Tschuktschen stellen Skulpturen und Schnitzereien aus Walrosselfenbein her. Traditionelle Themen sind Landschaften und Szenen aus dem Alltag: Jagden sowie das Hüten von Herden einheimischer Tiere.

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Die russische Arktis mit ihrer rauen Natur, ihren Ureinwohnern und ihrer reichen Tierwelt ist eine sehr interessante Region, die von Touristen erkundet werden kann. Das Konzept des arktischen Tourismus hat sich auf föderaler und regionaler Ebene in der Russischen Föderation zu einem Bestandteil der Tourismuswirtschaft entwickelt. Traditionell war die Arktis „Terra Incognita“, unbekanntes Land, das seit jeher Reisende und Touristen anzieht und fasziniert. Auch im 21. Jahrhundert ist die Arktis noch weitgehend unerforschtes Land, welches den Zeitgenossen wenig bekannt ist.

Der arktische Tourismus bringt den Menschen in der Arktis Einkommen und Gewinn, was sich positiv auf ihre ökonomische und soziale Entwicklung auswirkt. Daher ist der arktische Tourismus zu einem vielversprechenden Wirtschaftszweig Russlands geworden. Die arktische Tierwelt muss jedoch geschützt und erhalten werden. Walrosse zum Beispiel hören gerne ein Ständchen zu ihren Ehren, aber sie wollen nicht von neugierigen Touristen bedrängt werden. Mit Rücksichtnahme auf die Natur werden Kreuzfahrten und Expeditionen in die Arktis für alle Beteiligten zu einem zufriedenstellenden und erfolgreichen Erlebnis.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

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Olivia Kroth: Serenading and protecting walruses in the Russian Arctic

Serenading and protecting walruses in the Russian Arctic

by Olivia Kroth

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The Russian region of the Arctic is of great importance to Russia in many respects. It has a great number of valuable natural resources and specific ecosystems. Russia’s “Arctic Policy” covers all Russian possessions located north of the Arctic Circle, which means about one-fifth of Russia’s total landmass. The main goals of Russia’s “Arctic Policy” are to utilize its natural resources, protect its ecosystems, use the Arctic seas for transportation and ensure that it remains a zone of peace and cooperation. For many centuries, Russians have benefited from the Arctic for economic gain by fishing, hunting and shipping. Now Arctic tourism is being developed as a new branch of the Russian tourism industry. Arctic wildlife fascinates tourists but needs special protection, for example the walruses which have been placed on a Red List of endangered species. Therefore the Russian Geographical Society has set up a programme, “Protection of the Walrus”.

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Like many other animals, walruses love music, they feel attracted and pacified by it. “A lucky family of walruses in Russia’s Arctic was recently treated to an accordion serenade from a boat passing by, proving that even sea creatures can be music fans. A group of Arctic explorers came across the huddle of walruses as their boat traveled near the Novaya Zemlya archipelago. Alexander Bogdanov did what any person would do in this situation: He brought out his accordion and started to play a song for them” (THE MOSCOW TIMES, 26.09.2019). 

Alexander Bogdanov played Eugen Doga’s famous waltz from the Soviet film “My Sweet and Tender Beast” — an appropriate song choice, considering his audience. The walruses gave generous grunts of approval as the song progressed, swimming close enough to the boat so they would not miss hearing a single note. “Now the walruses will swim near every ship that passes, looking for an accordionist and waiting for a concert,” said Olga Chumachenko, the expedition member who filmed the video.

Of course, walruses prefer being serenaded than being hunted. In the 18th and 19th centuries, the walrus was heavily exploited by hunters, leading to its near-extinction.  Today, the Russian Atlantic and Laptev Sea populations are classified as Category 2 (decreasing) and Category 3 (rare) in the Russian Red Book. Commercial walrus harvesting is now outlawed in the Russian Federation, although the indigenous Chukchi people are officially permitted to kill small numbers towards the end of each summer.

Traditional hunters used all parts of the walrus. The meat was often preserved as an important winter nutrition source. The tusks and bones were used for tools and as material for handicrafts. The oil was rendered for warmth and light. Rope, as well as house and boat coverings, were produced from the tough hide. Nowadays, Global trade in walrus ivory is restricted, according to a CITES Appendix 3 listing.

Native Chukchi walrus ivory carving ‘Bear’ (1989) by Sergei Nikitin. Uelen, Chukotka, Siberia, Russia:

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The Russian Geographical Society has a special project, “Protection of the Walrus”, supported since 2013. The purpose of the project is to study and preserve various subspecies of walrus in the conditions of intensification of economic development in key habitats of the walrus. The project is being implemented in collaboration with  the Russian Arctic National Park.

Walrus populations are being monitored in Russia’s Franz-Josef-Land, using satellite imagery RDC ScanEx. This method has proved to be promising for monitoring species in difficult and remote locations. The total number of walruses in the area of nine studied rookeries is about 2,700 individuals. Assessment of genetic intrapopulation diversity of the walruses from the northern and southern parts of the Barents Sea revealed no significant differences between the groups. Previously it was thought that they are isolated from each other.

Ship of the Russian Geographical Society monitoring walrus population in the  Russian Arctic:

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To study walruses and other rare animals in the Russian Arctic, new scientific and touristic centres will soon open on the territory of the Russian Arctic National Park in the Arkhangelsk Oblast. A network of scientific and tourist accomodation is planned on the archipelagoes of Franz-Josef-Land and Novaya Zemlya. These centres will be multifunctional Arctic complexes (MAC). Each MAC can accomodate 50 people: scientists, inspectors of the national park and also tourists (TRAVEL WIRE NEWS, 18.11.2018).

In the summer season of 2019, the Russian Arctic National Park attracted more tourists with new routes and sites, the park’s press service reported. Several new tourist agencies included the tour to the Novaya Zemlya archipelago, which was unexplored territory for tourists before. Hooker Island of Franz-Josef-Land remained the main point of attraction, where the Tikhaya Cove hosted the opening of a new visitor’s centre, while renovation of the airplane hangar was continued.

According to the park’s Director Alexander Kirilov, the park welcomed 1.306 visitors in 2019, against 1.079 a year earlier. “The tourist season in 2019 is over at the national park,” the director told TASS. “This year, we have registered the highest number of tourists who visited the Franz-Josef-Land Archipelago and the Novaya Zemlya Archipelago’s northern part.”

In 2020, the nature reserve will regulate its tourist flow. “We shall pick different islands for different cruises, so that one island will not receive too many visitors in a limited time,” the director said. “When 100-120 people go ashore at a certain time every week, the pressure is getting too high, even stones in the Arctic cannot stand it” (TASS, 27.09.2019).

A new class of “Polar Explorers”:

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Established in June 2009, the National Park was expanded in 2016. It covers a large and remote area of the Arctic Ocean, the northern part of Novaya Zemlya and Franz-Josef-Land. In addition to preserving natural habitats of Arctic animals, the area of the national park is important for preserving the cultural heritage, which is related to the history of discovery and colonisation of the vast Arctic territories, starting from the sixteenth century.

The Russian archipelago of Franz-Josef-Land (Земля Франца-Иосифа), constituting the northernmost part of Arkhangelsk Oblast, consists of 192 islands, which cover an area of 16.134 square kilometres. The archipelago became Soviet territory, in 1926.  In 2017, Russia’s President Vladimit Putin visited the archipelago to protect Russia’s interests in the Arctic. In August 2019, a geographic expedition by the Russian Northern Fleet discovered several new islands in the archipelago. They had previously been buried under the Vylki Glacier, until part of it melted.

President Vladimir Putin visited Franz-Josef-Land in 2017:

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The Russian archipelago of Novaya Zemlya (Новая Земля) lies in the extreme northeast of Europe, between the Barents Sea and the Kara Sea. Novaya Zemlya belongs to the Arkhangelsk Oblast and is composed of two main islands, the northern Severny Island and the southern Yuzhny Island, which are separated by the Matochkin Strait. The Russians knew of Novaya Zemlya from the 11th century, when Novgorod hunters  visited the area. The islands were systematically surveyed by Pyotr Pakhtusov and Avgust Tsivolko during the early 1830s. The first permanent Russian settlement was established in 1870.

Novaya Zemlya is an extension of the Northern part of the Ural Mountains and the interior is mountainous throughout. Severny Island has a large ice cap and many active glaciers. There is a meteorological station at Cape Zhelaniya, Severny’s northernmost cape. Yuzhny Island is mostly free of ice, with a tundra landscape. It is the original home of the Nenets people, as well as a large seabird population.

Northern lights over Novaya Zemlya:

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The serenade-loving walruses of Russia’s Arctic are the only living species of the family Odobenidae. There are two subspecies: the Atlantic walrus (Odobenus rosmarus rosmarus) and the Pacific walrus (Odobenus rosmarus divergens). Both subspecies live in the Russian Arctic. The population of Atlantic walruses has its home in the western part of Arctic Russia. The isolated population of Laptev Sea walruses is confined year-round to the central and western regions of the Laptev Sea and the eastmost regions of the Kara Sea. The current population of these walruses has been estimated to be between 5.000 and 10.000.

In summer and autumn, several hundred thousand Pacific walruses migrate from the Bering Sea into the Chukchi Sea through the narrow Bering Strait. The majority of the population of the Pacific walrus spends its summers north of the Bering Strait in the Chukchi Sea of the Arctic Ocean along the northern coast of eastern Siberia. In late summer and autumn, they form massive aggregations of tens of thousands of individuals on rocky beaches.

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The most prominent feature of walruses are their long tusks. These are elongated canines, which are present in both male and female animals. They can reach a length of one metre and weigh up to 5.4 kg. Male walruses use their tusks for fighting, dominance and display. The strongest males with the largest tusks typically dominate social groups. Tusks are also used to form and maintain holes in the ice and aid the walrus in climbing out of water onto ice. Generally, walruses have few teeth other than tusks.

Stiff bristles (vibrissae) surround the tusks, giving the walrus a characteristic whiskered appearance. There can be 400 to 700 vibrissae in 13 to 15 rows, reaching 30 cm in length. The vibrissae are attached to muscles and are supplied with blood and nerves, making them highly sensitive organs capable of differentiating shapes.

Walrus tusks:

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Walruses live in shallow shelf regions and forage on the sea floor, often from sea ice platforms. They are not particularly deep divers. Their deepest recorded dives are around 80 m but they can remain submerged for as long as half an hour. The animals feed on marine organisms, such as clams, crabs, mollusks, shrimp and worms. They forage by grazing along the sea bottom, searching and identifying prey with their sensitive vibrissae.

