Olivia Kroth: Musikalisches Moskau – das Glinka-Nationalmuseum musikalischer Kultur

Musikalisches Moskau:

Das Glinka-Nationalmuseum musikalischer Kultur 

von Olivia Kroth 

Tel.: (495) 739-62-26 

 125047 Moskau

Fadejewa-Str. 4

www.glinka.museum

     info@glinka.museum

Das Museum ist nach Michail Iwanowitsch Glinka (1804 – 1857) benannt. Der Komponist wurde in Nowospasskoje bei Smolensk geboren. 1817 studierte er Musik in Sankt Petersburg. 1823 reiste er in den Kaukasus, bevor er ab 1824 im Staatsdienst arbeitete. Aber seine wahre Berufung galt der Musik. Im Lauf seines Lebens komponierte Michail Glinka Chor- und Klavierwerke, Opern und Kammermusik.

Der Komponist starb 1857, während er im Ausland reiste. Sein Leichnam wurde nach Russland überführt und auf dem Friedhof des Alexander-Newski-Klosters beigesetzt. Michail Glinkas Klavierkomposition “Patriotisches Lied” war von 1990 bis 2001 die Nationalhymne der Russischen Föderation. Glinka pflegte eine sehr russisch geprägte musikalische Volkssprache, deshalb gilt er als “Vater der russischen Musik”.

Michail Iwanowitsch Glinka (1804 – 1857):

Das Glinka-Nationalmuseum ist ein Gebäude aus sowjetischer Zeit. Die erste Etage zeigt eine umfangreiche Sammlung von Musikinstrumenten aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion und der Russischen Föderation. Dies ist das grösste Schatzhaus der Musikkultur, es steht in der Liste nationalen Kulturguts russischer Völker. Hier werden circa eine Million Objekte aufbewahrt: einzigartige Musikinstrumente, Manuskripte, persönliches Eigentum von Musikern, Bücher und Notensammlungen.

Das Museum wurde 1943 gegründet, als die sowjetische Regierung beschloss, ein zentrales staatliches Museum der Musikkultur einzurichten. Als im Jahr 1954 das Land den 150. Geburtstag von Michail Glinka feierte, wurde das Museum nach ihm benannt. Heute ist das Glinka-Nationalmuseum musikalischer Kultur eines der grössten Museen dieser Art in der Russischen Föderation, eine wissenschaftliche Institution mit Autorität, ein wichtiges Zentrum der Musikwissenschaft und Musikgeschichte.

Im 19. Jahrhundert spendeten Musiker und Musikwissenschaftler seltene Instrumente, welche aus dem immensen Gebiet des Russischen Reiches kamen, vom Kaukasus im Südwesten bis Jakutien im Nordosten. Zum Beispiel gibt es eine berühmte Sammlung von Folkloreinstrumenten aus Zentralasien und Kasachstan, die der Sammler August Eichhorn dem Museum vermachte. Wladimir Odojewski schenkte dem Haus einen Flügel mit besonderer enharmonischer Modulation.

Kasachisches Saiteninstrument Kobyz:

Juwelen der Ausstellung sind die Originalexemplare des altrussischen Saiteninstruments Gusli aus dem 18. und 19. Jahrhundert, weiterhin eine Sammlung von silbernen Blas- und Schlaginstrumenten. Es waren Geschenke für Militärkapellen im frühen 19. Jahrhundert zur Ehrung und zum Andenken an die Siege der russischen Armee. Dann gibt es noch eine Balalaika, von dem Meister Semjon Nalimow hergestellt. Sie gehörte Wassili Andrejew, dem Gründer des ersten Orchesters für russiche Folkloreinstrumente. Andere einmalige Exponate sind alte Lauten, Mandolinen und Gitarren, einschliesslich der Gitarre, die dem russischen Sänger Fjodor Schaljapin gehörte. Weitere interessante Ausstellungsstücke sind das seltene Exemplar einer Kristallflöte, Äolsharfen und Spieldosen.

Auch Termenvox, eines der ersten Elektrophone, ist zu besichtigen. Sein Erfinder Lew Termen führte es Wladimir Lenin vor. Die Atmosphäre in der Werkstatt eines Geigenbauers wird auf interessante Weise wiedergegeben. Die Werkzeuge des Geigenbauers, einer lebensgrossen Wachsfigur, wurden einst von dem bekannten Geigenbauer Jewgeni Witatschek verwendet.

