Olivia Kroth: Russlands Konzern Kalaschnikow expandiert seinen Markt in der Verteidigungsindustrie

Russlands Konzern Kalaschnikow expandiert seinen Markt in der Verteidigungsindustrie

von Olivia Kroth

Gemeinsam mit ZALA Aero will der Konzern Kalaschnikow demnächst unbemannte Luftfahrzeuge produzieren. Laut einer Eintwicklungsstudie für 2014 bis 2020 wächst der globale Markt für Drohnen schnell (RUSSIA & INDIA REPORT, 01.03.2015). Russlands Waffenproduzent Kalaschnikow hat 51 Prozent von ZALA Aero und der Schiffswerft Euroyachting Rybinsk gekauft, weil die Firma die Bandbreite ihres Produktportfolios erweitern will (Kalaschnikow Konzern, Pressemeldung 87). 

Die russische Firma ZALA Aero wurde 2005 gegründet. Sie produziert unbemannte Luftfahrzeuge und Helikopter. Die Drohnen werden in erster Linie zu militärischen Zwecken eingesetzt. Sie dienen aber auch der Überwachung von Stromleitungen und sonstiger Infrastruktur. Hauptkunden von ZALA Aero sind das russische Innenministerium, das russische Ministerium für Notfallsituationen und der Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB). Die Schiffswerft Euroyachting Rybinsk befindet sich im Norden von Moskau. Dort werden Schnell- und Schlauchboote sowohl für den militärischen als auch zivilen Einsatz hergestellt. Die russische Marine nutzt sie für amphibische Kriegsführung, Suche und Rettung sowie Anti-Piraterie.

Drohne Zala 421-16 UAS:

Der Konzern Kalaschnikow entstand im August 2013 durch Fusion der Firmen Ischmasch und Ischmech in Ischewsk, Udmurtien. Er ist Teil der russischen Staatskorporation Rostec.  Rostec (Государственная корпорация “Ростех”) wurde 2007 zur Entwicklung, Herstellung und Ausfuhr von Rüstungs- und ziviler Industrieproduktion gegründet. 51 Prozent der Aktien des Konzerns Kalaschnikow gehören Rostec, 49 Prozent wurden von privaten Investoren erworben. Die Produkte des Konzerns Kalaschnikow werden in 27 Länder exportiert. Zur Produktpalette gehören Maschinen- und Sturmgewehre der Marke Kalaschnikow sowie Jagd- und Sportgewehre der Marken Baikal und Ischmasch (Konzern Kalaschnikow, Pressemeldung 84).

Ischmasch wurde im Jahr 1807 von Zar Alexander I. als Eisengiesserei in Ischewsk am Fluss Isch gegründet, um dort Anker für russische Schiffe und Kanonen zu giessen. Während des Grossen Patriotischen Kriegs (1941-1945) stellte das Werk Ischmasch Gewehre des Typs Mosin-Nagant her. 1949 begann die Produktion der von Michail Kalaschnikow entworfenen Sturmgewehre in der Serie AK. Ischmech war gleichfalls ein sowjetisch-russischer Waffenproduzent in Ischewsk, 1942 gegründet. Ischmech stellte ebenfalls Gewehre vom Typ Mosin-Nagant sowie die AK-Serien der Sturmgewehre her. Ab 1960 bot Ischmesch auch die Jagd- und Sportgewehre der Marke Baikal an.

General Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (1919-2013):

Ischewsk, die Hauptstadt der Teilrepublik Udmurtien, wurde im 5. Jahrhundert von Udmurten gegründet. Sie liegt im westlichen Ural am Fluss Isch. Heute leben hier 650.000 Einwohner. Die Stadt wurde durch den Namen “Kalaschnikow” berühmt. Ischewsk ist ein Zentrum für Handel und Industrie, hauptsächlich Verteidigungsindustrie. Wegen seiner Waffenfabriken trägt der Ort die Titel “Waffenhauptstadt Russlands” und “Stadt des Arbeitsruhms”. Zwei Gotteshäuser gelten als architektonische und religiöse Wahrzeichen der Stadt: die Alexander-Newski-Kirche und die Sankt-Michael-Kirche.