Due to its great size and tusks, the walrus has only two natural predators: the killer whale (orca) and the polar bear. Both the killer whale and the polar bear are most likely to prey on walrus calves. Killer whales regularly attack walruses successfuly. Polar bears often hunt walruses by rushing at beached aggregations, consuming young or infirm animals that are crushed or wounded in the sudden exodus. However, even an injured walrus is a formidable opponent for a polar bear. Walruses have been known to fatally injure polar bears in battles, if the fight happens in water where the bear is at a disadvantage.

Polar bear and walrus:

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Walruses live 20 to 30 years. The males reach sexual maturity as early as seven years, but do not mate until fully developed at around 15 years of age. They rut from January through April. The females begin ovulating as soon as they are four to six years old. Breeding occurs from January to March, peaking in February. Gestation lasts 15 to 16 months.

Calves are born during the spring migration, from April to June. They weigh 45 to 75 kg at birth and are able to swim. The mothers nurse for over a year before weaning, but the young can spend up to five years with their mothers. Walrus milk contains high amounts of fats and protein. Because ovulation is suppressed until the calf is weaned, females give birth only every two years, leaving the walrus with a rather low reproductive rate.

Walrus females with calves:

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The walrus plays an important role in Chukchi folklore and religion. The skin and bones are used in ceremonies, and the animal appears in legends, for example, in the myth of the raven. The raven recovers the sun and the moon from an evil spirit by seducing his daughter. The angry spirit throws his daughter from a high cliff. As she drops into the water, she turns into a walrus whose tusks are formed from the weeping girl’s long braids. This myth is related to another Chukchi myth, in which an old walrus-headed woman rules the bottom of the sea.

The walrus is an important part of Chukchi cuisine, which is based on  boiled walrus, seal and whale meat, due to their life-sustaining fat. It is also an important part of folk art. Sculpturing and carving on walrus tusk has become the most highly developed form of art among the Chukchi. Traditional themes are landscapes and scenes from day-to-day life: hunting parties and herding animals native to the region.

Chukhchi artist carving on walrus tusk:

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The Russian Arctic with its harsh nature, its native people and rich wildlife is a very interesting region to be explored by tourists. The concept of Arctic tourism has become a part of tourist business management at the federal and regional level in the Russian Federation. Traditionally, the Arctic was “Terra Incognita”, unknown land, which always attracts and fascinates some travelers and tourists. Even in the 21st century, the Arctic remains largely unexplored land, little-known to modern people.

Arctic tourism brings income and profit to the Arctic people, affecting their economic and social development in a positive way. Therefore Arctic tourism has become a promising sector of the Russian economy. However, Arctic wildlife needs to be protected and preserved. The walruses, for example, like being serenaded but not crowded by curious tourists. With this concept in mind, cruises and expeditions to the Arctic will be a satisfying, successful experience for all parties involved.

Images of Russia’s North in Arctic art:

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Olivia Kroth: The journalist and author of four books lives in Moscow.

Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

This text was also published in THE DURAN:

Serenading and protecting walruses in the Russian Arctic

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Olivia Kroth: Eine russisch-chinesische “Frühlingsweihe”

Eine russisch-chinesische “Frühlingsweihe”

von Olivia Kroth

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China und Russland tun 2019 einen Schritt in eine neue Ära für die Entwicklung ihrer Kooperation auf höherer Ebene. In diesem Jahr jährt sich zum 70. Mal die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Russland. Angesichts der tiefgreifenden Veränderungen in der Welt ist die Stärkung dieser Beziehungen für beide Seiten eine wichtige strategische Entscheidung. China und Russland intensivieren ihre wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit, die strategische Kommunikation und die Koordinierung. Sie verstärken auch ihre gegenseitige Unterstützung in Fragen, die ihre jeweiligen Kerninteressen betreffen. Der persönliche Austausch wird gleichfalls vertieft. Mit einem gut durchdachten Plan soll das chinesisch-russische Jahr der wissenschaftlichen und technologischen Innovation von 2020 bis 2021 erfolgreich gestaltet werden. Und nicht zuletzt hat der kulturelle Austausch erheblich zugenommen, zum Beispiel durch ein gemeinsames Projekt im Bereich Musik und Ballett.

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Die “Frühlingsweihe” (Весна священная) wurde 1913 von dem russischen Komponisten Igor Strawinsky als Ballettmusik komponiert. Das Werk ist auch unter dem Titel “Sacré du Printemps” bekannt, weil die Uraufführung in Paris stattfand. Der Untertitel „Bilder aus dem heidnischen Russland“ gibt das Thema vor. Das Szenario zeigt verschiedene Naturrituale, die den Beginn des Frühlings feiern. Im Februar 1914 beschrieb Igor Strawinsky seine “Frühlingsweihe” als ein “musikalisch-choreografisches Werk, welches das heidnische Russland repräsentiert und durch eine einzige Idee vereint ist: das Geheimnis und den großen Schub der schöpferischen Kraft des Frühlings”.

In seiner Autobiografie von 1936 schrieb der Komponist über die Entstehung der Ballettmusik: „Eines Tages hatte ich eine flüchtige Vision. In meiner Vorstellung sah ich einen feierlichen heidnischen Ritus. Weise Älteste saßen im Kreis und beobachteten ein junges Mädchen, wie es sich zu Tode tanzte. Sie opferten das Mädchen, um den Gott des Frühlings zu besänftigen. Dies wurde zum Thema meiner Frühlingweihe.“

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Igor Strawinskys Partitur enthielt viele neuartige Merkmale in Bezug auf Takt, Rhythmus und Tonart, obwohl sie auf traditioneller russischer Volksmusik beruhte. In seiner “Frühlingsweihe” experimentierte der Komponist mit Bitonalität, Dissonanzen und außergewöhnlichen rhythmischen, klanglichen Strukturen.

Der Komponist schichtete Dur- und Mollakkorde mit gleichem Grundton übereinander, bezog auch Septakkorde und ihre Umkehrungen in die Schichtungen mit ein oder lagerte zwei Molltonarten im Halbtonabstand übereinander. Ein weiteres neues Element war die Schichtung verschiedener Rhythmen, die Polyrhythmik. Dabei spielen verschiedene Instrumente gleichzeitig gegenläufige Rhythmen, die zum Teil auch in verschiedenen Taktarten notiert sind.

Heute wird diese Ballettmusik allgemein als eines der einflussreichsten Musikwerke zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesehen, das andere Komponisten dazu veranlasste, den neuen Weg zu beschreiten. Igor Strawinskys “Frühlingsweihe” ist zweifellos die berühmteste Komposition des frühen 20. Jahrhunderts. Sie hatte den Effekt einer Explosion, welche die Elemente der Musiksprache so zerstreute, dass sie nie wieder wie vormals zusammengesetzt werden konnten.

Der russische Komponist Igor Strawinsky (1882 – 1971):

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Igor Strawinsky wurde am 17. Juni 1882 in Oranienbaum, einem Vorort von Sankt Petersburg, im russischen Reich geboren. Schon als kleiner Junge begann er mit dem Klavierunterricht und studierte Musiktheorie. 1890 sah er eine Aufführung von Pjotr Tschaikowskys Ballett „Dornröschen“ im Mariinski-Theater. Er war so beeindruckt, dass er beschloss, ebenfalls Komponist zu werden.

Igor Strawinsky wuchs zu einem sehr kultivierten Mann mit einer großen Vorliebe für Kunst und Literatur heran. Während seines ganzen Lebens blieb er ein frommes Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche, weil „Musik Gott preist“. Igor Strawinsky betete täglich vor und nach dem Komponieren, und er betete auch, wenn er Schwierigkeiten begegnete.

Nach 1910 verließ der Komponist Russland und lebte im Ausland. Zweimal war er verheiratet, das erste Mal mit einer Russin, das zweite Mal mit einer Französin. Igor Strawinsky entwickelte ein Geschick darin, die Rolle eines “Mannes der Welt” zu spielen, sich einen ausgeprägten Instinkt für geschäftliche Angelegenheiten anzueignen und in der Öffentlichkeit entspannt zu wirken. Seine erfolgreiche Karriere als Pianist und Dirigent führten ihn in viele große Städte der Welt. Igor Strawinsky war international beliebt. Am 18. März 1971 starb er und wurde in der russischen Ecke der Friedhofsinsel San Michele in Norditalien beigesetzt.

Igor Strawinsky in späteren Jahren:

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Eine interessante, ungewöhnliche Aufführung des Balletts “Frühlingsweihe” fand im September 2019 im Moskauer Bolschoi-Theater statt. Die chinesische Tanztruppe für zeitgenössischen Pfauentanz präsentierte das Werk in der Fassung der Choreografin Yang Liping. Sie kombinierte moderne Choreografie mit traditionellem chinesischem Pfauentanz zur Musik von Igor Strawinsky und tibetischen Intonationen. So wurde das russische heidnische Frühlingsopfer durch asiatische Ästhetik und Philosophie neu interpretiert.

Yang Lipings “Frühlingsweihe” bestand aus drei Akten, wobei der zweite Akt die von Igor Strawinsky komponierte Originalmusik verwendete. Der erste und der dritte Akt präsentierten eine neue Partitur, inspiriert von traditionellen Klängen aus Tibet. Yang Lipings Ballett zeigte chinesische Symbole der Natur für den Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Ihre Absicht war es, eine Abstraktion des physischen Universums zu finden, in welcher Zeit, Raum und Leben in einem ewigen Kreislauf nebeneinander her existieren.

Plakat für Yan Lipings Ballett “Frühlingsweihe”:

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Yang Liping (杨丽萍) ist eine der bekanntesten Tänzerinnen Chinas und Choreografin der chinesischen Tanztruppe für zeitgenössischen Pfauentanz  (孔雀舞 孔雀舞). Mit ihrer Choregrafie wollte sie sowohl das chinesische als auch das russische Publikum ansprechen. Darin spiegelt sich auch ihre eigene Karriere im modernen ästhetischen Tanz, wobei sich zeitgenössische mit traditionellen Ideen verbinden.

Die russische und die chinesische Kultur wurden in perfekter Symbiose präsentiert. Yang Lipings Interpretation des verehrten russischen Ballettwerks würdigte Igor Strawinskys Musik und konzentrierte sich zugleich auf Perspektiven der chinesischen Kultur. Die chinesischen Tänzerinnen und Tänzer wiegten sich wie Blätter im Frühlingswind. Sie verwoben ihre Körper zum Yin-Yang-Symbol.

Dieses alte Konzept der chinesischen Philosophie beschreibt, wie scheinbar gegensätzliche Kräfte in der Welt sich miteinander verbinden, denn in Wirklichkeit sind sie komplementär und voneinander abhängig. Die chinesische Ballettaufführung in Moskau zeigte die Wechselbeziehung zwischen China und Russland. Beide Länder verhalten sich komplementär zueinander. Sie sind miteinander verbunden und voneinander abhängig.