Die zweite Etage des Museums ist für Sonderausstellungen reserviert, zum Beispiel “Die Nationalhymne Russlands”, welche dem Publikum im März 2014 zum Anlass des 70. Jahrestages ihrer Entstehung präsentiert wurde. Diese Ausstellung ist in einem schönen Katalog dokumentiert. Sie gilt als erster Versuch, Exponate aus verschiedenen Epochen in einem Multimedia-Raum zusammenzustellen.

Alexander Wassiljewitsch Alexandrow (1883 – 1946):

Alexander Wassiljewitsch Alexandrow (1883 – 1946) komponierte die Melodie für die Nationalhymne der Sowjetunion. Sie wurde 2001 auch für die Nationalhymne der Russischen Föderation übernommen. Zudem gründete der Komponist das Ensemble Alexandrow, welches unter dem Namen “Chor der Roten Armee” berühmt wurde.

Heute dient das A.W. Alexandrow Gesangs- und Tanz-Ensemble, zweimal mit dem Orden des Roten Banners ausgezeichnet, als offizieller Armeechor der Russischen Streitkräfte. Das Ensemble umfasst einen Chor, ein Orchester und eine Tanzgruppe. Die Sänger und Instrumentalisten sind alles Männer. Der Chor besteht aus Tenören, Baritonen und Bässen. Das Orchester verwendet eine Mischung alter und moderner Instrumente. Einige davon sind traditionelle russische Instrumente: Bajan, ein chromatisches Knopfakkordeon, in dem frühen 20. Jahrhundert in Russland entwickelt; Balalaika, ein dreieckiges Zupfinstrument mit drei Saiten und dreieckigem Resonanzkörper; Domra, ein rundes Zupfinstrument mit vier Saiten.

Das Repertoire beinhaltet Armee- und Volkslieder, Kirchenhymnen und populäre Musik. Die Tänzer führen typisch russische Tänze auf, zum Beispiel den Tanz der kosakischen Kavallerie, den Soldatentanz, den Matrosentanz oder den Festmarsch. Das Alexandrow-Ensemble singt in der grossen maskulinen Gesangstradition russischer Chöre und überliefert Russlands reiches kulturelles Erbe weiter. Heutzutage geniesst das Alexandrow-Ensemble den Ruf als bestes Militärensemble der Welt. Es gibt Konzerte auf allen Kontinenten.

A.W. Alexandrow Gesangs- und Tanzensemble:

Die Musiker pflegen ihren eigenen charakteristischen Stil, der in internationalen Presseberichten als “eine wirklich militärische Ebene der Kameradschaft und Disziplin” oder “ein stählerner, harmonisch reicher, maskuliner Klang” beschrieben wird. Die Soloisten werden alle als “exzellent” gelobt, sie “demonstrieren eine hervorragende Technik, die auf dem klassischen slawischen Ton basiert”. Über die Auswahl an Liedern auf internationalen Tourneen schrieben einige Kritiker: “Jedes slawische Programm ist durch und durch authentisch. Es wird mit dem typisch russischen Gefühl und mit reiner, unverwässerter Nostalgie aufgeführt.”

Die Internetseite des Ensembles ensemble-alexandrova.en informiert: “Heute ist das Russische Akademische Gesangs- und Tanzensemble der Armee A.V. Alexandrow eine bekannte russische Qualitätsmarke, ebenso wie das Bolschoi-Theater, die Ermitage, die Tretjakow-Galerie und die Diamantenausstellung in dem Moskauer Kreml. Das Alexandrow-Ensemble wird stets zu Regierungszeremonien eingeladen und tritt an dem Tage der Verteidiger des Mutterlandes in dem staatlichen Palast des Kremls auf, wenn der Präsident der Russischen Föderation anwesend ist.