 Der berümteste Bewohner der Stadt war Michail Kalaschnikow. Er lebte hier bis zu seinem Tod am 23. Dezember 2013. Der Waffenkonstrukteur entwarf das vollautomatische Gewehr AK-47 und entwickelte es in Serien weiter. Für seine Leistung wurde er zweimal als Held der sozialistischen Arbeit und als Held der Russischen Föderation geehrt. Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (1919-2013) wurde in Kurja, Gouvernement Altai geboren. Er begann früh, Maschinen zu entwickeln, während er als Traktormechaniker in Kurja arbeitete. 1938 trat er der Roten Armee bei, zunächst als Wartungsmechaniker für Panzer, später wurde er zum Kommandeur einer Panzereinheit befördert. Während seines Militärdienstes entwickelte er das Gewehr AK-47, welches zum Standardgewehr der sowjetischen Armee wurde. Ab 1949 lebte Michail Kalaschnikow in Ischewsk und arbeitete für Ischmasch.

Russische und westliche Medien würdigten Michail Kalaschnikows Lebenswerk: “Er zeigt Verehrung für Trud – sowjetische Arbeit und Produktivität, welche ihm 1976 die Medaille des Helden sozialistischer Arbeit einbrachte. Trud befeuerte seine Ideen. Er fühlte sich als kleines Rädchen des grossen sowjetischen Unternehmens” (GUARDIAN, 10.10.2003). “Seine Waffen wurden zu Symbolen der sowjetischen Revolution. Er sagte, er habe die Waffen zur Verteidigung des Mutterlandes entwickelt. Bis zum Ende blieb er den kommunistischen Idealen und Führern treu. General Kalaschnikow sprach stets mit grossem Respekt über Lenin und Stalin. Er bedauerte, Stalin nie persönlich getroffen zu haben” (NEW YORK TIMES, 23.12.2013).

Die Internetseite des Konzerns Kalaschnikow informiert: “Mehr als 100 Millionen Kalaschnikow-Gewehre wurden in den 60 Jahren seit Produktionsbeginn hergestellt” (Konzern Kalaschnikow, Pressemeldung 41)Alle Gewehre, zum Beispiel AKM und AK-74, werden fortlaufend weiter entwickelt. In den 1990er Jahren begann die Produktion der vierten Generation von AK-74M für den Gebrauch der russischen Armee. In der nächsten Folge der Modernisierung begann Ischmasch, 100er-Serien des AK zu entwickeln, welche den Markt der Sturmgewehre stark erweiterten. Seit Juni 2011 gibt es ein neues Sturmgewehr AK-12, von dem Gewehrkonstrukteur Wladimir Zlobin entworfen.

Wladimir Putin besucht die Firma Ischmasch in Ischewsk:

Wegen westlicher Sanktionen gegen Russland konzentriert sich der Konzern Kalaschnikow nun auf das Geschäft im Nahen Osten, in der asiatisch-pazifischen Region, Afrika und Lateinamerika. Länder des Nahen Ostens und der Iran haben bereits neue Verträge unterzeichnet. “Wir verkaufen mehr Militärwaffen auf neuen Märkten im Nahen Osten und in Afrika”, bestätigte der Vorstandsvorsitzende Alexej Kriworutschko auf der Internationalen Waffenausstellung IDEX in Abu Dhabi (REUTERS, 22.02.2015). In Asien sind die Regierungen von Indien, Malaysia und Thailand gute Kunden. In Afrika hat die ägyptische Regierung Produkte des berühmten russischen Waffenherstellers bestellt (TASS, 27.01.2015). In Lateinamerika kauft Venezuela seit den Zeiten von Hugo Chavez Kalaschnikow-Gewehre in Russland. Er erwarb 100.000 AK-Sturmgewehre. Zudem liess er Produktions- und Reparaturstätten in Venezuela errichten. Es gibt eine Fabrik zur Herstellung von Kalaschnikow (Typ 103) und eine entsprechende Munitionsfabrik in Venezuela.

Olivia Kroth: Die Journalistin und Autorin von vier Büchern lebt in Südfrankreich. Ihr Blog:

https://olivia2010kroth.wordpress.com

Acerca de olivia2010kroth

Escritora y periodista: Pravda
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