Szene aus Yang Lipings “Frühlingsweihe”:

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Das Bolschoi-Theater am Teatralnaja-Platz im Zentrum von Moskau gilt als Wahrzeichen Russlands. Der Bau mit neoklassizistischer Fassade wurde zwischen 1821 und 1824 von dem Architekten Joseph Bové errichtet. 1855 stattete der Architekt Alberto Cavos das Theater mit einem neuem Klangsystem sowie einer aufwändigen Dekoration für das Auditorium aus.

Während des Zweiten Weltkriegs, der in Russland als der Große Vaterländische Krieg bezeichnet wird, konnte das Bolschoi-Theater nur knapp dem Schicksal entkommen, von den Nazis in Schutt und Asche gelegt zu werden. Im April 1941 wurde es für Renovierungsarbeiten geschlossen. Zwei Monate später fiel die deutsche Wehrmacht in die UdSSR ein. Ein Teil der Theaterkompanie des Bolschoi wurde nach Kuibyschew (Samara) evakuiert, ein anderer Teil blieb in Moskau. Viele der Künstler reisten an die Front, um die Truppen zu unterhalten, während manche sich zur Verteidigung ihres Landes der Roten Armee anschlossen.

Eintrittskarte für Moskaus berühmtes Bolschoi-Theater:

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Am 29. November 2002 wurde die Neue Bühne für das Bolschoi-Theater in Betrieb genommen. Der Bau, welcher sie beherbergt, steht auf der linken Seite des Gebäudes mit der Historischen Bühne. Zusammen mit Nebengebäuden – einem restaurierten Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert, zwei Proberäumen und Künstler-Aufenthaltsräumen – bildet es heute einen einzigen Theaterkomplex, das Bolschoi-Theater der Russischen Föderation.

2010 wurde rundum ausgiebig renoviert: die Eingangshalle, das Haupt- oder das weiße Foyer, die Chor-, Ausstellungs-, Rund- und Beethoven-Säle. Auch die berühmte Apollo-Quadriga des Bildhauers Peter Klodt wurde restauriert. Ebenso wie die Theaterbesucher des 19. Jahrhunderts kann das Publikum heute die extravagante Ausstattung der Innenräume bewundern, zu welcher auch das Gemälde von Apollo und den Musen an der Decke der Historischen Bühne gehört.

Das Bolschoi-Theater zu Neujahr:

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Zu den Aufführungen von Yang Lipings Ballett “Frühlingsweihe” waren im Bolschoi viele chinesische Gesichter zu sehen, auf den Balkonen des Theaters wurde Chinesisch gesprochen. Chinesische Touristen lieben Moskau, denn Russland hat ein Projekt, das sich „Freundschaft mit China“ nennt. Es bietet chinesischen Besuchern niedrige Preise für Luxusgüter, verbesserten Service in Hotels und interessante touristische Aktivitäten. So hat Moskau eine neue, glänzende Anziehungskraft für Chinesen gewonnen.

Sie können in Moskau auch chinesisch essen, da hier in den letzten Jahren viele chinesische Restaurants eröffnet wurden. Nun können sie sogar eine chinesische Ballettaufführung im berühmten Bolschoi-Theater besuchen. So werden sie sich wie zu Hause fühlen und gerne wieder kommen wollen. Laut Chinas größtem Reisebüro Ctrip, das im Jahr 2018 Touren für rund 130.000 Menschen organisierte, ist die Zahl der chinesischen Touristen für Russland erheblich gestiegen.

Das Bolschoi-Theater auf einem russischen Geldschein:

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Yang Liping wurde am 10. November 1958 in der chinesischen Provinz Yunnan geboren. Sie ist das älteste von vier Kindern. Ihre Eltern und Großeltern waren Bauern der Bai-Ethnie. Yang Liping begann ihre formelle Tanzausbildung im Alter von 11 Jahren mit einer Tanzgruppe im südlichen Flachland von Yunnan an der Grenze zu Myanmar. Hier lernte sie den traditionellen chinesischen Pfauentanz, der sie berühmt machte. 1986 gewann sie mit ihrem Solo „Pfauengeist“ den ersten Preis in einem nationalen Tanzwettbewerb.

Yang Liping ist stolz darauf, zum Volk der Bai zu gehören, das hauptsächlich in Yunnan lebt. Die Bai sind eine der 56 von der Volksrepublik China offiziell anerkannten ethnischen Gruppen. Diese Ethnie kann sich einer langen, farbenfrohen Geschichte rühmen. Archäologische Funde belegen, dass die Existenz der Bai bis ins Jahr 2050 v. Chr. zurückreicht. Das Volk der Bai verehrt lokale Gottheiten und Ahnengeister sowie buddhistische Götter. Wie die russischen Heiden feiern auch die Bai ein Frühlingsfest, die “Weihe des Dritten Monats”. Kein Wunder, dass Yang Liping die russische heidnische „Frühlingsweihe“ so gut verstehen kann und eine Beziehung zu ihr findet.

Die  chinesische Tänzerin und Choreografin Yang Liping:

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„Meinen Tanz habe ich nicht von anderen Menschen gelernt, sondern von der Natur. Mein Mentor ist die Natur, ich lerne aus dem Beobachten der Natur “, erklärte Yang Liping, als sie in einem Interview über die Wurzeln ihrer Kunst sprach. In Yunnan reagierte ihr Körper auf die Natur, die sie vor ihren Augen sah, und bevor sie es merkte, tanzte sie. Ähnliche Volkstänze gibt es in verschiedenen Teilen Russlands, wo die Menschen auch auf die Natur reagieren, die sie umgibt.

Die Natur zu beobachten und zu erhalten ist ein gemeinsames Interesse der Menschen in China und Russland. Beide Nationen versuchen, trotz langfristigen Wirtschaftswachstums die Natur nachhaltig zu schützen. Ökologisches Gleichgewicht und Umweltschutz sollten für jedes Land oberste Priorität haben, damit künftige Generationen kein verarmtes, verödetes Brachland erben werden.

Terrassenförmige Reisfelder in Yunnan:

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Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau.

Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Die englische Version dieses Textes erschien auch in THE DURAN:

A Russian-Chinese “Rite of Spring”

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Olivia Kroth: A Russian-Chinese “Rite of Spring”

A Russian-Chinese “Rite of Spring”

by Olivia Kroth

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The China-Russia relationship has taken a stride into a new era of greater development at a higher level, in 2019. This year marks the 70th anniversary of the establishment of diplomatic ties between China and Russia. With the world undergoing profound changes, enhancing China-Russia relations is a firm strategic choice by both sides. China and Russia are strengthening economic and military ties, strategic communication and coordination. They also enhance their mutual support on issues regarding their respective core interests. People-to-people exchanges are also stepped up. A well-designed plan has been prepared to develop the China-Russia year of scientific and technological innovation, from 2020 to 2021. And last but not least, their cultural exchanges have grown significantly, as can be seen in the latest Russian-Chinese cooperation in the area of music and ballet.

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The Rite of Spring (Весна священная) was composed as ballet music by the Russian composer Igor Stravinsky, in 1913. The subtitle, “Pictures of Pagan Russia”, sets the theme. The scenario depicts various nature rituals celebrating the advent of spring. In February 1914, Igor Stravinsky described his “Rite of Spring” as “a musical-choreographic work, representing pagan Russia, unified by a single idea: the mystery and great surge of the creative power of spring”.

In his autobiography of 1936, the composer wrote about the origin of  his ballet: “One day, I had a fleeting vision. I saw in my imagination a solemn pagan rite: sage elders, seated in a circle, watching a young girl dance herself to death. They were sacrificing her to propitiate the god of spring. Such was the theme of my Rite of Spring”.

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Igor Stravinsky’s score contained many novel features in metre, rhythm and tonality, although grounded in traditional Russsian folk music. In his “Rite of Spring”, the composer experimented with bitonality  and used combinations of  double and triple time, in which a strong irregular beat is emphasised by powerful percussion.

One commentator described the music of this ballet as “pounding with the rhythm of engines, whirls and spirals like screws and fly-wheels, grinds and shrieks like laboring metal”. Another commentator wrote about the “great crunching, snarling chords from the brass and thundering thumps from the timpani”.

Today, this ballet music is widely considered to be one of the most influential musical works at the beginning of the 20th century, influencing other composers to follow the new path. Igor Stravinsky’s “Rite of Spring” is undoubtedly the most famous composition of the early 20th century. It had the effect of an explosion, which so scattered the elements of musical language that they could never again be put together as before.

Russian composer Igor Stravinsky (1882 – 1971):

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Igor Stravinsky was born on on the 17th of June 1882 in Oranienbaum, a suburb of Saint Petersburg, in the Russian Empire. He began piano lessons as a young boy, studying music theory. In 1890, he saw a performance of  Pyotr Tchaikovsky’s ballet “The Sleeping Beauty” at the Mariinsky Theatre. He was so impressed that he decided he wanted to be a composer, too.

Igor Stravinsky grew up to become a very cultivated man, with a wide taste for arts and literature. He remained a devout member of the Russian Orthodox Church during his life, remarking that “music praises God”. Igor Stravinsky prayed daily, before and after composing, and he also prayed when facing difficulties.

Igor Stravinsky in later years:

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After 1910, he left Russia and lived abroad. He got married twice. His first wife was Russian, the second was French. Igor Stravinsky proved adept at playing the part of a ‘man of the world’, acquiring a keen instinct for business matters and appearing relaxed and comfortable in public. His successful career as a pianist and conductor took him to many of the world’s major cities, due to his international popularity. Igor Stravinsky died on the 18 of March 1971 and was buried in the Russian corner of the cemetery island of San Michele in northern Italy.

Over the course of his career, Igor Stravinsky called for a wide variety of orchestral, instrumental and vocal forces, ranging from single instruments to the enormous orchestra of “Rite of Spring”. The Russian composer’s creation of unique and idiosyncratic ensembles arising from the specific musical nature of individual works is a basic element of his style.

The Bolshoi Theatre at night:

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An interesting, unusual performance of the ballet “Rite of Spring” was given at the Moscow Bolshoi Theatre, in September 2019. The Peacock Contemporary Dance Company of China presented it in the version of choreographer Yang Liping. She combined modern choreography with traditional Chinese peacock dance to the music of Igor Stravinsky and Tibetan intonations, reinterpreting the Russian pagan ritual sacrifice through Asian aesthetics and philosophy.

Yang Liping’s “Rite of Spring” was constructed in three sections, with the second section using the original music written by Igor Stravinsky. The first and last section presented a new score, inspired by traditional sounds from Tibet. Furthermore, Yang Liping’s ballet was influenced by Chinese symbols of nature, the cycle of life, death and rebirth. Her intention was to find an abstraction of the physical universe where time, space and life co-exist in an eternal cycle.