Zu Lebzeiten leitete Alexander Wassiljewitsch Alexandrow das Ensemble als dessen künstlerischer Direktor, Chorleiter, Dirigent und Lehrer. Zunächst bestand das Ensemble aus Mitgliedern, die 1928 von dem Zentralhause der Frunze-Akademie der Roten Armee kamen. Der sowjetische Führer Josef Stalin hörte gerne ihre Musik und bat sie, nach Moskau überzusiedeln. 1942 erhielt Alexander Wassiljewitsch Alexandrow von Josef Stalin den Auftrag, die Melodie für die sowjetische Nationalhymne zu komponieren. Die Lyrik steuerte der Dichter Sergej Wladimirowitsch Michalkow (1913-2009) bei. Die sowjetische Nationalhymne trat offiziell am 1. Januar 1944 in Kraft. Sie wurde schnell innerhalb der gesamten Sowjetunion enorm populär.

Sergej Wladimirowitsch Michalkow (1913 – 2009):

Image from www.encyc.net

Der russische Schriftstellers Sergej Wladimirowitsch Michalkow (1913 – 2009) war Autor von Kinderbüchern, satirischen Fabeln, Filmdrehbüchern und Theaterstücken. Aber vor allem schrieb er die Texte der sowjetischen und später der russischen Nationalhymne.

1942 wurde er mit 29 Jahren beauftragt, den Text für die Nationalhymne der Sowjetunion zu verfassen. Der sowjetische Führer Josef Stalin mochte seine Texte, deshalb wählte er ihn für diese Aufgabe aus, gemeinsam mit dem Komponisten Alexander Alexandrow, der die Melodie komponierte. Die neue sowjetische Nationalhymne wurde Josef Stalin präsentiert und zur Mitternacht des 1. Januars 1944 erstmals im sowjetischen Rundfunk gespielt. Sie gewann schnell an Popularität innerhalb der gesamten Sowjetunion, da sie den bevorstehenden Sieg in dem Grossen Patriotischen Kriege (1941-1945) verkündete. Ihr Wortlaut wurde in verschiedene Sprachen der sowjetischen Republiken und der UDSSR übersetzt.

Josef Stalin liebte diese Hymne, weil er darin gepriesen wurde. Sicherlich sah er auch gerne, dass seine eigenen Gedanken in dem Texte Anklang fanden. Unter anderen erhielt er den berühmten Satz: “Ich glaube nur an eine einzige Sache, die Macht des menschlichen Willens.”  Die erste Strophe der sowjetischen Nationalhymne fasst Russlands Entwicklung von den Anfängen der Kiewer Rus’ bis zu der Gründung der Sowjetunion zusammen.

Moskauer Kreml:

Eine standfeste Union freier Republiken,

Zur Grossen Rus’ zusammengefügt, so stehen wir für immer.

Lange lebe die Schaffung des Willens der Menschen,

Die vereinte, mächtige Sowjetunion.

Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 war Sergej Michalkows Karriere noch lange nicht zu Ende. Mit 87 Jahren erhielt er von Präsident Wladimir Putin den Auftrag, den Text für die neue Nationalhymne der Russischen Föderation zu schreiben. Also griff der Schriftsteller einmal mehr zu seiner Feder und schuf einen Text, der dem Präsidenten gefiel. Erneut verwendete er die Schlüsselwörter “Ruhm”, “Wille der Nation” und “Zukunft”, wenn auch in leicht modifiziertem Kontext, für die erste Strophe.

Russland, unser heiliger Staat,

Russland, unsere geliebte Heimat,

Ein mächtiger Wille und grosser Ruhm

Sind Dein für alle Zeiten. 

Die neue Nationalhymne der Russischen Föderation wurde 2001 akzeptiert und wird nach dem Tode des Dichters immer noch gesungen. An Sergej Michalkows 90. Geburtstag im Jahr 2003 besuchte Präsident Wladimir Putin den Schriftsteller zu Hause und verlieh ihm den Orden des Dienstes für das Mutterland zweiter Klasse.

Als der Dichter 2009 starb, kamen viele Familienmitglieder, Freunde und Regierungsbeamte zu seiner Trauerfeier in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Sergej Michalkow wurde mit vollen militärischen Ehren auf dem Friedhofe Nowodewitschi in Moskau beerdigt. Wir sollten an ihn denken, wenn wir das nächste Mal die Nationalhymne der Russischen Föderation hören.

Präsident Wladimir Putin zu Besuch bei Sohn und Witwe von Sergej Michalkow, er blättert durch den Nachlass des Dichters:

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog: 

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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