Scene from Yang Liping’s “Rite of Spring”:

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Yang Liping (杨丽萍) is one of China’s most iconic dancers and a choreographer for the Peacock Contemporary Dance Company (孔雀舞團). Her approach to Igor Stravinsky’s ballet reached out to connect with both, Chinese and Russian audiences. It also reflected her own career in modern aesthetic dance, mixing contemporary and traditional ideas.

Russian and Chinese culture were presented in a perfect symbiosis. Yang Liping’s interpretation of the revered Russian work for ballet honoured Igor Stravinsky’s music, while focussing on perspectives of Chinese culture. The Chinese dancers were undulating like leaves in windy spring weather. They interwove their bodies to form a Yin-and-Yang symbol.

This ancient concept in Chinese philosophy describes, how seemingly opposite or contrary forces may actually be complementary, interconnected and interdependent in the natural world. The Chinese ballet performance in Moscow could also be interpreted as a form of interrelation between two Asian forces, China and Russia. Both countries are complementary, interconnected and interdependent in the world of today.

Chinese dancers in “The Rite of Spring”:

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The Bolshoi Theatre, located on Teatralnaya Square in the centre of Moscow, is a famous landmark of Russia. The theatre with its iconic neoclassical façade was built by architect Joseph Bové, between 1821 and 1824. In 1855, the Bolshoi Theatre was restructured by architect Alberto Cavos with new sound and lightning, as well as a lavish decoration for the auditorium. 

During the Second World War, which is named the Great Patriotic War in Russia, the Bolshoi Theatre narrowly escaped the fate of being bombarded to rubble and ashes. In April 1941, it closed for renovation. Just two months later the Nazis invaded the USSR. Part of the Bolshoi Theatre Company went into evacuation to Kuibyshev, another part remained in Moscow. Many of the Bolshoi’s artists traveled to the front to entertain the troops, while others joined the Red Army to defend their country.

A new stage for the Bolshoi Theatre went into service, on the 29th of November 2002. It was constructed to the left of the theatre’s historic main stage. Together with auxiliary buildings — a restored 17th-century building, two rehearsal halls, and artists’ recreation rooms — it now forms a single theatre complex, the Bolshoi Theatre of Russia.

In 2010, the auditorium suite of halls were renovated: the lobby, the main or the white Foyer, the choral, exhibition, round and Beethoven halls. The famous Apollo quadriga, created by sculptor Peter Klodt, was also repaired. Just like 19th century theatergoers, the public today is dazzled by the auditorium’s extravagant décor, including the plafond painting of  Apollo and the Muses.

The Chinese performance of “The Rite of Spring” took place on the Bolshoi’s new stage:

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Many Chinese faces could be seen among the audience at the Bolshoi, Chinese was spoken on the theatre’s balconies. Chinese tourists love Moscow, thanks to Russia’s ‘China Friendly’ project and low prices for luxury goods. Moscow has acquired a glossy new allure, because Chinese tourists like the improved services in hotels and restaurants, as well as tourist activities.

They can eat Chinese food in Moscow, since plenty of Chinese restaurants have sprung up during the past years. Now, they can even visit a Chinese ballet show in the famous Bolshoi Theatre. So they will feel almost at home and want to come back. The number of Chinese tourists visiting Russia saw a significant boost in 2018, according to China’s largest travel agency Ctrip, which organized tours for approximately 130.000 people.

Chinese dancer and choreographer Yang Liping:

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Yang Liping was born in China’s Yunnan province, on the 10th of November 1958. She is the eldest of four children, her parents and grandparents were farmers of Bai ethnicity. Yang Liping began her formal dance training at the age of 11 with a dance troupe in the Southern flatlands of Yunnan, at the border to Burma. Here she learned the traditional Chinese Peacock dance, which brought her fame. In 1986, she won the first prize in a national dance competition with her original solo “Spirit of the Peacock”.

Yang Liping is proud to belong to the Bai people. They constitute one of the 56 ethnic groups, officially recognized by the People’s Republic of China. The Bai are an ethnic group with a long and colorful history, who live mostly in Yunnan. Archaeological evidence confirms that the Bai existence dates back as far as 2050 BC. The Bai people venerate local deities and ancestral spirits, as well as Buddhist gods. Like Russian pagans, the Bai also celebrate a spring festival, the “Third Month Fair”. No wonder that Yang Liping can understand and relate to the Russian pagan “Rite of Spring”.

House of Bai people in Xizhou, Yunnan:

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“My dance is not something I learned from someone. My mentor is nature and I learn from watching nature,” Yang Liping explained, when talking about the roots of her art in an interview. Living in the province of Yunnan, her body reacted to the nature that met her eyes, and before she knew it she was dancing. Similar folk dances can be found in various parts of Russia, where people also react to the nature that meets their eyes.

The value of observing and preserving nature is a common interest of the people living in China and Russia. Both nations try to maintain environmental sustainability, in spite of long-term economic growth. Ecological balance and environmental preservation should be a top priority for every nation, so future generations will not inherit depleted wastelands.

Terraced rice field in the Chinese province of Yunnan:

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Olivia Kroth: The journalist and author of four books lives in Moscow.

Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

This text was reprinted in the DURAN:

A Russian-Chinese “Rite of Spring”

 

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Olivia Kroth: Russland und die Malediven entwickeln gemeinsame Interessen

Russland und die Malediven entwickeln gemeinsame Interessen

von Olivia Kroth

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Im Jahr 1966 nahmen die UdSSR und die Republik Malediven diplomatische Beziehungen auf, diese blieben jedoch moderat. Nun haben beide Länder beschlossen, ihre gemeinsamen Interessen weiter zu entwickeln. Im Juni 2019 besuchte die maledivische Verteidigungsministerin Moskau und nahm an einer internationalen Sicherheitskonferenz in Ufa, Baschkortostan, teil. Im Juli 2019 wurde eine visafreie Reiseregelung für Touristen zwischen der Russischen Föderation und der Republik Malediven eingeführt. Beide Länder knüpften interparlamentarische Kontakte und bauten die Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung aus. Der Handelsumsatz zwischen Russland und der Republik Malediven belief sich 2018 auf 3,347 Millionen US-Dollar. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot fliegt regelmäßig fünf Mal pro Woche zwischen Moskau und Male hin und her. Russland vergibt auch Stipendien an maledivische Studenten und hilft bei der Ausbildung von Fachleuten in verschiedenen Bereichen. Aufgrund der geografischen Lage im Indischen Ozean gewinnt die Kette von 26 Atollen strategische und geopolitische Bedeutung für den Aufbau russischer Seemacht weltweit.

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Am 25. Juli 2019 trat das Abkommen über die bilaterale Befreiung von der Visumpflicht zwischen Russland und den Malediven in Kraft. Gemäß dem Abkommen können sich russische Staatsbürger für 90 Tage ohne Visum auf den Malediven aufhalten. Gleiches gilt für Bürger der Malediven bei Reisen nach Russland. Bürger beider Länder benötigen jedoch weiterhin ein Visum, wenn sie im Gastland arbeiten, studieren oder dauerhaft wohnen möchten. Das zwischenstaatliche Abkommen über die bilaterale Befreiung von der Visumpflicht wurde am 25. Juni 2019 in Moskau von Außenminister Sergej Lawrow und seinem maledivischen Amtskollegen Abdulla Shahid unterzeichnet (TASS,  25.07.2019).

 Die Malediven sind ein beliebtes Touristenziel für Russen. Im Jahr 2018 verbrachten dort  38.000 russische Staatsbürger ihren Urlaub. Das Thema Fremdenverkehr wird weiterhin diskutiert, wenn der maledivische Tourismusminister Ali Vachid im Herbst Russland besucht. Russische Touristen fliegen auf die Malediven zur Erholung, Entspannung und zum Wassersport. Russen betrachten auch die geschützte Privatsphäre als wichtigen Motivator für ihren Besuch der Malediven. Das Magazin “Travel and Leisure” stuft die Malediven als Nummer 5 auf der Liste der 15 besten Inseln der Welt ein. Diese Liste basiert auf Lesermeinungen. Die Malediven erreichten in der Umfrage eine Punktzahl von 90,48. So kamen sie auf den fünften Platz hinter Milos, Griechenland.

Maledivischer Außenminister Abdullah Schahid:

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In Moskau führte Außenminister Abdulla Shahid auch Gespräche mit der russischen Regierung über die Erweiterung des Sortiments von Fischprodukten, die von den Malediven nach Russland exportiert werden. Statistiken zeigen, dass 2017 Fischprodukte der Malediven im Wert von über 199 Millionen US-Dollar nach Russland exportiert wurden (avas.mv, 26.06.2019). Die Malediven haben eine Fülle von Wassertieren und Fischarten, aber Thunfisch ist der wichtigste Fisch für den Export.

Auf den Inseln gibt es bereits zwei Konservenfabriken für Thunfisch, eine dritte wird im August 2019 eröffnet. „Thunfischkonserven, in der Ensis-Fabrik in Hulhumale hergestellt, sollen im August 2019 freigegeben werden”, verkündete der Direktor der Firma, Mohamed Waseem. “Der Export von Thunfischkonserven soll im Oktober 2019 beginnen. Mit einem Tiefkühllager von 1500 Tonnen und einer Konservenfabrik von 25 Tonnen ist dies die dritte Fabrik für Fischkonserven auf den Malediven“ (MALDIVES TIMES, 24.07.2019).

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Darüber hinaus betreffen die gemeinsamen Interessen Russlands und der Malediven die Bereiche Verteidigung und Sicherheit. Im Juni 2019 nahm die maledivische Verteidigungsministerin Maria Achmed Didi an der 10. Internationalen Sicherheitskonferenz in Ufa, Baschkortostan, teil. Sie traf dort Nikolai Patruschew, ehemals Direktor des FSB, jetzt Sekretär des russischen Sicherheitsrats. Er hatte ihr eigens eine Einladung zu der Veranstaltung geschickt.

Während ihres Treffens mit Nikolai Patruschew wurde neben dem Informationsaustausch über internationalen Terrorismus auch die Kooperation für Sicherheit erörtert. Maria Achmed Didi hielt eine Rede auf der Konferenz in Ufa, an welcher 120 Vertreter aus verschiedenen Ländern der Welt teilnahmen (avas.mv, 20.06.2013).

Die 10. Internationale Sicherheitskonferenz war eines der wenigen Beispiele für multilaterale Treffen hochrangiger Vertreter von Ländern, die in Konflikte verwickelt sind. Während des dreitägigen Treffens standen auf dem Tagungsprogramm Diskussionen über humanitäre Krisen, hybride Kriegsführung, terroristische Bedrohungen und Möglichkeiten der Lösung von Konflikten. Die Konferenz in Ufa verlief friedlich und begünstigte den Meinungsaustausch.

Nikolai Patruschew, Sekretär des russischen Sicherheitsrats:

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Die Verteidigungsministerin der Malediven traf sich in Moskau mit dem russischen Verteidigungsminister zu Gesprächen. Die Internetseite des russischen Verteidigungsministeriums berichtete: „Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu und die Leiterin der Militärabteilung der Malediven, Maria Achmed Didi, diskutierten Prioritäten der bilateralen Zusammenarbeit und praktische Schritte für ihre konsequente Entwicklung. Sergei Schoigu lud seine Kollegin und andere maledivische Spezialisten ein, am Internationalen Militärtechnik-Forum der Armee 2019 (25.-30. Juni 2019) und an den Internationalen Armeespielen 2019 (3.-17. August 2019) teilzunehmen.“

Maria Achmed Didi merkte an, dass „seit langer Zeit solche Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgebaut werden, insbesondere wird russische Ausrüstung an unser Land geliefert. Und diese Beziehung wollen wir natürlich auch in Zukunft fortsetzen. Wir legen großen Wert auf das heutige Treffen. Wir haben die Möglichkeit, Meinungen auszutauschen, uns von Angesicht zu Angesicht mit denen zu treffen, die in ihren Staaten für die Verteidigung verantwortlich sind. Wenn der Dialog auf persönliche Art und Weise geführt wird, erreicht die Beziehung natürlich eine völlig neue Ebene“ (Verteidigungsministerium der Russischen Föderation, 21.06.2019).

Maria Achmed Didi, Verteidigungsministerin der Malediven:

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Maria Achmed Didi wurde 1963 in Malé geboren. Sie ist die erste Anwältin und erste Verteidigungsministerin der Malediven. In Großbritannien  erwarb sie die Grade des Bachelor und Master in Jura an der Universität von Aberystwyth, Wales. Nach Abschluss ihrer beruflichen Qualifikation und dem Referendariat in den Albion Chambers von Bristol wurde sie Rechtsanwältin  der renommierten Anwaltskammer Gray’s Inn in London.

Zu Hause auf den Malediven wurde sie Abgeordnete und arbeitete an der Verfassung von 2008 mit. Sie war auch Vorsitzende einer großen politischen Partei auf den Malediven, der Maldivian Democratic Party (MDP). Unter ihrem Vorsitz gewann diese Partei die demokratischen Mehrparteien-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008. Am 17. November 2018 wurde sie Verteidigungsministerin. Maria Achmed Didi ist verheiratet und hat drei Kinder: eine Tochter und zwei Söhne.

Parlament in Malé:

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Man könnte erstaunt sein, dass die Malediven eine Verteidigungsministerin haben, weil das Militär in der Regel von Männern dominiert wird. Es gibt jedoch eine Spur von Matriarchat aus dravidischer Zeit, als jedes maledivische Atoll von einer Königin regiert wurde. Im 12. Jahrhundert verwandelten sich  die Malediven mit der Ankunft des Islam in ein Sultanat, aber der Status der Frauen blieb hoch.

Auf den Malediven herrschten fünf Sultaninen, weibliche Monarchen. Sultana Kadijah regierte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, von 1347 bis 1380. Ihr folgten Sultana Raadhafati im Jahr 1380 und Sultana Dhaain von 1383 bis 1388. Sultana Kala Kamanafa’anu regierte von 1607 bis 1609 und Sultana Amina von 1757 bis 1759. Der offizielle Titel für diese Herrscherinnen war “Herrin von zwölftausend Inseln, Sultana der Malediven”.

Besonders bemerkenswert erscheint Sultana Kadijah, die älteste Tochter von Sultan Omar I. der Malediven. Sie war keinesfalls schüchtern, ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten, sondern ließ den jüngeren Bruder und zwei Ehemänner ermorden, als diese die Macht ergreifen wollten. Trotz der drei Morde ist Sultana Kadijah eine der beliebtesten historischen Figuren auf den Malediven. Ihre Biografie fasziniert die Einwohner seit  Jahrhunderten.

Traditionelles maldivisches Kleid:

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Die Republik Malediven ist das kleinste asiatische Land im Indischen Ozean, südwestlich von Sri Lanka und Indien gelegen. Die Malediven bestehen aus 1.192 Koralleninseln, die sich in einer Doppelkette von 26 Atollen gruppieren. Zu Verwaltungszwecken hat die maledivische Regierung die Atolle in 21 Verwaltungsbereiche unterteilt. Diese Maßnahme erinnert an die alte dravidische Tradition, als jedes maledivische Atoll von einer Königin regiert wurde. Die Kette von 26 Atollen erstreckt sich vom Ihavandhippolhu-Atoll im Norden bis zum Addu-Atoll im Süden und umfasst ein Gebiet von 300 Quadratkilometern.

Ein Atoll ist ein ringförmiges Korallenriff mit einem Korallenrand, der eine Lagune umgibt. Alles Land über der Oberfläche der Malediven ist korallischen Ursprungs. Aufgrund der vielen schönen Tauchgründe  sind die maledivischen Atolle zu einem beliebten Reiseziel für Taucher geworden. Zwischen den Atollen verlaufen breite Kanäle, die als„Kandu“ bezeichnet werden. Diese Kanäle waren früher für Seefahrer auf der Gewürzroute wichtig, um die langen Atollketten ohne Schaden zu umgehen. Die wichtigsten Kanäle heissen Maliku Kandu, Kardiva Kandu und Suvadiva Kandu.

Korallenriff der Malediven:

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Das Wort Atoll stammt aus der Dhivehi-Sprache, welche auf den Malediven gesprochen wird. “Atholhu” bedeutet eine administrative Unterteilung. Die Dhivehi-Sprache ist mit der singhalesischen Sprache des Nachbarstaats Sri Lanka verwandt. Die Geschichte der Schriftsprache auf den Malediven reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Die älteste Inschrift wurde auf einem Korallenstein gefunden, der schätzungsweise aus dem 7. oder 8. Jahrhundert stammt.

Der spanische Gelehrte Xavier Romero-Frias lebte lange auf den Malediven und übersetzte 80 Volksmärchen aus dem Dhivehi. Im Jahr 2012 veröffentlichte er das Werk „Volksmärchen der Malediven”. Die Einleitung zu seinem Buch liefert wertvolles Hintergrundmaterial zu Kategorien der maledivischen mündlichen Überlieferung und Literatur. In dem Sammelband finden die Leser Geschichten über Geister und Seeungeheuer, Märchen mit humorvollen Charakteren und Seefahrern sowie Fabeln mit sprechenden Tieren. Ein hilfreiches Glossar, eine Bibliographie, ein Index und eine Karte der Atolle runden das Werk ab.

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Malé, die Hauptstadt und bevölkerungsreichste Stadt, befindet sich auf dem gleichnamigen Atoll. Traditionell war es die Königsinsel, von der aus in früheren Jahrhunderten die Monarchen regierten. Malé war von einer Mauer mit Befestigungsanlagen und Toren umgeben. Die Hauptstadt wurde im 17. Jahrhundert von Sultan Muhammad Imaduddin befestigt. Unter der Herrschaft von Sultan Muhammad Shamsuddin III wurden 1925 die alte Festungen und die Mauer geschleift, um die Straßen verbreitern und begradigen zu können.

 Nach Aufhebung der Monarchie im Jahr 1968 gestaltete Präsident Ibrahim Nasir die Stadt neu. Nur das Gebäude des Nationalmuseums, ehemals Residenz des letzten Sultans, sowie die Freitagsmoschee von Malé blieben erhalten. In den letzten Jahren wurde die Insel durch Aufschütten von Land erheblich erweitert. Viele Regierungsgebäude befinden sich direkt am Wasser. Der internationale Flughafen auf der benachbarten Insel Hulhule ist durch die Sinamalé-Brücke mit Malé verbunden. Sie wurde im Oktober 2018 für den Verkehr eröffnet.

Was macht das kleinste Land Asiens für Russland, das größte Land der Erde, so interessant? Die Russische Föderation hat eine Fläche von 17,1 Millionen Quadratkilometern und erstreckt sich über insgesamt neun Zeitzonen. Maritime Historiker und Strategen verstehen die geostrategische und geopolitische Bedeutung des Indischen Ozeans. Im 21. Jahrhundert wird dieser Ozean von überregionalen Staaten mit großer Aufmerksamkeit betrachtet, da er einige der wichtigsten Seekommunikationslinien der Welt enthält. Weil die Russische Föderation ihre Seemacht aufbaut, müssen die Russen im Indischen Ozean präsent sein.

Seemacht ist ein viel weiter reichendes Konzept als bloss die Führung von Seekriegen. Das Meer kann als Ressource genutzt werden. Es ist auch ein Mittel für Herrschaft, Information und Transport. Die Russische Föderation will diese Möglichkeiten nutzen und beobachtet deshalb sehr genau, was im Indischen Ozean geschieht, im drittgrößten Ozean der Welt. Die Sicherung dieser Region ist für alle Weltmächte, einschließlich Russland, von größter Bedeutung.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau.

Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Die englische Version dieses Textes erschien auch in THE DURAN:

Russia and the Maldives develop common interests

 

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Olivia Kroth: Russia and the Maldives develop common interests

Russia and the Maldives develop common interests

by Olivia Kroth

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Diplomatic relations between the USSR and the Republic of Maldives were established in 1966 but remained moderate. This year, however, both countries decided to develop their common interests further. In June 2019, the Maldivian Minister of Defence visited Moscow and took part in an International Security Conference in Ufa, Bashkortostan. In July 2019, a visa-free travel regime for tourists was established between the Russian Federation and the Republic of Maldives. Both countries have also established inter-parliamentary contacts and are developing cooperation in the field of law enforcement. Trade turnover between Russia and the Republic of Maldives amounted to 3.347 million US dollars, in 2018. Aeroflot Russian Airlines conducts regular flights between Moscow and Male, five times per week. Russia is also giving scholarships to Maldivian students and helps to train specialists in diverse fields. Due to the Maldives’ geographical location in the Indian Ocean, the chain of 26 atolls has acquired strategic and geopolitical importance for the building of Russian seapower around the globe. 

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On the 25th of July 2019, the agreement on bilateral visa-free travel between Russia and the Maldives came into force.  According to the agreement, citizens of Russia can stay in the Maldives for 90 days on tourist trips and in transit without a visa. The same applies for citizens of the Maldives when travelling to Russia. Citizens of both countries still need to get a visa if they plan to work, study or permanently reside in the other country. The inter-governmental agreement on bilateral visa-free travel was signed in Moscow by Russian Foreign Minister Sergei Lavrov and his Maldivian counterpart Abdulla Shahid, on the 25th of June 2019 (TASS, 25.07.2019).

 The Maldives are a popular tourist destination for Russians. In 2018, over 38.000 Russian citizens vacationed there. The issue of further developing tourist exchange will be considered in more detail, when the  Maldivian Tourism Minister Ali Vakhid will visit Russia in autumn. The main purpose of visiting the Maldives is rest, relaxation and water sports. Russian visitors also regard privacy as an important motivator to visit the Maldives. Travel and Leisure Magazine ranked the Maldives as number 5 in the World List of  “15 Best Islands”. The list is based on readers’ votes. The Maldives received a score of 90.48 points in the survey, 5th place behind Milos, Greece.

Luxury holiday resort in the Maldives:

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In Moscow Foreign Minister Abdulla Shahid also held discussions with the Russian Government on increasing the varieties of fish products exported to Russia from the Maldives. Recent statistics show that fish products worth over $ 199 million were exported to Russia from the Maldives, in 2017 (avas.mv, 26.06.2019). The Maldives have an abundance of aquatic life and species of fish but tuna is the main fish for export.

There are two canning factories for tuna fish in the islands, with a third being opened in August 2019. “Canned tuna produced in the Ensis Factory in Hulhumale is set to be released in August 2019. This information was revealed by the Managing Director of the company, Mr. Mohamed Waseem. The canned tuna exports will begin in October 2019. With a 1500 metric ton cold storage and 25 ton cannery, this is the third canning factory in the Maldives” (MALDIVES TIMES, 24.07.2019).

Tuna fish market in the Maldives:

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Furthermore, Russian and Maldivian common interests concern the areas of defence and security. In June 2019, The Maldives Defence Minister, Mariya Ahmed Didi, took part in the 10th International Security Conference, which was held in Ufa, Bashkortostan. She met with Nikolai Patrushev, former Director of FSB and now Secretary of the Russian Security Council, who had sent her a special invitation for the event.

During her meeting with Nikolai Patrushev, mutual cooperation in the security sector was discussed, in addition to exchange of information related to international terrorism. Mariya Ahmed Didi also held a speech at the conference in Ufa, which was attended by 120 representatives from several countries across the globe (avas.mv, 20.06.2019).

The 10th International Conference on Security represented one of the few global examples of multilateral meetings between high-level representatives of countries that are in conflict. At the meeting of three days, humanitarian crises, hybrid warfare, terrorist threats and ways to recover from armed conflict were discussed. The political climate in Ufa was serene and inclined to favour dialogue and collaboration.

Secretary of Russian Security Council, Nikolai Patrushev, at the International Security Conference in Ufa, Bashkortostan (first row, left):

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The Defence Minister of the Maldives, Mariya Ahmed Didi, also met with Russia’s Defence Minister in Moscow for talks. The website of the Russian Ministry of Defence reported: “Russian Defence Minister General of the Army Sergei Shoigu and the Head of the Military Department of the Maldives Mariya Ahmed Didi discussed priorities for bilateral cooperation. The parties noted the prospects of Russian-Maldivian cooperation and discussed the practical steps of its consistent development. Sergei Shoigu invited his colleague personally, as well as Maldivian specialists, to attend the ARMY 2019 International Military and Technical Forum (June 25-30, 2019) and the International Army Games 2019 (August 3-17, 2019).”

Mariya Ahmed Didi noted that “for a long time such relations have been developed between both countries, in particular, Russian equipment was delivered to our country. And in the future, of course, we want to continue this relationship. We attach great importance to today’s meeting. We have the opportunity to exchange views, meet face to face those who are responsible for the defence in their states. When the dialogue is conducted in a personal manner, of course, the relationship goes to a whole new level”(MINISTRY OF DEFENCE OF THE RUSSIAN FEDERATION, 21.06.2019).

Defence Minister of the Maldives, Mariya Ahmed Didi:

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Mariya Ahmed Didi was born in Malé, in 1963. She is the Maldives first female lawyer and first Defence Minister. She has a Bachelor’s degree in law and a Master’s degree in law from the University of Aberystwyth, Wales, United Kingdom. After completion of her professional qualifications in the UK, she became a barrister of the prestigious Gray’s Inn, having done her pupillage at Albion Chambers, Bristol.

Back home in the Maldives, she became a member of parliament and sat in the drafting committee of the 2008 Constitution. She was elected as chairperson of a major political party in the Maldives, the Maldivian Democratic Party (MDP). It was under her chairmanship that the party won the multiparty democratic presidential elections, held in 2008. On the 17th November 2018, she became Minister of Defence. Mariya Ahmed Didi is married and has three children: a daughter and two sons.

Maldivian Democratic Party (MDP):

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It migt be astonishing, that the Maldives have a female Minister of Defence, since the military is usually dominated  by men. However, there is a trace of matriarchy, dating back to ancient Dravidian times, when each Maldivian atoll was ruled by a chief queen. In the 12th century, with the arrival of Islam, the Maldives turned into a Sultanate but the status of women remained high.

The Maldives witnessed five sultanas, female monarchs. Sultana Kadeejah ruled during the second half of the 14th century, from 1347 to 1380. She was followed by Sultana Raadhafati, in 1380, and Sultana Dhaain, from 1383 to 1388. Sultana Kala Kamanafa’anu ruled from 1607 to 1609, and Sultana Amina from 1757 to 1759. The official title for these female rulers was “Lady of twelve thousand isles, Sultana of the Maldives”.

Especially noteworthy is Sultana Khadeejah, the eldest daughter of Sultan Omar I of the Maldives. She was not at all shy in maintaining her rule. She had her brother and two husbands murdered, because they wanted to grab the power from her. In spite of the three assassinations, Sultana Kadeejah is one of the most popular historic figures of the Maldives. Her biography has captivated the Maldivians for generations.

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The Republic of Maldives is the smallest Asian country, located in the Indian Ocean, southwest of Sri Lanka and India. The Maldives consist of 1.192 coral islands, grouped in a double chain of 26 atolls. For administrative purposes, the Maldivian Government has organised the atolls into 21 administrative divisions. This measure echoes the old Dravidian tradition, when each Maldive atoll was ruled by a chief queen. The chain of 26 atolls stretches from Ihavandhippolhu Atoll in the north to Addu Atoll in the south,  comprising a territory of 300 square kilometres.

An atoll is a ring-shaped coral reef, including a coral rim that encircles a lagoon.  All land above the surface in the Maldives is of coralline origin. Owing to the many beautiful diving grounds of the Maldivian atolls, this country has  become a favourite destination for scuba divers. There are broad channels between the atolls, named “kandu. These were important for ancient mariners on the spice route to bypass the long atoll chains without harm. The most important channels were the Maliku Kandu, Kardiva Kandu and Suvadiva Kandu.

Maledivian atolls:

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The word atoll comes from the Dhivehi language spoken on the Maldive Islands. “Atholhu” means an administrative subdivision. The Dhivehi language is closely related to the Sinhalese language of neighbouring Sri Lanka. The Maldives have a continuous written history of about 800 years, dating back to the 12th century. The oldest inscription was found on a coral stone, which is estimated to be from around the 7th or 8th century.

The Spanish scholar Xavier Romero-Frias, who lived several years in the Maldives, translated 80 folk tales from the Dhivehi language and edited them in his book, “Folk Tales of the Maldives” (2012). He collected these stories during the decades he lived in the islands among islanders. The introduction to his book gives valuable background material about types and categories of Maldivian oral tradition and literature. In its pages readers will find stories of spirits and sea monsters, tales featuring humorous characters and seafarers, as well fables with talking animals. A helpful glossary, bibliography, index and map of the atolls round out the value of this book.

Dhivehi is written from right to left:

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Malé is the capital and the most populated city, located on the atoll Malé. Traditionally it was the King’s Island, from where the ancient monarchs ruled and where the palace was located. Formerly, Malé was surrounded by a wall with fortifications and gates. Malé was fortified in the 17th century by Sultan Muhammad Imaduddin. The old forts and the wall were dismantled in 1925 under the reign of Sultan Muhammad Shamsuddin III, when roads were widened and straightened. 

 The city was remodelled under President Ibrahim Nasir’s rule in the aftermath of the abolition of the monarchy, in 1968. Only the National Museum building, residence of the last sultan, as well as the Malé Friday Mosque remain. In recent years, the island has been considerably expanded through land-filling operations. Many government buildings and agencies are located on the waterfront. The international airport on adjacent Hulhule Island is linked to Malé by the Sinamalé Bridge, which was opened to traffic in October 2018.

In the old quarters of Malé:

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What makes the smallest country in Asia so interesting for Russia, the largest country on earth? The Russian Federation has an area of 17.1 million square kilometres and spans a total of nine time zones. The geostrategic and geopolitical importance of the Indian Ocean is widely understood by maritime historians and strategists. The 21st century Indian Ocean receives great attention from extra-regional states because it holds some of the most important sea lines of communication in the world. As the Russian Federation is building up its sea power, the Russians need to be present in the Indian Ocean.

Sea power is a much larger concept than only maritime warfare. The sea can be used as a resource. It is also a medium of domination, information, transportation. The Russian Federation wants to make good use of these possibilities, paying close attention to what is happening in the Indian Ocean, the world’s third largest ocean. Security in this region is of major importance to all global players, including Russia.

Olivia Kroth: The journalist and author of four books lives in Moscow.

Her blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

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Russia and the Maldives develop common interests

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Olivia Kroth: Russland hilft Syrien bei der Restaurierung des UNESCO Weltkulturerbes in Palmyra

Russland hilft Syrien bei der Restaurierung des UNESCO Weltkulturerbes in Palmyra

von Olivia Kroth

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Die Zerstörung von Palmyra durch die Terrormiliz des Islamischen Staats (IS) gilt als eine der barbarischsten Taten während des achtjährigen Stellvertreterkriegs, den westliche Regierungen gegen Syrien auslösten. Die antike syrische Stadt Palmyra gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Auch als “Venedig des Sands” bekannt, liegt sie am Rand einer Oase aus Dattelpalmen und Gärten. Vom 1. bis 3. Jahrhundert nach Christus war Palmyra ein wohlhabendes Karawanenzentrum, gelegentlich politisch selbständig oder unter der Kontrolle von Rom. In den letzten Jahren ist es den Terroristen des IS gelungen, einige der bedeutendsten Monumente im antiken Palmyra zu beschädigen oder sogar vollständig zu zerstören. Die Bauten konnten aufgrund des andauernden Stellvertreterkriegs in Syrien immer noch nicht restauriert werden. Dieser Stellvertreterkrieg wird heimlich durch finanzielle und militärische Hilfe westlicher Staaten für den IS angeheizt. Doch Russland übernimmt als treibende Kraft die Führung zur Wiederherstellung von Palmyra.

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Vor Ausbruch des Stellvertreterkriegs im März 2011 war Palmyras UNESCO-Weltkulturerbe eine der wichtigsten Touristenattraktionen im Nahen Osten. Seitdem sind Teile des Kulturerbes beschädigt worden und ein Denkmal nach dem anderen ist verschwunden. Syrische Regierungsbeamte geben an, in den letzten Jahren etwa 300.000 Kunstwerke an sichere Orte verbracht zu haben.

Die UNESCO bezeichnet die Zerstörung als “unerträgliches Verbrechen gegen die Zivilisation”. Die Generaldirektorin der UNESCO Irina Bokowa erklärte: „Diese Zerstörung ist ein Kriegsverbrechen, ein immenser Verlust für das syrische Volk und die Menschheit. Dieser Schlag gegen das kulturelle Erbe zeigt, dass die von gewalttätigen Extremisten angeführte Säuberung der Kultur einzig dem Zweck dient, sowohl Menschenleben als auch historische Denkmäler zu zerstören, um das syrische Volk seiner Vergangenheit und Zukunft zu berauben. Deshalb ist der Schutz von Kulturerbe untrennbar mit dem Schutz  menschlichen Lebens verbunden. Wir müssen uns alle zusammenschließen, um diese Idee in den Mittelpunkt aller Bemühungen um Frieden zu rücken. “

Irina Bokowa, Generaldirektorin der UNESCO:

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Als loyaler Partner und Verbündeter Syriens übernimmt Russland die Führung bei der Wiederherstellung der antiken Stätte Palmyra. In den kommenden Monaten wird Moskau Unterlagen zum Wiederaufbau von Palmyra an die UNESCO weitergeben, auch ein 3D-Modell ist dabei, sagte Sergei Schoigu, russischer Verteidigungsminister und Präsident der Russischen Geographischen Gesellschaft, in einem Interview mit TASS, Rossiskaja Gazeta und Komsomolskaja Prawda.

Sergei Schoigu erklärte: „Als wir unsere Archive durchsuchten, entdeckten wir Fotos von Palmyra, welche 1872 von den ersten russischen Reisenden aufgenommen wurden, die dort ankamen. Jetzt stellen wir ein Album zusammen, mit dem wir zeigen wollen, was dort war und was beschädigt oder zerstört wurde. Dies ist erforderlich, um zu verstehen, was als nächstes zu tun ist. Aus disem Grund erstellen wir ein 3D-Modell von Palmyra. In Kürze werden wir diese Dateien an die UNESCO senden, damit das Gesamtvolumen der Restaurierungsarbeiten beurteilt werden kann“ (TASS, 19.03.2019).

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Palmyra ist eine Oase in der syrischen Wüste, nordöstlich von Damaskus gelegen. Palmyra beherbergt die monumentalen Ruinen einer Stadt, welche eines der wichtigsten Kulturzentren der Antike war. Palmyra wurde im 2. Jahrtausend vor Christus erstmals in Archiven erwähnt. Zu Zeiten des Römischen Reichs vom 1. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus war die Oase eine etablierte Karawanenstation. Als Stadt an der Handelsroute von über Indien und Persien bis zum Römischen Reich gewann sie stetig an Bedeutung. Sie markierte den Scheideweg mehrerer Zivilisationen in der Antike.

Eine prächtige Kolonnadenstraße mit einer Länge von 1100 Metern bildet die monumentale Achse der Stadt. Sie verbindet gemeinsam mit sekundären Querstraßen die wichtigsten öffentlichen Denkmäler von Palmyra miteinander: den Tempel des Baal, das Feld des Diokletian, die Agora, das Theater sowie andere Tempel und Stadtviertel. Die Entdeckung der zerstörten Stadt durch Reisende im 17. und 18. Jahrhundert führte dazu, dass ihr Baustil Einfluss auf die Architektur von Europa und Russland nahm.

Unter anderem wurde der Stil von Palmyra durch Charles Louis Clérisseau in Russland bekannt. Der französische Architekt, Maler und Zeichner verkaufte 1779 ein Konvolut von 1100 Zeichnungen und Gemälden an Zarin Katharina die Grosse. Darunter befanden sich auch Darstellungen der antiken Wüstenoase Palmyra. Bis 1787 sandte er ihr regelmäßig weitere Zeichnungen und Gemälde. Daher besitzt heute die Eremitage von Sankt Petersburg einen beträchtlichen Fundus an Bildern der antiken Stadt Palmyra. Die Zarin ernannte Clérisseau zunächst zum Ehrenmitglied der russischen Akademie der Künste und verlieh ihm später den Titel eines Premier Architecte de Sa Majesté Impériale.

1980 wurde Palmyra aufgrund folgender Kriterien zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt: „Die Pracht der Ruinen von Palmyra, die nordöstlich von Damaskus aus der syrischen Wüste ragen, ist ein Beweis für die einzigartige ästhetische Leistung einer wohlhabenden Karawanenoase, welche zeitweise unter der Herrschaft Roms stand. Die große Kolonnade ist ein charakteristisches Beispiel für eine Art von Struktur, die eine bedeutende künstlerische Entwicklung darstellt. Reisende erkannten im 17. und 18. Jahrhundert die Pracht der Ruinen von Palmyra. Ihre Bewunderung trug maßgeblich zur Wiederbelebung  klassischer Architekturstile im Städtebau des Westen bei. “

Die primitiven Barbaren der Terrormiliz IS sind sicherlich nicht in der Lage, die architektonischen und kulturellen Errungenschaften früherer Zeiten zu würdigen. Sie zerstören einen Teil von Palmyra nach dem anderen, um “Götzendienst” zu vernichten. Religiöse Toleranz ist für diese Wilden ein Fremdwort, ebenso wie die Vorstellung, dass unser globales menschliches Erbe für zukünftige Generationen erhalten bleiben muss. Die Vandalen des IS sind zu fanatisch, zu ungebildet, zu ungeschlacht, um zu verstehen, dass diese Strukturen aus der Vergangenheit feste Anknüpfungspunkte für die sinnstiftende Kultur einer Nation darstellen, in der Gegenwart geformt und als Symbol für die Zukunft richtungweisend.

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Im August 2015 wurde der Tempel des Baal vom IS schwer beschädigt. Dieser Tempel der mesopotamischen Gottheit Baal bildete das Zentrum des religiösen Lebens in Palmyra. Er wurde 32 v. Chr. eingeweiht. Der Tempel zeigte eine wunderbare Synthese aus altorientalischer und griechisch-römischer Architektur. Er wies eine rechteckige Form auf in Nord-Süd-Ausrichtung.

Die nördliche Kammer war bekannt für ihr Flachrelief der sieben Planeten, umgeben von den zwölf Tierkreiszeichen. Auch eine Prozession von Kamelen und verschleierten Frauen war zu sehen. Im Hof ​​befanden sich Überreste eines Altars und Beckens, eines Speisesaals und eines Gebäudes mit Nischen. In der nordwestlichen Ecke lag eine Rampe, über die Opfertiere in den Tempelbereich geführt wurden. Nach der Verwüstung durch IS sind nur noch der gewölbte Haupteingang des Tempels sowie die Außenmauern und das befestigte Tor erhalten.

In den semitischen Sprachen war Baal ein Name für “Herr” oder “Meister”.  Dieser Wettergott schickte Blitz, Regen und Wind. Die trockenen Sommer der Gegend wurden als Baals Zeit in der Unterwelt erklärt. Man sagte, dass seine Rückkehr im Herbst Stürme verursachte, welche das ausgetrocknete Land wieder belebten. Baal wurde verehrt, weil die  Landwirtschaft der Region abhängig war von Regen. Besorgnis über die Verfügbarkeit von Wasser für Bäume und Nutzpflanzen erhöhte die Bedeutung seines Kults, der seine Rolle als Regengott in den Mittelpunkt stellte.

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Im selben Monat, im August 2015, zerstörten die Horden von IS auch den Tempel des Baalshamin in Palmyra. Gingen diese architektonischen Juwelen für immer verloren? Nach der Rückeroberung von Palmyra durch die syrische Armee im März 2016 gab der syrische Direktor für Antiquitäten und Museen, Maamoun Abdelkarim, bekannt, dass der Tempel von Baalshamin zusammen mit dem Tempel von Baal unter Verwendung der erhaltenen Überreste wieder aufgebaut werde.

Der früheste Bauabschnitt des Tempels von Baalshamin stammt aus dem späten 2. Jahrhundert v. Chr. Der Altar wurde 115 v. Chr. in einer Mischung aus alt-syrischem und römischem Baustil errichtet. Die Proportionen des Tempels und die Kapitelle seiner Säulen waren römisch inspiriert, während die Seitenfenster der alt-syrischen Tradition folgten. Die Seitenwände waren mit Pilastern verziert.

Syriens Direktor für Antiquitäten und Museen, Maamoun Abdelkarim:

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Baalshamin war ein weiterer semitischer Gott, der in Syrien verehrt wurde. Der Name bedeutet “Herr der Himmel”. Seine Attribute waren Adler und Blitz. Baalshamin bildete eine Dreiheit mit dem Mondgott Aglibol und dem Sonnengott Malakbel.

In Palmyra fanden Archäologen das Kalksteinrelief „Göttlicher Dreiklang“ aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Es zeigt Baalshamin in der Mitte, Aglibol links und Malakbel rechts. Die drei Gottheiten tragen Brustpanzer mit Lamellen. Alle drei halten ein mit Edelsteinen verziertes Schwert in der linken Hand. Die rechten Hände fehlen. Wir wissen nicht, ob sie eine Geste des Segens ausführten oder einen Speer hielten. Im Hintergrund ist ein Text in der alten Schrift von Palmyra zu sehen.

Tempel des Baalshamin:

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Die Nekropole von Palmyra fiel ebenfalls Angriffen des IS zum Opfer. Im September 2015 sprengten Terroristen insgesamt sechs Grabtürme, darunter die drei am besten erhaltenen. Sie zerstörten den Turm von Kithot (44 n. Chr.), den Turm von Iamblichos (83 n. Chr.) und den Turm von Elahbel (103 n. Chr.).

Außerhalb der Stadtgrenzen liegen verschiedene Grabstätten, die je nach ihrer Lage als nördliche, südöstliche, südwestliche oder westliche Nekropole im „Tal der Gräber“ bezeichnet werden. Den Inschriften zufolge wurden diese Gräber zwischen 9 v. Chr. und 128 n. Chr. errichtet. Der Grabturm von Elahbel war der größte der Türme. Zahlreiche Tote fanden ihre letzte Ruhestätte in diesen Türmen, deren vier Stockwerke durch schmale Wendeltreppen miteinander verbunden sind. Das Äußere der Grabtürme war normalerweise schlicht gehalten, doch innen waren sie reich verziert mit architektonischen und skulpturalen Ornamenten.

Grabturm in Palmyra:

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Nur einen Monat später, im Oktober 2015, sprengte IS den Monumentalbogen, auch Triumphbogen oder Septimius-Severus-Bogen genannt. Er wurde im dritten Jahrhundert nach Christus während der Regierungszeit des römischen Kaisers Septimius Severus erbaut, die von 193 bis 211 nach Christus dauerte. Dieser Bogen verband die Hauptstraße der Kolonnade mit dem Tempel des Baal.

Der Monumentalbogen bestand aus einem großen Tor in der Mitte, flankiert von einer jeweils kleineren Öffnung auf beiden Seiten. Er war mit kunstvollen Steinschnitzereien verziert, unter anderem mit Reliefs von Pflanzen und geometrischen Mustern. Die Reliefs auf dem Monumentalbogen wurden von der UNESCO als „herausragendes Beispiel für palmyrenische Kunst“ beschrieben. Er war eines der aufwendigsten Denkmäler der alten Wüstenstadt.

Monumentalbogen in Palmyra:

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Entsetzt von so viel brutaler Zerstörung, gab der berühmte russische Maestro Waleri Gergijew am 5. Mai 2016 ein Konzert in den Ruinen von Palmyra. Er dirigierte das Mariinski- Symphonieorchester aus Sankt Petersburg im Theater von Palmyra. Der Dirigent führte Stücke der russischen Komponisten Sergei Prokofjew und Rodion Schtschedrin auf. Russische Soldaten, Minister, Journalisten und viele interessierte syrische Zuschauer hörten zu.

Der Maestro bezeichnete das Konzert als Protest gegen die Barbarei und Gewalt der IS-Terroristen, die das Theater zur Hinrichtung von Gefangenen missbraucht hatten. Bei dieser Gelegenheit sprach Russlands Präsident Wladimir Putin zum Publikum in Palmyra per Videoverbindung von seiner Residenz am Schwarzen Meer in Sotschi. Er nannte den Terrorismus eine Ansteckungskrankheit, von der sich die Welt befreien müsse.

“Ich betrachte das Konzert als ein Zeichen der Dankbarkeit, Erinnerung und Hoffnung”, sagte er und fügte hinzu, dass jeder dankbar sein solle für “diejenigen, die den Terrorismus bekämpfen, ohne ihr eigenes Leben zu schonen.” Der russische Präsident forderte die Menschen dazu auf, sich an “alle Opfer des Terrors” zu erinnern und “nicht nur auf die Wiederbelebung von Palmyra als kulturelles Erbe der Menschheit zu hoffen, sondern auch auf die Rettung der modernen Zivilisation vor dieser schrecklichen Bedrohung, dem internationalen Terrorismus”.

Konzert des Mariinski-Symphonieorchesters mit Maestro Waleri Gergijew im Theater von Palmyra:

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“Das Konzert in Palmyra ist eine höchst spirituelle Antwort an all diejenigen, welche Syrien zerstören und das Land nach nationalen und religiösen Gesichtspunkten aufteilen wollen”, schrieb Konstantin Dolgow auf Twitter, der Verantwortliche für Menschenrechte des russischen Außenministeriums (RUSSIA TODAY, 05.05.2016).

Das Konzert trug den Titel „Betet für Palmyra! Musik lässt alte Ruinen wieder aufleben“. Das Datum der Aufführung fiel zusammen mit dem Datum der Überführung des Leichnams von Alexander Prochorenko zur Beerdigung in Russland. Der russische Offizier wurde in Syrien von IS-Terroristen getötet. Er starb im April 2016, als Palmyra von der syrischen Armee zurückerobert wurde, während russische Luftangriffe für Unterstützung sorgten.

Oberleutnant Alexander Prochorenko, im April 2016 in Palmyra gefallen:

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Nach seiner Rückkehr in die Heimat gab Maestro Waleri Gergijew ein Interview, in dem er das Konzert in Palmyra als “humanitäre Geste” bezeichnete: “Ein Akt der Sympathie und Unterstützung für Syrien. Die Menschen dort haben schreckliche Ereignisse erlebt. Wir hörten Explosionen in der Nähe von Palmyra, während wir uns auf unsere Probe vorbereiteten. Das Theater von Palmyra hat eine zweitausendjährige Geschichte. Es ist großartig, wunderschön, ein herrliches architektonisches Ensemble, das der Menschheit würdig ist.“

Dieses Konzert beeindruckte jedoch die Terroristen des IS nicht. Sie setzten ihren zügellosen Weg der Zerstörung fort. Im Dezember 2016 sprengten sie das Tetrapylon, ein Denkmal, welches eine wichtige Straßenkreuzung der Kolonnadenstraße von Palmyra markierte. Das Tetrapylon war ein Zeugnis der Größe der Ära um 270 nach Christus, als Königin Zenobia den Gipfel ihrer Macht erreichte.

Tetrapyla waren Denkmäler mit vier Öffnungen, welche die Römer an den Kreuzungen von Hauptstraßen platzierten. Sie zeugten von der Verehrung des Janus, des römischen Gotts der Tore und Türen. Das Tetrapylon von Palmyra stellte ein markantes Beispiel für diese Form des römischen Denkmals dar. Jede der vier Säulengruppen trug 150.000 kg festes Gesims. Das Tetrapylon von Palmyra war eines der seltenen Bauwerke in Syrien, in dem rosafarbene Granitsäulen verwendet wurden. Der Granit stammte aus Assuan in Ägypten.

Tetrapylon in Palmyra:

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Septimia Zenobia (240–274 n. Chr.) war eine Königin des Reichs von Palmyra. Als kultivierte Monarchin förderte sie das geistige Umfeld ihres Hofs, der Wissenschaftlern und Philosophen offen stand. Königin Zenobia war tolerant gegenüber ihren Untertanen und schützte religiöse Minderheiten. Sie herrschte über ein multikulturelles und multiethnisches Reich mit stabiler Verwaltung. Ihr Aufstieg und Tod inspirierte Historiker, Künstler und Schriftsteller. Zenobia wurde zu einem patriotischen Symbol in Syrien.

“Im Russischen Reich wurde Kaiserin Katharina die Große mit Königin Zenobia, der mächtigen Herrscherin des Palmyrischen Reiches, verglichen, die Ägypten und einen großen Teil Anatoliens eroberte. In der Zeit Puschkins entwickelten russische Schriftsteller die Anspielung weiter, wobei sie sich im Allgemeinen auf die bekannte Schönheit und den kulturellen Reichtum von Palmyra bezogen”, stellt Gilbert Doctorow in seinem interessanten Essay fest: „Die Zivilisation kehrt nach Palmyra zurück – während der Westen spottet“ (GLOBAL RESEARCH, 08.05.2016).

Königin Zenobia von Palmyra:

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Das römische Theater, in dem Maestro Gergijew und das Mariinski-Symphonieorchester spielten, wurde im Januar 2017 von den Terroristen des IS schwer beschädigt. Das Bauwerk stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Es wurde in der Mitte eines halbrunden Platzes mit Kolonnaden errichtet, der sich zum Südtor von Palmyra öffnete. Die Haupteingänge des Theaters waren 3,5 Meter breit und führten zu einem steinernen Orchester, dessen Durchmesser 23,5 Meter betrug. Dieses Orchester wurde von einer kreisrunden Mauer mit einem Durchmesser von 20,3 Metern begrenzt. Die Wand des Proszeniums war mit Nischen dekoriert.

Als die Barbaren des IS Palmyra Anfang 2017 zurückeroberten, zerstörten sie die Fassade des Theaters vollständig. Die syrischen Behörden berichteten, dass Satellitenbilder Anzeichen einer absichtlichen Zerstörung zeigten. Michail Piotrowski, Gelehrter des Arabischen und Direktor der Eremitage in Sankt Petersburg, sagte, es handele sich um einen Racheakt als Reaktion auf das klassische Konzert Russlands. Drohnenaufnahmen des russischen Verteidigungsministeriums zeigten, dass das Römische Theater teilweise zerstört wurde. Der zentrale Teil der Bühne erlitt schwere Schäden.

Michail Piotrowski, Direktor der Eremitage in Sankt Petersburg:

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Palmyra wurde Anfang März 2017 von syrischen Regierungstruppen zurückerobert. Danach hofften die syrischen Behörden auf die baldige Rückkehr von internationalen Touristen, aber daraus wurde nichts. Denn die Wiederherstellung der beschädigten Bauten musste aufgeschoben werden. Der Gouverneur von Homs, Tar al-Barazi, teilte der Presse mit , dass das syrische Palmyra bereit sei, seine ersten Touristen im Sommer 2019 zu begrüßen (TASS, 15.08.2018). Doch diese Hoffnungen wurden zerschlagen aufgrund des immer noch andauernden Kriegs in Syrien. Einige westliche Länder und ihre Stellvertreter des IS scheinen sowohl ein geopolitisches als auch militärisches Interesse daran zu haben, Syrien weiter zu terrorisieren.

Der Direktor des russischen Hermitage-Museums in Sankt Petersburg bot sein Fachwissen an, um die Wiederherstellung der alten syrischen Stadt zu unterstützen. “Die Restaurierung von Palmyra liegt in der Verantwortung von uns allen”, sagte Michail Piotrowski gegenüber TASS. “Palmyra wieder aufzubauen wird sich als langfristige Aufgabe erweisen. Es ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen.” Er schätzt, dass bis zu 70 Prozent der alten historischen Stätte beschädigt oder zerstört worden sind. Aber Russland habe “viel Erfahrung mit der Restaurierung zerstörter historischer Denkmäler, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg”, erklärte Michail Piotrowski (TASS, 02.06.2016).

Syrischer Präsident Baschar Al Assad mit Russlands Präsident Wladimir Putin:

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Restaurierung und Rekonstruktion können nicht durchgeführt werden, solange der Krieg noch andauert. Man sollte nichts überstürzen. Doch Eines ist klar: Die siegreiche Seite wird entscheiden, wie diese Nachkriegsarbeit in Palmyra durchgeführt werden soll. Sicherlich wird die syrische Regierung mit Hilfe Russlands die Pläne für den Wiederaufbau von Palmyra genehmigen und ihre Umsetzung überwachen.

Unterdessen wartet die Welt auf die Wiederherstellung des UNESCO-Weltkulturerbes in Syrien und das russische Sprichwort gilt immer noch: „Betet für Palmyra!“

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Moskau.

Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

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